Game of Thrones – Season 1


Der epische Kampf zwischen Gut und Böse – mit diesem dramaturgischen Konzept werden nahezu alle Fantasy-Geschichten im Film erzählt. Auch dem Genre-Revival in den 2000er Jahren durch Kinohit-Reihen wie Der Herr der Ringe und Harry Potter liegt dieses narrative Prinzip zu Grunde, das sich schon in den grimmschen Märchen finden lässt. Auch Fantasy-Serien funktionieren nach diesem Schema, nur wirklich „episch“ ist dies zumeist nicht, vielmehr wird dem Publikum vorgegaukelt, dass die gesehenen Ereignisse besonders tiefschürfend und von weitreichender Bedeutung wären, um die breite Masse der Zuschauer anzusprechen. So wird der Rezipient in Serien wie Hercules oder Charmed – Zauberhafte Hexen mit vorhersehbaren Handlungssträngen konfrontiert, die auch aus Groschenromanen stammen könnten. Dass die durch und durch guten Helden ihr Ziel am Ende jeder Folge erreichen und gegen die bösen Schurken einen Sieg erringen, steht niemals wirklich in Frage.

Was passiert eigentlich, wenn man das Gut-vs.-Böse-Konzept über den Haufen wirft? Zunächst einmal entsteht ein Bestseller-Roman: Game of Thrones von George R. R. Martin war ein internationaler Fantasy-Hit, der 1996 erstmals erschien und bereits vier Sequels nach sich zog. Seit 2011 flimmert nun die gleichnamige Serie, die sich sehr dicht an ihre Vorlage hält, in über 80 Ländern über die Fernseh-Bildschirme und wird von Zuschauern und Kritikern gleichsam gelobt. Game of Thrones gelang es sogar, als beste Serie bei der Golden Globe- und der Emmy-Verleihung nominiert zu werden, was im Fantasy-Genre eine absolute Rarität darstellt. Ein Beweis dafür, dass das Publikum nicht nur für Mainstream-Geschichten aufnahmefähig ist und sich Risikobereitschaft auszahlen kann.

Doch was ist das besondere an der von Game of Thrones kreierten Welt? Sicherlich ist es der frische Wind, den die Serie in das Genre bringt, da die Grenzen zwischen Gut und Böse hier so stark verwischt werden, sodass ein Unterschied kaum noch zu erkennen ist. Die zahlreichen Figuren der Serie gehören unterschiedlichen Adelsgeschlechtern an, die in der fiktiven, mittelalterlichen Welt in den Machtkampf um den eisernen Thron verwickelt sind und nur selten mit fairen Mitteln kämpfen. Natürlich ist nicht jeder Charakter skrupellos, jedoch hat auch nahezu keine Person eine vollkommen reine Weste. Dies zwingt den Zuschauer, sich mit einer ambivalenten Welt auseinanderzusetzen, die sich stets in der Entwicklung befindet. Denn anders als in vielen anderen Serien, verändern sich die Figuren tatsächlich, besonders an den jugendlichen Personen wird gut gezeigt, wie naive Ansichten durch die Konfrontation mit dem Tod dekonstruiert werden. Zum Publikumsliebling ist jedoch ein Charakter avanciert, der sich eher durch sein konsequentes Verhalten auszeichnet: So ist der kleinwüchsige Tyrion Lannister eine Figur, die nicht nur durch seinen ausschweifenden Lebensstil und seinem Hang zu Bestechungen auffällt, sondern eben auch durch sein umfangreiches Wissen und sein durchgehend faires Verhalten.

Auch wenn diese nicht immer ganz rechtschaffen sind, finden sich durchaus sympathische Figuren in Game of Thrones. Dies ist auch essentiell für eine Fernseh-Serie, da der Zuschauer sonst kein Interesse hat, wiederholt einzuschalten. Deshalb ist es auch ein ungeschriebenes Gesetz, dass man die Sympathieträger nicht sterben lässt, sondern eher die Figuren, die sich moralisch fragwürdig verhalten haben. Doch diese dramaturgische Regel wird von Game of Thrones ebenfalls gebrochen, denn absolut jeder, der sich in das Spiel um den Thron einmischt, sei es auch nur zum Wohle aller, bringt sich in Lebensgefahr. Diese pessimistische, gnadenlose Art eine Geschichte zu erzählen, sorgt für große Überraschungen im Laufe der ersten Staffel, denn einer Rettung in letzter Sekunde können sich weder Figuren noch Zuschauer sicher sein.

Der skrupellose Kampf um Macht ist ein Thema, das aktuell einen starken gesellschaftlichen Bezug hat. In einer Zeit, in der Diktatoren (oder auch Bundespräsidenten) mit allen Mitteln versuchen ihre Position zu behalten und die Diskussionen um skrupellose Wirtschaftsbosse nicht abreißen, trifft Game of Thrones sicherlich auch einen Nerv. Allgemein kann man sagen, dass es zuvor wohl keine Fantasy-Serie mit solch einer thematischen Tiefe gab, was auch den großen Zuspruch der Kritiker erklären dürfte, mit einem kurzen Blick auf die eingangs erwähnte Konkurrenz ist dies wohlgemerkt auch nicht schwer. Vielleicht stellt die Sendung auch den Beginn eines neuen Trends dar, eine Neu-Belebung des Fantasy-Genres im TV, das nicht mehr durch Oberflächlichkeit, vorhersehbare Storylines und Effekt-Hascherei auffällt, sondern durch narrative Experimente sowie vielschichtiger Figuren und Themen. Auch die hochwertige Produktion ist hier zu loben, in die natürlich auch viel Geld investiert wurde. Nicht nur die beeindruckenden Sets und Kostüme sind hervorzuheben, sondern auch die schauspielerischen Leistungen, die erstaunlicherweise auch bei sämtlichen Kinder-Darstellern sehr überzeugend sind. Auch auf dramaturgischer Ebene wurde hervorragend gearbeitet: So schaffen es die Autoren, die zahlreichen Charaktere dem Publikum schon in der ersten Folge differenziert vorzustellen, ohne das es zu großen Verwirrungen kommt. Da es gelingt, die Fantasy-Welt aus sehr vielen verschiedenen Perspektiven zu zeigen und mit vielschichtigen Figuren anzureichern, hat die Serie ebenfalls einen epischen Anstrich, bei dem man jedoch nicht so sehr das Gefühl hat, dass er künstlich erzeugt wurde.

Wer neugierig geworden ist, kann sich Game of Thrones auf DVD/Blu-Ray oder vom 23.03 bis 25.03. auf RTL2 ansehen.

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