Scharf auf Lola – Die Nominierungen


Die meisten Nominierungen gehen an Barbara von Christian Petzold

Am Freitag wurden die Nominierungen für den Deutschen Filmpreis, die Lola, bekannt gegeben. Gewählt werden die Gewinner der Lola nach einem dreistufigem Auswahlverfahren von zirka 1350 Mitgliedern der Deutschen Filmakademie (die Preisverleihung findet am 27. April statt). Die Lola ist mit Preisgeldern von insgesamt 3 Millionen Euro nicht nur die renommierteste Auszeichnung für den deutschen Film, sondern auch der höchstdotierte Kulturpreis Deutschlands.

Filmjournalisten stehen wohl in dem Ruf, ein besonders abgebrühtes Völkchen zu sein. Also ließ sich die Deutsche Filmakademie am Freitag bei der Bekanntgabe der Lola-Nominierungen einen kleinen Trick einfallen, um das Interesse der Reporter von Anfang an auf sich zu ziehen. Platziert wurden die schätzungsweise 40 Vertreter der berichterstattenden Zunft direkt auf der Bühne des Berliner Friedrichstadtpalastes, mit Blick auf die Zuschauerränge. Keiner verstand, wo die Akademiemitglieder denn nun zur Verkündung der Nominierten auftauchen sollten, bis – Coup de théâtre! – sich die Bühne plötzlich um 180 Grad drehte. Gleichzeitig kamen aus der Tiefe der Riesen-Bühnenkulisse auf einer anderen Drehbühne die vier Vorstandsmitglieder der Sektion Schauspiel Christiane Paul , Burghart Klaußner , Petra Zieser und Ulrich Matthes ebenso wie Kulturstaatsminister Bernd Neumann auf einem Sofa sitzend den Journalisten entgegengefahren, bis sich beide Fraktionen frontal gegenübersaßen. Das war ein wenig albern, hatte auch was von Erlebnispark-Atmosphäre.

Die nächste halbe Stunde blieb man demonstrativ entspannt sitzen und machte zunächst Smalltalk. Moderator Benjamin Herrmann wollte von dem frisch gebackenen Vorständler Ulrich Matthes wissen, worin er denn seine Aufgabe sehe. Matthes, dem von der „verwegenen Fahrt“ nach eigenen Angaben noch ein wenig schummrig war, antwortete jedoch sehr klar, dass er sich als Vermittler zwischen den einzelnen Sektionen der Akademie sehe. Petra Zieser dagegen betonte das humanitäre Engagement der Akademie, unter anderem für Regisseure, die aus politischen Gründen im Gefängnis säßen. Klaußner und Paul durften nicht sprechen – als alte Hasen des Vorstands nahmen sie es jedoch gelassen hin. Weniger gelassen war Neumann. Er sprach sich gegen Filmpiraterie aus und ermahnte prominente Filmschaffende, sich mit mehr Leidenschaft für den „Schutz geistigen Eigentums“ einzusetzen.

Schließlich kam man zur eigentlichen Sache und verlas die in geheimer Wahl durch die Mitglieder der Filmakademie ermittelten Nominierungen (wobei Neumann nicht eben ritterlich seiner Mit-Vorleserin Christiane Paul gelegentlich das Wort abschnitt). Als Spitzenreiter mit acht Nominierungen tat sich Christian Petzolds überzeugendes DDR-Drama Barbara hervor. Auf jeweils sieben Nominierungen kamen auch Andreas Dresens Krebsdrama Halt auf freier Strecke und Roland Emmerichs Shakespeare-Historienepos Anonymus. Außenseiterchancen haben bei der Nominierung zum besten Film ebenfalls Tim Fehlbaums Endzeitdrama Hell sowie David Wnendts in der Neo-Nazi-Szene spielendes Drama Kriegerin und Christian Züberts Tragikomödie Dreiviertelmond, die von einer kleinen Türkin und einem alten deutschen Taxifahrer erzählt.

Thematisch wäre vom Historiendrama über den gesellschaftskritischen Film hin zur düsteren Science-Fiction-Geschichte, dem Krankheits-Endstadiumsfilm bis zur Tragikomödie mit Migrationshintergrund so ziemlich alles abgedeckt. Finanziell lohnt es sich für die Filme allemal, denn allein die Nominierung zum besten Spielfilm bringt den Produzenten schon 250.000 Euro (was Emmerichs Entourage wohl am wenigsten nötig hat). Für Gold springt dann (einschließlich der Nominierungsprämie) eine halbe Million Euro heraus, für Silber 425.000 und für Bronze 375.000 Euro.

Beim Dokufilm fallen für die Nominierung immerhin 100.000 Euro ab – hier ist die Auswahl von zwei Künstler- und einem Lebenskünstler-Flilm sehr zu begrüßen (Charlotte Rampling –The Look, Gerhard Richter Painting und The Big Eden.

Die Gewinner der Darsteller-Preise müssen sich hingegen mit 10.000 Euro begnügen. Kritisieren mag man, dass Nina Hoss nicht für die Beste Darstellerin in Barbara berücksichtigt wurde. Mit Sandra Hüller ist eine bereits Lola-prämierte Schauspielerin nominiert und Newcomerin Alina Levshin fungiert als junge Außenseiterin. Bei den Männern hat Milan Peschel als krebskranker Familienvater in Dresens Halt auf freier Strecke wohl die besten Chancen auf den Sieg, aber auch Peter Schneider für Die Summe meiner einzelnen Teile oder Ronald Zehrfeld für Barbara hätten die Trophäe verdient.

So betonte denn auch Ulrich Matthes nach der Veranstaltung, dass es viele hochklassige schauspielerische Leistungen gegeben habe und die Wahl den Schauspielern – sie machen mit ca. 600 Mitgliedern die stärkste Fraktion der Akademie aus – deshalb besonders schwer gefallen sei.

Nun mag man wieder Grundsatzdebatten darüber führen, ob das Votum der Deutschen Filmakademie überhaupt zu akzeptieren sei. Denn als einzige namhafte Filmakademie international schustert sie sich staatliche Fördergelder selbst zu, während etwa die amerikanische oder französische Filmakademie ihren „Oscar“ und „César“ undotiert verleiht. Doch das ist Schnee von morgen. Warten wir also ab, wer die „Lolololo-Lola“ – um es mit den Kinks oder womöglich, schlechter Scherz, dem Vorjahres-Gewinner, dem Tourette-geplagten Vincent aus „vincent will meer“ zu formulieren – in fünf Wochen gewinnen wird.

Hier findet ihr die Nominierungen in Übersicht.