Tom Stern – Eastwoods Stammkameramann verantwortlich für Die Tribute von Panem


Tom Stern (rechts) mit Regisseur Clint Eastwood

Wenn der Zuschauer Jennifer Lawrence in Die Tribute von Panem – The Hunger Games beim Kampf auf Leben und Tod begleitet, ist es der Blick durch Tom Sterns Kamera, der aufs genaueste jede Regung in ihrem Gesicht studiert. Als actionreicher Science-Fiction-Film, der nicht nur in seiner Kameraführung abenteuerlich ist, fügt Die Tribute von Panem dem Werk Sterns, der in den letzten zehn Jahren vor allem als der Kameramann Clint Eastwoodss Bekanntheit erlangte, eine neue Facette hinzu.

Trotz seiner langen Zusammenarbeit mit Eastwood fand Tom Stern erst relativ spät zur Profession des Kameramanns und zwar auf Drängen des Regisseurs und Schauspielers. 2002 wurde er für Bloodwork engagiert. Zuvor hatte sich Stern vor allem als Lichttechniker einen Namen gemacht. Der 1946 in Palo Alto geborene Stern studierte zunächst Kunst in Santa Fe, schaffte es nach seinem Abschluss jedoch an die Elite-Universität Stanford, wo er sich an zahlreichen studentischen Filmprojekten beteiligte. Nach seiner Film-Ausbildung in Stanford entschied er sich bewusst für die Arbeit als Lichttechniker, um praktische Einblicke in das Film-Handwerk und die Vorgehensweise beim Film-Dreh zu erhalten. Stern ging also anfangs eher seinem technischen Talent als einer künstlerischen Neigung nach. Andererseits genoss er stets die meist sehr intensive Art künstlerischer Arbeitsbeziehung, wie sie zwischen Kameramann und Lichttechniker üblich ist und profitierte so vom Wissen und Blick verschiedener Kameramänner. Nachdem Stern in den 70ern vor allem an Dokumentationen beteiligt gewesen war, stieß er in den 80ern als Lichttechniker zur Crew von Clint Eastwood. Den nachhaltigsten künstlerischen und vor allem auch persönlichen Einfluss auf Sterns Schaffen übte jedoch, als Mentor und Freund, der Kameramann Conrad L. Hall aus, welcher für Sam MendesAmerican Beauty und Road to Perdition die Kameraarbeit leistete. Road to Perdition sollte Halls letzter Film werden und auch der letzte, den Stern als Oberbeleuchter begleitete, bevor dieser selbst hinter die Kamera trat.

Die Tribute von Panem – The Hunger Games mit Jennifer Lawrence

Tom Stern, der seit seiner Kindheit eine Faszination für Technisches hat, legt bei seiner Arbeit eine pragmatische Haltung an den Tag. Er arbeitet vor allem zeiteffizient. Sein Fachwissen hilft ihm dabei, seine Vorstellung vom fertigen Bild zügig in die Tat umzusetzen. Die vorgesehene Anzahl der Drehtage wird von ihm lieber unterschritten als überboten – ohne dafür Überstunden machen zu müssen. Stets ist Stern auf den technischen Aspekt von künstlerisch-filmischen Ausdruck bedacht. Kamera und Lichttechnik versteht er als notwendige Infrastruktur des Filmhandwerks. Vor allem kommt es ihm jedoch darauf an, durch größtmögliche Souveränität in der Handhabung seiner Mittel, filmische Leichtigkeit zu erzeugen und auf diese Weise die Inspiration im richtigen Moment einfangen zu können. Mit seinem Hang zu zielstrebiger Schnörkellosigkeit ist er bei Clint Eastwood allem Anschein nach an der richtigen Adresse, da dieser oftmals sehr konkrete Vorstellungen davon hat, was und wie er erzählen will. Stern ist stets bemüht, die Erzählhandlung visuell durch Details seiner Kameraarbeit zu unterstützen, ist dabei jedoch nicht pedantisch.

In den 2000er Jahren entwickelte sich zwischen Stern und Eastwood kontinuierlich eine solide Arbeitsbeziehung, die nicht nur für Eastwood von Erfolg gekrönt war. Bereits für Mystic River erhielt Stern den Satellite Award. Es folgten Million Dollar Baby und Flags of our Fathers. Für seine Kameraarbeit an Der fremde Sohn erhielt Tom Stern eine erste Oscar-Nominierung. Die letzten beiden Projekte von Stern und Clint Eastwood waren Hereafter und  J. Edgar, mit Leonardo DiCaprio. Seit einiger Zeit ist Tom Stern Vorsitzender der CST-Jury, die bei den jährlichen Filmfestspielen in Cannes einen Preis für herausragende künstlerisch-technische Errungenschaften verleiht.