Die letzten neueren Filme, die mir zu Liam Neeson einfallen sind der Entführungsthriller Taken, Das A-Team Remake, Kampf der Titanen und der gestern erschienene The Grey – Unter Wölfen. Alles Filme der Sorte, bei der Popcorn, Kaltgetränke und die Abwesenheit der Freundin entscheidende Faktoren des filmischen Erlebnisses sein können. Dass Liam Neeson alleine schon wegen seiner Stimme und seiner nordirischen Herkunft für die Rolle des harten Mackers prädestiniert ist, liegt nahe, doch wartet sein Karriereweg auch mit einigen Überraschungen auf, wenn man in der Vergangenheit wühlt.
Liam Neeson wurde 1952 in Nordirland in eine katholische Familie geboren. Nach erster Schauspielerfahrung in der Schule und einem abgebrochenen Physikstudium begann er 1976 seine Schauspielkarriere am Theater in Belfast. Nach erster Filmerfahrung in Pilgrim’s Progress, in dem er Jesus Christus verkörperte, entdeckte ihn John Boorman 1980 für seinen Film Excalibur. Am Set lernte er Helen Mirren kennen, mit der er in der Folge in London zusammen wohnte. In London spielte er kleinere Rollen in Film und Fernsehen. 1987 zog es ihn dann, nach größeren Nebenrollen unter anderem in Die Bounty und The Mission, nach Hollywood, wo ihm spätestens 1993 mit seiner Oscar-nominierten Performance in Steven Spielbergs Schindlers Liste der Durchbruch gelang. Im Historiendrama über den Fabrikanten Oskar Schindler, der tausende Juden vor dem Holocaust bewahrte, indem er sie in seiner Fabrik beschäftigte, spielt Neeson in der Hauptrolle einen der tragischsten Helden des verborgenen Widerstandes gegen das Nazi-Regime.
Danach folgten weitere historische Rollen in Rob Roy oder Michael Collins, in denen ihm seine irische Herkunft zur Hand kam. 1999 war Neeson zudem in George Lucas Wiederbelebung des Star Wars-Franchises als Qui-Gon Jinn, dem Mentor von Obi-Wan Kenobi, in Die dunkle Bedrohung zu sehen. Batman Begins zeigte ihn dann jedoch einmal von einer ganz anderen Seite – als Ra’s al Ghul gibt er den Gegenspieler und ehemaligen Lehrer von Christian Bale als Batman.
Liam Neeson hat viele verschiedene, sich auf den ersten Blick vielleicht sogar widersprechende Rollen gespielt – was in seinen über 20 Jahren im Filmbusiness auch unvermeidbar ist. Doch ist er in seinen Filmen stets er selbst. Er ist ein Charakterkopf, sein markantes Äußeres spricht srets die gleiche Sprache, auch wenn Text und Kulisse variieren. Das ist gewiss nicht immer etwas Schlechtes – Der Erfolg spricht für ihn, und gerade wenn man einen Film vermarkten will, ist ein Porträt im Großformat eine gute Maßnahme, die richtigen Erwartungen zu schüren. Nicht jeder Schauspieler muss wandelbar sein, auch wenn man sich natürlich nicht wiederholen möchte.
In seinen Gesichtszügen, seiner Gestik verbindet sich das, was Rob Roy, Michael Collins und Oskar Schindler verbindet, und das ist seine Paraderolle. Es sind Erhabenheit, Würde, Idealismus und die Zerrissenheit des Märtyrers, die Neesons schauspielerischem Arsenal seine Durchschlagskraft verleihen und ihm den Lebensunterhalt bestreiten. Auch in den fiktiven Rollen, wie beispielsweise in The Grey, schwingt etwas von diesem Stolz mit, selbst wenn der geschichtliche Hintergrund keinen Steilpass liefert. Wenn die Geschichte nicht herhält, dann bietet die Wildnis Alaskas eine gleichsam gute Umgebung für einen aufopferungsvollen Kampf gegen den Tod.
Wer Liam Neeson in einem weniger historisch-geladenen Kontext betrachten möchte, dem sei wärmstens (sic!) ans Herz gelegt, sich den Survival-Thriller The Grey im Kino zu Gemüte zu führen.
Bild: Universum Film


