Marvel’s The Avengers


Mit dem gerade gestarteten Marvel’s The Avengers erreicht die wohl längste Werbekampagne der Filmgeschichte ihr Finale. Beginnend mit Samuel L. Jacksons überraschendem Auftritt in der Rolle des Nick Fury im Epilog von John Favreaus Iron Man, 2008, sowie den zahlreichen Auftritten des S.H.I.E.L.D. Agenten und Unterhändlers Agent Coulson (Clark Cregg), ziehen sich die Hinweise durch jede Produktion der Marvel Studios, die folgen sollte. Die Andeutungen erweiterten sich im Verlauf zu einer handfesten Storyline, die nun in dieser Zusammenkunft der Helden erzählt werden kann. In der Summe sind dies fünf abendfüllende Filme, die nun endgültig mit der Premiere von Marvel’s The Avengers zu einem Paket geschnürt werden können, das eine filmische Version des weitverzweigten Comic Universums ergibt.

Als Autor und Regisseur übernahm 2010 Joss Whedon (Buffy, Firefly) die Verantwortung für die 220 Millionen Dollar teure Produktion der Comic-Verfilmung. Nichts Geringeres als Earth’s Mightiest Heroes gilt es bei diesem Projekt unter einen Hut zu bringen, das neben großen Namen ikonischer Comicfiguren auch mit einer lesenswerten Besetzungsliste aufwartet, die ein Namedropping nur schwer vermeiden lässt. Iron Man (Robert Downey Jr.), Thor (Chris Hemsworth), Black Widow (Scarlett Johansson), Hulk (Mark Ruffalo), Captain America (Chris Evans) und Hawkeye (Jeremy Renner) bilden hier das Weltenretter Team. Die filmische Version des All Star-Teams basiert einmal mehr auf einer Vorlage des Autoren/Zeichner Duos Stan Lee und Jack Kirby, deren häufig neuinterpretierte Serie eine der langlebigsten Reihen des Marvel-Verlags ist.  

Marvel’s The Avengers setzt Handlungsteile aus dem im Frühjahr 2011 erschienenen Thor fort und erweitert den Bruderzwist zwischen Donnergott und dessen Bruder Loki (Tom Hiddleston) zu einer globalen Katastrophe. Listenreich entwendet dieser vor den Augen der Agenten der geheimen Organisation S.H.I.E.L.D. eine machtvolle Energiequelle, den Tesseract-Würfel. Darüber hinaus hat Loki sich mit den Chitauri verbündet, einer Alien-Rasse, die im Austausch des Wunderwürfels bereit ist, eine Armee zu entsenden, um die Erde zu erobern. Im Angesicht des bedrohten Weltfriedens beruft sich Oberagent Fury nun auf einen Regierungsplan, die Avengers Initiative, die dafür sorgen soll, die widerspenstigen Superhelden in einem Team zusammenzuführen, in der Hoffnung, dass diese ihre persönlichen Probleme und Differenzen überwinden können, um mit ihren kombinierten Talenten einmal mehr die Welt zu retten. Doch dieses Vorhaben entpuppt sich als wenig gewinnbringendes Unterfangen oder wie Bruce Banner, der Hulk, formuliert: We’re not a team. We’re a time-bomb!

Joss Whedon liefert im Umfeld des vorsommerlichen Blockbuster-Action-Kinos einen Film ab, der dem Unterhaltungsanspruch präzise gerecht wird. Die schwierige Aufgabe, die Whedons Skript bewältigen musste, diese Superlative an Stars und epischem Comicabenteuer in einen Film zu packen, ist im Ergebnis eine Arbeit, die den Fanboy wie auch den durchschnittlichen Kinobesucher ohne marvelisierte Vorbildung zufrieden stellt. Kaum ein anderer Regisseur wäre wohl qualifizierter gewesen als der bekennende Comic-Liebhaber und Kenner des voluminösen Marvel-Universums. Seine fast obsessive Fixierung auf Superhelden, die in seinen Arbeiten immer wieder anklingt, trägt das Übrige dazu bei. Die Erfahrungen im Spagat zwischen den Medien – TV Produktion, Film und als Autor von Comicbüchern (The Astonishing X-Men) – ermöglichen es ihm, die von Haus aus überzogenen Übermenschen mit dem nötigen Respekt zu behandeln, um den Film nicht der Gefahr auszusetzen zu einem absurden Creature-Feature zu werden.

Im Kern sind es dann auch die Figuren, die den popkulturellen Dramaspezialisten Whedon interessieren. Der etwas aufgesetzte Weltrettungsplot läuft auf recht wackeligen Beinen neben Actionsequenzen und der gelungenen Inszenierung der Helden her. Mit dieser Fokussierung bleibt sich Joss Whedon auch in diesem großen Produktionsumfeld treu, der seinen Anreiz schon immer darin suchte, Figuren und Gruppen zu zerlegen und unter neuen Umständen wieder zusammenzufügen. Trotz des starren Konzepts des Ausgangspunkts mit gesetzten Charakteren, die auch in Zukunft ihren Dienst in ihren Solo-Abenteuern vollführen sollen, gelingt ihm das auch hier, wenn auch in einer abgemilderten Form im Vergleich zu seinen anderen Arbeiten. Getragen wird die Darstellung durch selbstironische lockere Dialoge, die insbesondere der Figur Tony Stark/Iron Man (Robert Downey Jr.) in die Hände spielen. Die Dynamik, die dabei erreicht wird, sorgt für eine angenehme Leichtigkeit der handlungstragenden Elemente und der Action, die damit nicht durch den auch hier vorhandenen militärischen Pathos oder überlange Spektakelschau erschlagen wird.

Eines sollte klar sein, die Avengers sind in ihrer ikonischen Vielfalt amerikanischer als es ein Captain America je sein könnte und entsprechen damit einem facettenreichen Selbstverständnis einer vielseitig geprägten Kultur. Zwischen mythologischer alter Welt, Wissenschaft und unzähmbarer Naturkraft, zukunftsorientierter Industrie und Technik, sowie moralischer Anstalt spannen sich Konfliktfelder, die für ausreichenden Sprengstoff sorgen. Diese unvereinbare Mischung an Gegensätzen kann nur schwer vorstellbar unter gemeinsamer Flagge in die Schlacht ziehen. Damit sind auch die cineastischen Marvel-Helden ihrer Origin Storys endgültig entwachsen, lassen genretypische dominante growing up Problematik und Außenseiter-Dasein hinter sich.

Einige der Helden werden noch einmal deutlicher in ein neues Licht gerückt, wie ganz unvermeidlich in einer Produktion, die durch Whedons Handschrift geprägt ist. Scarlett Johannsons Black Widow, die im egomanischen Männerclub einen Gegenpol als starker weiblicher Charakter setzt, ist ebenso gelungen wie auch Mark Ruffallo, mit einer neuen Variante eines abgeklärten, humorvollen und charmanten Wissenschaftlers, der nun die wilde Kraft seiner inneren Bestie zumindest zeitweise unter Kontrolle hat.

Marvel’s The Avengers setzt die Qualität der bisherigen Reihe der Filme des Studios außerordentlich gekonnt fort, wenn er auch dem Genre selbst nichts wirklich Neues bringt. Die mittlerweile fast schon etablierte Formel, die Essenz des Originals zugunsten von Details in den Vordergrund zu stellen, geht auch hier deutlich auf und macht den Film sehenswert. Die Suche nach der emotionalen Wahrheit der Hauptfiguren wird nicht zur angestrengten Gruppensitzung, wenn auch im Ergebnis etwas knapp gehalten, aber angesichts der begrenzten Zeit annehmbar. Die Avengers öffnen die Tür in den Marvel-Kosmos noch ein Stück weiter und machen neugierig, wohin die Reise gehen wird im Haus der Wunder.

And there came a day, a day unlike any other, when Earth’s mightiest heroes and heroines found themselves united against a common threat. On that day, the Avengers were born—to fight the foes no single super hero could withstand!

So let the call go out: Avengers Assemble!

Marvel’s The Avengers – Pressespiegel auf film-zeit.de
 

MARVEL’S THE AVENGERS 
Regie: Joss Whedon
Buch: Joss Whedon, Zak Penn
Kamera: Seamus McGarvey
Darsteller: Scarlett Johansson, Robert Downey Jr., Samuel L. Jackson, Chris Evans, Chris Hemsworth, Jeremy Renner, Tom Hiddleston, Stellan Skarsgård
Copyright: Disney/Marvel
FSK: 12 Jahre
Laufzeit: 143 min
Startdatum: 26.04.2012

  • Adler

    schlechter film allerzeiten. 

    • Oliver Schmitt

       Knappe Aussage, ich wette ich finde mindestens 10 Genre Filme, die diesem Titel eher gerecht werden. Was weckt denn soviel Unmut, das dieser hier so unbegründet verlautbart wird?