Langsamer Augenaufschlag, herausforderndes Nachvornelehnen, frecher Seitenblick, schüchternes Zurückweichen, selbstbewusste Begutachtung der Runde, scheues Kopfsenken, laszives Mascarablinzeln – beschrieben wird nicht die Gestik und Mimik Marilyn Monroes sondern die Kameraarbeit von Ben Smithard für My Week with Marilyn, die die Eigenheiten der zentralen Figur sowie ihre mediale Darstellung in kondensierter Form wiederspiegelt. Vor allem zu Beginn des Films herrscht, besonders wenn Monroe gezeigt wird, eine extreme Unruhe in den Bildern. Die Unmöglichkeit ein klares Bild der Person einzufangen sowie ihre eigene innere Aufwühlung werden so eingefangen. Diese inszenatorische Raffinesse kann aber leider nicht über den gesamten Film hinweg beibehalten werden.
Schon der Filmanfang stellt programmatisch das vor, was sich später zum Problem des Films entwickeln wird. In einem endlosen schwarzen Raum erscheint plötzlich ein Lichtkegel, in dessen Zentrum Marilyn Monroe (Michelle Williams) in einem strahlend weißen Kleid steht. Zunächst wendet sie dem Publikum den Rücken zu, dreht sich dann um, während die Kamera sich ihr annähert. Langsam werden die sie umgebenden Musiker offenbart. Der Zuschauer wird also an Monroe und ihre Welt herangeführt. Dann aber bewegt sich die Kamera erneut zurück und entlarvt das Gesehene als Blick auf eine Kinoleinwand. Kurz darauf bricht die Kamera wieder die vierte Wand und nähert sich Monroe erneut im Geschehen auf der Leinwand. Dabei bewegt sie sich jedoch nur so wie es von einer Kamera in einer solchen Musicalnummer erwartet werden würde. Hier kann schon gelesen werden, dass in My Week with Marilyn das Leben außerhalb der Filmwelten, aus denen Monroe bekannt ist, gezeigt werden soll. Der Blick des Films wird aber der einer Kamera sein, die sie ins beste Showlicht setzen will, die von einem Schwärmer geführt wird. Denn wenn der Schnitt in den Kinosaal erfolgt, sehen wir nicht auf die Zuschauermasse, sondern in das Gesicht eines jungen Mannes. Colin Clark (Eddie Redmayne) kommt aus gut situierter altenglischer Familie und will unbedingt im Filmgeschäft Fuß fassen. Wie er im Voice-over zu Beginn gleich deutlich macht, fühlt er sich nur im Kino wirklich wohl. Was ihn fasziniert, ist der Blick in eine ganz andere, glamouröse, aufregende Welt – und den wird er als dritter Regieassistent am Filmset von Laurence Oliviers (Kenneth Branagh) Der Prinz und die Tänzerin dann auch erhaschen können. Auf den realen Erlebnissen Clarks, der diese in zwei Büchern verarbeitete, basiert My Week with Marilyn.
Und genau die Umsetzung dieser Vorlage ist es, die den Film Mittelmaß bleiben lässt. Es mag auch an der Erfahrung des Regisseurs Simon Curtis liegen, der bisher hauptsächlich fürs Fernsehen arbeitete, dass My Week with Marilyn inszenatorisch meist sehr konventionell bleibt. Vor allem ist es aber der Rahmen, der den Film steif und uninspiriert wirken lässt. Clarks Figur mit Redmaynes Dauermiene aus bewunderndem Lächeln und leerem Blick bleibt uninteressant, seine Liebschaft mit der Garderobiere Lucy (Emma Watson) ist belanglos, selbst sein Flirt mit Monroe lässt kalt. Seine Figur symbolisiert den Film. Er tut so wie wenn er Marilyn ernst nehmen würde, in Wahrheit ist er ein selbstsüchtiger Schwärmer für die anziehenden Seiten ihrer Persönlichkeit. Es gibt eine Stelle im Film, die aufgrund des Geschehens derart traurig und aufgrund ihrer Bedeutung für Monroes Persönlichkeit derart essentiell ist, dass sie zum Kernstück des Films hätte werden können. Monroe erleidet eine Fehlgeburt. Clark entwirft daraufhin einen naiven Plan, Marilyn zu heiraten und mit ihr ein neues Leben fernab vom Rummel Hollywoods anzufangen, völlig in Verkennung ihres Liebeshungers, den sie durch die Bewunderung der Fans stillt, und somit also in völliger Unkenntnis über ihre Person. Als sie ihm dies andeutet und sagt, dass ihr Mann Arthur Miller auf dem Weg nach London sei, verabschiedet sich Clark mit feuchten Augen von ihr. Er ist aber nicht bestürzt ob ihres gerade erlebten Verlusts oder weil er sich um sie sorgt, sondern einfach, weil ihm sein Herz ein bisschen gebrochen wird. My Week with Marilyn schlachtet das Ereignis aus, um sich der banalen Verliebtheit Clarks zu widmen, außerdem die Beinahe-Liaison zu einem Ende zu bringen sowie auf eine Montagesequenz hinzuarbeiten, die das Ende der Dreharbeiten zu Oliviers Film und somit des Films einzuleiten.
All die Stereotypen und Konventionen, ja mitunter der Kitsch können aber die Leistung einiger Schauspieler nicht schmälern – und hier reflektiert My Week with Marilyn dann ungewollt auch Der Prinz und die Tänzerin. In Curtis Film sind die Herausragenden Judi Dench, Kenneth Branagh und natürlich über allem Michelle Williams. Der für Williams gesteckte Rahmen lässt ihr allerdings kaum eine Möglichkeit als vollendetes Reenactement zu bieten.
Könnte man diese Marilyn Monroe doch in einem anderen Film sehen!
My Week with Marilyn – Pressespiegel bei film-zeit.de
My Week with Marilyn
R: Simon Curtis
B: Adrian Hodges nach Colin Clark
K: Ben Smithard
D: Michelle Williams, Eddie Redmayne, Kenneth Branagh, Julia Ormond, Judi Dench
USA, Großbritannien 2011, 99 Min.
Ascot Elite
Kinostart: 19.04.2012





