Neu im Kino | Kinotipps vom 12.4.


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Martha Marcy May Marlene

Wie es wohl stets der Fall ist, halten auch die 11 Kino-Neuheiten dieser Woche Empfehlenswertes und weniger Empfehlenswertes für euch bereit – was die Einteilung in die altbewährten Kategorien „Spreu“ und „Weizen“ einmal mehr sinnvoll erscheinen lässt.

Bei den Filmen, die wir euch diese Woche ans Herz legen, handelt es sich zunächst einmal um Sean Durkins ästhetisch anspruchsvolles Regiedebüt Martha Marcy May Marlene. Elizabeth Olsen spielt Martha, eine junge Aussteigerin, die sich auf der Flucht vor der Langeweile und Spießigkeit des amerikanisch-bürgerlichen Mittelstands einer auf dem Land lebenden Kommune anschließt. Als die hippieske Gruppe zunehmend sektenähnliche Strukturen und Praktiken an den Tag legt – wobei sich ihr charismatischer Guru (John Hawkes) als unberechenbar-psychopathisch entpuppt – ergreift Martha erneut die Flucht und findet bei ihrer in der Nähe lebenden Schwester (Sarah Paulson) und deren Mann (Hugh Dancy) Asyl. Doch die Erinnerung an die schwer zu verarbeitenden Erfahrungen lässt sie nicht los. Die durch eine bemerkenswerte Schnitttechnik unterstützte Erzählstruktur des Films – die sich in weiten Teilen aus Erinnerungssequenzen zusammensetzt – charakterisiert einen anhaltenden Albtraum, indem sie das Gegenwärtige mit der unmittelbaren Vergangenheit Marthas in eins fallen lässt. Marthas psychische Verstörung und ihre paranoische Angst, der Gruppe erneut in die Hände zu geraten, werden auf diese Weise eindringlich spürbar gemacht.

Des Weiteren uneingeschränkt empfehlenswert ist das Drama Monsieur Lazhar des kanadischen Regisseurs Philippe Fallardeau, das bei der diesjährigen Oscar-Verleihung für den besten fremdsprachigen Film nominiert war. Nachdem eine Montrealer Grundschullehrerin sich im Klassenzimmer erhängt und ihren quälgeisternden Schülern auf diese Weise die Lektion ihres Lebens erteilt hat, wird händeringend nach einer neuen Lehrkraft für die traumatisierte Schulklasse gesucht. Es meldet sich Bachir Lazhar, ein politischer Flüchtling aus Algerien, dessen Vergangenheit durch einen ähnlichen Schicksalsschlag geprägt ist: Er verlor seine Frau in Folge eines Anschlags. Mit für den kanadischen Kulturkreis ungewohnten Erziehungsmethoden und feiner Psychologie nimmt er sich der Kinder an und verschafft sich einfühlend Zugang zu ihnen. Der Film zeichnet sich vor allem durch die Sensibilität seiner Darstellung des Themas Verlust aus und übt auf subtile Weise Kritik am zeitgenössisch üblichen Umgang mit Kindern. Das nuancierte Spiel Mohamed Fellags (in der Rolle des Bachir Lazhar) sowie die Leistung der Jungschauspieler (Sophie Nélisse, Emilien Néron) runden das Gesamtbild ab.

Kommen wir zu den sechs Filmen, für die wir nur eingeschränkt Empfehlungen aussprechen wollen.

Zunächst wäre da Joe Carnahams The Grey. Nach einem Flugzeugabsturz in der schneebedeckten Wildnis Alaskas wirft sich der ohnehin schon mit dem Leben hadernde John Ottway (Liam Neeson) zum Alphatier einer Gruppe männlicher Überlebender auf, die sich fortan durch die lebensfeindliche Einöde zu schlagen haben. Die Widrigkeiten der Schneewüste sind dabei weniger ein Problem als die Wölfe, denen sich die Männer ausgesetzt sehen und mit welchen sie in den Kampf ums nackte Dasein treten müssen. Das recht männliche Thema des reinen Überlebenswillens angesichts einer feindlichen Natur wird mit The Grey in quasi mythischer, und dabei ästhetisch keinesfalls anspruchsloser Art, ein weiteres Mal zur Darstellung gebracht.

Nachdem Juan of the Dead auf zahlreichen Filmfestivals wie auch den diesjährigen Fantasy Filmfest Nights zu sehen war, hält der Film diese Woche regulären Einzug in die Kinos. Die Horrorkomödie von Alejandro Brugués bedient sich kanonischer Werke des Horrorgenres (von George A. Romero über Lucio Fulci bis hin zum titelgebenden Shaun of the Dead) in eklektischer Manier – und  verzichtet dabei auch nicht auf den für klassische Zombiefilme so typischen politischen Subtext. Die rasch erzählte Handlung kreist um Juan, dessen beschaulich-sonniges Leben auf der Insel Kuba eines schönen Jahrestages (namentlich der kubanischen Revolution!) durch das plötzliche Auftauchen blutrünstiger Zombies gestört wird – woraufhin Juan und seine Freunde zur Machete greifen, den Unwesen das Handwerk zu legen.

Mit Nathalie küsst bringt der französische Romanautor David Foenkinos die Verfilmung seines eigenen, vielfach ausgezeichneten Bestsellers La  Delicatesse in die Kinos. Es handelt sich um die komplizierte und verwickelte Liebesgeschichte zweier hochgradig sensibler und introvertierter Individuen: die jung verwitwete Nathalie, gespielt von Audrey Tautou (Die fabelhafte Welt der Amelie), kann den frühen Tod ihres Mannes nur schwer verwinden. Als sie sich jedoch eines Tages ihrem unscheinbaren Arbeitskollegen Markus stürmisch um den Hals wirft, beginnt zwischen den beiden eine von einigem Hin und Her begleitete Annäherung. Der auch stilistisch und erzählerisch  vage an Die fabelhafte Welt der Amelie erinnernde Film, stellt sich in seiner melancholisch gefärbten Heiterkeit als eine gelungene Liebeskomödie dar.

Der norwegische Kinderfilm Knerten traut sich von Martin Lund handelt von der Aufdeckung eines Verbechens: nachdem seine Mutter in einen tragischen Fahrradunfall hatte, begibt sich Lillebror (Adrian Grönnevik Smith) auf eigene Faust auf die Suche nach dem Täter. Tatkräftig unterstützt wird Lillebror dabei von seinem Freund, dem Zweigmännchen Knerten (Åsleik Engmark) und dem Mädchen Vesla (Amalie Blankholm Heggemsnes).

Einen weiteren vergnüglichen Film für das junge Publikum findet man unter den Neustarts. Mit Krieg der Knöpfe hat Regisseur Christophe Barratier einen französische Kinderbuchklassiker verfilmt. Im Süden Frankreichs bekriegen sich die Jugendbanden zweier verfeindeten Dörfer. Lebrac, der Anführer der Longeverne-Bande, kennzeichnet seine Gefangenen mit abgeschnittenen Kleidern und Knöpfen. Als eine Jüdin im kleinen Dorf unterschlupf sucht, wird aus dem Kinderspiel bittere Realität und das Dorf mit den Nazigräueln konfrontiert. Mit Guillaume Canet und  Laetitia Casta.


In Carmen Losmanns Dokumentarfilm Work Hard – Play Hard wird die Politik der Arbeitgeber bezüglich ihrer Angestellten behandelt. Dabei geht es auch um die gesellschaftlichen Veränderungen, die dazu führen, dass die Menschen sich in ihrer individuellen Selbstwahrnehmung immer mehr über ihre Arbeit definieren.

Deutlich abraten wollen wir euch diese Woche vor allem von diesen Filmen, angefangen mit dem Versuch, “Schiffe versenken” mit Transformers zu verschmelzen und auf Zelluloid zu bannen – Battleship. Regisseur Peter Bergs Materialschlacht der US-Navy gegen außerirdische Wasserschiffe konnte die Redaktion nicht überzeugen. Mit Taylor Kitsch, Liam Neeson und Rihanna. Versenkt…

Anja Jacobs Film Einer wie Bruno kann sich nicht so recht entscheiden zwischen klischeehafter Coming-of-Age-Film und Sozialdrama über einen Behiderten. Bruno (Christian Ulmen) ist geistig behindert und sorgt sich aufopfernd um seine Teenie-Tochter Radost (Lola Dockhorn). Als sich diese in den Mädchenschwarm ihrer Schule verliebt und ihr die Pflege für ihren Vater zu viel wird, droht die Lage zu eskalieren.

Abraten möchten wir euch auch von Unser Paradies von Regisseur Gael Morell. Der alternde Stricher Vassili (Stéphane Rideau) nimmt den Jungen Angelo (Dimitri Durdaine) bei sich zu Hause auf, nachdem er ihn bewusstlos in einem Park findet. Sie werden ein Paar und beginnen dann zusammen, ihre Freier zu auszurauben und auch zu ermorden – was schwerwiegende Konsequenzen für beide hat.

Hier nun noch die Trailer zu Martha Marcy May Marlene und Monsieu Lazhar.

   

Bild: 20th Century Fox

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