The Thing (2011)


Noch fast ein halbes Jahr bis endlich Prometheus, das halb-offizielle Prequel zum original Alien-Film von Ridley Scott, erscheint. Bis dahin lässt sich die Zeit beispielsweise mit der gerade erschienenen DVD oder BluRay von The Thing, dem Prequel des zweitbesten Science-Fiction-Horrorfilms überbrücken, nämlich Das Ding aus einer anderen Welt, den ich mir spontan doch noch angesehen habe. Und wer hätte das gedacht? Der Film ist tatsächlich gut! Ehe die Puristen unter unseren Lesern aber gleich auf die Barrikaden gehen, gleich einige Kritikpunkte vorneweg: Die Filmversion von 2011 kann tatsächlich nicht dem John Carpenter-Original (das im Original den selben Titel trägt) das Wasser reichen und ist so überflüssig wie ein Kropf. Der Plot ist fast derselbe wie im Original und spielt im norwegischen Forschungscamp, dass MacReady (Kurt Russel) und seine Kollegen in Carpenters Das Ding erkundet haben. Da die Norweger praktischerweise schon alles auf Video dokumentiert hatten, bleibt eigentlich nicht mehr viel zu zeigen, was Fans nicht schon längst aus der John Carpenter-Version kennen. Zudem hat Das Ding allein wegen der Effekte Kultstatus, womit das zweite Problem der Prequels beschrieben wäre: Trotz des bemühten Einsatzes von der Kombination aus animatronischen und computergenerierten Effekten, gelingt es den Filmemachern nicht, den Charme des alten Films zu erreichen. Aber es wäre wohl auch ein unmögliches Unterfangen geworden, einem solchen Kultifilm gerecht zu werden, dessen Effekte, trotz der Tatsache, dass sie mittlerweile veraltet sind, immer noch als bahnbrechend gelten und von Fans heißgeliebt werden. Dafür entschädigen ein wenig die Gestaltung der Monster und der Einblick in das Raumschiff des Außerirdischen Monsters, das im ersten Teil nur am Rande vorkam.

Worum ging es im Original und worum geht es jetzt? Eine schwierige Frage, denn Kultfilme haben es an sich, dass vieles hinein interpretiert werden kann. Ist Das Ding von 1982 eine Parabel auf die AIDS-Hysterie anfang der Achtzigerjahre? Oder bloß eine Hommage an die Horrorfilme der Fünfzigerjahre (auch an Howard Hawks’ erste, weniger originalgetreue Verfilmung einer Kurzgeschichte von John W. Campbell)? Oder vielleicht ist der neue The Thing einfach nur so simpel wie ein Virus, das die DNS seines Wirts kopiert: Eine Ur-Ängste bedienende, primitve und Überlebensinstikte auslösende Verzerrung unserer Selbstwahrnehmung. Ein jeder in The Thing könnte das Monster sein und es vielleicht noch nicht mal wissen. Somit bleibt die neue Version der Formel des Originals treu und fügt nur wenig hinzu, es dupliziert die DNS seines Vorgängers und ist leider doch eine etwas unschönere Mutation, wenn auch nicht ganz so monströs, wie man angesichts der vielen schlecht gemachten Remakes und Reboots in den letzten Jahren befürchtet hätte. Das Tempo ist ein wenig schneller, insbesondere zum Schluss hin. Ein kleines Zugeständnis, das man machen muss, denn seit dem Original sind bereits 30 Jahre vergangen und die Schnittfrequenz hat sich im Kinofilm erheblich erhöht. Zudem – und das macht The Thing gegenüber der 1982er Version ein klein wenig besser – kommt auch die menschliche Seite der Protagonisten ein wenig besser zum Vorschein. Allerdings nicht sehr viel, auch wenn die Entscheidung, eine Frau als Hauptfigur zu nehmen, ein wenig mehr Wärme in die arktische Kälte bringt und den Fokus etwas hin zur wissenschaftlichen Ratio lenkt und weg vom Macho-Gehabe der Original-Crew. Mary Elizabeth Winstead spielt hier neben einer norwegischen Mannschaft, von denen Kollege Nils Fortmann die Gesichter wahrscheinlich besser kennt als ich, und von denen ich mir kaum einen Namen merken konnte (was beim 1982er Film mit Ausnahme von Kurt Russels Figur aber der gleiche Fall ist). Und doch hat man ein wenig mehr Mitleid mit den Figuren, wenn einer nach dem anderem Dem Ding zum Opfer fällt.

Auf der anderen Seite freuen sich die Fans vielleicht über das eine oder andere Detail, dass die Mühe deutlich macht, mit der Regisseur Matthijs van Heijningen Jr. und sein Team dem John Carpenter-Film würdigen. Da schlägt einer der Männer in The Thing, bei dem Versuch, eines der Krabbelmonster zu erlegen, eine Axt in die Wand, die immer noch drinsteckt, wenn in Das Ding das Massaker im norwegischem Camp untersucht wird. Oder der verzweifelte Selbstmörder, der sich die Pulsadern bei Minustemperaturen aufgeschnitten hat, woraufhin das Blut zum Eiszapfen gefriert, das wohl gruseligste Bild im Originalfilm. Viel mehr neues wird es für Fans aber nicht zu entdecken geben. Das Schema des Films ist schnell durchschaut, die Charaktere bleiben immer noch relativ blass und deren Schicksale sollte sowieso den Kennern des Originals bekannt sein. Wenig Überraschungen also. Dafür macht der Film einiges wieder mit einer gehörigen Portion Suspense wett, die man in so manch anderen Horrorfilmen heutzutage meistens vergeblich sucht. The Thing als miesen Abklatsch hinzustellen wäre deswegen ein wenig ungerecht. Vielmehr sollte man den Film als eine Rückbesinnung betrachten, an Horrorfilme, die noch von Hitchcock beeinflusst waren (man denke nur an Carpenters berühmteste Hommage an diesen, nämlich Halloween) und nicht der Werbeästhetik des Fernsehens, auch wenn gerade dies der Bereich ist, aus dem Matthijs van Heijningen Jr. kommt. Dazu zählen auch die, größtenteils aus dem Misstrauen der Charaktere einander erwachsene, Spannung innerhalb eines simplifizierten Mikrokosmos – in diesem Falle die Arktisstation – wie sie Hitchcock u.a. in Das Rettungsboot und Das Fenster zum Hof inszenierte.

Die Verehrung der altgedienten Horrorklassiker sieht man der Filmcrew auch in den diversen Making Ofs an. Da trägt der Regisseur ein T-Shirt der Nostromo-Crew von Alien und es wird begeistert von den Effekten geschwärmt, die The Thing einst zum Kultfilm gemacht haben und wie der Einsatz von CGI-Effekten auf ein Minimum beschränkt werden sollte. Ebenso geschickt war die Wahl Marco Beltramis als Komponisten der Filmmusik, der bereits in Tödliches Kommando – The Hurt Locker eine wunderbare Reminiszenz an Ennio Morricone ablieferte, von dessen Das Ding-Musik noch einige Teilstücke im neuen Film enthalten sind. So eine Huldigung an das Vorbild entspricht auch ganz der Absicht, die einst John Carpenter mit seiner Version verfolgte, als er für die Titelsequenz den Schriftzug des Howard Hawkes-Filmes imitierte. Und somit sind wir bei einer weiteren Analogie zu Alien und Prometheus, denn im Trailer für den letzteren bediente Ridley Scott wieder denselben Schriftzug, wie damals für den Titel von Alien. Auch hier versteht der Regisseur sein Prequel eher als eine Mutation der Original-DNS des Vorgängerfilms und so sollte man The Thing vielleicht auch verstehen: Als Zwitter aus geglückter Hommage und mißglücktem Prequel.

The ThingPressespiegel auf film-zeit.de

The Thing / The Thing
R: Matthijs van Heijningen Jr.
B: Eric Heisserer
K: Michel Abramowicz
D: Mary Elizabeth Winstead, Joel Edgerton, Ulrich Thomsen, Eric Christian Olsen
USA/CAN, 2011, 99 Min.
Universal Home Entertainment
Veröffentlichung: 22.3.2012
Bildformat: 2,35:1
Sprache: Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1), Italienisch (DD 5.1)
Untertitel: D, GB, I, DK, FIN, N, S
                                       Extras:Unveröffentlichte und erweiterte Szenen, “THE THING” entwickelt sich,
                                       Feuer & Eis, Audiokommentar von Regisseur Matthijs van Heijningen und
                                       Produzent Eric Newman
                                       FSK: ab 16 Jahren

Bildmaterial: Universal Home Entertainment

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