![]() |
| Tu wird von dem kleinen Hasen Biggie und Peony vor Banditen beschützt |
Am Samstag, den 12.5. wird in der Kategorie Animovie/Kids des 19. Internationalen Trickfilm-Festival Stuttgart der chinesische Animationsfilm Legend of a Rabbit von Lijun Sun zu sehen sein. Hier soll der tollpatschige Tu die Ehre des Kung-Fu und somit ganz China retten. Das Konzept klingt vertraut.
Tu, ein überdimensional großer, kräftiger Hase bestreitet seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf selbstgemachter, kleiner Küchlein und führt ein ruhiges, bescheidenes Leben in einem kleinen chinesischen Dorf außerhalb von Peking. Indes droht ein gewaltsam hervorgerufener Herrscherwechsel in der Hauptstadt. Der Kung-Fu Meister wird von seinem Schüler Slash angegriffen und vergiftet und kann sich und die Schrifttafel, die dem Meister des Tempels zusteht, nur durch eine Teleportation retten. Bewusstlos landet er auf einer Dorfstraße vor dem Haus von Tu. Als Shifu erwacht, beauftragt er Tu damit, seine Tochter in Peking zu finden und ihr die wichtige Schrifttafel zu überbringen. Bevor er stirbt, überträgt er Tu seine Kung-Fu-Kraft. Auf dem Weg nach Peking trifft Tu bereits auf Shifus Tochter Peony und deren naiven und vorlauten Begleiter Biggie, der diese im Auftrag Shifus nach Peking bringt. Aufgrund eines Missverständnisses erkennt er sie jedoch nicht. Im Kung-Fu Tempel von Peking angekommen, stolpert er prompt in den unbeliebten Job als Küchenhilfe und zieht schnell die Aufmerksamkeit des neuen Herrschers Slash auf sich. Während der Arbeit im Tempel begegnet er Peony immer wieder, doch erst in einem Gespräch mit ihr offenbart sich Tu ihre Identität. Er wird jedoch zu ihrem Versteck verfolgt und beide werden festgenommen. Bei Slashs Feierlichkeiten zum Amtsantritt kommt es zum großen Showdown, in dem Tu sich Slash in einem finalen Kung-Fu Kampf stellen muss.
Ein übergewichtiger Faulenzer soll der größte Kung-Fu Kämpfer Chinas werden. Der Vergleich mit dem Held im ebenfalls animierten Kung Fu Panda liegt auf der Hand, denn trotz der verschiedenen Personenkonstellationen ist die Grundlage beider Filme sehr ähnlich. Standhalten kann das Drehuch von Legend of a Rabbit dem Vergleich kaum. Unweigerlich drängt sich der Gedanke an die wesentlich originellere Vorlage auf. Legend of a Rabbit lebt hauptsächlich von relativ plumper Slapstick Comedy seitens des von einem Unheil ins nächste stolpernden Tu und dem vorlauten Biggie, die jedoch wirklich nur die allerjüngsten Zuschauer des ab 6 Jahren freigegebenen Films begeistern dürfte. Tu hat keinen Ansporn für die Gerechtigkeit zu kämpfen, keine Passion für das Kung-Fu. Er taumelt von einer Situation in die andere, ohne bis zum Ende wirkliche Leidenschaft und Spannung zu entfachen, und so fehlt es der Figur entscheidend an der nötigen Tiefe. Zwar ist Legend of a Rabbit ausdrücklich ein Kinderfilm, ingesamt hat man es sich aber doch zu einfach gemacht. Dass Tu fast über die gesamte Länge des Filmes glaubt, Peony hieße Pony und er trotz ihrer außergewöhnlichen Kung-Fu Kräfte nicht auf die Idee kommt, dass sie die gesuchte Tochter des Meisters ist, wird selbst dem sehr jungen Publikum äußerst unplausibel erscheinen. Die hier fehlende Inspiration wird auch in der optischen Umsetzung deutlich. Zwar kann Legend of a Rabbit gewiss mit einigen schönen Schauplätzen und gelungen Szenen aufwarten, die beinahe wie ein Ei dem anderen gleichenden Bewohner Pekings und das relativ unspektakuläre und kitschig-glatte Design der übrigen Figuren lassen jedoch die Liebe zum Detail vermissen, die gerade bei Animationsfilmen schlussendlich entscheidend ist und den Reiz dieses Genres ausmacht. Gerade mit der immer realistisch wirkender und sehr detaillierter Mimik und Gestik der Figuren können aktuelle, erfolgreiche Animationsfilme beeindrucken. Legend of a Rabbit fehlt diese Verspieltheit, die den Figuren eine Seele verleiht und sie greifbar macht.
So wirken sowohl die Optik als auch die Story von Legend of a Rabbit bis auf wenige Ausnahmen zu flach. Was bleibt, ist relativ unkreative Kinderunterhaltung, die sicherlich stellenweise auf Gelächter und Applaus der jungen Zuschauer stoßen wird. In Sachen Animationsfilm kann Legend of aRabbit jedoch kein Zeichen setzen, geschweige denn, einen Schritt nach vorne gehen.
Zur Übersicht unserer Texte zum Internationalen Trickfilm-Festival Stuttgart


