| Kara Hayward und Jared Gilman in Moonrise Kingdom |
Es ist zwar erst Donnerstag, für die Kinofans unter uns bedeutet das jedoch schon den Beginn einer neuen Woche, der Kinowoche. Und die hat mit drei ausdrücklichen Empfehlungen einiges zu bieten. Wir stellen euch die drei unserer Meinung nach sehenswertesten Filme der Woche vor und geben euch auch einen Überblick über die weiteren, mehr oder minder interessanten Releases.
Die wichtigste Empfehlung der Woche stellt Wes Andersons Moonrise Kingdom dar. Hier brennt das frisch verliebte Pärchen Sam (Jared Gilman) und Suzi (Kara Hayward) 1965 auf einer kleinen Insel vor New England zusammen durch. Das Problem: Die beiden sind erst 12 Jahre alt. Das Verschwinden versetzt nicht nur das Ferienlager, in dem der Pfadfinder Sam eigentlich sein sollte, sondern auch das ganze Inseldorf in helle Aufregung und so machen sich gleich mehrere Erwachsene auf die Suche nach dem präpubertären Abenteurerpärchen, während sich die beiden auf ihrer Reise näher kommen. Rüdiger Suchsland konnte Moonrise Kingdom in Cannes sehen und war zu seiner eigenen Überraschung begeistert. Die Schauspieler konnten sowohl auf Seiten der Kinder (Kara Hayward, Jared Gilman) als auch auf Seiten der Erwachsenen (u.a. Edward Norton, Bruce Willis, Bill Murray, Harvey Keitel, Tilda Swinton, Frances McDormand und Jason Schwartzmann) voll und ganz überzeugen und so kam Rüdiger Suchsland zu dem Fazit:
“Moonrise Kingdom ist ein sehr schöner Film, und alles andere als nur “nett”. Der bisher einzige, den man gern ein zweites Mal sehen will.”
In Na Hong-Jins Actionthriller The Yellow Sea ist der koreanische Taxifahrer Gu-Nam (Ha Jung-Woo) vom Pech verfolgt. Gu-Nam wanderte in der Hoffnung auf ein besseres Leben nach China aus. Hier hat er aber schon bald riesige Spielschulden. Um diese zu begleichen, willigt er einen folgenschweren Deal ein: Er soll für den Gangsterboss Mr. Myun (Yun-seok Kim) einen Mord in Korea begehen. Bei diesem Auftrag kommen ihm jedoch zwei weitere Killer zuvor. Trotzdem wird Gu-Nam fortan nicht nur von Mr. Myun, sondern auch von der Polizei gejagt. Während er versucht, sein Leben zu retten und den Komplott, der gegen ihn geschmiedet wurde, aufzudecken, hofft er außerdem, seine Frau in Korea wiederzufinden. Sowohl Jo Bieber als auch Rüdiger Suchsland waren 2011 von The Yellow Sea begeistert. Gerade der Realismus und die Unverblümtheit, was die Darstellung von Gewalt und Verzweiflung angeht, sowie das Fehlen von Grenzen zwischen Gut und Böse, lassen The Yellow Sea zu einem ganz eigenen und besonderen Filmerlebnis werden. Die trockene Brutalität des Films unterstreicht die tragische und aussichtsslose Situation des Protagonisten und so sah Rüdiger Suchsland in The Yellow Sea gar den besten Film des Cannes Filmfestival 2011.
Die beiden Kritiken zu The Yellow Sea findet ihr hier:
Tag der Autos, Tag der Messer von Rüdiger Suchsland
Fantasy Filmfest 2011: Yellow Sea von Jo Bieber
Unsere dritte Empfehlung ist Barry Sonnenfelds http://www.negativ-film.de/2012/05/men-in-black-3.html. Hier erfährt Agent J (Will Smith), dass sein Partner K (Tommy Lee Jones) ihm noch lange nicht alle ihm bekannten Geheimnisse anvertraut hat. Eines Tages ist K jedoch wie vom Erdboden verschluckt. Angeblich sei er schon seit vierzig Jahren tot. Eine unbekannte Bedrohung hat den Verlauf der Geschichte verändert und so muss J zurück ins Jahr 1969 reisen, um mithilfe des jungen K (Josh Brolin) dieses Geheimnis zu lüften. Wie das Team bald feststellt, geht es hierbei jedoch nicht nur um das Leben von K, sondern um das Schicksal der ganzen Erde. Dem Film gelingt eine gelungene, kurzweilige Unterhaltung. Simon Born schreibt:
Nach einem eher mauen Sequel führt Men in Black 3 das Blockbuster-Franchise souverän auf seine Wurzeln zurück. Dabei extrahiert Regisseur Barry Sonnenfeld die beiden Hauptzutaten des Men in Black-Erfolgsrezeptes und spielt sie in der vierten Dimension neu durch: Die detailreich-ausgearbeitete Sci-Fi-Welt der Filmreihe sowie die charmante Buddy-Geschichte zwischen den beiden Protagonisten.
Zur kompletten Men in Black 3-Kritik geht es hier.
Doch nicht alle Filme können es in unsere Empfehlungen schaffen. Hier ein Überblick über die Releases, die uns nicht komplett begeistern konnten:
Mit Ein ruhiges Leben präsentiert Claudio Cupellini ein Familiendrama im Mafiafilm-Gewand. Hier wird der Familienvater und Restaurantbesitzer Rosario (Toni Servillo) im ländlichen Idyll bei Wiesbaden von seiner Vergangenheit eingeholt. Sein erster Sohn Diego (Marco D’Amore) kehrt nach Jahren unangekündigt im Haus seines Vaters ein und beschließt, zu bleiben. Sein Begleiter, Edoardo (Francesco Di Leva), ist jedoch der Sohn eines berüchtigten Mafiosis. Für Rosario beginnt ein Kampf um seine neue Familie und gegen seine Vergangenheit. Trotz durchweg guter Schauspielerischer Leistung und gelungener, atmosphärischer Inszenierung, bemängelt Lars-Christian Daniels in seiner Kritik zu Ein ruhiges Leben das relativ vorhersehbare und spannungsarme Drehbuch. Dank der überzeugenden Umsetzung wird Ein ruhiges Leben trotzdem zu einem soliden Kinoerlebnis.
I Want to Run dokumentiert den Trans-Europalauf aus der Sicht von sieben Amateuersportlern und Profis. Im Verlauf des längsten Rennens der Welt müssen die Athelten in 64 Etappen 4.500 Kilometer zurücklegen. Jeden Tag laufen die Sportler 70 Kilometer und bringen sich damit nicht nur an ihre körperlichen, sondern auch an ihre mentalen Grenzen. Durch diese Belastung wachsen die Teilnehmer des Rennens zusammen, ohne jedoch die sportliche Konkurrenz aus den Augen zu verlieren. Regisseur Achim Michael Hasenberg dokumentiert sieben persönliche Leidenswege und Erfolgsgeschichten, lässt dabei jedoch leider die Beweggründe, an dem Rennen teilzunehmen, zu sehr außer Acht. Insgesamt ist die Story des Filmes und die, gerade von den Amateursportlern erbrachte Leistung zwar beeindruckend, filmisch kann sich I Want to Run jedoch nicht von der Masse an Dokumentarfilmen abheben.
Der Name Janosch wird bei vielen Kindheitserinnerungen wecken. Nun bringt Irina Probost Tiger und Bär mit Janosch – Komm, wir finden einen Schatz auch für die jüngste Generation ins Kino – animiert und wahlweise sogar in 3D. Im Film finden die altbekannten Figuren Tiger und Bär eine Schatzkarte und machen sich gemeinsam mit ihrem neugewonnenen Mitstreiter, einem Hasen namens Jochen Gummibär auf die abenteuerliche Suche nach dem versteckten Schatz. Um diesen zu finden, müssen sie jedoch vor dem Detektiv Gokatz und seinem Hund “Kurt der knurrt” ans Ziel gelangen. Für die ganz jungen Zuschauer bietet Janosch – Komm, wir finden einen Schatz sicherlich ein amüsantes Abenteuer mit positiver Message, die den Wert der Freundschaft betont. Für Ältere wird der auf das junge Publikum ausgerichtete Film jedoch schnell langweilig und wird durch die neue Aufmachung und die Abkehr vom Janosch-typischen Zeichenstil und Charme in Konflikt mit den nostalgischen Gefühlen geraten.
Shiar Abdis Drama Mes – Lauf! handelt von dem jungen Cengo (Abdullah Ado), der in einem kurdischen Dorf Anfang der 80er Jahre aufwächst. Die Familie des Zwölfjährigen ist sehr arm und Cengo trifft sich mit seinen Freunden oft unter einer Eisenbahnbrücke, um zu entspannen und zu spielen. Eines Tages lernt er einen armen, alten Mann kennen. Xelilo (Selamo), so sein Name, ist stumm und dennoch freundet sich der Junge mit ihm an und zeigt ihm sogar den Treffpunkt unter der Brücke. Es scheint eine wunderbare Freundschaft zu entstehen, bis durch den türkischen Militärputsch die Kurden in höchste Gefahr geraten. Trotz der grundsoliden Story lässt Mes – Lauf! leider einen Spannungsbogen vermissen und kann aufgrund der distanzierten Darstellung auch auf emotionaler Ebene nicht sein ganzes Potenzial ausschöpfen.
Sharayet – Eine Liebe in Teheran von Regisseurin Maryam Keshavarz erzählt die Geschichte zweier junger Frauen, die trotz der gesellschaftlichen Zwänge im Iran versuchen, ihre Jugend voll auszuleben. Wilde Untergrundpartys, Drogen und Sex bestimmen die Wochenenden, die Atafeh (Nikohl Boosheri) und Shirin (Sarah Kazemy) zusammen verbringen und schon bald entwickelt sich aus der Freundschaft der beiden Schülerinnen auch eine sexuelle Beziehung . Erlauben können sich die beiden dieses Leben gegen die im Iran herrsschenden Gesetze nur, weil Atafehs liberale und wohlhabende Familie sie deckt. Atafehs Bruder Mehran (Reza Sixo Safai) experimentierte schon vorher mit Drogen, wurde jedoch abhängig. Im Entzug wendet er sich dem religiösen Fanatismus zu und versucht, diesen nach seiner Rückkehr in der Familie zu etablieren. Als Mehran von Atafehs Ausschweifungen und ihrer lesbischen Beziehung zu Shirin erfährt, geraten die beiden in Gefahr und müssen um ihre Freiheit kämpfen. Die Grundstory von Sharayet – Eine Liebe in Teheran und die schauspielerischen Leistungen können überzeugen. Leider wirkt das Drehbuch und einige Charaktere und Szenen oft stark einseitig und überzeichnet.
Wenngleich die neue Kinowoche mit drei Empfehlungen überdurchschnittlich gut abschneidet, gibt es trotzdem Filme, denen man, unserer Meinung nach, getrost fernbleiben kann:
Hier findet sich das Familiendrama Archipelago von Joanna Hogg. Bevor Edward (Tom Hiddleston) für ein Jahr nach Afrika geht, macht er noch einmal Urlaub mit seiner Familie auf den Scilly Islands. Während Edwards Vater, der ankündigte, nachzukommen, weiter auf sich warten lässt, kommen im Urlaub langsam die wahren familiären Differenzen zum Vorschein. Oberflächlich führt man einen makellosen Familienurlaub, die Wahrheit sieht jedoch ganz anders aus. Der zunächst interessante Versuch Hoggs, die Familienprobleme in der Stille zwischen den Zeilen zu beschreiben, verliert sich jedoch schon bald in absoluter Spannungslosigkeit und so kommt beim Zuschauer sehr schnell Langeweile auf. Sobald Probleme verbalisiert werden, bleibt dann nicht einmal mehr das interessante Konzep und so wird Archipelago über die volle Länge belanglos.
In Act of Valor soll eine Truppe der Navy SEALs, angeführt von Lt. Rorke, eine in Costa Rica entführte CIA Agentin (Roselyn Sanchez) retten. Dabei enthüllen sie jedoch auch einen geplanten Terroranschlag auf die USA, den es nun mit allen Mitteln zu verhindern gilt. Das interessante Konzept der Regisseure Scott Waugh und Mike McCoy, die Truppe mit aktiven Navy SEALs zu besetzen, kann jedoch keine Minute über den Mangel an Story und Kreatitivät hinwegtäuschen. Zwischen stumpfem Geballer und noch stumpferem Patriotismus findet weder gutes Schauspiel, noch erzählerischer Tiefgang Platz. Act of Valor propagiert fanatische Vaterlandsliebe, die junge Männer dazu bringt, für ihr Land in den Kampf ziehen und sterben zu wollen, anstatt im eigenen Lager aufzubegehren. Diese platte und sehr bedenkliche Message ist dabei leider nicht einmal gut verpackt worden.
Damit kommen wir zum Ende unserer wöchentlichen Kinotipps und geben euch mit den folgenden Trailern noch einmal einen Vorgeschmack auf unsere drei Empfehlungen:

