Neu im Kino – Kinotipps vom 3. Mai


Die Liebenden

Das Wetter weckt sommerliche Gefühle und auch auf der Leinwand gibt es viel Unbeschwertes und Unterhaltsames zu sehen. Die ganz große Kinooffenbarung sucht man bei den Kinostarts diese Woche vergeblich, aber für einen kuzrweiligen Abend ist viel dabei.

Die Liebenden von Christophe Honoré ist ein Musical, in dem sich alles um die Liebe dreht. Über vier Jahrzehnte werden dabei die Liebesabenteuer von Madeleine (in jungen Jahren Ludivine Sagnier, später Catherine Deneuve) und ihrer Tochter Vera (Chiara Mastroianni) begleitet. Die simple, aber dabei nicht weniger kraftlose Botschaft von Die Liebenden ist dabei stets, dass man das Leben mit allen Höhen und Tiefen genießen muss.

Auch in Medianeras des Argentiners Gustavo Taretto geht es um die Liebe. Martin und Martina leben gegenüberliegenden Wohnblocks in Buenos Aires. Beide sind isoliert und schwermütig und nicht nur deshalb eigentlich perfekt für einander. Doch in der Metropole ist es unwahrscheinlich, dass die beiden sich jemals bewusst begegnen. Formal und inhaltlich verspielt, ist Medianeras ein sehenswerter Stadt- und Liebesfilm.

Für die Akzeptanz der eigenen Identität macht sich Tomboy stark. Laure stellt sich den Schulkameraden in ihrem neuen Wohnort als Junge vor, denn sie möchte kein Mädchen sein. Der Film von Regisseurin Céline Sciamma gewann bei der Berlinale 2011 den Teddy Award, Nils Fortmann schrieb damals in seiner Kritik:

Die Geschichte wird voller Humor erzählt, dabei lacht man stets aus Verbundenheit zu den Charakteren, nie über sie. Die konsequente Beschränkung auf einen geringen Handlungszeitraum und wenige Schauplätze macht die schwierige Phase der Pubertät umso leichter greifbar. Ein rundum gelungener Film, auch weil er den Wunsch Laures ein Junge zu sein nicht hinterfragt oder gar bewertet. Er lädt dazu ein, den Sinn der Geschlechterrollen zu hinterfragen, die – so wird es beim gezeigten Spiel der Kinder deutlich – sich bereits im frühen Alter festsetzt.

In 50/50 – Freunde fürs (Über)leben geht es darum, mit einer lebensbedrohlichen Krankheit umzugehen. Adam (Joseph Gordon-Levitt) hat Krebs. Mit Hilfe seines Freundes Kyle (Seth Rogen) gelingt es ihm, trotz allem den Lebensmut nicht zu verlieren. Der Film basiert auf der Lebensgeschichte des Drehbuchautors Will Reiser und kommentiert mit einer gelungenen Mischung aus Komik und Tragik auch den medialen Umgang mit Krebs. Simon Born schreibt in seiner Kritik:

Doch steht in 50/50 nicht der Tod, sondern das Leben im Vordergrund, zu dessen Reichweite auch das Sterben gehört. Auch das will gelernt sein. Der Film schafft es, den Zuschauer auf ebenso unterhaltende wie auch aufrichtige Weise im Umgang mit der Thematik zu sensibilisieren. Mehr kann man von einem Film nicht verlangen.

Die Lacher werden bei Ehrenmedaille des rumänischen Regisseurs Peter Calin Netzer nicht ausbleiben. Der alte Ion (Victor Rebengiuc, einer der ganz großen Schauspieler Rumäniens) erhält plötzlich die Nachricht, dass er für seine Verdienste im Zweiten Weltkrieg mit einer Ehrenmedaille ausgezeichnet werden soll. Zunächst denk Ion, es handele sich um einen Irrtum, doch dann wird die Verleihung immer mehr zu einer Gelegenheit, seinem Leben einen Wert zu geben und zudem eine alte Schuld wieder gut zu machen. Als dann auch von Seiten der Behörden Zweifel an der Richtigkeit der Auszeichnung laut werden, wird Ion immer besessener von der Medaille. Hier lest Ihr die Kritik zu Ehrenmedaille von Ciprian David.

Im wie immer breiten Mittelfeld beginnen wir mit der wohl größten Party in der derzeitigen Kinolandschaft. Project X erzählt darüber, wie die Party von einigen amerikanischen Jugendlichen unüberschaubare Ausmaße annimmt. Je nach Alter und Gesinnung wünscht sich der Zuschauer dabei zu sein oder aber soetwas niemals erleben zu müssen.

Auch im Paris von Bel Ami steht das Vergnügen im Mittelpunkt. Georges Duroy (Robert Pattinson) wünscht sich ein Leben in Luxus und Anerkennung. Um das zu erreichen, erkennt er sehr schnell, dass er sich an die vernachlässigten Ehefrauen der Pariser Oberschicht (unter anderem Uma Thurman, Christina Ricci, Kristin Scott Thomas) halten muss, um aufzusteigen. In unserer Kritik von der Berlinale heißt es:

Vieles hätte mehr Aufmerksamkeit genießen sollen, so vor allem die Frauen, die leider trotz ihrer wichtigen Rollen für die Geschichte wenig ausgearbeitet werden, ihre Motivationen sich meist auf Stereotypen begrenzen. Pattinson als Bel Ami ist keine schlechte Wahl, auch wenn sein Schauspiel manchmal etwas bemüht erscheint, fügt sich das gut in die Charakterisierung der Figur. Ansonsten ist Bel Ami ein kurzweiliger Historienfilm, der hinten den Anlagen seiner Vorlage und seiner Figuren zurückbleibt.

Christian, die Hauptfigur im dänischen Komödienhit Superclassico… Meine Frau will heiraten, schien eigentlich schon viel erreicht zu haben. Doch dann reist seine Frau nach Argentinien, um Fußballmanagerin zu werden und – wie Christian langsam dämmert – ihn zu verlassen. Zu allem Überfluss steht seine Weinhandlung vor dem Bankrott. Zusammen mit seinem Sohn macht sich Christian auf, seine Frau zurückzuerobern. Culture Clash und Tempo machen die Komödie aus, die dann aber doch nicht über die volle Länge überzeugen kann.

Unterhaltung für die ganze Familie bietet Wir kaufen einen Zoo – mit allen negativen und positiven Begleiterscheinungen. Witwer Benjamin (Matt Damon) kauft einen Tierpark. Für ihn, seine Kinder und das Zooteam wird die Wiedereröffnung zu einem Abenteuer mit lebensgeisterweckender Wirkung. Benjamin verliebt sich zudem in die schöne Tierpflegerin Kelly (Scarlett Johansson).

Leichte Kost setzt uns auch Martin Valente mit Väter und andere Katastrophen vor. Der steife Geschäftmann Bernard erfährt, dass er eine erwachsene Tochter hat. Auf dem Weg zu ihr trifft er auf den gescheiterten Gustave. Dieser ist Ehemann der Mutter von Bernards Tochter Chloé und im Glauben, er sei ihr Vater. Gemeinsam machen sie sich auf zu Chloé, die demnächst heiraten will, jetzt aber entscheiden muss, welcher Vater sie zum Altar führen soll.

Ungleich anspruchsvoller erscheint da die Dokumentation Raising Resistance. Die Regisseure Bettina Borgfeld und David Bernet behandeln differenziert die Problematik des Soja-Anbaus am Beispiel Paraguays.

Zwei Dokumentarfilme führen die weniger gelungenen Filme der Kinowoche an. Bar25 setzt dem bekannten Berliner Club ein Denkmal und porträtiert ihn von der Gründung 2004 bis zur Schließung 2010. Das entstehende Bild zeigt ein Panorama, dass so vielschichtig ist, dass es sich für Nichtkenner nur schwer zu einem Ganzen formen lässt.

Faust II reloaded dreht sich um die Inszenierung von Faust II in Bremen, die von einem Stadteil, einer Schule und der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen getragen wird. Leider weiß Eike Besuden sein Material nicht gut zu nutzen.

Zwei Hollywood-Filme bilden das Schlusslicht der Neustarts. Der Actionthriller The Cold Light of Day mit Bruce Willis, Henry Cavill und Sigourney Weaver bietet Stereotypen und eine logikarme Story, dafür aber passable Action.

Spy Kids 4D von Robert Rodriguez versucht sich im Aromascope. Die Kinderactionkomödie kann aber nicht nur wegen dem eher wirkungslosen Rubbeln auf Geruchskarten nicht überzeugen. Hier lest Ihr Simon Borns Veriss.

Und hier die Trailer der besonders empfehlenswerten Filme:

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