Presseschau: Für ein paar Blogger mehr


Nationale Themen 

Der deutsche Computerspielpreis, Leuchtfeuer aus der Mitte Gesellschaft mit seiner bunt zusammengesetzten Jury aus Politik, Industrie und Fachjournalisten erlangt auch in diesem Jahr keinen preiswürdigen Nachruf. Zankapfel war die Verleihung der Kategorie Bestes Deutsches Spiel 2012, in der neben Anno 2070 (Related Designs, Blue Byte) und Harvey’s neue Augen (Daedalic Entertainment) sich Cryteks Crysis 2 durchgesetzt hat. Möglicherweise wollte da eine Jury doch endlich dem festgefahrenen Ruf zwischen Lobbyismus und Vorurteilen entgehen. Die offizielle Begründung lautet:

Mit Cryis 2 haben erstmalig Entwickler aus Deutschland technologisch, qualitativ und ökonomisch weltweit Publikum und Fachwelt überzeugt und begeistert. Eine eigene Technologie, die weltweit auch im Bereich Serious Games eingesetzt wird, eine mehr als Hollywood-Reife Präsentation, eine grafische, akustische und spielerische Qualität auf höchstem Niveau überzeugten die anwesenden Jurymitglieder. Eine mehr als beeindruckende Grafik, die ihresgleichen im Gamesbereich sucht, nimmt einen mit in das detailreich nachgebildete New York. Das von jungen Deutschen türkischer Abstammung gegründete Unternehmen Crytek ist – mit inzwischen 300 Mitarbeitern in Frankfurt am Main beheimatet – das internationale Aushängeschild von Retail-Spielproduktion und 3D Technologieherstellung Made in Germany . Das Spiel besticht zusammengefasst durch hohen Spielspaß, eine innovative Spielmechanik und eine herausragende Grafik. 

Diese Entscheidung ist für die CDU/CSU Bundestagsfraktion nicht tragbar. Schon vor der Verleihung erklärt Wolfgang Börnsen der kultur- und medienpolitische Sprecher der Fraktion in einer schriftlichen Erklärung Killerspiele sind nicht preiswürdig Darin heißt es unter anderem:

Wir fordern daher eine grundlegende Neukonzeption, eine deutliche Rückbesinnung auf den kulturell-pädagogischen Wert eines Computerspiels. Darin sind wir uns mit Kulturstaatsminister Bernd Neumann einig. So genannte Killerspiele dürfen nicht honoriert werden, auch wenn sie technisch noch so ausgereift sind. 

Die Reaktionen auf diese Verlautbarung sind erwartungsgemäß mit Kritik behaftet. Die Sueddeutsche Zeitung fasst den Sacherhalt in einem Artikel zusammen (Union kriegt bei “Crysis 2″ die Krise) und weist darauf hin, dass die Haltung zur Sache auch in der Partei nicht ganz ohne Widerspruch ist. Peter Tauber, Jury Mitglied und CDU Bundestagsabgeordneter, äußert sich zum Thema in einem Interview mit dem Spiegel. Thomas Jarzombek, ebenfalls Unionsabgeordneter in der Jury, verweist auf unvereinbare Kriterien in den Anforderungen des Preises. Es sollten künstlerisch anspruchsvolle, aus Deutschland stammende und pädagogisch wertvolle Spiele ausgezeichnet werden. Jarzombek ausserdem:

Wenn ein Film wie Quentin Tarantinos ‘Inglorious Basterds’ mit Millionen von öffentlichen Geldern gefördert wurde und sogar mit dem Prädikat ‘wertvoll’ ausgezeichnet wird, kann man nicht Spiele verschmähen, die nicht viel anders sind. 

Martin Lorber, PR Director und Jugendschutzbeauftragter des Crysis 2 Publishers Electronic Arts beschreibt den Verlauf als gelungene Behauptung der Jury gegenüber politisch motivierten Attacken: Wieder Killerspieldebatte bei Nominierungen zum deutschen Computerspielpreis. Vereinfacht und aufklärerisch nimmt Rechtsanwalt Henry Krasemann nimmt für Gamers Global die Angelegenheit unter die Lupe und bemüht sich im Video die Hintergründe der Vergabe zu erfassen. Wähend Herausgeber Jörg Langer sich dem Lästern hingibt und titelt: Deutscher Spielepreis oder: pädagogisch töten.

Eine zweite Auseinandersetzung dieser Tage betrifft die veränderten Spielregeln bezüglich der bislang sehr offenen Akkreditierung zur Computerspielmesse gamescom. Im Jahr 2012 werden Hobbyjournalisten, Blogger und Podcaster nicht mehr ganz so einfach die Veranstaltung gleichgestellt mit professionellen Journalisten nutzen können, sondern müssen auf Businessbereich, Pressezentrum und Fachbesuchertag verzichten. Was Berufsschreibern hier anlässlich überfüllter Arbeitsplätze ein aufatmen abringt, ist für private Schreiber zunächst zur Hürde geworden. Artikel zeigen neben erster Aufregung aber auch Einsicht für die Entscheidung der Messeleitung wie beispielsweise bei Zockwerk Orange zu lesen ist:

Es ist natürlich schade, insbesondere für eine eher lockere Branche. Und es ist schade für die ganzen Indie-Entwickler, die von den großen Magazinen nur wenig Aufmerksamkeit bekommen und sich über jeden Blogger freuen. Aber im Grunde war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Leute hinter der gamescom darüber im Klaren waren, was das Wort Fachbesucher Pressevertreter eigentlich bedeutet. Das seid ihr nicht, liebe Blogger mit 10-20 Lesern am Tag. Das sind wir von Zockwork Orange aber ebenso wenig.

Volker Bonacker ruft zu mehr Initiative der Blogger auf wenn ihre Arbeit Anerkennung finden soll, sieht aber auch die dadurch entstandene Problematik für etablierte Blogs (auf Level 30 beginnen). Hendrik Luehrsen stellt für Krautgaming, als Reaktion auf Bonackers Text, die Schwierigkeiten der Messbarkeit der Qualität bei Blogs heraus. (Gamescom 2012: Kölnmesse degradiert Blogger). Blogger Fabu auf Superlevel wünscht sich einen Mittelweg (gamescom 2012 Akkreditierungs-Debakel) und beweist die nötige Hartnäckigkeit um eine Akkreditierung zu erhalten, andere Blogs/Seiten haben ähnliche Erfolge zu vermelden wie Ninjalooter.de. Das die Sache dann doch etwas differenzierter verfolgt wird lässt sich im Bericht der T-Online Spiele Redaktion nachlesen (Gamescom 2012: „Blogger sind willkommen” ) in dem sich Franko Fischer, Kommunikationsmanger der Gamescom, äußert und klarstellt, dass auch für Blogger Möglichkeiten geschaffen werden, aber eine Eingrenzung nötig sei. Wer lieber zuhört als lesen mag dem sei der, wie so oft wunderbare, Podcast Manu Spielt ans Herz gelegt. Der unterhält sich mit Maik Bütefür, Junior-PR-Manager bei Ubisoft, über das Thema in Folge 478: Die gamescom und die Blogger

Weitere Themen

Crowdfunding und Kickstarter ist ein lang anhaltendes Thema seit Beginn des Jahres (Start Me Up!). Während dieser Tage Replay Games 655,182$ für In the Land of the Lounge Lizards: Reloaded (ein erweitertes Remake des Leisure Suit Larry Erstlings) einsammelt, finden sich auch erste Schattenseiten im oft gelobten Finanzierungsmodell. Mythic: The Story of Gods and Men ist ein offenbar betrügerisches Vorhaben gewesen das durch Foren User bei Rock, Paper, Shotgun und Something Awful als solches aufgedeckt wurde. Die ganze Geschichte findet sich hier: Kickstopped: The Strange Case of Mythic: Gods and Men. 

Eine Beziehung zwischen Happening und Videospiel, ist das überhaupt möglich? Kyle Chayka geht der spannenden Frage nach in What’s Happening? Strategien, die sich z.B. in Allan Kaprows Arbeiten der 60’er finden, entdeckt Chayka auch in Spielen wieder. Eine spannende Folgerung ist das allemal, besonders wenn eine Debatte über Dumb Games bei den Online Autoren die Runde macht. Einleitend vielleicht zunächst Devin Wilsons gamasutra Artikel Music, Art History, and the ‘Dumb Games’ Debate, der noch mal auf die Entwicklung der Auseinandersetzung eingeht. Eine ganze Reihe von Antworten erhielt der Stein des Anstoßes in Form des Artikels von Taylor Clark: Most Popular Video Games are Dumb. Can We Stop Apologizing for Them Now? Er unterstreicht darin die Forderung an Entwickler endlich Spiele für Erwachsene herzustellen und geht dabei mit populären Werken sehr hart ins Gericht. Matthew S. Burns wirft mit seinem Artikel: Dumbness in Games, or, the Animal as a System den schwierigen Zusammenhang zwischen Videospiel, Figur und Story in die Diskussion ein. Dumb games are the modern-day rock music, titelt Jason Killingsworth wenn er den Aspekt eines verspielten subersiven Genres beschreibt mit der sehr trefflichen Schlussfolgerung:

When we call for games to grow up and get their shit together – to button up their shirts and learn how to tie a Windsor knot, to deal with serious themes – what is it we hope to get out of the transaction? Maybe games become more palatable to the wider culture. But they also potentially become more tame, less woolly and subversive and hip-shooting and raw and interesting. They become the guys in Metallica shorn of their long hair, stripped of their hard-rock powers like some heavy-metal Samson myth. 

Unverzichtbar schien es Michael Abbott auf Brainy Gamer zu einem Smart Games Catalog aufzurufen der sich in kurzer Zeit zu einer ansehnlichen Liste entwickelte, I got your smart games right here.

Themenwechsel mit Why Videogames and Movies Are Not Equal, das erklärt Chris Matyskiel und verweist dabei auf den jederzeit veränderbaren Zustand der Spiele.

 Retro ist derzeit aus zahlreichen Gründen eine dominante Strömung der Spieleszene. Gamasutra stellt mit Tales from the GDC Vault: A retrospective look at game development in 1997 eine ganze Reihe von Videos vor die interessante Vorträge aus Panels zum Gamedesign zeigen. Passend dazu auch eine Meldung auf selbiger Seite in der Jordan Mechner (Prince of Persia) sagt:

When game forms come back, they don’t come back the same way; they come back into a new environment where things are possible that were not possible before …

 Review

Legend of Grimrock ist eines der Spiele, das dieser Tage durch die Gazetten geisterte und der Retro Bewegung noch einmal Vorschub leistet. Das vierköpfige finnische Team von Almost Human schreibt damit eine weitere Erfolgsgeschichte an der Indie Entwickler Front in dem sie das Risiko eingingen den First Person Dungeon Crawler selbst zu vermarkten.

Eric Caroli schreibt über die Hintergründe des Spiels in How Legend of Grimrock’s dev rolled the dice and won. Viel wurde über das Spiel berichtet, stellvertretend Philip Kollar mit dem etwas gedämpften Test für The Verge:

I believe there’s a space for Grimrock’s style of uncompromising dungeon diving, but it’s going to require a bit more finesse to operate beyond the realms of nostalgia.

Auf edge-online ist zu lesen:

On its own terms, Legend Of Grimrock is a success. It recreates its idol and drinks deep from a reservoir of nostalgic goodwill. It can’t have the same gobsmacking impact as its inspiration, but this is a simple, engaging and occasionally baffling journey in its own right … 

Rock, Paper, Shotgun wartet mit einem unterhaltsamen Tagebuch auf: A Dad In A Dungeon. Hugh Walker, Zahnarzt und Spieleveteran wandelt gemeinsam mit Sohn John durch die Hallen des Grimrock.

Marcus Richter alias monoxyd widmet dem Spiel einen hörenswerten Podcast mit den Gästen Dennis Kogel und Jagoda: angespielt 033

Preview

Die nicht ganz so sehr überraschende Ankündigung des MMORPG Elder Scrolls Online durch Zenimax Online Studios wird einen Tag später mit einem wenig sagenden Teaser bedacht, der mit markiger Ansage womöglich allen Single Player Enthusiasten den Wind aus den Segeln nehmen soll.: Wenn Feinde sich schneller erheben als Verbündete kann ein Held alleine keine Erlösung bringen. Hierzu braucht es Viele!. Epischer kann man es nicht umschreiben, ob das ausreicht die teilweise noch sehr skeptischen Fans zu überzeugen bleibt fraglich.

Alle Informationen beziehen sich derzeit auf Game Informer, die eine exklusiv Story in der Printausgabe im Juni vorweisen können, mittlerweile wurde auf der angeschlossenen Homepage auch ein erster Screenshot und weitere wenige Zeilen zum Spiel veröffentlicht.

Luke Plunkett schreibt nach der Lektüre des Artikels recht pessimistisch über das neue Spiel, First Elder Scrolls Online Details, make it Sound Like Just Another Fantasy MMO

Why, exactly, is this game being made if, a few bells and whistles aside, it’s just another fantasy MMO, and retains so little of what it is people play Elder Scrolls games for? It even looks like just another fantasy MMO, losing much of the refined elegance of Bethesda’s games in exchange for a simpler style that looks little like the past few games in the series. 

In What the Elder Scrolls Online Means for MMORPGs fasst William Murphy noch einmal eine Reihe von Fragen und Erwartungen zu dem Spiel zusammen. Eine ganze Liste an Wünschen findet sich bei gameranx: The Elder Scrolls Online: Top 10 Must-Have Features. 2013 soll das Spiel bereits veröffentlicht werden, Zeit genug sich an dem kommenden Informationsfluss zu erfreuen, der vermutlich die nötige Aufgeregtheit produziere wird um in diesem hart umkämpften Markt in der Diskussion zu bleiben.

Am Ende der Lesestunde auf NEGATIV noch ein ganz persönlicher Tipp, für das kommende Wochenende, weit entfernt von Film oder Computerspielen: Am 12. Mai unbedingt in einem Comic Laden in der Nähe vorbeigehen, denn da ist GRATIS COMIC TAG, den sollte man nicht verpassen. Eine schöne Woche wünsche ich, mit viel Spaß beim Lesen, Hören oder Sehen.

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