Das Bayern-Gen


So sehen Verlierer aus: Arroganz verrät Schwäche

EM-Blog, Folge 27.

Es ist alles in allem vielleicht nur eine Nebensache, aber auch sie spricht Bände: Auch in der öffentlich-rechtlichen Fernseh-Berichterstattung dominiert das Bayern-Gen. Die EM-Experten beider Sender, ARD wie ZDF, sind ehemalige Spieler des FC Bayern München.

Diese FC Bayern-Lastigkeit des öffentlichen deutschen Fernsehens zeigte sich bisher eher in den Analysen von Oliver Kahn, der sowieso weit weniger Distanz zu seinem früheren Job hat, als Mehmet Scholl. Doch auch der sonst so freche Scholli wurde am Donnerstagabend, dem Abend der neuesten Niederlage gegen Italien vom Bayern-Virus erwischt: Der diffusen Ratlosigkeit, der Unfähigkeit, überhaupt fassen zu können, dass man wieder nicht Erster geworden war.

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Der sonst so gewitzte, witzige, schlagfertige und mutige Profi wirkte baff. Ratlos, wortlos. Oder hatte er Angst, dass sich der Hass der Deutschen über die Niederlage ersatzweise über ihm entladen würde, spräche er Klartext? Dass er seinen Job beim FC Bayern verlieren würde, sagte er die Wahrheit über die Bayern-Profis im schwarzweißen Nationaldress?

Dass nämlich Schweinsteiger am Donnerstag sein schwächstes EM-Spiel machte, kraftlos und ausgepowert erschien, und im ganzen Turnier nie auf dem Platz zu dem Dynamiker und Führungsspieler wurde, als den man ihn kennt. Dass er 2011/12 zu oft verletzt war, vom FC Bayern aus Eigennutz viel zu früh wieder eingesetzt und dadurch beschädigt wurde – hoffentlich nicht dauerhaft.

Dass Lahm und Badstuber – und nicht nur Özil und Hummels – großen Anteil am ersten italienischen Gegentor hatten, dass Schweinsteiger das zweite direkt mitverschuldete, dass Lahm weitere schwere Fehler beging, er aber vor allem – als “Abwehrchef”, noch nicht mal als Kapitän – nach dem ersten Tor spätestens die Abwehr gegen die Wirbelwinde Balotelli und Cassano hätte reorganisieren müssen, merken, was die Italiener machen – wofür ist er denn da, wenn nicht dafür? Dass Lahm auch der falsche Kapitän ist, weil er kein Kapitän auf dem Platz ist – im Gegensatz zu Khedira und einem gesunden Schweinsteiger.

Dass Gomez ein furzlangweiliger vorhersehbarer Standfußballer ist, ein Anachronismus im modernen System von Löw – und eben nicht der deutsche David Villa oder Lionel Messi.

Dass Podolski ein Totalausfall war. Dass Özil zwar ganz gut spielte, aber unter seinen Möglichkeiten. Dass man gern mal zwei Stürmer auf dem Platz gesehen hätte, oder aber ein 4-6-0-System, eine Kopie der Spanier mit Götze, Reus, Schürrle. Dass man überhaupt Einfalle braucht auf dem Platz, taktische Varianten, dass es unerträglich ist, dieser Ratlosigkeit zuzugucken, die im Team herrscht, diesem Warten auf die Pause und Mutti Löws Anweisungen.

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Spielte da wirklich Deutschland gegen Italien, oder nicht wieder irgendwie der FC Bayern gegen Chelsea? Der FC Bayern ist der FC Deutschland AG ist die deutsche Nationalmannschaft.

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Erfolge des FC Bayern München, Copyright: Pilettes

Sieben Spieler des FC Bayern in der DFB-Startaufstellung waren zuviele. Nicht weil einer von ihnen schlecht wäre, “an sich” schlecht. Nein. Aber weil auch keiner von ihnen in der Lage war über sich hinauszuwachsen. Weil keiner von ihnen das Charisma des Sieges, des absoluten Glaubens an Erfolg in sich trug. Zu schlecht, und zu vielfältig schlecht und zu wiederholt schlecht waren die Erfahrungen der letzten Jahre gewesen. Nicht nur die letzte Saison. Auch die davor. Und auch die davor.

Misserfolge in der Championsleague. Zwei verlorene Meisterschaften. Trainerquerelen und Vereinsunruhen, zuletzt das Desaster im Pokalfinale – sie alle haben sich in die Glieder und Gesichter, und vor allem in die Gemüter von Lahm, Schweinsteiger, Badstuber, Müller und Gomez eingeschrieben. Die leisen Zweifel, die von Außen kamen.

Sie waren nicht schlecht. Aber sie waren auch nicht so gut, wie sie sein konnten, und das spürten sie. Sie selbst vor allem.

Dazu kamen die Zweifel von Außen. Meist leise, vorsichtig. Manchmal, und zunehmend aber auch deutlicher, lauter. Im Fall von Gomez vor allem, im Fall von Schweinsteiger auch vernehmlich, aber viel respektvoller.

Sie sind eine Generation der Zweiten, der Titellosen, der im-Ernstfall-Verlierer.

Manuel Neuer, Copyright: Steindy

Ist es nur Zufall, dass die besten Bayern noch Neuer und Boateng waren? Wobei Neuer mental sowieso Schalker ist, und Boateng auf jeden Fall kein Münchner, eher Hinterweddinger. Dann Kroos. Die kürzer dabei sind. Die bei Schalke spielten oder Manchester City.

Und wenn die Deutschen von Anfang an davon redeten, wir wollen Meister werden, dann ist das lupenreiner Großkotz-FC-Bayern-Stil – würde Mats Hummels nie von sich geben – in der Hoffnung der sich selbst erfüllenden Prophezeiung… Den Bayern hat es aber nix genützt.

Es gibt, das bemerkte der kluge Beobachter Michael schon nach dem Auftaktmatch gegen Portugal, “zwei mentale Feinde im deutschen Spiel: Hochmut und die Angst, in Rückstand zu geraten. Das Dortmund-Spiel der Bayern wurde nicht vergessen!

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Das Bayern-Gen ist zum Zweifel- und Verlierervirus geworden. Sie wussten, dass es nicht klappen würde, sie glaubten nicht an sich. Khedira und Özil schon, und Hummels, aber das genügt nicht. Reus auch, aber der kam zu spät. Man hätte gern Götze und den anderen Dortmundern eine Chance gegeben. Einer Meistermannschaft, cool, clever, voller Reserven und Ehrgeiz, seit September unbesiegt.

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Die Squadra Azzurra hat der deutschen Mannschaft eine Lektion erteilt. Diese hat viele Gründe. Aber vielleicht liegt die Ursache auch hier: Bei den Italienern waren gerade die Leistungsträger Titelgewinner: Balotelli war mit Manchester City Meister geworden, erstmals seit fast 50 Jahren für diesen Club. In den letzten Minuten der Nachspielzeit – das gibt Kraft. Pirlo hatte bei Juventus Turin nach langen Jahren bei Milan seinen dritten Frühling erlebt. Und war ungeschlagen Meister der Serie A geworden.

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Die Lehrsätze haben bestand: Offense wins game, defense wins Championship. Im Fußball gibt’s keinen Schönheitspreis.

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Und noch eine Beobachtung am Rand: Beide Finalisten morgen haben ein Elfmeterschießen überstanden. Beide erlebten die Nervenprobe einer unvergleichlichen Feuerprobe, mussten psychische Stärke beweisen und wurden durch die Erfahrung belohnt, dass der Fußballgott ihnen hold war. Was könnte mehr beflügeln für zukünftige Aufgaben? Haben wir vergessen, dass die Deutschen zu ihren letzten Titeln auch immer erst über gewonnene Elfmeterschießen kamen?

Hier alle Texte des EM Blogs 2012.

  • Brr07

    Soviel Schwachsinn auf einem Fleck habe ich selten gelesen…

  • GB60

    So ein Quatsch. Natürlich brauchen wie mehr Dortmunder. Die sind ja so cool und clever. Warum haben Sie dann noch nicht mal die Vorrunde der Championsleague nicht geschafft…

  • Bayern_looser

    exakt! perfekte analyse. well done

  • Zaxye

    ” Fernseh-Berichterstattung dominiert das Bayern-Gen. Die EM-Experten beider Sender, ARD wie ZDF, sind ehemalige Spieler des FC Bayern München.!”

    diese (bayern)experten sind das problem!

  • Arnd Marquardt

    Hört endlich auf mit dem Hass und Neid auf den FC Bayern

  • Misspaula

    Hier machen sich die sogenannten Experten sehr einfach.Wenn alles gut läuft, dann sind alle Spieler galaktisch und wenn nichts erreicht wurde, sind alle Flaschen.Natürlich war es enttäuschend,aber Italien war besser und da können Kahn und Scholl auch nichts zu.

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