“Nicht gut gespielt. Aber gewonnen. Das ist wichtig.” – die Deutschen spielen wieder wie die Deutschen
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| Gomez Kopfball sichert Deutschland den Sieg |
“Es gibt keine Gerechtigkeit im Fußball, es gibt nur Ergebnisse.”
Uli Hoeneß
“Ich glaube an Gerechtigkeit”
Rudi Assauer
Die Russen also wieder. Wie schon 2008 sind sie derzeit der heißeste Kandidat auf den Titel des “Europameisters der Herzen” – so plump, so naiv, so herrlich schoben sie eine Angriffswelle nach der anderen gegen die Tschechen. Wer am Freitagabend die Russen sah, wie sie – paff, piff, puff – ununterbrochen stalinorgelgleich auf das tschechische Tor ballerten, der dachte sich natürlich auch ein bisschen: Ok, mit den Tschechen kann man das ja noch machen. Andererseits liegt die Vermutung nahe, dass ehemalige Warschauer-Pakt-Staaten sich gegen die Russen mal besonders anstrengen, man hätte von den Tschechen also auch mehr erwarten dürfen.
Man konnte vor allem aber für einen Augenblick die Hoffnung haben, dass uns eine torreiche angriffsfreudige EM bevorsteht, in der die Sturmreihen, nicht die Abwehr das Spiel entscheiden.
Am Samstag aber begriffen wir alle, dass wir uns über Nacht getäuscht hatten: Zweimal 1-0, zweimal gewann die defensivstärkere Mannschaft mit ein bisschen Glück, viel germanischer Zerstörungskunst gegen Angriffsfußball, Siegeswille, Spielwitz und das Team mit mehr und besseren Chancen.
“offense wins game, defence wins championship”, die alte American-Football-Regel trifft auch hier zu.
Im Fall von Dänemark gegen Holland hätte man das im Vorfeld nicht unbedingt erwarten dürfen. Aber schon früh, spätestens nach 15 Minuten war klar, wohin der Hase lief. Denn die Dänen spielten, was sie immer spielen, die Holländer dagegen versuchten den Ansatz der Spanier zu imitieren, gegen die sie vor zwei Jahren das WM-Finale verloren hatten.
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| Lambertus van Marwijk |
Grundsätzlich sympathisiere ich mit Lambertus genannt “Bert” van Marwijk, dem holländischen Nationaltrainer. Er hat einst bei Borussia Dortmund in schwierigster Zeit gute Arbeit geleistet. Und so sehr man auch mit Marco Van Bastens Kritik an seinem Nachfolger sympathisiert, in der er eine offensivere Spielweise einfordert, so sehr muss man zugeben: Schon Van Basten vor vier Jahren hatte schnödem Ergebnisfußball den Vorzug gegeben.
ARD-Kommentator Tom Bartels meinte über van Marwijk, dieser sei “einer, der sich rechtfertigen muss, obwohl er Vizeweltmeister geworden ist… da reicht es nicht recht gut zu spielen, es soll auch noch schön aussehen.” Das kann ein Deutscher natürlich nur schwer verstehen.
Van Bommel zu sehen, war von Anfang an ein einziges Glück. Was dem FC Bayern, was der Bundesliga mit diesem willensstarken, souveränen Leidenschaftsspieler und Allroundtalent verlorengegangen ist!
Ansonsten: Sehr schnell wurde es sehr ruhig. Die Niederlande kamen zwar viel über die Flügel, waren aber nicht beweglich und überraschend genug. Und Dänemark zeigte sich durchaus gefährlich, sobald sie eine Chance hatten.
Immer wieder standen 8 Dänen hinten gegen nur 3 Holländer – dass das 4-5-1 Konzept nicht gut aufging war offenkundig. Und es gehört für mich zu den unverständlichsten Dingen beim modernen Fußball, wie unflexibel auch gute Trainer und Teams agieren, wie wenig sie sich in der Lage zeigen, taktisch zu reagieren, und ein System umzustellen.
Man merkte das später auch beim Spiel der Deutschen: Alles ist zu starr, statisch, unflexibel, daher vorhersehbar. Fußballerisch limitierte Teams wie vor allem Dänemark lassen die Gegner kommen und stellen sich auf sie ein. Teams wie Holland und Deutschland müssen selber das Spiel machen. Sie stellen sich dabei aber umgekehrt zu wenig auf die Gegner ein, scheint mir. Nutzen ihre Schwächen nicht.
Es wird auch viel zu spät gewechselt. Was soll in der 70. Minute noch groß passieren. Jeder Spieler braucht fünf Minuten, um ins Spiel zu finden. Und in einer Situation, in der man einen Rückstand aufholen, oder – wie später Deutschland – noch den Siegtreffer erzielen muss, wächst sekündlich die Nervosität.
In der 23. Minute fiel dann das 1-0 für Dänemark – überraschend, aber nicht unverdient. Wütende Holländer griffen an, planlos, sehr schnell wurden sie müde. Die Dänen waren näher am 2-0, als Holland am Ausgleich.
Zwei Dinge hätte van Marwijk sofort und schnell, spätestens zur Halbzeit ändern müssen: Zurück zum 4-3-3, womit die Dänen nicht gerechnet hätten: Mit der Doppelspitze Van Persie und Huntelaar, dahinter Van der Vaart. Also genau das, was Sturkopp van Marwijk später tat, nur 25- 45 Minuten früher.
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| Arjen Robben, Copyright Paulblank |
Und: Spätestens nach dem Pfostenschuss Robbens in der 35. Minute war auch sonnenklar: Man sollte Robben in dieser EM gar nicht mehr aufstellen, er hat einfach die Gunst der Götter nicht im Augenblick. Das klingt überaus irrational, ist es auch, aber jeder Fußballbeobachter kennt diese Erfahrung des “Lauf”, des Glücks. Manchen Fußballern glückt einfach alles, andern nichts. In genau dieser Lage ist Robben zur Zeit. Er spielt einfach miserabel.
In der zweiten Halbzeit konnte man dann resümieren, dass Holland einfach schlecht spielte, trotz Powerplay. Zu statisch, auch zu feige über lange Zeit. Und dass Van Persie reihenweise Chancen versiebte, wie sonst nur Gomez. Viel zu unbeweglich standen die Holländer immer in Unterzahl: 3 gegen 7, oder 4 gegen 9.
Mit Müh’ und Not haben die Deutschen dann zwei Stunden später ein 1-0 gegen Portugal zusammengekrampft, am Schluss mindestens glücklich, in gewissem Sinn sogar ziemlich unverdient. Aber während im Sturm wenig zusammenpasste und der Mittelfeldmotor stotterte, hat ausgerechnet die deutsche Abwehr gehalten. “Nicht gut gespielt. Aber gewonnen. Das ist wichtig.”meinte der ARD-Kommentator zum Schlußpfiff. Da waren wir aber doch schon mal ein ganzes Stück weiter, oder?
Hummels! Wie wäre das Spiel wohl ohne Hummels ausgegangen? Und wie ohne Khedira? Und wie, wenn man Mertesacker aufgestellt hätte?
Der BVB-Verteidiger machte in seinem ersten wichtigen Nationalmannschaftseinsatz das Länderspiel seines Lebens. Großartig seine gelegentlichen Vorstöße in die Offensive. Khedira war auch ganz ausgezeichnet, unter den Augen seines Vereinstrainers José Mourinho vorn wie hinten immer da, wenn er gebraucht wurde. Boateng spielte besser, als oft; er zahlte jene “Bringschuld” zurück, die ihm Löw auferlegt hatte.
Der Rest der Mannschaft blieb sämtlich unter seinen Möglichkeiten.
Dabei ging es ganz gut los: Die Portugiesen zogen sich anfangs sehr zurück, nach knapp 90 Sekunden gab’s eine gute erste Chance, ausgerechnet nach einer Flanke von Boateng. Dann die ersten Gegenangriffe, man spürte, wie von Minute zu Minute die Portugiesen stärker wurden, ihr Spiel meterweise nach vorne verlagerten. Und spätestens nach der ersten Faustabwehr von Neuer konnte man feststellen, dass mehr Druck und Energie im Spiel war, mehr los, als im ganzen Holländer-Spiel zwei Stunden zuvor.
Man merkte auch gleich, wie wichtig Schweinsteiger fürs deutsche Team ist. Im Vergleich zu den letzten Spielen schien die Mannschaft vor allem im defensiven Mittelfeld, in der Verbindung zur Abwehr stärker. Im Lauf des Spiels war dann aber auch gut zu merken, dass Schweinsteiger noch Konditionsschwächen hat, immer wieder Pausen einlegen muss, und gerade in der Offensive zur Zeit nicht der Alte ist.
Nach 15 Minuten wagten sich die Portugiesen dann immer mehr nach vorn, und es wurde ein ausgeglichener Zweikampf, in dem die Portugiesen allerdings mehr gute Möglichkeiten hatten, und die besseren.
Das Eckballverhältnis – 11:2 am Ende für Portugal – spricht da eine eindeutige Sprache.
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| Gerd Gottlob, ARD |
“Sie sind noch nicht ganz drin” resümierte nach 20 Minuten ARD-Reporter Gerd Gottlob, der sich als ziemliche Lallbacke entpuppte.
Man kann es auch so sagen: Die Deutschen waren viel zu langsam, viel zu statisch, und erinnerten in dieser Starre an schlimmste Ribbeck-Zeiten. Es gab ungemein unpräzise Pässe, und viel zu viel Ballverluste. Schon zur Pause hätte Portugal führen können, nach der Angriffswelle zwischen der 50 und der 55 Minute, wie die Portugiesen teilweise mit sechs Leuten im deutschen Strafraum standen, wäre ihre Führung verdient gewesen.
Portugiesen rücken gut auf
festgefressen
statisch
Zwerg Naseweis
Wenn die Regel stimmt, dass man, damit es ein gutes Turnier wird, gut ins Turnier starten muss, dann wird es also kein gutes Turnier für die deutsche Mannschaft. Kein Zauberfußball, kein Traumfußball von der deutschen Mannschaft.
Löw muss man vorwerfen, dass er Klose zu spät einwechseln wollte – was soll ein Stürmer in der 70. Minute noch groß machen? Auch wenn Gomez dann doch noch das Goldene Tor machte, spielte er, wie Gomez halt spielt.
Daher ist es schade, dass sich ausgerechnet Gomez das Glückstor in der 72. zuschreiben kann – denn
“Sie schaffen es nicht, das, was in ihnen steckt, auf den Platz zu bringen.”
sie hätten sich nicht beschweren können:
Pepe 45 Latte
Druckphase kurz nach 80
Latte Neuer leichtsinnig
84
Eckballgewitter
11:2 Ecken
Bälle zu schnell weg
87min
92min
“Leischdung” von Jogis Jungs
Lallbacke
“welchen Druck die aushalten mussten… man kann es ja nur erahnen.”
echauffieren sich über Postiga
Zeitlupe zeigt, so schlimm wars nicht
70:
Lahm: III
Hummels: I
Müller: I






