Der Tom Cruise des Fußballs
“Die Leute sind neidisch auf mich, weil ich schön bin und reich.”
Cristiano Ronaldo
Ich will ihn einfach nicht sehen. Ich kann seine affektierte Art nicht aushalten. Tom Cruise glaubt man kein Wort, und je mehr er sich in harte Macho-Posen wirft, Muskeln zeigt, grinst, um so lächerlicher wirkt er.
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Was Tom Cruise im Kino ist, dass ist Ronaldo für den Fußball: Ein Gernegroß, ein lächerlicher Hampelmann. Eine Menschmaschine. Ronaldo ist unsympathisch. Er ist eigensinnig, er spielt sich auf, er will cool aussehen. Er will cool sein, aber er ist gar nicht cool – das ist das Problem.
Was wurde da vor dem Turnier wieder für ein Gewese gemacht: “Wenn Cristiano Ronaldo der Superstar der EM wird, hat er gute Chancen, endlich Messi zu schlagen und als Weltfußballer den Ballon d’Or zu gewinnen.”. Wenn, ja wenn. Wird er aber nicht.
So schrieb der Spiegel: “Wenn man beschreiben will, wie Cristiano Ronaldo die Tore schießt, die nur er schießen kann, dann sieht man einen Mann vor sich, 1,86 Meter groß, mit gezupften Augenbrauen und gegelten Haaren, der erst den Torwart fixiert und dann den Ball, der die Angst genießt, die in diesem Moment seine Gegenspieler erfasst, der vom Ball aus fünf Schritte rückwärts geht, der sich breitbeinig aufstellt, die Hände in Coltstellung wie Wyatt Earp im Film, der sich in Vorfreude die Lippen leckt, der mit energischen Schritten anläuft und den Ball mit dem vorderen, inneren Teil des Vollspanns so trifft, dass er über die Mauer der Gegenspieler fliegt, so hoch, als wollte er die Zuschauer hinter dem Tor treffen, um dann urplötzlich die Flugbahn abzusenken und ins Netz zu rauschen.
Wenn es ein Patent für todsichere Freistöße gäbe, Ronaldo wäre der legitime Inhaber. Wie kein anderer Spieler zelebriert er seine Freistöße, wie kein anderer trainiert er diese ballistischen Wunderkurven, während seine Mitspieler schon unter der Dusche stehen.
Diese Akribie und Ausdauer, aber auch der Showdown und die Angeberei, die zu jedem seiner Freistöße gehören, machen seine Art des Spiels aus. Ronaldo hat aus dem schlaksigen, hoch aufgeschossenen Körper eines pubertierenden Jungen den perfekten, athletischen Body eines vollkommenen Spielers geformt, der beidfüßig, schnell, kopfballstark, trickreich inzwischen in jeder Saison über 40 Tore produziert.”
Also, liebe Holländer, heute könnt ihr alle Enttäuschungen wieder gut machen, und wie gestern Tschechen und Griechen die Fußballwelt überraschen: Haut Ronaldo raus!
Gestern Abend sahen wir “die tschechischen Löwen gegen die polnischen Adler” wie der ZDF-Moderator poetisch formulierte. Man könnte auch prosaischer sagen: Die Wasserschlacht von Warschau. Zwei schwache Teams in der insgesamt schwächsten EM-Gruppe, im zunehmend strömenden Regen mit Gewitterblitzen. Die Polen anfangs mit ball- und passsicherem Mittelfeld nutzten ihre frühen Chancen nicht, und gaben zu früh auf. Mutig aber planlos. Nach einer halben Stunde kamen die Tschechen, kaum besser. Am Ende waren sie dann plötzlich Gruppenerster, die Russen mal wieder draußen – das geschah immerhin Dick Advocaat recht. Er ist eben kein zweiter Hiddings. Und es geschah Leuten recht wie der geschmacklosen Dame, die die Kamera in Großaufnahme zeigte, und die ihre Fingernägel Weiß-Blau-Rot bemalt hatte.



