Am 15. August hat Ben Affleck seinen 40. Geburtstag gefeiert. Als Schauspieler ist Ben Affleck ein umstrittener Fall. Das heißt, bei Kritikern ist er eigentlich fast einheitlich verpönt. Trotzdem gehört er zu den erfolgreichsten Schauspielern Hollywoods und arbeitet zudem im amerikanischen Independent-Sektor. Was macht sein Schauspiel aus? Kritiker werfen ihm lapidar vor, er könne generell nicht spielen, differenziertere Bemängelungen beklagen fehlende Wandelbarkeit. Doch das ist wiederum genau das, was Fans umgekehrt bewerten und an Affleck schätzen. Er sei dadurch authentisch. Seine Rollenbiografie, die meist Durchschnittstypen beinhaltet, belegt das. In den Fällen, in denen Affleck keine Durchschnitts-Typen darstellt, fiel er bei der Kritik meist noch überwiegender durch als gewohnt. Über PAYCHECK schrieb Jon Popick: “Affleck is just fine when he plays a regular guy, but whenever he tries to, like, act, he ends up looking like a perplexed and mildly retarded simian.”
Was macht Affleck als Schauspieler dennoch so erfolgreich? Ein Rückblick in Bildern auf einen seiner frühen Auftritte 1993: DAZED AND CONFUSED von Richard Linklater.
Eine Konstante in Ben Afflecks Schauspielkarriere ist das Ausloten von Beziehungen zu anderen Männern als wiederkehrende Ebene. Meist drückt sich dies lediglich visuell im Schauspiel aus. In DAZED AND CONFUSED werden amerikanische Highschool-Initiationsrituale gezeigt. Der angehende Freshman-Jahrgang wird dabei von Älteren gejagt und bekommt sprichwörtlich die Hintern versohlt. Eine ideale Plattform also für Regisseur Linklater und Schauspieler Affleck. Linklater legt Affleck dezent zweideutige Sätze in den Mund. Die Doppelkodierung funktioniert besonders gut, weil es sich um authentische Rituale handelt, wie sie in den 70ern in den USA in vor allem ländlicheren Gegenden zu finden waren. Audio- und Bildebene erlangen dadurch eine Unschuld und eine nostalgische Note, die beim Publikum Erinnerungsfunktionen bewirken können und gleichzeitig in bester Hollywood-Manier tabuisierte Themen behandeln können. Denn darum geht es durch das Fernglas des Rückblicks ohnehin in DAZED AND CONFUSED: Um das Sich-Verorten in einer Gesellschaft, mit deren Normen und Moralvorstellungen die Nachwachsenden zumeist wenig anfangen können und sie dennoch teilweise reproduzieren werden, was allmählich realisiert wird. Die Ebene der Realisation äußert sich vor allem in der Visualität des Films. Affleck spielt dabei einen chronischen Unruhestifter mit hohem, teils unterdrückten, Aggressionspotential. Er setzt seinen Körper so ein, dass sein Part besonders der wird, der auslotet. Sich selbst und die Gemeinschaft, in der er aufwächst.
You all ready to bust some ass?
I got a shotgun pulled on my ass.
Fuck it. I’m gonna find your little skinny partner Carl and his mom. I took it easy on you. You’re not smilin’ now, you sack of shit.
Gerade bei Stars gibt es systematische Rollen, die für die Medien außerhalb des Drehs besetzt werden müssen. Afflecks Rolle scheint oft dem zu ähneln, was über seinen Charakter in DAZED AND CONFUSED hinter seinem Rücken über ihn gesagt wird: „There’s always one senior who has to be the badass. Think O’Bannion’s gonna be the first senior to take that honor 2 years in a row.” Der, der gerade von O’Bannion verprügelt wurde, fragt sich vergewissernd, fast etwas zweifelnd nach: „The guy’s a dick, right?“ Mit Sicherheit sagen lässt sich dies allerdings nicht, O’Bannion wie auch Affleck spielen ihre Rollen. Ein wertendes Urteil kritisiert dabei häufig auch eine Gesellschaft. Dass Affleck dies kann und sein Werkzeug stets bewusst einsetzt, sei ihm angerechnet, unabhängig von der Wertschätzung, die seiner Arbeit letztendlich zukommt.
Die DVD ist bei Universal erschienen.
























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