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Back in business: Tyrion hat zwar zu Beginn von Staffel 3 an Macht und Einfluss eingebüßt, doch führt Peter Dinklages Name weiterhin die Opening Credits an. © HBO

Einmal mehr eröffnet uns HBO das Fenster zu Westeros. Große Erwartungen ruhten auf dem Startschuss der dritten Staffel GAME OF THRONES. Wochen zuvor machte eine breite Publicity der Fanbase den Mund wässrig. Wiederholt ließen Showrunner David Benioff und D.B. Weiss in Interviews und Pressekonferenzen verlauten, dass Staffel 3 das bisher Gesehene übertreffen werde. Konnten sie sich doch endlich jener Szene aus der Buchreihe widmen, die sie schon seit Beginn der Serie verwirklichen wollten. Kenner der Bücher können nur erahnen, um welche Szene es sich genau handelt. Immerhin ist A STORM OF SWORDS, der dritte Teil von George R. R. Martins Fantasy-Epos A SONG OF ICE AND FIRE, nicht arm an denkwürdigen Ereignissen. Im Gegenteil. Wendepunkte, Überraschungen und Todesfälle geben sich die Klinke in die Hand.

Groß waren die Erwartungen, großartig das Ergebnis. Zur Staffelpremiere am 31. März konnte GAME OF THRONES einen neuen Zuschauerrekord verbuchen – trotz Ostersonntag und zeitgleichem THE WALKING DEAD-Staffelfinale auf dem Konkurrenzsender AMC. VALAR DOHAERIS, so der Titel der ersten Folge, überzeugte vor allem visuell: In einer Mischung aus computergenerierten Landschaften und erstaunlichen on location-shots in Irland, Island, Kroatien und Marokko führte die Serie einmal mehr von einem exotischen Schauplatz zum anderen. In raffiniert ausgearbeiteten Einstellungen machte der Zuschauer en passant Bekanntschaft mit einem Riesen und durfte sich an Danys sichtlich gewachsenen Drachen erfreuen. Auf der Handlungsebene musste sich der Zuschauer allerdings mit reiner Exposition begnügen, eine Neusituierung der Protagonisten nach den Ereignissen der vorherigen Staffel. Dabei gab es derart viel aufzugreifen und neu einzuführen, dass eine Folge nicht ausreichte, um 28 Hauptfiguren sowie die Legion prominent besetzter Nebenfiguren abzudecken. Erst mit Ende der zweiten Folge, DARK WINGS, DARK WORDS sind auch die letzten Schachfiguren aufgestellt, damit das Mächtespiel in die dritte Runde gehen kann.

Um dem Konvolut aus Erzählfäden irgendwie Herr zu werden, werde ich versuchen, die wichtigsten Handlungsmomente der ersten beiden Folgen nicht thematisch aufzuarbeiten – David Benioff: „themes are for eighth-grade book reports“ – sondern räumlich. Ist es nicht das, was uns auch der Vorspann sagen will? Bei all den vielen Figuren hat GAME OF THRONES doch nur einen Protagonisten: Westeros.

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Nachdem er Qhorin Halfhand getötet hatte, genießt Jon Snow das Vertrauen der Wildlinge – vorerst. © HBO

THE WALL

“Valar dothaeris“. All men must serve. Es ist die Antwort auf den valyrischen Ausspruch „valar morghulis“, all men must die. Gleichzeitig ein Ausdruck für die nahtlose Fortsetzung an das Finale der vorherigen Staffel. VALAR DOTHAERIS beginnt dort, wo VALAR MORGHULIS endete: Samwell Tarlys Begegnung mit den White Walkers. Der Prolog der dritten Staffel bot erste Schauwerte, jedoch nur kleine Brocken von Handlung. Jon Snows Schattenwolf rettet Sam vor einem Eiszombie, ein arg mitgenommener Lord Commander bläst zum Rückzug zur Mauer. Darüber hinaus macht dieser an den Prolog der ersten Staffel angelehnte cold open auf zwei Aspekte der Serie aufmerksam. Zum einen hat wieder einmal eine spektakuläre Schlacht im Off stattgefunden. Das verletzte Gesicht des Lord Commanders gibt Zeugnis von dem verheerenden Gemetzel, dass sich auf der Fist of the First Men zwischen Nachtwache und White Walkers abgespielte. Zum anderen wird wieder einmal an den übergeordneten „Gut vs. das ultimativ Böse“-Plot mit den White Walkers erinnert, der als Hintergrundkonflikt am schwelen ist. Bis es jedoch zur finalen Konfrontation zwischen Mensch und Wiedergänger kommt, wird noch einiges an Zeit ins Land gehen. Wahrscheinlich wird Westeros sich bis dahin selbst ausgelöscht haben und die White Walkers fallen in eine verschneite Grablandschaft ein.

Während Sam mit dem Rest der Nachtwache den Heimweg Richtung Mauer antritt, dringt Jon Snow weiter in das Gebiet der Wildlinge bis zum Lager von Mance Rayder vor, dem König jenseits der Mauer. Auch hier lag der pay-off vor allem auf visueller Ebene: Der casual shot, in dem ein Riese mit Mammut-Knochen im Gepäck durch Mances Lager schlendert, gehörte zu den besten Bildern der ersten Folge. Die Begegnung mit Mance Rayder selbst gestaltete dagegen etwas antiklimatisch. Der Fokus lag weniger auf der Einführung eines weiteren, reichen Charakters aus den Büchern, sondern auf Jons Undercover-Mission, den Anführer der Wildlinge davon zu überzeugen, die Seiten gewechselt zu haben. Auch in der zweiten Folge war es Ciarán Hands nicht gegeben, seinen schroffen Mance Rayder dem Zuschauer näher zu bringen. Dafür bleiben seine Auftritte zu kurz und zu sehr darauf beschränkt, lediglich die Handlung in Gang zu setzen. Schade.

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Unverhofft nimmt Brans Weg nach der Begegnung mit dem ungewöhnlichen Geschwisterpaar Jojen und Meera Reed eine neue Richtung © HBO

WINTERFELL

Ein verbranntes Schloss erscheint dort, wo im Vorspann der Serie zuvor die prächtige Kulisse von Winterfell sich aus dem Boden erhob. Die Titelsequenzen der dritten Staffel rufen schmerzlich ins Gedächtnis, dass wir mit Ende der zweiten Staffel Winterfell als ausgebrannte Ruine verlassen haben. Es bleibt noch immer ein Rätsel, wer hinter der Zerstörung steckt, doch scheinen es dieselben Männer zu sein, die Theon gefangen halten und grausam foltern. Einzig Theons an einem Andreaskreuz aufgehängter, gemarterter Körper mag vielleicht Hinweis geben auf seine Peiniger – immerhin ähnelt es sehr dem Wappen des Hauses Bolton. Ein Vasall von Robb Stark, der seinen Bastardsohn nach Winterfell schickte, um die Ironborn zu vertreiben. Ungleich zur Serie bleibt Theons Schicksal interessanterweise in den Büchern bis zum fünften Band ungeklärt. Eine Vorankündigung der weiteren Erzählweise der Serienmacher: Sie adaptieren zwar mehr oder weniger „werktreu“ die Handlung der Bücher, entfernen sich aber immer mehr von deren Dramaturgie.

Den verstörenden Bildern von Theons Folterung steht die Idylle entgegen, die sich für einen Moment in einem Traum von Bran manifestiert. Bran geht durch den Wald, der dreiäugigen Krähe hinterher. Er legt Pfeil und Bogen an, ihm zur Seite stehen Jon und Robb. In der Ferne ist Eddards Stimme zu hören. Traum und Erinnerung vermischen sich zur reinen Wunschfantasie, ein Zurücksehnen nach den Momenten des Friedens, der Freude, der Unschuld. Schlagartig wird einem bewusst, wie bescheiden es um die Starks steht. Zerschlagen, auf der Flucht und auf dem ganzen Kontinent zerstreut, fern von einem Zuhause, dass es nicht mehr gibt. Sie sind auf sich gestellt, ohne Wissen, wie es um die anderen bestellt ist. In DARK WINGS, DARK WORDS machen die Starkkinder neue Bekanntschaften, von denen man nicht weiß, ob es sich nun um Freund oder Feind handelt. Immerhin gibt es bei Bran Grund zur Hoffnung, dass er neue Verbündete gefunden hat. Jojen Reed und seine Schwester Meera – weitaus besser eingeführt als Mance Rayder – treten unverhofft in Brans Leben und weisen ihm einen neuen Weg. Jojen ist ein Greenseer, er besitzt die Gabe der Hellsicht, und offenbart Bran seine versteckten Talente. Stärke liegt nicht nur in der Körperkraft eines Ritters, sondern auch im übernatürlich begabten Geist eines Kindes. Oder wie Meera Reed es sagen würde: „Just because some people need help doesn’t mean there are without help.“ Bran ist nämlich ein Warg, er kann in den Geist von Tieren eindringen, mit ihren Augen sehen und sogar Besitz von ihnen ergreifen. Nebenbei: Das Warg-Motiv wurde bereits mit der Figur des Wildlings Orell in Jons Handlungsstrang eingeführt. Orells Darsteller, Mackenzie Crook, ist bereits der zweite Schauspieler der britischen Sitcom THE OFFICE, der es nach Westeros geschafft hat. Nur eine Frage der Zeit, bis Ricky Gervais den Eisernen Thron besteigt.

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Droht Robb Stark, dem siegreichen The King of the North, der Untergang von innen? © HBO

HARRENHALL

Bei Robb scheinen sich die Freunde aus seinem Umfeld in Feinde zu verwandeln. Nachdem seine Mutter Catelyn den Kingslayer freigelassen hatte (Was wäre der Krieg der fünf Könige nur ohne die gut gemeinten, aber vollkommen falschen Entscheidungen der Catelyn S.?), lässt er sie in Harrenhall einsperren. Er beginnt, das Vertrauen seiner Männer zu verlieren, allen voran von Lord Karstark, dessen Sohn von Jaime bei dessen Flucht erschlagen wurde. Robbs Macht bröckelt. Das Geheimnis um seine Hochzeit mit Talisa ist zum Allgemeinwissen im Lager der Starks geworden. Droht dem siegreichen Krieger eine Niederlage von innen heraus? Immerhin verspricht der Marsch nach Riverrun zum Haus Tully anlässlich des Dahinscheidens seines Oberhauptes Hoster Tully, Catelyns Vater, neue Unterstützung im Kampf gegen die Lannisters. Auf Familie war bisher immer noch Verlass.

Mittlerweile entwickelt sich Harrenhall zu einem faszinierenden Knotenpunkt der Handlungsstränge. Ein wunderbares Beispiel dafür, wie gut nicht Figuren, sondern auch Handlungsorte als Fixpunkte der komplexen Narration von GAME OF THRONES dienen können. Der Reiz des Ortes liegt darin, dass sich die unterschiedlichen Figuren, die in der Burgruine ein und aus gehen, dabei nie über den Weg laufen. Es ist ebenso ironisch wie auch tragisch, wie knapp sich etwa Arya und ihr Bruder Robb sowie Mutter Catelyn in Harrenhall verpassen (und diese wiederum Brienne sowie den Kingslayer verpassen werden). Als nämlich Robb Stark Tywin Lannister als neuen Burgherren in VALAR DOTHAERIS abgelöst hat, ist die aus Harrenhall geflohene Arya mit ihren Freunden Hot Pie und Gendry eben jener Bande in die Arme gelaufen, über die die Gefangenen in Harrenhall brutal ausgefragt wurden: die Brotherhood without Banners. Eine charismatische Vigilantentruppe, die im Krieg der großen Adelshäuser sich auf die Seite der Wehrlosen stellt und sozusagen die Verbrechen an der Zivilbevölkerung, egal von welcher Seite begangen, gnadenlos vergelten. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie sich ihre „Freundlichkeit“ zu Arya ändern wird, nachdem einer ihrer Gefangenen, Sandor Clegane, Aryas wahre Identität preisgegeben hat. Schließlich ist in dem Moment, in dem Robb und Catelyn Stark nach Riverrun aufgebrochen sind, Harrenhall zum unfreiwilligen Ziel von Jaime und Brienne geworden. Ihr amüsanter road trip à la MIDNIGHT RUN hat in DARK WINGS, DARK WORDS nämlich ein jähes Ende gefunden. Nach einem ausdrucksvollen Zweikampf auf einer offenen Brücke, bei dem ein geschwächter Jaime der Hünin Brienne unterlag, wurden sie von Lord Roose Boltons Schergen gefangen genommen werden und nach Harrenhall abgeführt. Tja, alle Wege in Westeros führen nach Harrenhall…

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Daheim in Dragonstone leckt Stannis Baratheon seine Wunden nach der Niederlage am Blackwater. © HBO

DRAGONSTONE

Unter allen Handlungssträngen zählt der um Stannis Baratheon zu den befremdlichsten. In der zweiten Staffel als verbissener Anwärter auf den Eisernen Thron eingeführt, machte sein unbarmherziger Gerechtigkeitswahn es dem Zuschauer nicht leicht, wirklich Sympathien für ihn zu empfinden. Umso schwerer ist es, die unbedingte Hingabe nachzuvollziehen, mit der Ex-Schmuggler Davos seinem Herrn Stannis dient. Selbst nachdem er in dem Wildfire-Flammen am Blackwater seinen Sohn verloren hat, macht sich Davos nach Dragonstone auf, um sich wieder in die Dienste seines Herren zu stellen. Seine Loyalität zu Stannis ist beinahe ebenso fanatisch wie Melisandres Glaube, die in Stannis weiterhin den auserwählten Heilsbringer sieht. Davos macht die falschen Versprechungen der Roten Priesterin für den Tod seines Sohnes sowie vieler anderer verantwortlich – Doch stellt sich mit Melisandre in der Tat eher die Frage, ob es nicht Davos‘ Schuld gewesen ist, dass Stannis die Schlacht verlor. Hat er doch Stannis dazu gebracht, Melisandre zurückzulassen. Hätte Stannis mithilfe ihrer obskuren Zauberkunst gewonnen? Stannis hat jedenfalls seine Schlüsse gezogen und sich für Melisandre entschieden. Davos liegt in Ketten. An Unberechenbarkeit hat dieser Erzählstrang jedenfalls nichts eingebüßt.

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Das Land der Sklavenhändler eröffnet Daenerys Targaryen neue Möglichkeiten – und Gefahren. © HBO

ASTAPOR

Auch Daenerys hat ihre Lektion in Qarth gelernt und ist an ihr gewachsen. Versinnbildlicht wird ihr Reifeprozess im rapiden Wachstum ihrer Drachen. Aus den niedlichen Schoßtierchen werden mit der Zeit wahre Ungeheuer, eine ernstzunehmende Bedrohung. Dany hat gelernt, dass der Weg zur Macht seine Opfer fordert. In der Stadt Astapor hat sie eine Armee trainierter Kampfmaschine begutachtet, die Unsullied. Wie ihre Drachen ist sie nun bereit, Zähne zu zeigen und Blut zu vergießen, wenn nötig. Nur wird es nicht, wie bei den meisten anderen Wettstreiter um den Eisernen Thron, das Blut der Unschuldigen sein, sondern der Ungerechten. Dass ihr Kampf mit den warlocks, dessen Heiligtum sie in Brand gesetzt hat, noch nicht vorbei ist, demonstriert ein Mordanschlag auf ihr Leben, der in letzter Minute von einem unverhofften, neuen Verbündeten vereitelt werden konnte. Ser Barristan Selmy, einst Anführer der Königsgarde und von Joffrey unritterlich aus seinem Dienst entlassen, stellt sich und sein Schwert nun in die Dienste des letzten Nachkommens der Targaryens. Sehr zum Unmut von Jorah Mormont. Selmy stellt für ihn eine doppelte Bedrohung dar: Einmal als Konkurrenz um die Gunst seiner khaleesi und zum anderen als jemand, der von Mormonts Rolle als Spion für Robert Baratheon gewusst haben könnte.

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„Jugglers and singers require applause.“ Lord Tywin Lannister, die neue Hand des Königs, „belohnt“ seinen Sohn Tyrion für die Rettung der Stadt, indem er ihn aus der Erbfolge für Caterly Rock ausschließt. © HBO

KING’S LANDING

Zuletzt der Ort, an dem sich das GAME OF THRONES verdichtet: King’s Landing. Die Handlungsstränge in der Hauptstadt allein würden als Serienaufhänger ausreichen, um eine fesselnde Politthriller-Geschichte um Macht, Korruption, Verrat und Intrige zu bieten. BLACKWATER, die vorletzte Episode der zweiten Staffel hat es vorgemacht: KING’S LANDING – THE WEST WING of Westeros.

Vereinfacht zeichnet sich in King’s Landing zu Beginn der dritten Staffel folgende Konfliktkonstellation ab: Tyrion vs. Rest der Lannisters vs. Tyrells. Tyrion findet sich in einem kümmerlichen Kämmerlein der Königsburg Red Keep wieder. Wie schon Eddard Stark vor ihm hat er als Hand des Königs das GAME OF THRONES verloren, weil er das Richtige getan hat, zum Helden wurde. Zwar konnte er im Gegensatz zu seinem Vorgänger seinen Kopf behalten, doch durchzieht nun eine große Narbe sein Gesicht. Doch ist es mehr eine psychische Wunde als eine physische: Wird sie ihn doch stets daran erinnern, dass sie ihm im Schlachtengetümmel nicht von seinen Feinden, sondern seiner Familie zugezogen wurde. Ein missglückter Mordanschlag im Auftrag seiner intriganten Schwester Cersei. Auch von seinem selbstgerechten Vater Tywin kassiert Tyrion in VALAR DOTHAERIS weitere Hiebe auf die Seele. Mehr und mehr treibt seine Familie Tyrion das Messer in die Seite. Wird er sich, aller Macht beraubt, zur Wehr setzen können? Immerhin steht ihm weiterhin Söldner Bronn zur Seite, der beste Freund, den man sich kaufen kann. Doch haben sich seine Preise verdoppelt, er ist zum Ritter geschlagen worden.

NEGATIV_GAME OF THRONES_Dark Wings, Dark Words_Olenna Tyrell, Margaery, Sansa

Mit Hirn, Charme und Lemonenkuchen: Diana „Emma Peel“ Rigg bereichert den prominenten GAME OF THRONES-Cast als scharfzüngige Lady Olenna Tyrell, der Queen of Thorns aus Highgarden. © HBO

Auch wenn Tyrion vorerst keine Bedrohung mehr für Cersei darstellt, muss die Königsmutter doch feststellen, dass sie in der Königin und Schwiegertochter in spe einen neuen Gegner gefunden hat: Margaery Tyrell. Joffreys neue Braut stellt das absolute Gegenbild zu den Lannisters dar. In VALAR DOTHAERIS veräußerlicht sich dieser Gegensatz einmal mehr über das raffinierte Spiel mit dem Handlungsort. Hier ist es Flea Bottom, die Slums von King’s Landing. Seit Joffrey an jenem Ort fast sein Leben in einem blutigen Aufstand verloren hätte – kam er doch auf die kluge Idee, seiner Garde zu befehlen, alle Anwesenden Menschen hinzurichten, nachdem er mit Dreck beworfen wurde – traut er sich in diesen Teil der Stadt nur noch mit gepanzerter Sänfte. Wie jeder Tyrann fürchtet er sich vor dem Volk, das er unterdrückt. Eben an diesem Ort wagt Margaery das Unglaubliche: Sie steigt aus der königlichen Karawane aus und begibt sich ohne jeglichen Schutz unter die Ärmsten der Armen. Sie besucht ein Waisenhaus und kümmert sich um jene Kinder, die Joffreys Krieg um ihre Väter brachte. Margaery – die Prinzessin Diana von King’s Landing. Ihre charity work ist ein genialer, politischer Schachzug. Denn langfristig ist Cerseis Macht-Agenda power is power zum scheitern verurteilt. Nach ihr behält derjenige die Macht, der sie auch ausübt, doch hat die Geschichte gezeigt, dass die Machthabenden von den Unterdrückten gestürzt werden können. Margaery regiert dagegen nicht mit Furcht, sondern mit Liebe. Sie gewinnt das Vertrauen ihrer Untertanen und genießt ihre volle Unterstützung – eine mächtige Waffe. Denn bei aller Freundlichkeit darf man nicht vergessen, dass Margaery ebenso wie Cersei von einer rigorosen Ambition getrieben ist. Anders als Sansa versteht Margaery sofort, wie sie sich Joffrey annähern kann, ohne gleich von ihm in die Opferrolle gedrängt zu werden. In DARK WINGS, DARK WORDS spricht sie zu seinem wahren Wesen und hat den kleinen Sadisten um den Finger gewickelt. Margaery will Königin werden – und Joffrey ist ihr Werkzeug.

Zwischen den Fronten steht Sansa. Im großen Intrigenspiel erscheint sie nur noch als kleines Steinchen, das zwischen den Gegnern hin- und hergeschoben wird. Jetzt, da ihre Verlobung mit Joffrey aufgehoben wurde, bekunden allerlei Parteien ihr Interesse an der Starktochter: Littlefinger möchte ihr helfen, aus King’s Landing zu fliehen, die Tyrells möchten über Sansa so viel wie möglich über Joffrey erfahren, selbst Tyrion möchte ihr helfen. Doch: Sind die Feinde meiner Feinde zwangsläufig meine Freunde?

Große Ereignisse stehen in der dritten Staffel GAME OF THRONES bevor. Nach zwei Folgen Exposition ist der Weg zu einer spannungsreichen Staffel bereitet. A STORM OF SWORDS is coming.

 

Bild-Copyright: HBO