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Alle reden vom Wetter… – die 120 Tage von Caligari, Folge 2

von | 30 Mai 2015 | Rüdiger Suchsland auf Filmtour | 0 Kommentare

Kracauer, Popkultur und zwei Interviews auf dem Weg nach Köln

Die meisten Filmkritiken sind erschienen. Ich bin nicht so unzufrieden mit den meisten Texten, im Großen, Ganzen wird VON CALIGARI ZU HITLER positiv besprochen, mit kleinen Einschränkungen, paar Einwänden, damit muss ich leben. Auf einige Texte und auf Argumente, die immer wiederkehren, werde ich noch eingehen.

Natürlich hätte ich mir insgesamt etwas mehr Enthusiasmus von Kollegenseite gewünscht, mehr Eingehen auf das, was ich gemacht habe und nicht nur Anmerkungen zu dem, was ich hätte machen sollen, oder das Auflisten von (angeblichen) Fehlern. Aber das ist angesichts des Themas Geschichte des Weimarer Kinos, des Zustands der Filmkritik in Deutschland, und gewisser persönlicher Dispositionen, wohl zu viel verlangt.

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Die Sendung Scala auf WDR 5 hat mit mir ein schönes Interview gemacht. Lutz Graefe hat den Film dort auch besprochen.

Und Peter Claus hat den Film für die Sendung Mosaik auf WDR 3 rezensiert.

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Ein besonderes Interview zum Nachlesen gibt es auf der österreichischen Website mit dem schrägen Titel Vergammelte Paradeiser. Da sage ich unter anderem:

Kracauer hat sich auch für das interessiert, was man heute Popkultur nennt. Damals waren das die Elemente, die von der Hochkultur verdrängt wurden. Das Kino galt seinerzeit als Kunst für den Jahrmarkt. In der Literatur gab es solche schrecklichen Sachen wie Horror nicht. Ja, bei Macbeth tauchen auch Geister auf, aber Bram Stokers Romane galten als B-Romane. Kracauer war wegen seines Interesses für das Kino immer ein Außenseiter in den Frankfurter Intellektuellenkreisen. Anders als Adorno, der aber doch ziemlich oft ins Kino gegangen ist, dafür, dass er es so scheiße fand.

Ich glaube, dass unser Blick auf das Weimarer Kino von der Kluft zwischen E- und U-Filmen geprägt ist, zwischen Unterhaltungs- und Autorenfilmen, als ob das Weimarer Kino nur aus dieser Hochkultur bestünde. Man kann darüber streiten, wie hochkulturell Nosferatu oder Metropolis wirklich sind. Ich glaube, dass diese Filme allesamt Hochkultur sind, weil dazu alles gehört, was von besonderem Wert ist. Ich habe versucht, diesen Wert auch in den Filmen zu zeigen, die auf die breite Masse zielen. Aber diese Kluft zwischen Ernst und Unterhaltung gibt es noch heute.

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Das Publikum auf der Kinotour reagiert positiv, und den Kinobetreibern sind die Kritiken inhaltlich relativ egal, Hauptsache es war „was groß in der Zeitung“. Und das war es. Auch mal nen guter, überraschender Einblick.

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Endlich freue ich mich mal über schlechtes Wetter. Hoffentlich bleibt es noch eine Weile relativ kalt und am Himmel wolkenverhangen, aber ohne Regen. Eigentlich ideales Kinowetter. Ob die Leute sich wohl für die deutsche Filmgeschichte interessieren? Ich hoffe es jedenfalls und vertraue mal darauf, dass Qualität sich durchsetzt.

VON CALIGARI ZU HITLER ist ja keineswegs nur ein Film für Bildungsbürger. Sondern auch für Kinogänger, denen das heutige Kino zu brav und zu langweilig, zu vorhersehbar ist. Sie werden überrascht sein, über den Wagemut und die Risikobereitschaft der Regisseure der Weimarer Republik.

Davon abgesehen, hab ich auch gar nichts gegen das echte Bildungsbürgertum. Die, die sich den Begriff nur anschminken, damit sie sich als was Besseres fühlen können, gegen die hab ich schon was.

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Jetzt bin ich auf dem Weg nach Köln. Um 18 Uhr läuft der Film da in der Filmpalette. Das anschließende Filmgespräch wird dort heute mal recht kompakt werden, denn natürlich möchte ich das DFB-Pokalfinale sehen, und hoffe sehr auf einen Sieg des BVB!

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