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Arirang

Arirang ist ein Film über Kim Ki Duk. Gefilmt wird in den ersten Einstellungen vor allem seine Katze. Ist die Katze Kim Ki Duk? Es folgen Innenaufnahmen seiner Hütte. Ist die Hütte Kim Ki Duk? Im Autorenkino gilt: Alles ist Kim Ki Duk in einem Film über Kim Ki Duk. Der koreanische Regisseur kann keine Filme mehr machen, also filmt er sich selber.

Vor kurzem wurde bekannt gegeben, dass die US-amerikanische Sitcom Community, die nicht fortgesetzt werden sollte, doch eine neue Staffel bekommt. In der fünften Episode der zweiten Staffel soll Abed, das leicht autistische Genie unter den Figuren, einen Werbefilm über Jesus drehen. In Abeds Vision würde für die post-postmoderne Welt ein Film passen, in welchem ein Kameramann mit seiner Kamera das Leben von Jesus erforscht, um zu erfahren, dass er selbst Jesus ist, und dabei sucht er Gott mit der Kamera, während er von Gottes Kamera gefilmt wird. Das in Endlosschleife. Der Film soll ABED heißen, in Großbuschstaben, und alles gehört dazu: Film und die Wirklichkeit um den Film, das Reden über den Film. Alles, was geschieht, ist und ist nicht Teil des Films. In einer Welt, in welcher, wenn nach „God“ in Youtube gesucht wird, God of Farts das erste Ergebnis ausmacht.

Hier erklärt Abed sein Projekt:

Nicht anders wird Kim Ki Duks Film auf den Zuschauer wirken, doch seine Welt ist nicht die, die in Community portraitiert wird. Einsam in einer Hütte isst, trinkt, betrinkt und stinkt der Filmemacher, inszeniert sich als Alter Ego um sich in einen Dialog über sich selbst, sein Filmemachen, über sein Leben und den Konflikt seiner Verantwortung zu verwickeln. Was am Anfang eher von den Fragen um die Katze und die Materialität der Welt Kim Ki Duks dramaturgisch motorisiert wird, entfaltet sich zunehmend zu einem cineastischen Abenteuer, das vielen aus einem cinephilen Publikum die Sicht auf die Identität eines Auteurs erschließen und bereichern wird.

Arirang

Kim Ki Duk erzählt von dem Unfall am Set von Dream, von der Unerträglichkeit der Erkenntnis, dass seine Geschichten mit dem Preis eines Menschenlebens entstehen könnten. Er weint, schreit, beschimpft aus seiner Einsamkeit heraus diejenigen, die ihn in seinem Glauben verraten haben, beschimpft das Publikum, zahlt den Preis der Ehrlichkeit. Er wälzt diese Ehrlichkeit philosophisch um, indem er sie als Filmemacher und potenzieller Zuschauer analysiert und interpretiert. Wir fragen uns mit ihm mit, er bringt uns bei zu verstehen, wie wichtig seine Filme sind, wie wichtig aber auch sein Seelenfrieden ist. Er interviewt sich, kadriert sich, verdoppelt sich auf einem Bildschirm und lacht und weint mit und über sich selbst, während wir fasziniert ihm, seinen Motiven, näher kommen. Uns seinen nächsten Film wünschen.

Viel wichtiger jedoch ist Kim Ki Duk selbst, mit seiner Lebensgeschichte, mit seiner Arbeit auf dem Schrottplatz, oder in der Fabrik, ist die Quelle dieses autorialen Wunders, dass uns fünfzehn Filme schenkte in den letzten Jahren, dass die Anerkennung der größten Festivals (dieser Film wurde mit un certain régard geehrt) – und, ironischerweise, damit die seines Landes – geerntet hat. In dieser dort, in den Anfängen, geprägten Einfachheit quellt dieses Wunder. In kleinen, elementaren Welten, die filmisch universelle Noten bekommen. Kim Ki Duk ist ein Bastler, ein Schöpfer. Zeugen dafür sind seine selbst gebaute Espressomaschine – wie seine Filme, ein Kunstwerk für sich – und seine Pistole. Damit tötet er seine Feinde symbolisch, bevor er am Ende des Films die Waffe auf sich, im Gegenschnitt auf uns, richtet.

Abed, das Genie aus Community, sieht kurz vor dem Drehende ein: Sein Film macht keinen Sinn. Er ist damit zu einem der Youtuber geworden, die sich selbst filmen und online stellen. Sein Film wird aber vernichtet, und alle denken, dass er so gut gewesen wäre, dass es ihn nie hätte geben dürfen. Kim Ki Duks Film läuft in den Kinos. Und wir alle können seiner Genialität zusehen.

Arirang –  Pressespiegel bei film-zeit.de

Arirang

Arirang – Bekenntnisse eines Filmemachers/ Arirang
R,B,K: Kim Ki Duk
D: Kim Ki Duk
Südkorea, 2011, 100 Min.
Rapid Eye Movies
OmdU
Kinostart: 26.1.2012