SLUGA, Vadim Abdrashitov, UdSSR 1989
Mein zweiter Film von Vadim Abdrashitov und es kristallisieren sich bereits einige Konstanten heraus. Wie schon in PLUMBUM ODER GEFÄHRLICHES SPIEL scheint sich Adrashitov gemeinsam mit seinem Drehbuchautor Aleksandr Mindadze auch in DER DIENER für ein rückwärtsgewandtes Abtasten der Sowjetzeit nach bestimmten Verhaltens- und Existenzmustern zu interessieren, um diese dann betont überspitzt in den F...
PLYUMBUM, ILI OPASNAYA IGRA, Vadim Abdrashitov, UdSSR 1987
Plumbum, so der lateinische Terminus für Blei. Eine bleierne Aura, jenseits wohlig filmischer Unbehaglichkeit, geht auch von der Fokusfigur dieses Films, Ruslan Chutko (Anton Androsov), aus. Seine Gestalt schreibt sich mit einer seltsamen Ökonomie des Ausdrucks in die Umwelt ein, der Blick stets starr, zielgerichtet, die Körperbewegungen kontrolliert, funktionalisiert. Plumbum, ...
TAKSI-BLYUZ, Pavel Lungin, UdSSR 1990
Bereits beim Filmtitel beginnen die intertextuellen Anspielungen und auch im weiteren Verlauf macht TAXI BLUES keinen Hehl aus einem seiner zentralen Reverenzobjekte. Schon etwas in der Physiognomie von Pyotr Zaychenko sowie vor allem seine Art zu spielen, der starr fixierte, oft ins Fanatische abdriftende Blick und die roh ausgestellte Männlichkeit bilden unübersehbare Parallelen zu Robert De Niros ...
Es ist wahr, man kann Filme aus einer längst vergangenen Epoche heute nicht mit denselben Augen wie die damaligen Zuschauer sehen. Dasselbe gilt auch für die polnischen Dokumentarfilme der Schwarzen Serie aus den 50er Jahren. Der zentralen Intention der Regisseure, auf die gesellschaftlichen Probleme im Polen der Nachkriegszeit zu verweisen, kann man als heutiger Zuschauer zumindest auf empathischer Ebene nicht unbedingt folgen, ganz im Geg...
GOROD ZERO, Karen Shakhnazarov, UdSSR 1989
Ein ästhetisch unerwarteter Kontrast, die sich zunächst einstellende Einheitlichkeit der Bilder sprengend, vereinnahmt für sich den Anfangspart von CITY ZERO. Aus dem Blickwinkel des Protagonisten Aleksei Varakin (Leonid Filatov), eines Moskauer Ingenieurs auf Dienstreise, zeigt der Film zunächst die gängig dem Realismus verschriebenen, tristen Aufnahmen einer heruntergekommen Kleinstadt: Dar...
UBIT DRAKONA, Mark Zakharov, UdSSR 1988.
DEN DRACHEN TÖTEN basiert auf dem gleichnamigen Stück des sowjetischen Dramaturgen Evgeny Shvarts aus dem Jahr 1944. Vordergründig folgt der Film dem darin enthaltenen Plot, ohne auch nur geringfügig abzuschweifen: Der fahrende Ritter Lanzelot (Aleksandr Abdulov) gelangt in eine kleine Stadt, die von einem Drachen (Oleg Yankovskiy) beherrscht und tyrannisiert wird. Er will den unterjochten Bewohnern...
Ein Film, der einen Bildproduktionsmechanismus ausstellt, imitiert, immer wieder, sich durch ihn strukturiert und trügerisch ordnet. Der Ertrag dieser fortwährenden Produktion: Einstellungen, geometrisch genau angeordneten Gruppenfotografien gleichend, oft von Kohlenarbeitern, sich in entsprechende Posen werfender Menschen, manche ihre Schaufeln gen Himmel gereckt, andere ikonische Embleme, Fahnen, Abzeichen, hochhaltend, die Gesichter läc...
Zu Beginn von MY WAY HOME folgt die Kamera einer Gruppe ungarischer Soldaten und Zivilisten, welche sich gegenseitig russische Begriffe beizubringen versuchen. Der Zweite Weltkrieg neigt sich dem Ende zu, die verbündete Wehrmacht ist geschlagen, sie wollen nun kapitulieren, bei den russischen Truppen Zuflucht und Schutz suchen. Teil dieser vorübergehender Gemeinschaft ist auch ein jünger Schüler (András Kozák), er wird sich schon nach k...
Über SILVI und TOWER
In den ersten Tagen beim LICHTER Filmfest bin ich auf zwei Werke gestoßen, die es schafften - vermutlich auch weil nacheinander geschaut - mich für kurze und doch intensiv empfundene Zeit in einen denkbar eigenartigen Zustand innerer Taubheit zu versetzten. Beiden kleinen, unabhängigen Spielfilm-Produktionen scheint eine ähnlich beschaffene Intensität innezuwohnen, welche sehr schwer in Worte zu fassen ist. Am eheste...
Geschmeidig setzt die Kamera zu einer sich hinziehenden Seitwärtsfahrt an, wird nach wenigen Sekunden lässig-sicheren Gangs von einem Mann eingeholt, adrett in Anzug, Krawatte und Sonnenbrille, gleich eines Agenten in geheimer Mission. Schließlich macht sich der Schnitt rapide bemerkbar, Detailaufnahmen reihen sich in einem Ansatz von Hip-Hop-Montage aneinander, ein goldfarben schimmerndes Zigarettenetui blitzt auf, die Flamme eines ästhe...