„Meister der toxischen Realismus“, nennt Laudator Feridun Zaimoglu den Mann, der kurz darauf auf der Bühne des Cinemaxx 1 den Douglas-Sirk-Preis des 20. Filmfestes Hamburg erhält, sich artig bei der Stadt Hamburg für die Unterstützung bei der Postproduktion seines Films FRÜHLING, SOMMER, HERBST, WINTER... UND FRÜHLING (2003) bedankt – und das koreanische Volkslied „Arirang“ anstimmt. Das ist mittlerweile schon Tradition bei Kim Ki...
Verzweifelt steht Avi am Strand und ruft Gott um Hilfe an. Sein Leben ist so chaotisch wie seine Gefühle, sein Weltbild ins Wanken geraten. Avi hat sich verliebt – ausgerechnet in Miri, das Mädchen, das Avi und seine Glaubensbrüder noch kürzlich zur Rede stellten, weil sie sich zu sexy anzog. Das gehörte bisher zu seinem Tagesinhalt: Im Gemüseladen seines Vaters aushelfen, freitags den Shabbat begehen, zu Bibelstunden die Synagoge besuc...
Der emotionale Höhepunkt des Abends kam – ganz im Sinne einer gelungenen Filmdaramturgie – am Ende des Eröffnungsabends des 20. Filmfests Hamburg: Da stand auf der großen Bühne ein kleiner Mann aus Kashmir, der sein Land noch nie zuvor verlassen hatte, noch nie geflogen war und zum ersten Mal in seinem Leben ein Kino von innen sah. Gulzar Ahmed Bhat ist der Hauptdarsteller des Eröffnungsfilms VALLEY OF SAINTS, ein Amateur, der im echten ...
Eine gut programmierte Festival-Sektion zeichnet sich dadurch aus, dass mindestens zwei Filme miteinander in Kommunikation treten; sich ergänzen oder abgrenzen, ein übergreifendes Narrativ entstehen lassen, das ein neues Licht auf die Einzelteile wirft. Wenn der "Godfather of Heavy Metal" auf ein paar vollbärtige Indie-Zausel aus Island trifft, dann entsteht ziemlich unerwartet ein solches Gespräch zwischen zwei Filmen. Beide Filme liefen in ...
Wenn das freie Wort, der wahre Ausdruck verwehrt sind, müssen Künstler andere Wege finden, um sich zu artikulieren. Die unter solchen Bedingungen entstehende Kunst zeichnet sich oft durch sublime Tiefe und großen Reichtum an subtilen Metaphern aus. Wo die direkte Kommunikation verboten ist, finden Künstler Wege und Umwege, trotzdem mit dem Rezipienten in Verbindung zu treten. Zeichen und Codes werden zu Trägern von Konnotationen, die im Offe...
Auch wenn man nach wenigen Tagen schon glaubt, sich in einem Paralleluniversum zu bewegen: Der Filmfestival-Alltag unterscheidet sich doch nicht so stark vom echten Leben. Hier wie dort kann man einen rabenschwarzen Tag erwischen. Nur sind die Gründe dafür unterschiedlich. Da sich bei einem Festival alles ausschließlich um Filme dreht, kann wenigstens nicht mehr passieren, als dass man einen Film verpasst. Da hält das wahre Leben manchmal wei...
Preisverleihungen sind ein festliches Ereignis. Laudatoren halten feinsinnige Reden, den Ausgezeichneten zu Ehren wird Musik gespielt, es gibt Blumensträuße, viel Applaus, die Preisübergabe. So wie gestern Abend im großen Saal des Hamburger Cinemaxx, wo Regisseur Andreas Dresen und sein Produzent Peter Rommel mit dem Douglas-Sirk-Preis des Hamburger Filmfestes ausgezeichnet wurden. Als Redner sprach Joachim Gauck, die Schauspielerin Gabriela ...
Hamburg ist nicht Cannes oder Venedig, aber zumindest was das Wetter angeht, scheint das Filmfest dieses Jahr in der A-Liga mitspielen zu wollen: Wo sich sonst mit Stürmen und Schauern der Herbst ankündigt, strahlt jetzt die Sonne von einem blitzsauberen blauen Himmel, als sei Hochsommer. Im Grindel-Viertel rund ums Abaton-Kino spielt sich das Leben auf der Straße ab, hippe Menschen in Flip-Flops und T-Shirts sitzen vor den Cafés, und unter d...
von Oliver Kaever30. September 2011
Kategorie Allgemein
Bei Filmfestivals prallen zwei Welten aufeinander: die des Glamours, der Stars, Sternchen, roten Teppiche und kurzen Schwarzen – und die der ernsten, in der breiten Öffentlichkeit als anstrengend empfundenen Filmkunst. Gestern Abend, bei der Eröffnungsveranstaltung des 19. Hamburger Filmfestivals, kollidierten diese beiden Welten unmittelbar. Es klang fast so, als wolle sich Festivalchef Albert Wiederspiel in seiner Rede rechtfertigen dafür,...
Zur Einstimmung auf das diesjährige Filmfest Hamburg, von dem wir umfangreich berichten werden, traf unser Autor Oliver Kaever den Festivalleiter Albert Wiederspiel zu einem Gespräch. Wir bedanken uns für die umfangreichen Eindrücke und freuen uns auf das Festival, das vom 29. September bis 8. Oktober stattfinden wird.NEGATIV: Herr Wiederspiel, sind Sie aufgeregt so kurz vor der Eröffnung des Hamburger Filmfestes?Albert Wiederspiel: Natürli...