von Sarina Lacaf21. Januar 2012
Kategorie Allgemein / DVD / Film / Kritik
Godard trifft Truffaut - Deux de la Vague beginnt mit einem Ende – mit dem berühmt gewordenen von Sie küssten und sie schlugen ihn / Les Quatre Cents Coups. Der junge Antoine Doinel (Jean-Pierre Léaud), der Ungeliebte, der Verstoßene, der soeben aus dem Heim geflohen ist, läuft auf das Meer zu, hält noch ein Mal inne, wendet sich uns zu. Das Bild gefriert in dem Moment, in dem sein Blick den der Kamera trifft. Am 4. Mai 1959 gewinnt Fran...
Ein staubiger Platz im Nichts, auf dem sich die verrosteten Überreste zweier Basketballkörbe gegenüberstehen. Braune Bergketten am Horizont, vereinzelte farblose Grasbüschel im Sand. Hier dreht Jacinto Medina (Gabino Rodríguez) auf einem klapprigen Drahtesel ohne Sattel seine Kreise. Er ist Hirte und das Land, auf das er seine Ziegen führt, so dürr, dass er den einzigen mickrigen Baum in Sichtweite opfern muss, um ihnen ein paar grüne St...
Zu ergründen, wie viel politischer Gehalt sich in unseren Nahrungsmitteln versteckt, hat sich das Kino in den letzten Jahren zur Aufgabe gemacht. Dokumentationen wie We feed the World, Food Inc. und Unser täglich Brot haben vorgeführt, wie jeder Barcode, der an der Supermarktkasse über den Scanner gezogen wird, eine Stimme für oder gegen industrialisierte Massenproduktion und Monopolbildung abgibt, und wie sehr die westlichen Staaten durch S...
von Sarina Lacaf17. August 2011
Kategorie Allgemein / DVD / Film / Kritik
Über die Landkarte der Vereinigten Staaten rollt ein Konvoi schwarzer Limousinen. Aus der Vogelperspektive sehen wir Amerika als Spielbrett. Dann gleitet die Kamera langsam herab zu den Figuren, die sich darauf bewegen. Das Dorf Dogville hat Grace (Bryce Dallas Howard) soeben mitsamt ihrer dort behausten Peiniger in Schutt und Asche hinter sich gelassen und befindet sich nun mit ihrem Vater (Willem Dafoe) und dessen Gangsterbande auf der Durchre...
von Sarina Lacaf27. Februar 2011
Kategorie Allgemein / DVD / Film / Kritik
Ein absonderlicher Bub mit runden Brillengläsern und kariertem Hemd nummeriert akribisch Tierkadaver und liefert im voice over kontinuierlich Anleitungen zu immer bizarrer anmutenden Spielen. Seine Freundin, ein seilchenspringendes Püppchen, rezitiert in dunkler Nacht im Singsang die Namen von hundert Fixsternen. „Es gibt mehr als hundert. Warum hast du aufgehört?“, wird sie gefragt. Ihre Antwort lautet: „Wenn du erst einmal hundert gez...
Die Welt ist ein offenes Spielfeld. Europäer leben in Afrika, Afrikaner in Europa. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt. Und dennoch, das macht Schlafkrankheit deutlich, geht mit der Explosion der Optionen, mit der ins Endlose steigenden Anzahl potenzieller Lebensräume, das Eigentliche verloren. Ulrich Köhler erzählt in seinem Wettbewerbsbeitrag zur Berlinale 2011 nicht nur von der Schwierigkeit, in der Fremde vertraut zu werden, sondern auch v...
von Sarina Lacaf3. Februar 2011
Kategorie Allgemein / Film / Kino / Kritik
Camille (Clémentine Beaugrand) ist jung und schön und hat beschlossen, ihr Herz an den Nächstbesten zu verschenken. „Wenn ich seine innere Schönheit nicht erkennen kann, fehlt meinem Leben das Fundament. Wenn er ein Versager ist, dann bin auch ich einer.“ Es geht um den Blickwinkel. Darum, dass jemand vermeintlich Abstoßendes unversehens seine Liebenswürdigkeit offenbaren kann, wenn man ihm nur die Gelegenheit gibt, vom Fremden zum Vert...
„Willkommen in der Steppe. Willkommen in dem Land, in dem es alles gibt. Wir haben das Meer. Und Berge und Wälder.” Diese Worte bietet ein turkmenischer Balladensänger als Einführung in seine Heimat an, während ein angereister Fotograf aus Teheran, der das „wahre turkmenische Leben“ einzufangen zum Ziel hat, ihn in lächerlicher Montur wie ein Requisit hin und her schiebt, um ihn glaubwürdig vor der entsprechenden Kulisse zu position...
Ein junger Mann (Artur Smolyaninov) sitzt im Bus, seine Super-8-Kamera ist aus dem Fenster gerichtet. „Das bin ich“, erklärt die Erzählerstimme aus dem Off, „Ich bin achtzehn und ich mag Theater. Ich beginne gerade mit einer Geschichte über meine Freunde“.
1987. Der Freiheitswahn während der sowjetischen Perestroika verwandelt die jugendliche Blütezeit in einen andauernden selbstzerstörerischen Drogentrip. Im zarten Alter von d...
von Sarina Lacaf8. November 2010
Kategorie Allgemein
Auch Indie schützt vor Staraufgebot nicht und so holt das exground Filmfest im Rahmen seiner „American Independents“- Sparte Francis Ford Coppolas jüngstes Werk Tetro auf die ihm bisher nur selten gewährte deutsche Leinwand. Vom Meister selbst finanziert und geschrieben, wird in schwarz-weißen Bildern die Geschichte zweier sich fremd gewordener Brüder erzählt, die sich (passend zum diesjährigen lateinamerikanischen Fokus des exgrounds)...