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Besser Scheitern – GAME OF THRONES: OATHBREAKER (S06E03)

von | 10 Mai 2016 | Game of Thrones | 1 Kommentar

Danys Schicksal hängt am seidenen Faden. Varys lüftet die Identität der Sons of the Harpy. Bran erfährt die Wahrheit über ein legendäres Schwert-Duell. Sein Bruder Rickon wird in Winterfell zu Ramsays Gefangenen. Arya hat ihr Augenlicht wieder und Jon Snow schließt mit der Nachtwache ab. OATHBREAKER ist eine typische Transit-Episode. Die Handlung wird aus den neuen Startpositionen der Exposition langsam in Gang gesetzt. Sehr langsam. Die Folge serviert uns kleine Häppchen, die unseren Hunger auf Antworten doch nicht stillt, sondern noch weiter antreibt. Wie bei Bran erweckt das Gesehene in uns den sehnlichen Wunsch nach mehr. „Enough for today“, sagt dann der Rabe und holt uns zurück in Wirklichkeit. Ausgerechnet jetzt! 50 Minuten GAME OF THRONES sind einfach nicht genug.

 Diese Folge in Zahlen:

Hauptfiguren

Orte

Erste Auftritte

Letzte Auftritte

Try again. Fail again. Fail better.

Snow out! Nach seiner Auferstehung ist Jon nur noch für kurze Zeit als Lord Commander der Nachtwache aktiv, bevor er das Schwarz endgültig ablegt. © HBO

I shouldn’t be here.“ Zweite Chancen sind rar in Westeros. „When you play the game of thrones, you win or you die. There is no middle ground“, sagte Cersei einst in YOU WIN OR YOU DIE. GAME OF THRONES kennt nur zwei mögliche Ergebnisse: Leben oder Tod. Du entscheidest, du kämpfst, du stirbst. Diese Regeln gelten für jeden. Jon Snow ist der erste, der das Rad bricht. Er hat er sich entschieden, das Richtige zu tun, und wurde dafür ermordet. Jetzt ist er von den Toten zurück. Nicht, weil er will, sondern weil wir wollen: So darf seine Geschichte nicht enden. Der Gescheiterte bekommt eine zweite Chance. Wozu? Um besser zu scheitern, antwortet Davos frei nach Samuel Beckett.

So trägt Jon ein letztes Mal die Last des Lord Commanders. Er vollstreckt die Hinrichtung der Rädelsführer der Meuterei – Bowen Marsh, Othell Yarwyck, Ser Alliser Thorne, Olly – und legt sein Amt nieder. Das Schwarz der Nachtwache, das ihn durch Eid, Pflicht und Kodex einschränkte, übergibt er an seinen Freund Edd und kehrt der Mauer endlich den Rücken: „And now my watch is ended.“ Wohin wird sein Weg ihn führen? Werden Davos und Tormund sich ihm anschließen? Jon Snows Handlungen waren vorhersehbar. Jon 2.0 ist unberechenbar. Der neue Joker im Spiel der Throne.

 F**K the Traditions

Smalljon Umber überbringt Rickon Stark an Ramsay Bolton. Der Sohn des anscheinend verstorbenen Greatjon Umber hat die kräftige Ausdrucksweise seines Vaters geerbt. Das war‘s dann aber auch schon. © HBO

Ehre, Integrität, Tradition – mehr Schein als Sein. Der Krieg hat die Reihen der guten Menschen in den Sieben Königreichen ausgedünnt. Die Starks waren noch aufrechte Leute, ebenso Stannis Baratheon. Weit hat es sie nicht gebracht. Im Norden und Süden, im Osten und Westen herrschen nun die unrechtmäßigen Usurpatoren. Die junge Generation hat aus den Fehlern der Alten gelernt. Gerade im Norden. Sie sind Opportunisten geworden, Pragmatiker, wie Smalljon Umber. Er schließt sich Ramsay Bolton an, weigert sich aber, das Knie zu beugen. Wieso auch? Eine bedeutungslose Geste, die auch Ramsays Vater nicht davon abgehalten hat, seinen König zu verraten. Ehrbarkeit ist nur eine Fassade, mit der sich die Mächtigen in GAME OF THRONES schmücken. Sie endet dort, wo der eigene Vorteil anfängt.

Jedoch darf man den Bogen nicht überspannen. In King’s Landing haben Cersei und Jaime Lannister ihr Vertrauen verspielt. Mit Gewalt sichern sie sich ihren Platz am Tisch des Small Councils. Dieser verlässt jedoch unter der Führung von Kevan Lannister prompt die Räumlichkeiten. Cerseis Walk of Shame hat ihr Ansehen zerstört. Die entblößte Sünderin verwendet Gewalt, um die erlittene Schmach zu vergelten und den Respekt zurückzugewinnen. Dabei verlässt sie sich auf ihre neue Trumpfkarte, dem Mountain-Zombie. Um sich von den Anschuldigungen des High Sparrows zu befreien, strebt sie ein Kampfgericht an, in dem Ser Gregor ihre Unschuld blutig einfordern wird. Das letzte Mal, als sich ein Lannister mit einem Trial by Combat frei kaufen wollte, ist es allerdings alles andere als geplant verlaufen.

Die Orte dieser Folge

OATHBREAKER. Der Titel der dritten Folge verweist auf das Brechen mit Schwüren, Vorsätzen und Erwartungen. Nicht nur die Mauer ist in letzter Zeit zu einem häufigen Ort des Eidbruches geworden. Auf der anderen Seite der Narrow Sea gerät Dany in Vaes Dothrak in Schwierigkeiten, weil sie sich gegen die Gepflogenheiten der Dothrakis gestellt hat. Ihr Platz wäre an der Seite der anderen verwitweten khaleesis gewesen, statt in Slaver’s Bay einzumarschieren und die Städte von der unmenschlichen Tradition der Sklaverei loszuschlagen. Eigentlich halten sich in GAME OF THRONES nur noch hoffnungslose Naivlinge wie Samwell Tarly an die Spielregeln. Auf dem Weg nach Oldtown will er Gilly und ihr Baby bei seiner Familie in Horn Hill abgegeben, da in der Zitadelle keine Frauen erlaubt sind. Sam will Maester werden, um der Nachtwache, um seinem Freund Jon zu dienen. Doch wird er seinen Zielen noch treu bleiben, wenn er erfährt, dass Jon die Nachtwache verlassen hat, nachdem sie ihn ermordete?

The Man Who Killed Arthur Dayne

Dekonstruktion einer Legende? Der Kampf zwischen Eddard Stark und Arthur Dayne am Tower of Joy hat sich doch nicht ganz so zugetragen, wie Ned es seinen Söhnen erzählte. © HBO

Alles hat seine zwei Seiten, wie Varys Vala, einer überzeugten Unterstützerin der Sons of the Harpy, erklärt. Manchmal ist der Eidbruch jenes notwendige Mittel, um in der Schere zwischen Ideal und Wirklichkeit die einzig vernünftige Entscheidung zu fällen. So bringt er die Prostituierte dazu, ihm die Hintermänner der Sons of the Harpy zu verraten, indem er sie vor die Wahl stellt: Entweder für ihre Überzeugungen sterben oder die Harpys verraten und sich und ihren Sohn retten. Vala setzt das Persönliche über das Allgemeine. Varys‘ Relativismus regt zum Nachdenken an: Wäre Westeros wirklich ein besserer Ort, wenn sich alle wie Ned Stark verhalten würden? Immerhin hat der Verrat des Königsmörders am Mad King eine Stadt vor einem grausigen Schicksal bewahrt.

Und apropos Ned Stark: In einem weiteren Ausflug in die Vergangenheit entdeckt Bran, dass Geschichte das ist, was uns die Überlenden glauben lassen wollen. Zusammen mit dem Raven wohnt er einem legendären Schwertkampf bei, den er zu genüge aus Erzählungen kennt: Das Duell zwischen seinem Vater und dem Sword of the Morning, Ser Arthur Dayne. Zu der Zeit war Robert Baratheons Rebellion bereits beendet und die Targaryens geschlagen. Dayne verteidigte im Auftrag von Prinz Rhaegar zusammen mit einem anderen Kingsguard-Mitglied den Tower of Joy, in dem Eddard Stark seine entführte Schwester Lyanna vermutete. Ein Kampf entbrannte zwischen Nordmännern und Königsgardisten, an dessen Ende sich Eddard und Dayne allein gegenüberstanden. Ned war seinem Kontrahenten hoffnungslos unterlegen und konnte den Sieg nur mit Hilfe seines Begleiters Howland Reed erringen, der den Gegner unrühmlich von Hinten erstach.

Die Figuren der Folge

Hauptfiguren
Nebenfiguren
Erste Auftritte
Letzte Auftritte

Legenden bauen auf Lügen, wie uns schon John Ford in dem Western THE MAN WHO SHOT LIBERTY VALANCE bewies. Auch Eddard Stark ist nicht unbedingt der strahlende Ritter, für den wir ihn gehalten haben. Historische Überlieferungen sind in Westeros doch nur konstruierte Erzählungen, die widersprüchlichen Ereignissen nachträglich einen Sinn geben und ihre Protagonisten ins bestmögliche Licht rücken. Was erzählt wird ist genauso wichtig wie die Frage, wer erzählt und warum. In diesem multiperspektivischen Geflecht kommen Brans Visionen der Utopie einer objektiven Wahrheit am nächsten, weshalb man seine Fähigkeit gar nicht hoch genug schätzen kann. Bevor Bran jedoch erfahren kann, was sich in diesem Turm wirklich abspielte, holt ihn der Raven zurück. Ein Geheimnis nach dem anderen. Wo bleibt denn sonst der Spaß?


I fought, I lost. Now I rest.

Ser Alliser Thorne

Andere Gedanken:

  • Der Name OATHBREAKER nimmt Bezug auf das Schwert Oathkeeper, das wir in dieser Folge zusammen mit ihrer Besitzerin Brienne jedoch nicht zu Gesicht bekamen.
  • Lady Olenna Tyrell is back! Leider nicht als Hauptfigur, weswegen die anfänglich deklarierte Anzahl der Hauptfiguren unter Berücksichtigung von Roose Boltons Tod von 29 auf 27 zusammengeschrumpft ist. Dennoch: Wird die Queen of Thorns ihre Enkel Loras und Margaery aus den Fängen der Sparrows befreien können? Von Mace Tyrell sollte man jedenfalls keine Hilfe erwarten.
  • Tyrions Konversationsversuche mit Grey Worm und Missandei waren ein bisschen zu bemühter Comic Relief. In solchen Momenten kann ich die Kritik nachvollziehen, die Qualität der Dialoge in der Serie habe mit dem Verlust der Buchvorlage nachgelassen. Dennoch eine nette Idee, Tyrions Trinkspiel aufzugreifen, das er damals in BAELOR mit Shae spielte.
  • Also sind die Verräter doch an der Mauer hingerichtet worden. Mit Ser Alliser Thorne verlieren wir einen weiteren love-to-hate Schurken. Leb wohl Olly, du kleiner Drecksack. Für dich sei gesagt: You put a knife in my heart.
  • Wer nicht erwartet hatte, dass Arthur Dayne in letzter Sekunde von hinten erstochen wird, kurz bevor er Ned erschlagen konnte, hebt bitte die Hand. Was, immer noch so viele?
  • Ich mag ja Davos sehr. Aber was genau ist eigentlich momentan seine Motivation? Warum war er bereit, für Jon zu sterben, wieso wollte er ihn von den Toten zurückholen? Sollte er nicht lieber einmal die rote Priesterin nach Shireen ausfragen?
  • Wieder einmal zeigt OATHBREAKER, dass die räumliche Simultaneität der Erzählung keine zeitliche bedeutet: Die Ereignisse an der Mauer schlossen nahtlos an HOME an, während etwa Aryas Trainingsmontage sowie das Verbreiten der Nachricht von Roose Boltons Tod mehrere Tage in Anspruch genommen haben müsste.
  • „Who are you?“ – „No one“. Langsam wird Braavos redundant. Hoffen wir, dass mit Aryas Trainingserfolgen und dem Wiedererlangen ihres Augenlichts nicht nur ihre Ausbildung, sondern auch ihr Erzählstrang an Fahrt gewinnt. Als Plus war es schön zu hören, dass sie den Hound nicht gänzlich ohne Schuldgefühle in THE CHILDREN zurückgelassen hat.
  • Apropos: Hoffentlich findet der Plot von Sam und Gilly durch die leichte Kurskorrektur nach Horn Hill eine Aufwertung.
  • Tower of Mystery: Große Verwirrung herrscht um die Identität des zweiten Gardisten, der mit Ser Arthur Dayne den Tower of Joy verteidigte. Zunächst wurde angenommen, es handle sich um Ser Oswell Whent, doch bestätigte der Schauspieler Eddie Eyrie viaTwitter, die Rolle des Lord Commander der Kingsguard gespielt zu haben – der in der Folge an anderer Stelle bereits erwähnte Ser Gerold Hightower. Vertraut man Joffreys Rezitation aus dem Book of Brothers in TWO SWORDS waren sowohl Whent als auch Hightower an der Seite von Arthur Dayne gefallen. Vielleicht wartet Ser Whent noch als Endgegner im obersten Turmzimmer auf Ned…
  • Wie geriet Rickon plötzlich in die Hände von Smalljon Umber? Die Antwort lässt sich leicht erschließen: Als wir das letzte Mal von Osha, Rickon und Shaggy Dog (RIP) in THE RAINS OF CASTAMERE hörten, waren sie auf dem Weg nach Last Hearth, dem Sitz von Robbs treuem Bannermann Lord Jon „Greatjon“ Umber. Dieser war (in der Serie) zur Red Wedding nicht anwesend, doch an einem unbekannten Zeitpunkt danach eines natürlichen Todes gestorben, glaubt man Smalljon Umber. Als Rickon und Co. also in Last Hearth ankamen, mussten sie zwangsläufig Umbers missratenem Sohn über den Weg gelaufen sein.
  • Familientherapie: Nach und nach hatte der High Sparrow sein tête-à-tête mit den verschiedenen Mitgliedern der Lannister-Familie: Lancel, Cersei, Jaime und nun Tommen, von denen er mindestens zwei mit seinem Glauben missionieren konnte. Kommt als nächstes die Begegnung mit Kevan Lannister?
  • Wird der Zombie Mountain seinen Titel im nächsten Trial by Combat verteidigen können? Eine überaus spannende Fan-Theorie prophezeit, dass dieser Kampf, sollte er stattfinden, sehr vielversprechend sein könnte (*hust* Clegane Bowl *hust*).
  • Varys‘ kleine Vögelchen sind Kinder. Ob Qyburn sie auch so gut beherrschen kann wie der Eunuch?
  • This programme was presented to you in Bran-o-Vision: So werde ich ab jetzt alle Figuren titulieren, die wir durch Brans Ausflüge in die Vergangenheit kennenlernen
  • Zum ersten Mal seit WHAT IS DEAD MAY NEVER DIE ist Vaes Dothrak im Titelvorspann zu sehen (samt cooler Überleitung zu Meereen). Leider war kein Platz mehr für die Stadt Braavos, die jedoch ein Handlungsort in OATHBREAKER war, während das gezeigte Pyke in der Folge gar nicht vorkam.
  • Zum Schluss ein lustiges GoT-Spiel namens „Wer war das nochmal?“:
    • Vala – Die Prostituierte aus Meereen lockte in THE WARS TO COME einen Unsullied in die Falle, ebenso wie Grey Worms Patrouille in SONS OF THE HARPY, was den Tod von Barristan Selmy zur Folge hatte.
    • Littlefinger – Vermisste Hauptfigur. Seit THE GIFT nicht mehr gesehen. Aktueller Standort: Unbekannt.
    • Bronn – Siehe Littlefinger. Vermisst seit MOTHER’S MERCY.

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