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Egal ob Fantasy, Sci-Fi, Manga/Anime oder Videospiel – Auf der RingCon finden die unterschiedlichsten Fandoms zu einer großen Familie zusammen. © Maid & Host Café Strawberry Sundae

Egal ob Fantasy, Sci-Fi, Manga/Anime oder Videospiel – Auf der RingCon finden die unterschiedlichsten Fandoms zu einer großen Familie zusammen. © Maid & Host Café Strawberry Sundae

Auch dieses Jahr war das Programm der RingCon voll mit attraktiven Angeboten, die alle wahrzunehmen ein unmögliches Unterfangen gewesen wäre. Das ewige Dilemma: Um eine Veranstaltung zu besuchen, musste man auf mindestens zwei parallel stattfindende Programmpunkte verzichten – die jedoch nicht minder interessant gewesen wären. Mehr als einmal wünschte ich mir, über Hermine Grangers Zeitumkehrer zu verfügen, um eventuellen Paradoxien zum Trotz jeden Vortrag, Workshop oder Stargast besucht haben zu können. Da die Mittel in unserer Muggelwelt in der Hinsicht jedoch beschränkt sind, kann ich nur eine kleine Auswahl an persönlichen Highlights vorstellen, die sich in unserem RingCon-Wochenende abseits der großen Star-Panels abgespielt haben. Dazu hat Nicole hier ja schon ausgiebig berichtet.

TEAM TOLKIEN

Zur vertiefenden und durchaus auch kritischen Auseinandersetzung mit den auf der RingCon gefeierten Fantasy-Werken bot sich der Besuch der Vorträge und Diskussionen. Die Deutsche Tolkien Gesellschaft (DTG), die einst die Fantasy-Convention initiierte und mitveranstaltete, stellte einmal mehr den Großteil der Redner. Auch wenn sich der Fokus der RingCon mittlerweile auf zeitgenössische Fantasy-Phänomene in Film und Fernsehen ausgeweitet hat, bildete die Beschäftigung mit dem literarischen Erbe von J.R.R. Tolkien einen Schwerpunkt der diesjährigen Vorträge – getreu dem aktuellen Motto der DTG: Ohne Tolkien keine Fantasy!

In dieser Hinsicht war das vom Vorsitzenden der Deutschen Tolkien Gesellschaft, Tobias M. Eckrich, moderierte Streitgespräch zwischen Stefan Servos und Friedhelm Schneidewind über Peter Jacksons THE HOBBIT-Filme besonders anregend. Schneidewind betrachtete die Filme unter den Aspekten einer Literaturverfilmung. Peter Jackson sei nicht in seinem Vorgehen zu kritisieren, die für eine Verfilmung durchaus legitimen Änderungen vorgenommen zu haben, sondern vielmehr in seiner Haltung, den HOBBIT dennoch als „werktreue“ Umsetzung zu verkaufen. Er habe nicht Tolkiens Kinderbuch auf die Leinwand adaptiert, sondern tolkieneske Fan Fiction geschaffen. Servos lenkte dagegen ein, dass man die Filme mit Rückgriff auf die THE LORD OF THE RINGS-Trilogie als eigenständiges Kunstwerk bewerten solle. Unter diesem Vorzeichen musste er jedoch einräumen, dass Jackson mit seinen HOBBIT-Filmen weniger Tolkiens Werk schadete, als vielmehr seinem eigenen. Tatsächlich kann man sich dem Eindruck nicht verwehren, dass Jacksons notorisches Selbstzitieren in zahlreichen Szenen des HOBBITS die Magie der ursprünglichen Momente aus THE LORD OF THE RINGS banalisiert.
Die einzelnen Standpunkte wurden eingehend mit den Con-Besuchern diskutiert, die nicht nur mit einem fundierten Wissen zur Romanvorlage beeindruckten, sondern auch neue Aspekte und Perspektiven aufwarfen. Zum Beispiel Tauriel: Dargestellt als treue und selbstbewusste Kämpferin, begeht sie doch als Grenzwächterin mehrfachen Verrat. Sie wurde von den Filmemachern erschaffen, um ein Gegengewicht in der ansonsten vorwiegend von männlichen Figuren dominierten Geschichte zu bilden. Doch verkörpert sie eine alles andere als starke Frauenfigur, da ihre Rolle vor allem als Objekt der Begierde in dem Konflikt zwischen Legolas und Kili in Szene gesetzt ist. Echte Fans bohren tief!

Das Bundesamt für magische Wesen (BAfmW) hatte auf der RingCon 2014 seinen mobilen Infostand aufgebaut

Das Bundesamt für magische Wesen (BAfmW) hatte auf der RingCon 2014 seinen mobilen Infostand aufgebaut

Auf dem Weg von einer Veranstaltung zur anderen, vorbei an schrecklichen Ringgeistern, schönen Khaleesis und einem Stormtrooper (Kevin, God damnit!), hatten wir nicht immer die Möglichkeit, jedem Stand seine verdiente Aufmerksamkeit zu schenken. Schade! Es hat sich gelohnt, seine Zeit im Händlerraum zu verbringen oder einfach im Foyer mit offenen Augen herum zu wandeln. Neben den üblichen wunderbaren Kunsthandwerkern und Sammlershops blieb unser Interesse vor allem bei zwei Standorten hängen: Der erste war das Bundesamt für magische Wesen. Eine grandiose Idee für ein bisschen Realsatire made in Germany. In einem Land, wo sämtliche Lebensbereiche bereits über Ämter, Ausschüsse und Referate geregelt werden, ist ein Amt für das Fantastische nur der nächste logische Schritt. Einfallsreich verknüpft Bundesamt-Gründer Hagen Ulrich übernatürliche Motive mit allzu deutschen Marotten, seine Homepage ist allemal einen Click wert. Über seinen Unterhaltungswert hinaus versteht sich das Bundesamt jedoch auch als ernst gemeinte Plattform für deutsche Fantastik – immer mehr deutschsprachige Fantasy-Autoren treten dem Projekt bei, einen kleinen Kinospot gibt es auch schon. Also unterstützt das Bundesamt auf Facebook oder Youtube – ein wenig mehr Magie kann Deutschland immer vertragen.

Eine weitere Entdeckung war das Maid & Host Café Strawberry Sundae. Das Café stand ganz im Geiste der maid cafés aus Tokios berühmter Otaku-Oase Akihabara. Man konnte sich hinsetzen, sich an selbstgemachten Süßspeisen erfreuen und von jungen Kellnerinnen in Dienstmädchen-Outfits bedienen lassen. Sie setzten sich an den Tisch, plauderten mit ihren Gästen oder präsentierten die ein oder andere Tanzchoreographie. Passenderweise war das Café im Saal Reger unterbracht – der Location für Cosplayer und Kostümbastler. Hier traf man auf Experten aus den Bereichen Kostüm und Maske, konnte sich ablichten lassen oder kam einfach mit anderen Verkleidungsverliebten ins Gespräch.

Das Team von Maid & Host Café Strawberry Sundae gab den RingCon-Besuchern einen Geschmack von J-Lifestyle. © Anna Henatsch Photography

Das Team von Maid & Host Café Strawberry Sundae gab den RingCon-Besuchern einen Geschmack von J-Lifestyle. © Anna Henatsch Photography

Und davon gab es wieder einige: Die Cosplayer auf der RingCon haben sich dieses Jahr wieder mächtig ins Zeug gelegt und eine unglaubliche Bandbreite an Kostümen und Outfits präsentiert. Deswegen war es mehr als Recht, den Cosplayern für den von Defcon Unlimited veranstalteten Kostümwettbewerb im Saal Maritim die große Bühne zu geben, die sie verdient haben. Und die haben sie auch voll ausgefüllt: Es gab die unterschiedlichsten Figuren zusehen, unter anderem aus THE LORD OF THE RINGS, GAME OF THRONES, THE HUNGER GAMES oder Computerspielen wie WORLD OF WARCRAFT und DIABLO III. Der Fleiß und die Detailverliebtheit, mit der sie ihre unglaublichen Kostümideen umgesetzt haben, erstaunte Publikum wie Jury-Mitglieder. Umso härter war es, aus knapp 40 Kandidaten einen Gewinner herauspicken zu müssen, weswegen man neben dem mit 2.000 Euro dotierten Hauptpreis eine Reihe von Nebenpreisen verliehen hatte. Ein durch und durch rundes Ereignis und mein persönlicher Höhepunkt der RingCon 2014.

DAHEIM IN MITTELERDE

Insgesamt war die Stimmung auf der diesjährigen RingCon großartig, die einzelnen Veranstaltungen fantastisch. Dies konnte auch nicht von der spontanen Absage diverser Stargäste geschmälert werden. So wurde das Fehlen des Zeremonienmeisters und RingCon-Urgesteins Mark Ferguson durch den Auftritt von Mini-Mark (Lori Dungey), Deutsch-Mark (Nessie) und später Sexy-Mark (Craig Parker) überaus würdig ausgeglichen. Gerade das Kiwi-Panel am Sonntag war ein Genuss – Die Neuseeländer Lori und Craig liefen in schrägen Aktionen und dynamischer Impro-Comedy zu Hochtouren auf. Unterstützt wurden sie dabei von professionellen Impro-Schauspielern, einigen Freiwilligen aus dem Publikum sowie THE VAMPIRE DIARIES-Star Nathaniel Buzolic.

Energie und gute Laune setzte sich auch auf den Con-Partys fort, für den geeigneten Takt sorgten Live-Acts wie die Rockabilly-Band RoadShot oder DJ Updi. Bei der Closing Ceremony kam schließlich alles zusammen: Teilnehmer der Workshops präsentierten die Ergebnisse ihrer kleinen side quests. Etwa Tommy Krappweis und sein Team von bumm film GmbH, die mit den Teilnehmern an dem Con-Wochenende einen kompletten Kurzfilm gedreht, geschnitten und nachbearbeitet haben (zu dem sehenswerten Video geht es hier). Der RingChoir trat auf und intonierte Howard Shores wunderbare Mittelerde-Melodien, Riley Smith stimmte mit dem Publikum den Titelsong I SEE FIRE aus dem zweiten HOBBIT-Film an und zum Schluss verabschiedeten sich Stars, Veranstalter und Zuschauer tanzend und jubelnd voneinander.

Auf der RingCon 2014 wurde das Maritim Hotel Bonn für drei Tage zum Ort der Begegnungen und Entdeckungen. Alle möglichen Arten von Fans fanden sich wieder zur Fantasy-Convention zusammen, von wilden Autogrammjägern über begeisterte Cosplayer bis zu Menschen, die einfach nur ihre Elbenohren aufsetzen und eine gute Zeit haben wollen. Dafür nehmen sie den langen Weg, die ein oder andere Unannehmlichkeit und natürlich einiges an Kosten auf sich, nur um für ein paar Tage dem Alltag zu entfliehen und in Mittelerde, Westeros oder Mystic Falls ein neues Zuhause zu finden. Doch ist dieses wohlige Gefühl von Vertrautheit und Gemeinschaft alle Mühen mehr als wert. Da streikt beispielsweise die Bahn und sämtliche Rückfahrtpläne (unsere eingeschlossen) fielen ins Wasser. Jedoch genügte nur ein Aufruf von Nessie und schon hat sich eine Mitfahrzentrale am maid café eingerichtet. Con-Besucher boten in ihren Autos freie Plätze an, man half sich gegenseitig und die Heimfahrt war gerettet. Im besten Falle ist dabei noch eine interessante Begegnung herausgekommen und eine Autofahrt, die man so schnell nicht vergessen wird (wieder wie bei uns). Danke RingCon!

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