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Ende der 70er Jahre betrat ein neuer Protagonist die Bühne des amerikanischen Actionfilms: der Vietnamveteran. Die Heimkehrer wurden entgegen aller Erwartungen nicht mit offenen Armen begrüßt, sondern als Versager etikettiert. Infolge dieser ablehnenden Haltung der Bevölkerung blieb dem Veteran oftmals nur ein bemitleidenswertes Dasein als armer Vagabund, Tagelöhner  oder Alkoholiker übrig. Die gescheiterten Existenzen flüchten oftmals in die Vergangenheit, in die Zeit des Krieges, in der sie noch ein Ziel vor Augen hatten und ihr Leben zumindest einen Anflug von Sinn ergab.

Search and Destroy ist ein relativ unbekannter Film über eine Gruppe Veteranen, die von den Geschehnissen des Kriegs auch in ihrem Heimatland verfolgt werden. Nicht im Sinne psychischer Schäden, sondern in Person eines Südvietnamesen, der die Gruppe damals durch den Dickicht des Dschungels führen sollte. Im Laufe eines Gefechts ließen die Amerikaner ihn aufgrund einer unterlassenen Hilfeleistung zurück (er weigerte sich einem Verwundeten zu helfen) und zerschmetterten ihm einen Teil seiner Hand. Nun durstet er nach blutiger Rache. Der neue Krieg findet im Umfeld der Niagarafälle statt, wo sich einige der Veteranen eine neue Existenz aufgebaut haben. Die imposante Naturkulisse des Nordostens der USA bildet in diesen Zusammenhang eine erstaunliche Parallele zur Dschungellandschaft von Vietnam, da die Beschaffenheit beider Territorien  die Ausführung der simpel anmutenden Kriegsformel Search and Destroy erschwert.

Der Vietnamkrieg scheint für die Veteranen kein abgeschlossenes Kapitel zu sein. Noch immer suchen sie nach Grenzerfahrungen, um die Einöde ihrer jetzigen Existenz zu kaschieren. Bei näherer Betrachtung ließe sich sogar vermuten, dass der rachedurstige Südvietnamese sogar eine äußerst erfreuliche Erscheinung ist. Nach langer Zeit bietet sich endlich wieder eine Möglichkeit, das Waffenarsenal zu öffnen und die triste Gegenwart auszuklammern. Der Kampf zwischen dem Veteranen  Kip Moore (Perry King) und dem Rächer könnte die Alltagswelt nicht deutlicher konterkarieren: Auf dicht gefüllten Straßen liefern sie sich ein Feuergefecht mit automatischen Maschinengewehren ehe sie das Finale in der umliegenden Naturlandschaft austragen. Die Ferienidylle der Niagarafälle fungiert im Laufe des Films immer als Gegenpol des Gezeigten; die pittoreske Landschaft kontrastiert sowohl die pitoyable Existenz der Ex-Soldaten als auch den aufkommenden Kampf um Leben und Tod.

Mit PerryClass of 1984King, TisaWoodooFarrow und GeorgeNackte KanoneKennedy  verfügt Search and Destroy über ein nettes Ensemble relativ bekannter B-Film Mimen. Der Rächer spielt seinen Part mit großer Konviktion und bleibt auch nach der Sichtung des Films eine sehr mysteriöse Figur aufgrund seiner Undurchschaubarkeit. Er spricht kein Wort; er scheint ein sehr gläubiger Mensch zu sein; er wird kaum psychologisiert. Im Actionfilm schlägt sich der Zuschauer üblicherweise auf die Seite des Rächers, da man Anteil nimmt an seiner Vorgeschichte und an seinem Schicksal. In Search and Destroy ist dies mitnichten der Fall, der Killer bleibt farblos und wirkt fast wie eine paranoide Halluzination, was ihm eine übernatürliche Note verleiht. Die Polizisten befindet sich nicht in der Lage die Bedrohung zu eliminieren, da sie nicht nach der Logik des Krieges agieren. Nur die Figur von Perry King – die bereits am Anfang die Sympathie des Zuschauers erlangt – kann dem Feind entgegentreten. Das der Feind ausgerechnet ein unterkühlter Vietnamese sein muss, stellt kein Indiz für einen latenten Rassismus dar, sondern unterstreicht die Willkürlichkeit rivalisierender Kriegspartien. Aus ehemaligen Alliierten werden erbitterte Feinde.

Aus einem trivialeren Blickwinkel betrachtet, bietet der kleine Film Search and Destroy solide Unterhaltung. Die Verfolgungsjagden und die Schießereien wurden von William Fruet spannend inszeniert, sodass auch Genrefans – die die Metaebene des Films nicht tangiert – ihren Spaß haben werden. Dennoch sollte man beachten, dass dieses Werk einen gewissen Zeitgeist verströmt und als eines der ersten das Motiv des Heimkehres in den Kontext des populären Actionfilms transferiert noch bevor die 80er Jahre ihre RAMBOS und EXTERMINATOREN in den Fokus des Interesses rücken konnte.

Search and Destroy ist keine lang übersehene Perle oder ein verschollenes Meisterwerk, sondern ein kleiner Genrefilm, der vortrefflich unterhält und gleichzeitig weitreichende Interpretationsansätze zulässt. Eine klare Empfehlung.

Der Mann, der aus dem Dschungel kam/OT: Search and Destroy
R: William Fruet
D: Perry King, Tisa Farrow, George Kennedy
Kanada/USA 1979, 92 Min.