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Hofbauer Kongress

Eine Stimme der Sachlichkeit verkündete Samstag, weit nach Mitternacht, eine Reihe von Aufnahmen der Straßen Londons begleitend, die folgende matte Botschaft:

“Für die meisten wird es ein Tag wie jeder andere sein: langweilig und bedeutungslos.”

Die Stimme kehrte immer wieder zurück, mit anderen, ebenfalls tristen Botschaften der Vernunft, um Bilder des (Nacht-)Lebens dieser Stadt zu begleiten und auf dessen programmierten tragischen Ausgang hinzuweisen. Bilder von Außen, wie sie ein Tourist auch sehen würde, vielleicht auch ein Londoner, der sich in sicherem Abstand zu den wirr ineinander überblendenden Neonreklamen aufhält, um nicht dem zu verfallen, was sich dahinter verbirgt. Uns wird im Kommkino Nürnberg der Blick in diese Lusthöllen gewährt, wo Männer und Frauen aus allen Kulturen zu den rhythmischen Klängen der exotischen Musik ihrer Heimatländer toben, während sich Zuschauer beider Geschlechter und die Kamera abwechselnd an dem Schlängeln ihrer Körper ergötzen. Wie ein Touristenführer lässt auch uns DER PERSER UND DIE SCHWEDIN (1961, Akramzadeh) in ein Melodram einsteigen, das bis zur letzten Konsequenz die lakonischen Kommentare der Voice-Over Stimme bestätigen wird – aber erst, nachdem uns ein Blick in die Intimität dieser sich ereignenden privaten Tragödie ermöglicht wurde.

Diese touristisch anmutende Aneinanderreihung von Tänzen und Lokalen, so oberflächlich sie anfangs erscheinen mag, erweist sich als eine sehr delikate Strategie, uns zu umgarnen und mit langsamen Schritten in diese Welt einzuführen. Es fängt bei den genauen Bewegungen der TänzerInnen an, die sich immer wieder, die Musik begleitend, verlangsamt sehen – und dabei das erreichen, was sich alle im Film wünschen, und mit ihnen auch wir: Die Zeit zum Stillstand bringen, damit der Augenblick, die Jagd nach körperlicher Liebe, bis in die Ewigkeit gefeiert werden kann. Alles sieht sich darauf hin kanalisiert: Tänze, Musik, Körper und Blicke preisen gemeinsam das Verlangen nach Lust an und damit die Orte, an welchen London, ungeachtet aller kulturellen und politischen Konflikte, zu einer Weltmetropole des Vergnügens wird.

Da hier ein Blick von Innen einem Blick von Außen entgegengesetzt wird, ist die Unmöglichkeit einer Gleichzeitigkeit der beiden damit verbundenen Weltsichten impliziert. Der Film ist in dieser Hinsicht so konsequent, dass ich mir nicht sicher sein kann, wie ich ihn in einem anderen Kontext gesehen hätte. So wie es aber geschah, umgeben von etwa zwanzig Gästen dieses 10. Hofbauer Kongresses, hatte die Tragik schon von vornherein ihre Intensität verloren. Es ließ sich zwar in Abgründe kurz blicken, und sie wären vielleicht sonst unerträglich gewesen, aber in Nürnberg verschwanden sie, eh sie über die Leinwand streiften, hinter einem Vorhang aus Gelächter.

Nach der Vorführung roch es nach Essig, denn die Kopie, Eigentum des Kommkinos in Nürnberg und während des Abends oft dafür bedauert, dass sie nie für eine DVD abgetastet wird, befindet sich bereits im unaufhaltbaren Verfall und durfte in unserem Beisein eine der letzten Vorstellungen über sich ergehen lassen.

DER PERSER UND DIE SCHWEDIN war der dritte Film, den ich in meiner einzigen Kongressnacht gesehen habe, aber ich wollte zuerst über ihn schreiben. Denn dieser Außenblick auf die Straßen Londons blieb an mir haften, ähnelt er doch so sehr der Position, aus welcher heraus ich mit den außergewöhnlichen Filmen und Gästen dieses Kongresses umgehen kann – als, wie ich am Samstag deklamierte, “Kongress-Jungfrau”. Denn, sollte jemand auf die Idee kommen, eine Analogie herzustellen, zwischen der nüchternen Art, wie ich über die dort gesehenen Filme schreiben und denken kann, und diesem PERSER, dann wäre ich vermutlich viel eher auf der desolaten Seite des Voice-Overs zu orten als auf der der Hauptfiguren. In Hofbauer-Vokabular umgeschrieben: auf der Seite des Verzichts und nicht der des Schmiers.

Der Hofbauer Kongress ist eines der interessantesten filmischen Phänomene der letzten Jahre hierzulande. Längst zum Geheimtipp geschätzter deutscher Cinephilen avanciert und zugleich Privatveranstaltung geblieben, wuchs zwischen der Dachterasse des Kommkinos und dem kleinen, mit plüschigen orangenen Sesseln bevölkertem Kinosaal in Nürnberg eine wundersame Filminsel, die ohne die Unabhängigkeit und dem Eigensinn der Veranstalter (den vier Hofbauer Kommandanten) nicht denkbar wäre. Und auch wenn wir uns mit großen Erwartungen auf den Weg machten und auf alles gefasst lange vor dem Aufwachen der Gäste, die schon am Vortag da waren, ankamen, überwältigte mich gegen Abend diese ungeheure Konzentration von Cinemenschen doch nochmal.

Wenn ich den Hofbauer-Kongress in wenigen Worten beschreiben sollte, dann als Ort, an welchem man Leidenschaft für Film beim sich Ereignen zusehen kann.

Projektionsflächen dieser Leidenschaft sind Filme, die ansonsten nur mit sehr großen Mühen, geschweige denn im Kino zu sehen wären. So stellten wir relativ schnell nach unserer Ankunft fest, dass selbst die nebenan laufenden LEVIATHAN, auf welchen ich mich seit längerem freue, oder Antonionis PROFESSIONE REPORTER, abgespielt von einer allseits gelobten 35 mm Kopie, hier überhaupt keine Attraktion darstellten. Das Motto, dem zu folgen war, hieß schlicht “Kann man sonst nicht sehen.” (Sven). Denn was sonst immer wieder irgendwo anders im Kino laufen könnte, ist kein Anlass, nach Nürnberg zu fahren. Stattdessen ging es doch erst später los, mit DAS GESTÄNDNIS EINES MÄDCHENS (1967, Jürgen Büchmann), dessen Kopie aus dem Archiv des BUIO OMEGA Filmklubs stammt und, mit wenigen Ausnahmen, so gut wie nie vorgeführt wird. Entsprechend war Christophs Ehrfurcht der Filmrolle gegenüber – ich durfte diesem seltenen Moment beiwohnen und auch hier diese Hingabe der Hofbauer-Kommandanten erleben, nicht nur für die Filme, sondern auch für ihr Material. Überhaupt ist das Material für ihn ein Mittel, um den Wert dieser Filme hervorzuheben, ihre Einzigartigkeit und ihr baldiges Verschwinden, denn, wie nun schon mehrfach angedeutet, keines dieser Werke wird jemals eine Transition auf DVD erfahren.

Wenn man dort ist, in Nürnberg, auf der Dachterasse des Kommkinos und Christoph zuhört, wie er eine Filmrolle anpreist, wie er um den einen oder anderen unbekannten aber unfaaassbaren Film trauert angesichts der baldigen Dekomposition der Filmkopie, dann gelingt es einem kurz, seine Perspektive zu verstehen. Sonst erschien mir oft seine Haltung so demonstrativ Anti-Kanon, so trotzig. Doch in Nürnberg, mitten in der Nacht, ist jeder Kanonfilm, der im gemeinsamen Konsens über alles hinweg gelobt wird, nur ein impliziter Tod vieler anderer wertvollen Filme. In einem solchen Zusammenhang ist es vielleicht sogar naheliegend, die Idee eines Kanons nicht als einen möglichen Weg von vielen zu betrachten, sondern sogar als eine schlichte Ungerechtheit der Geschichte.

Die Filme, die auf dem Kongress gezeigt werden, reflektieren oft diese Position. So auch DAS GESTÄNDNIS EINES MÄDCHENS, in welchem die 18-jährige Angela sich gegen ein Leben in Konformität mit dem Establishment sträubt. Wie es in einer Kongressnacht passiert, fallen einem im Zusammenhang mit dem Konstrukt Establishment hauptsächlich die Merkmale auf, die als trist zu bezeichnen sind: Vergnügen wird nur in gutbürgerlichen Dosen genossen, da darf man beispielsweise nicht vergessen, wer man ist, und auch mal zwischendurch eine Platte mit Bach auflegen. Und wenn es nicht funktioniert, dann hilft ein bisschen verbale Lobhudelei nach; die omnipräsenten Reize, denen grundsätzlich keiner abgeneigt ist, werden nur aus sicherem Abstand genossen, hauptächlich über lustvolle Blicke; die Menschen umhüllen sich mit ihren gesellschaftlichen Positionen und identifizieren sich damit.

Bezeichnend im Film ist eine Modeschau, an welcher auch das Mädchen, um das sich alles dreht, als Model teilnimmt, weil sie der Assistent des Unternehmenchefs attraktiv findet. Da teilt der Schnitt die Anwesenden in drei Kategorien, die diese Gesellschaft illustrieren: Das Journalistenpublikum, in dessen Blicke die Freude wächst, je ungehemmter die Models vor ihren Augen laufen, die Geschäftsführung, welche den Lauf der Dinge schon längst durchschaut hat, und ihr Geschäft auf den Gelüsten der anderen emotionslos aufbauen, und die Models, die irgendwann, den Anweisungen der Geschäftsführung folgend, zum kapitalistischen Gleitgel werden: Ihr Lauf wird immer mehr zum Tanz, denn sie müssen den Eindruck erzeugen, die Blicke des Publikums auf ihren Körpern zu lieben. Danach gibt es für die Kritiker ein opulentes Buffet, das die Kamera spöttisch beobachtet.

Von solchen Momenten strotzt der Film nur so, und Silvia beschreibt auch einiges davon in ihrem Text bei Hard Sensations, in welchem sie versucht, sich in diesem Weltbild wiederzufinden. Den Text möchte ich empfehlen. Aber diese Gesellschaft, die gezeigt und entlarvt wird, prägt keineswegs die Stimmung des Films. Denn er bleibt bei Angeela, wie Silvia sie nennt, der Hauptfigur, und feiert ihren Ausbruch mit faszinierender Natürlichkeit mit.

Und Angela ist jung, sie möchte das Leben noch mehr genießen und lehnt sich gegen den Trübsal dieser Welt auf, ihre unschuldige Lust immer wieder begleitet von Wolfgang Hartmayers heiterem Song EVERY DAY, der sich sofort in das Gedächtnis vieler der Anwesenden eingebrannt hat. Gerade höre ich ihn wieder extensiv. Aus dieser Rebellion des Mädchens wird natürlich nichts, außer Enttäuschungen, denn in der endlosen Reihe von gegen sich umgekehrten gesellschaftlichen Standardsituationen wird uns nahegelegt, dass Angela, als sie ihren anständigen Freund für den aggressiven Cesar aufgibt, auch dem den Rücken kehrt, was das ganze trübe Netz der Gesellschaft überhaupt bezweckt: der bürgerlichen Sicherheit.

Bevor aber der Film sich dem Ende neigt, lässt er uns metaphorisch das Gleiche entdecken, was auf einem Hofbauer Kongress zu entdecken ist: Alternativen zu einem pervertierten Establishment, vorgestellt in einer beeindruckend vielseitigen Filmsprache und bisweilen sehr originell inszeniert. DAS GESTÄNDNIS EINES MÄDCHENS ist ein Regiedebüt, und dies zu erfahren, war vielleicht eine der größten Überraschungen des Abends, nachdem man alle Brüche, alle Ungereimtheiten zwischen den Einstellungen und in der Bildkomposition so natürlich und so bedacht gesehen hat. Mit einem der härtesten Schnitte ins Schwarze des Abspanns endet dann alles.

Im Dunkel lassen sich auch die Gesprächsrunden zwischen den Filmen verbringen, denn der Kongress findet statt bis spät in die Nacht. Da wird Nürnberg von Dunkelheit geschluckt und alles um uns herum viel kleiner, viel intimer. Auf dieser Dachterasse in vielleicht sieben Metern Höhe gibt es kein Geländer, was uns dazu bringt, nah aneinander zu stehen und Christophs lautschallendem Enthusiasmus zuzuhören. Zwischen diesen wenigen Quadratmetern und dem Kinosaal wächst dann nach und nach die Empfindung, man wäre in einer Vorhölle der Hofbauer Kommandanten gefangen, ihnen ausgesetzt, und zum Genuss verdammt.

Im Kinosaal fühlt man sich ebenso – nicht nur durch die Dunkelheit, sondern durch diese Stimmung, die ebenfalls von Christophs lautem Filmvergnügen hauptsächlich dirigiert wird:

Ob man will oder nicht, muss man irgendwann mitlachen, und nach drei Filmen hallt der ganze Kinosaal, beim vierten garantiert unisono. WALLSTREET WOMAN, FÜR IHRE KARRIERE TUT SIE ALLES (1990, Joe D’Amato) hat es uns aber auch leicht gemacht. Eine Frau, die immer arbeitet – im Film wird das ins Laufen übersetzt: Hinein ins Firmengebäude, durch die Flure, auf uns zu, quer durch das Bild, laufen, laufen, laufen. Ein Mann will sie dabei aufhalten und hält irgendwann um ihre Hand an – Mitlaufen funktioniert für ihn nicht, dafür ist er zu unschuldig. Sein nackter Körper hingegen ruht oft rhythmisch in Halbnahen auf ihrem, ihre Gesichter voller konzentrierter Lust kommen sich dabei sehr nah. Doch um sie herum gibt es den Erfolg, quantifiziert im Laufen und Sex mit jedem, der dazu beitragen kann. Den Mann würden wir gerne bedauern, würde er nicht selber über die Lippen bringen, was seine Augen ohnehin die ganze Zeit verraten:

“Ja, ich weiß. Ich bin dumm!”

Dafür erbarmt sich die Kamera und lässt ihn oft in den Saal schauen – die Frau schaut auch, als Gegenschuss – und das steigert sich im Verlauf des Films ins Unermessliche. Ich kann mich nicht erinnern, einen Film gesehen zu haben, der Affektbilder derart potenziert, wie es hier geschieht. Er in seiner stereotypischen Rolle des nichtsahnenden Samariters gedrängt, sie in ihrer (für ihre Karriere tut sie ALLES) – irgendwann mussten wir alle sogar in die Hände klatschen.

Viele schliefen bei den Filmen ein, das gehört auch zum Hofbauer Kongress dazu. Wenn die Vorstellungen über die ganze Nacht laufen, schläft man oft bewusst ein, um sich spätere Vergnügen nicht entziehen zu müssen, meinte Silvia. Manche schon bei der ersten Vorstellung, einige sogar bei jedem Film kurz zwischendurch. Und das trägt auch zum Charme des Ganzen bei, denn einzuschlafen, um kurz zwischendurch die Augen zu öffnen, um eine komische Sexzene, eine offensive Nahaufname oder einen absurden Dialogfetzen mitzubekommen, fügt sich in die tranceartige Erfahrung eines verlängerten Wochenendes voller Kunstobskuritäten nahtlos ein.

Selber schloß ich nur beim letzten Film die Augen. Die Gefahr war schon nach der ersten Vorstellung da, doch eine kondensierte Hofbauerbombe in Form einer 35 mm Trailerschau mit Filmen wie MYSTERIEN DER PORNOGRAFIE oder DIE WILDEN TIGER VON HONG KONG, faschistoid durch Voice-Over vorgestellt, als wären sie nur vorsichtig mit Gebrauchsanweisung zu konsumieren, rüttelte mich wacher als es die Koffeinpillen, die ständig rumgereicht wurden, hätten machen können. Gegen Morgen war das aber ganz anders, denn, mit dem spontanen Entschluss, dass wir Bruno Sukrows SATURNUS schauen sollten, sah ich mich einem absurden Science-Fiction Hörspiel ausgesetzt, in welchem alle Rollen vom Regisseur selbst mit aachener Akzent gesprochen wurden. Dazu gab es auch Bilder, CGI-Bilder, hergestellt vermutlich mithilfe einer Gameengine aus der Zeit der Jahrtausendwende als amateurhaft-minimalistischen und entsprechend absurd inkonsistenten Settings mit hohem Kontemplativitätsgrad. Ich erinnere mich noch daran, davon ausgehend sinniert zu haben, das Let’s Play Videos vermutlich doch ihren Wert haben könnten, wonach ich die Augen für eine willkommene Viertelstunde Schlaf bewusst zumachte.

Die Sprache, und dabei muss ich leider herkunftsbedingt noch einen Schritt auf Distanz gehen, ist eine der wichtigsten Komponenten des hofbauerischen Filmgenusses. Nicht nur wurden ständig in den Pausen Filmzitate skandiert, sondern überhaupt reihen sich die meisten Filme in eine Sprachtradition ein, die sie um einiges alterieren. Die entstehenden Kontraste ließen sich während der Trailershow am besten bemerken, doch in den einzelnen Filmen ist diese Potenzierung der Bilder durch die oft harten, plumpen Bemerkungen der Figuren ebenso präsent. Eine Geschichte der deutschen Synchronisierung scheint mir überhaupt nach dieser Nacht faszinierend sowie extrem angreifbar, denn oft fragten wir uns, ob Voice-Over nicht die Dialoge komplett umdeuteten, oder sogar, wie etwa in DER PERSER, ob sie nicht sogar an stillen Stellen des Films hinzugefügt wurden, um Botschaften zu verdeutlichen. Die benutzte Sprache ist meistens eine der Männer, welche die Frauen zum Lustobjekt macht, den Zuschauer jedoch von einer Identifikationsmöglichkeit mit dem männlichen Blick durch ihre Übertreibungen beraubt.

„Da drin läuft gerade ein lesbischer Film und mir weht hier der Nachtwind durch die Kimme.“

-sagt ein Mann, fast nackt, wie Gott ihn schuf und mit verdächtig entwickelten Muskeln am rechten Arm in ICH SPÜRE DEINE HAUT (1969, Günter Schlesinger), um sich später im Verlauf des Films an die zwei Lesben als Obermacho ran zu machen. Der Film weist als Ganzes auf eine Gesellschaft hin, in welcher diese Mädchen (die sich teilweise in diversen Formen in die Illegalität begeben müssen, um sich einen Ausbruch zu ermöglichen) nur versagen können, während der besagte Mann als einiziger Gewinner breitbeinig im Bild steht, denn Lust ist das einzige, was ICH SPÜRE DEINE HAUT affirmieren möchte. Phänomenologisch ist diese Affirmation der Lust, und in dieser Schizophrenie keimt auch der Genuss dieser Filme, mit dieser über das Ziel hinaus schießenden Sprache verbunden, die ich persönlich am ehesten mit dem Konzept hinter dieser Werbung assoziiere:

Aus heutiger Sicht gewinnen die Filme des Kongresses durch diese anachronistische Sprache ein ungeahntes Humorpotenzial, denn dieses verbale Schießen aus allen Kanonen – und da kann man nicht umhin, als diese Drehbuchschreiber zu bewundern – besitzt denselben Stellenwert, wie die Weltentwürfe dieser Filme: Sie setzen sich gegen eine biedere sprachliche Höflichkeit, die eine Gesellschaft bezeichnet, welche sich nur an Fassaden entlang bewegt, anstatt nach unten zu schauen, wo brodelnde Lüste, Leidenschaften und Rebellionen ihre angebliche Leistungsbesessenheit unterminieren.

Darin konturiert sich auch die Rolle des Hofbauer Kommandos und ihrer Kongresse, die in ihrem Revisionismus eine Gesellschaft negieren, welche ihre Geschichte, institutionell geprägt, nur teilweise schreiben wollte und sich entschlossen hat, ihre verfemten Teile zu kaschieren.


Für Interessenten noch einige Links:

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