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Die Zukunft der Freiheit – Die 120 Tage von Caligari, Folge 6

von | 4 Jun 2015 | Rüdiger Suchsland auf Filmtour | 1 Kommentar

Drei wichtige, aktuelle Terminhinweise

Die letzten Tage konnte ich wider Erwarten nichts schreiben, denn zwischendurch muss ich ja auch mal Geld verdienen. Inzwischen bin ich in Hamburg, wo am Mittwochabend im schönen und sehr speziellen „Metropolis„-Kino das bisher bestbesuchte Publikumsgespräch stattfand: Etwa 70 Leute saßen im Saal. Die „Welt“, die einzige der vernünftigen deutschen Zeitungen, die bisher noch nichts überVON CALIGARI ZU HITLER stand, hat die Veranstaltung immerhin gestern anständig angekündigt. Von alldem erzähle ich später noch mehr. Hier jetzt erstmal drei aktuelle Hinweise.

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Kürzlich hatte ich hier mein Gespräch mit dem wunderbaren wie einmaligen Kollegen Knut Elstermann im Filmmagazin „Zwölf Uhr Mittags“ verlinkt. Darin hab ich nicht nur wider besseres Wissen behauptet, die Sendung sei nur eine Stunde lang – tatsächlich dauert sie zwei Stunden, also hier darum gleich noch ein zweites Lob für den öffentlich-rechtlichen Sender RBB.

Außerdem hatte ich geklagt, man könne die Sendung leider nicht komplett hören. Das traf nun zu und die flinken Kollegen vom RBB, die offenbar auch regelmäßige Leser meiner Blogs sind, haben sich die Anmerkung gleich zu Herzen genommen, und den Fehler korrigiert. Nicht ohne den Hinweis, dass die Sendungen normalerweise kaum gekürzt ins Netz gestellt werden. Wäre auch schade um Knuts unvergleichbaren Gesprächsführungsstil. Hier kann man die Sendung vom 30.5.15 nun vollständig anhören und runterladen, wie übrigens alle Sendungen des letzten Jahres, zum Beispiel Knuts Berichte aus Cannes, von der Berlinale und den Filmfestspielen aus Venedig. Eine tolle Fundgrube für Kinofans!

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Zwei großartige junge Berliner Regiseurinnen sind Bine Pilavci und Ayla Gottschlich. Die haben zusammen einen Film gemacht, CHRONIK EINER REVOLTE – EIN JAHR ISTANBUL, ein wagemutiger Dokumentarfilm der in jeder Hinsicht, auch finanziell, im Guerillastil entstanden ist und von den Protesten in Istanbul rund um die geplante Zerstörung des Gezi-Parks handelt. Natürlich ist das kein rein türkisches Thema, es ist ein Fallbeispiel für Chancen und Grenzen des Protests in postdemokratischen Zuständen, berührt „Occupy“ und „Attac“ und die bevorstehenden Proteste gegen das G7-Treffen auf Schloß Elmau wie die Frage, was eigentlich „links“ und „progressiv“ noch heißen kann in unseren nur scheinbar guten, im Grunde finstren Zeiten.

Der Film passt aber auch wie die Faust aufs Auge zu den Parlamentswahlen in der Türkei, die am Wochenende bevorstehen. Und genau darum wird er jetzt auch im Fernsehen gezeigt: Am 8.6. kurz nach Mitternacht, also eigentlich schon Dienstagmorgen (!) im ZDF: Bereits am heutigen Donnerstag läuft die Langfassung in der Berliner Volksbühne.

Nach der Vorstellung moderiere ich ein Gespräch mit den zwei Regisseurinnen, die den Film auch produziert haben – nicht nur eine imponierende logistische und mutige Leistung, weil man immer in Gefahr stand von rasenden türkischen Polizeieinheiten verdroschen zu werden, sondern auch einfach ein guter Film!

Wir werden viel zu reden haben heute Abend, über die Türkei, über Politik und Rechtsstaat, über die Zukunft der Freiheit.

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Also: 21 Uhr Filmvorstellung in der Berliner Volksbühne, anschließend Gespräch, anschließend Party!

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Heute bekam ich auch eine Mail von Tito. Den kenne ich noch als dortigen Pressesprecher von meinen Besuchen beim Festival von Gijon in Nordspanien vor ein paar Jahren, als das Festival noch nicht von den Ultrarechten gekapert war. Heute arbeitet Tito für das Festival von Sevilla im November, wie fast das ganze ehemalige Team von Gijon. Weil er eine holländische Freundin hat, arbeitet er auch für das Filmfestival von Rotterdam, was für so einen waschechten Spanier bestimmt eine irgendwie auch bizarre Erfahrung ist. Zuletzt hab ich ihn in Oberhausen getroffen, wo Tito als normaler Besucher war. Zur Zeit ist Tito auch Pressesprecher vom Festival im galizischen La Coruna.

Das nennt sich „Mostra de Cinema Pereférico„, also etwa „Schau des entlegenen Kinos“.

Das Festival, das zum sechsten Mal stattfindet, und vier Tage dauert, zeigt Experimentalfilme und Avantgardekino. Eröffnet wird aber mit keinem anderen Film als DAS KABINETT DES DR. CALIGARI! Den beschreiben die Veranstalter als „den ersten Film des Schreckens“ (del terror) und als „die Quinzessenz des deutschen Expressionismus„.

Q&A

In dieser Sektion beantwortet Rüdiger Suchsland Fragen zu seinem Film und zur Kinotour. Stellt Eure Fragen auf Facebook oder hier in den Kommentaren, und in den nächsten Blogs wird er Euch die Antwort geben.

Regina Nickelsen vom Filmteam Colón fragt:

Gibt es irgendwo eine komplette Aufstellung aller Filme, die in der Doku angesprochen werden? Ich habe schon auf der Homepage geschaut, aber da wurde ich nicht fündig,

Rüdiger Suchsland antwortet:

Wir haben die Frage als Anregung gesehen und eine Liste der zitierten Filme auf der Homepage des Films veröffentlicht: Film Credits.

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