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Nachgereichtes Finale: Nach der Niederlage am BLACKWATER durfte Stannis durch sein plötzliches Erscheinen den Sieg an der Mauer bringen. Ein ebenso überraschendes wie abruptes Ende für den Konflikt an der Mauer, der auch gern die vorherige Folge hätte beschließen können.

Nachgereichtes Finale: Nach der Niederlage am BLACKWATER durfte Stannis durch sein plötzliches Erscheinen den Sieg an der Mauer bringen. Ein ebenso überraschendes wie abruptes Ende für den Konflikt an der Mauer, der auch gern die vorherige Folge hätte beschließen können.

Neue Wege gehen. In THE CHILDREN, der letzten Folge der vierten Staffel GAME OF THRONES, wichen Benioff und Weiss von ihrer üblichen Erzählstruktur ab. Üblicherweise wurden in bisherigen Staffelfinalen die großen Ereignisse der wendungsreichen neunten Episode aufgegriffen und lose Enden vorübergehend abgeschlossen. Im Gegensatz zu BAELOR, BLACKWATER und THE RAINS OF CASTAMERE bot THE WATCHERS ON THE WALL jedoch bei allem Spektakel keinen Wendepunkt – In der Schlacht von Castle Black wurde noch nicht einmal der Konflikt zwischen Nachtwache und Wildlingen entschieden. Infolgedessen wurde in THE CHILDREN derart konzentriert ein Handlungsknoten nach dem anderen gelöst, dass man kaum Möglichkeiten bekam, den Tod einer Hauptfigur vor dem Tod der nächsten richtig verdauen zu können. Intensität baute sich vor allem in der Dichte der Ereignisse ab – und weniger in den einzelnen Szenen, deren emotionale Wucht sich leider nicht immer ganz entfalten konnte. Dabei gab es einiges zu sehen.

THE CHILDREN setzte direkt da ein, wo THE WATCHERS ON THE WALL aufgehört hat. Jon Snow hat es bis in das Zelt von Mance Rayder geschafft. Er ist bereit, den hoffnungslosen Kampf gegen die Wildlinge mit dem Tod ihres Königs jenseits der Mauer zu beenden – auch wenn es sein eigenes Ende bedeuten würde. Jons Todeskommando wurde jedoch jäh unterbrochen, als Scharen an bewaffneten Reitern über die Wildlinge herfielen und sie mühelos zu Boden zwangen. Sie trugen das Banner eines Hirschen, umrandet von einem flammenden Herzen. Stannis Baratheon hat die Nachtwache gerettet. Die Bedrohung der Wildlinge ist abgewandt – doch wird Stannis‘ Erscheinen an der Mauer sicherlich neue Probleme mit sich bringen. Während der Feuerbestattung der gefallenen Brüder der Nachtwache hat die rote Priesterin Melisandre Jon über die Flammen einen langen Blick zugeworfen. Sie scheint Interesse an Ned Starks Bastardsohn gefunden zu haben. Kein gutes Zeichen.

Abweisende Eltern

Bringer of Chains: Dany hat sich schweren Herzens dazu entschieden, ihre Drachen in der Dunkelheit einzusperren. Die junge Herrscherin kann die wilde Natur ihrer Kinder nicht mehr im Zaun halten.

Bringer of Chains: Dany hat sich schweren Herzens dazu entschieden, ihre Drachen in der Dunkelheit einzusperren. Die junge Herrscherin kann die wilde Natur ihrer Kinder nicht mehr im Zaun halten.

GAME OF THRONES erzählt von den Konflikten mächtiger Adelshäuser innerhalb der fiktiven Welt von Westeros – nicht nur miteinander im Kampf um den Eisernen Thron – sondern auch innerhalb der familiären Strukturen zwischen Bruder und Schwester, Vater und Kind. Gerade der Generationskonflikt und die damit verbundene Konfrontation verschiedener Wertvorstellungen spielte in THE CHILDREN eine entscheidende Rolle. Im Zentrum der Folge stand die junge Generation Westeros‘, die als Kinder einer dahinschwindenden Ära den Weg zu einer neuen Welt zu bereiten versprachen. Eine wunderbare Verdichtung der vierten Staffel, in der sich zum unaufhaltsamen Zerfall der Häuser von Zeit zu Zeit auch kleine Prozesse der Reifung und dem Erlangen von Selbstständigkeit einzelner Charaktere beimischten. Die Zukunft von Westeros liegt in den Händen seiner Kinder: Passend zur letzten Einstellung von Aryas aufgeregtem Blick in das vor ihr liegende Unbekannte ertönte die eingängige Titelmelodie von GAME OF THRONES – gesungen von einem Kinderchor.

Stets steht die erkämpfte Ordnung unter der Gefahr der Veränderung. In Meereen gerät Danys neuer Frieden ins Wanken. Während sich manche Sklaven in ihrem neuen Leben nicht zurecht finden und sich ironischer Weise nach dem alten Sklavendasein zurücksehnen, wendet sich Danys furchtbare Macht schließlich gegen sie selbst. Ein aufgelöster Ziegenhirte breitete die verkohlten Knochen seiner dreijährigen Tochter aus – Danys Drachen sind zu einer Gefahr geworden. Also sperrte die junge Drachenmutter unter Tränen zwei ihrer feuerspuckenden Kinder ein, um die Kinder ihrer Untergebenen zu schützen. Drogon, der größte unter den Drachen, ist derweil auf freiem Flug. Zum Gemeinwohl ihrer Stadt hat Dany ein persönliches Opfer bringen müssen – Die Drachen sind die einzigen Kinder, welche die Mhysa jemals haben wird. Die Abkehr von ihnen scheint jedenfalls kein guter Einfall zu sein – selten hat man ein Problem gelöst, indem man es wegsperrte.

Auch Tywin Lannister hat als Vater versagt. Für ihn war der Fortbestand seines Hauses sein größtes Ziel. Sein angestrebtes Wohl der Familie war allerdings nur ein Abstraktum, kein realer Zustand. Tywins Pläne für das Haus Lannister gingen regelmäßig auf Kosten seiner sehr individuellen Mitglieder. Bis zu dem Punkt, dass die eigenen Kinder sich am Ende von THE CHILDREN gegen den tyrannischen Vater stellten: Als Cersei wieder einmal Einspruch erhob gegen ihre Hochzeit mit Ser Loras Tyrell, versuchte Tywin auf gewohnte Art seinen Willen durchzusetzen und sein störrisches Kind in die Schranken zu weisen. Nicht dieses Mal. Cersei hat den einen Weg gefunden, ihren Vater wirklich zu verletzen – indem sie ihm die Wahrheit über sich und Jaime gestand. Tywins eiserner Griff über seine Kinder lockerte sich. Wenig später widersetzte sich auch Jaime seinem Vater, indem er Tyrion zur Flucht verhalf. Schließlich wurde Tywins Besessenheit, Tyrion quälen zu müssen und ihn sterben sehen zu wollen, zu seinem eigenen Verhängnis. Doch dazu kommen wir später.

Emanzipierte Kinder

Von allen Entwicklungen, welche die Stark-Kinder zur Zeit durchmachen, ist die von Arya die erschreckendste. Ihre letzte Szene mit dem Hound gehört mit Sicherheit zu den Höhepunkten der Folge – sowie der ganzen Staffel.

Von allen Entwicklungen, welche die Stark-Kinder zur Zeit durchmachen, ist die von Arya die erschreckendste. Ihre letzte Szene mit dem Hound gehört mit Sicherheit zu den Höhepunkten der Folge – sowie der ganzen Staffel.

So fällt Haus Lannister in sich zusammen. Zu Beginn der vierten Staffel noch eindrücklich als mächtiger Sieger über Haus Stark inszeniert, scheitert die Familie von Casterly Rock an den egoistischen Interessen seiner Mitglieder, die nach und nach zum Zerreißen der Familienbande geführt haben. Die Zeit der großen Clans scheint vorüber. Die Übriggebliebenen sind auf sich allein gestellt – kein Heim, zu dem sie zurückkehren könnten, kein Zusammenhalt mit anderen, der sie stützt. Die brutalste Form des Erwachsenwerdens. So folgt über den ganzen Kontinent verstreut ein jeder der Starkkinder nun seinem eigenen Schicksal. An den unwahrscheinlichsten Orten haben sie ihre Bestimmung gefunden – und die Möglichkeit, ihre unterlegene Position ins Gegenteil zu verändern.

Bran ist endlich am Ziel seiner langen Reise im Norden angekommen. Zu einem hohen Preis: Auf dem Weg zu dem Herzbaum aus seinen Visionen wurde Bran und seine Entourage von aus dem Boden sprießenden Skelettkreaturen überrascht, denen Jojen im Verlauf des Kampfes zum Opfer fiel. Der Rest wurde jedoch von einem mysteriösen, Feuerball-werfenden Mädchen gerettet, das sich als einer der letzten Kinder des Waldes zu erkennen gab – jene uralte Kreaturen, die lange vor der Ankunft der Ersten Menschen einst ganz Westeros bevölkerten. In einer von den Wurzeln des Herzbaumes durchzogenen Höhle traf Bran schließlich auf die dreiäugige Krähe. Eine große Bestimmung wartet auf Bran, die weit über seine irdischen Träume, wieder laufen zu können, hinausführt: „You will never walk again, but you will fly.This is so Wizard!

Die interessantesten Entwicklungen im Hause Stark machen spannenderweise die Mädchen durch: Nach Sansas erstaunlicher Reife zum schwarzen Schwan in THE MOUNTAIN AND THE VIPER hat ihre kleine Schwester Arya in THE CHILDREN nun auch den Weg zur Unabhängigkeit gefunden. Auf ihrem Pfad aus dem Tale der Vale sind Arya und der Hound tatsächlich in die Arme von Brienne und Pod gelaufen. Aufgrund eines tiefen gegenseitigen Misstrauens entbrannte ein erbitterter Kampf zwischen Sandor Clegane und der Lady von Tarth. Ein ebenso spektakuläres wie tragisches Duell: Beide Parteien kämpfen um das Wohl von Arya, wollen sie vor dem jeweils anderen beschützen. Die Duellanten sind sich so ähnlich. Beide sagen sie unabhängig voneinander den Satz: „I am not a knight“. Aus ihrem ritterlichen Schwertkampf wird schnell ein gewaltsamer Überlebenskampf mit primitivsten Mitteln: Faust, Steinen und Zähnen. Zuletzt konnte Brienne sich behaupten. Doch ist Arya inzwischen verschwunden. Sie hat sowohl dem Hound als auch ihrer neuen, selbsternannten Beschützerin den Rücken gekehrt. Die Auseinandersetzung war umsonst. Arya will nicht mehr das Mündel von irgendjemandem sein. Allein macht sie sich auf den Weg und findet ein Schiff. Sie will in den Norden, an die Mauer, zu Jon. Doch hat die Vorsehung andere Pläne: Das Schiff segelt nach Braavos. Geistesgegenwärtig zog Arya die Münze hervor, die sie in VALAR MORGHULIS von Jaqen H’ghar bekommen hat. „Valar morghulis“, sagte sie. „Valar dohaeris“, antwortete der überraschte Kapitän und nahm das Mädchen mit an Bord.

Aryas nicht erwiesene Gnade zeigt: Sie ist nicht mehr Kind von Ned Stark, sondern von Sandor Clegane.

Aryas nicht erwiesene Gnade zeigt: Sie ist nicht mehr Kind von Ned Stark, sondern von Sandor Clegane.

Arya folgt nun dem Weg, der sich ihr bereits vor zwei Staffeln anbot: Nach Braavos, zur Assassinen-Gilde der Faceless Men, um wie Jaqen ein Profikiller zu werden. Dass sie dazu bereit ist, zeigte ihre letzte Szene mit dem Hound: Schwer verwundet und mit Schmerzen gepeinigt, lag der zerschlagene Bluthund an einen Fels gelehnt. Böser Weise sollte gerade der Moment, in dem er sich wirklich für jemand anderen als sich selbst einsetzte, ihm zum Verhängnis werden – dass er Arya beschützen wolle, hatte er in dem Moment wirklich ernst gemeint. Die Szenerie spiegelt die Begegnung mit dem sterbenden Mann aus MOCKINGBIRD wieder. Sandor bittet Arya um einen letzten Gefallen – ihn mit einem Gnadenstoß von seinen Schmerzen zu befreien: You remember where the heart is?

Doch Arya verweigert dem Leidenden den letzten Wunsch. Sie hat nicht vergessen: Er war immerhin für den Tod ihres Freundes Mycah verantwortlich, er hat furchtbare Dinge getan, er war Teil ihrer Liste. Die Erfahrungen von Krieg, menschlicher Bestialität und Verrat haben das kleine Starkmädchen grausam werden lassen. In dem Moment, wo man als Zuschauer dachte, dass es wirklich zu einem Moment der Verbundenheit, der Freundschaft hätte kommen können – immerhin hat Sandor sein Leben für Arya gegeben – kehrt sie ihrem einstigen Weggefährten den Rücken. Keine Gnade, keine Erlösung. Zuvor nahm sie ihm den Beutel mit Silbermünzen ab, genauso wie der Hound in BREAKER OF CHAINS einst einen vertrauensvollen Bauern für seine Gastfreundschaft beraubte: a dead man doesn’t need his silver. Alle Erfahrungen ihrer gemeinsamen Reise aus der vierten Staffel kommen in dieser Szene zusammen: Sandors zynische Weltsicht richtet sich in Form seiner „Schülerin“ Arya nun gegen ihn. Sie hat die Lektionen des Hounds nur allzu gut gelernt. Ein intensiver, ein tragischer Moment. Arya hat sich entwickelt, sie ist selbstständig geworden, unabhängig, souverän – zum Preis ihrer Menschlichkeit. Plötzlich geistern einem die prophetischen Worte von Melisandre aus THE CLIMB im Kopf herum, die beim Blick in Aryas Augen einst sagte: „I see darkness in you. And in that darkness, eyes are staring back at me. Brown eyes, blue eyes, green eyes… Eyes you’ll shut forever.

Father and Son

Happy Father’s Day! In THE CHILDREN findet der Konflikt zwischen Tyrion und seinem Vater Tywin sein tödliches Ende. Ein atemberaubendes Finale der Folge und HBOs bitterböser Beitrag zum Vaterstag, der traditionell am dritten Sonntag im Juni gefeiert wird.

Happy Father’s Day! In THE CHILDREN findet der Konflikt zwischen Tyrion und seinem Vater Tywin sein tödliches Ende. Ein atemberaubendes Finale der Folge und HBOs bitterböser Beitrag zum Vaterstag, der traditionell am dritten Sonntag im Juni gefeiert wird.

Von seinem Bruder aus dem Kerker befreit und durch die Katakomben von King’s Landing geführt, steht Tyrion an der Treppe zum Ausgang, zur Freiheit. Er hätte fliehen können. King’s Landing für immer hinter sich lassen. Alles vergessen. Neu anfangen. Tyrion hält inne. Nein. Der Schmerz der Gerichtsverhandlung, die Demütigung durch seinen Vater, Shaes Verrat haben tiefe Wunden hinterlassen. Dieses Mal sind sie zu weit gegangen. Tyrions Miene verfinstert sich. Nicht mehr das sorgenlose Gesicht aus der ersten Staffel, der ernste Blick aus der zweiten, das gequälte Lächeln aus der dritten oder schließlich die resignierten Augen aus der vierten. Seine Mimik verrät Wut, Hass und Entschlossenheit. Jener Blick, den er bereits am Ende der Verhandlung in THE LAWS OF GODS AND MEN annahm. Sein neues Gesicht, seine Monstermaske, die er für die Anwesenden aufzog, um sich als der Schurke zu präsentieren, den sie in ihm sehen wollen. Tyrion dreht um und schleicht sich in die verdunkelten Gemächer der Hand des Königs: A Lannister always pays his debts.

Tyrion ist zum Äußersten bereit. Im Schlafzimmer seines Vaters fand er jedoch etwas vor, mit dem er nicht gerechnet hätte: Shae. Leicht bekleidet räkelt sie sich auf dem Bett seines Vaters und verlangt nach ihrem Löwen – Tywin. Ein letzter Stich in Tyrions Herzen. Ihre Blicke treffen sich, für einen Moment steht die Zeit still: Was ist nur passiert, dass zwei sich einst liebende Menschen sich in einer solchen Situation wiederfinden? Tyrion geht auf sie zu, Shae greift zum Messer. Ein Kampf, Schreie, Schläge, Kratzer. Tyrion bekommt die Kette um Shaes Hals zu greifen und dreht sie um. Ehe man sich versieht, hat Tyrion die Person ermordet, die er einst mehr als alles andere liebte. Tränen laufen seine Wangen herunter. Was hat er getan?

I am your son. I have always been your son

Etwas in Tyrion hat sich verändert. Der wilde Ausdruck aus THE LAWS OF GODS AND MEN, nicht mehr eine Maske, sondern sein neues Gesicht. Entschlossen nimmt er Joffreys Armbrust von der Wand, geht einen dunklen Korridor hinunter und öffnet eine Tür. Lord Tywin Lannister sitzt vor ihm, auf der Latrine. Auf einmal wirkt sein Vater nicht mehr so groß. Tyrion nimmt seinen Vater ins Visier der Armbrust. Tywins Züge verspannen sich, er versucht, die Kontrolle über die Situation zu bekommen, seinen Sohn mit Worten zu manipulieren, wie er es so oft schon getan hatte. Sie reden. Doch ist dies nicht eines ihrer kleinen Gespräche. Tyrion meint es todernst: „All my life you wanted me dead.“ Dieses Mal hat er die Oberhand, er hält die Waffe in seiner Hand.

Tywin gibt sich unbeeindruckt, fordert seinen Sohn heraus, indem er Shae entgegen Tyrions Warnung wiederholt als Hure bezeichnet. Thromm. Ein Armbrustbolzen landet in Tywins Magen. Tyrion lädt nach. Tywin ist entsetzt. „You are no son of mine!“, brüllt er. „I am your son.“, antwortet Tyrion ruhig. „I have always been your son.“ Thromm. Der zweite Schuss geht direkt ins Herz. Zu Beginn der Staffel in TWO SWORDS mit großer Geste als mächtigster Mann in Westeros in Szene gesetzt, findet der triumphale Lord Tywin in THE CHILDREN schließlich sein entwürdigendes Ende. Auf der Latrine, erschossen von seinem verhassten Zwergensohn. Es gibt sie doch, die poetische Gerechtigkeit in Westeros.

Schließlich schafft es Varys, Tyrion unbeachtet aus King’s Landing zu schmuggeln. Dazu benutzt er eine Holzkiste. Ein direkter Bezug zu AND NOW HIS WATCH IS ENDED. Dort hatte sich der Eunuch in einer solchen Kiste den schwarzen Magier nach King’s Landing bringen lassen, der ihn einst kastrierte. Ein Symbol für die enorme Kraft der Geduld und den horizontalen Erzählmodus der Serie. Wie Varys hat Tyrion nun in THE CHILDREN seine lange Rache ausführen können. Aber was bedeutet der Sieg für ihn? Varys‘ magic box verheißt jedoch auch: Große Entwicklungen stehen an, die allerdings ihre Zeit brauchen. Auch der Zuschauer muss sich in Geduld üben. Noch sind aus den Kindern keine Erwachsene geworden. Und bis Dany ihre Drachen im Griff hat, Bran das Fliegen lernt, Arya eine eiskalte Killerin geworden ist und Rickon eine Bedeutung für die Erzählung gewonnen hat, ist es noch ein langer Weg.

Andere Gedanken:

* Ich weiß nicht, wie es bei euch war, aber ich fand die Darth Vader–Bestattung von Ygritte auf ihre ruhige Art intensiver als ihren eigentlichen Tod in THE WATCHERS ON THE WALL…
* Kristofer Hivju hatte als Tormund Giantsbane in der vierten Staffel nicht viel zu tun gehabt. Schade! Seine kurze Szene mit Jon hat mir sehr gut gefallen, in der sie über Ygritte geredet haben. Hoffentlich wird die Figur samt Schauspieler in der kommenden Staffel besser benutzt. Gleiches gilt für Ciarán Hands, den es nach über einer Staffel Abwesenheit endlich wieder als Mance Rayder zu sehen gab.
* Die Kette, mit der Shae von Tyrion erwürgt wird, scheint die gleiche Kette zu sein, die er ihr in THE BEAR AND THE MAIDEN FAIR geschenkt hatte (und welche sie dann empört abgelehnt hatte, weil sie sich als Hure behandelt fühlte): http://www.youtube.com/watch?v=jsKJanYHmqY
* Tyrions Motivation, seinen Vater zu erschießen, weicht von der Buchvorlage ab. Zwar ist es auch das Wort „whore“, welches Tywin zu großzügig benutzt und zu seinem überraschenden Tod führt. Doch bezieht es sich in den Büchern nicht auf Shae, sondern auf Tyrions einstmalige Frau Tysha, die auch in der Serie an einigen Stellen erwähnt wurde. Jaime beichtet seinem Bruder bei der Flucht aus King’s Landing, dass Tysha keine Hure war, die von Tywin bezahlt wurde, um Tyrion eine Lektion zu erteilen, sondern eine einfache Frau, die Tyrion wirklich geliebt hatte. Deswegen fällt auch der Abschied von Jaime in den Büchern bei weitem nicht so harmonisch aus wie in der Serie. Ob es eine Änderung zum Guten oder Schlechten war, bleibt zu diskutieren.
* Also hat Oberyn Martell doch seine Rache bekommen, wenn auch verspätet: Die Verwundungen, die er dem Mountain zugefügt hatte, waren schlimmer als vermutet. Hat er doch seinen Speer in Gift eingerieben, das für einen langsamen und qualvollen Tod sorgt (wenn man genau hinsieht, kann man in THE MOUNTAIN AND THE VIPER übrigens genau sehen, wie sein Knappe den Speer kurz vor dem Kampf mit einem Tuch poliert). Übrigens ist es das Gift eines Mantikoren – die gleiche skorpionartige Kreatur, vor der Dany von Ser Barristan Selmy in VALAR DOHAERIS gerettet wird.
* Apropos: Der unorthodoxe, etwas schrullige, aber bisher nicht weiter auffällig gewordene Ex-Maester Qyburn ist nun dabei, zum Dr. Frankenstein von Westeros zu werden. Was hat er mit dem Körper des Mountains nur vor?
* Im Kino wie im TV gibt es die alte Regel: Hat man ihn nicht on screen sterben sehen, ist der Charakter noch lebendig. Ob das auch auf den Hound zutreffen wird, ist jedoch eher unwahrscheinlich.
* So sehr ich die Referenz an den Kampf mit den Stop-Motion-Skelettkriegern aus JASON AND THE ARGONAUTS auch genossen habe – Ray Harryhausen rules! – kam mir die Szene mit Bran und den Wiedergängern ein wenig holprig vor. Was hatten diese Skelette dort eigentlich verloren? Wieso kamen sie aus der Erde? Der Kampf war schön anzusehen, aber warum musste das Child of the Forest so lange mit ihren deus ex machina-Feuerbällen warten, bis Jojen tödlich verwundet wurde? Wenn sie von den Skeletten in ihrem Vorgarten wissen, wieso tun die Children dann nichts gegen diese Schädlinge? Drachenglas ausstreuen oder Baby-Fallen…
* Alternativ zu dem „This is so Wizard“-Link hätte an der Stelle zu Brans neuer Bestimmung auch gepasst: You can fly! You can fly! You can fly!
*Mit THE CHILDREN nehmen wir unter anderem Abschied von zwei sehr talentierten Main Cast-Schauspielern: Rory McCann und Charles Dance. Ihre Darstellung von Sandor Clegane und Tywin Lannister hat uns viele frohe Minuten gebracht. Figuren wie sie wird es nicht mehr geben: And now their watch is ended!
* Dieses Mal hatte ich mich sehr schwer für einen Titel für die Recap getan. Weitere Möglichkeiten waren: „Happy Father’s Day“, „Eltern haften für ihre Kinder“ und „Wenn der Vater mit dem Sohne“.
* Wie wird es weitergehen in Westeros? Mehr denn je darf man sich auch als Buchfan auf die neue GAME OF THRONES-Staffel freuen, da einige der Hauptfiguren nun den Stand erreicht haben, den sie auch in den Büchern haben (während andere noch einiges vor sich haben). Wie werden die Autoren an das Problem herangehen? Sollten sie tatsächlich manche Handlungsstränge weitererzählen, bevor George R.R. Martin sie in seinem nächsten Buch THE WINDS OF WINTER (Erscheinungsdatum unbekannt) aufgreifen konnte? Eins ist jedenfalls sicher: Um das Erzähltempo und Ereignisdichte der Serie beizubehalten, werden die nächsten Staffeln das Buchmaterial stark verdichten und verändern müssen.

Bildcopyright: HBO