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Field of Fire – GAME OF THRONES: THE SPOILS OF WAR (S07E04)

von | 8 Aug 2017 | Game of Thrones | 4 Kommentare

Nach langem Geduldspiel liefert GAME OF THRONES mit THE SPOILS OF WAR das buchstäbliche Feuerwerk ab, auf das man seit DRAGONSTONE (S07E01) gewartet hat. Die vierte Folge ist ohne Zweifel der bisherige Höhepunkt der siebten Staffel, voller starker Charaktermomente, Spannung – und Drachen. Das letzte Stark-Kind kehrt nach Winterfell zurück, Jon kann Dany von der Gefahr der White Walker überzeugen und wird im Gegenzug über Danys Gutherzigkeit aufgeklärt. Auf dem Weg nach King’s Landing wird Jaime Zeuge der immensen Macht seiner Feinde, als die Drachenkönigin selbst zur Tat schreitet und in das Kriegsgeschehen eingreift. Mit ihrem Drachen Drogon führt sie die Dothraki-Reiter gegen die hoffnungslos unterlegene Lannister-Truppe an und entfesselt eine furiose Feuer-Schlacht, die den Zuschauer atemlos zurücklässt. Aber der Reihe nach.

 

 Diese Folge in Zahlen:

 

 

Hauptfiguren

Orte

Erste Auftritte

Letzte Auftritte

THE SPOILS OF WAR teilt sich in zwei Teile. Die ersten zwei Drittel der Episode folgen der üblichen Dramaturgie der Serie und springen zwischen den drei Haupthandlungsachsen der siebten Staffel hin und her: King’s Landing, Winterfell, Dragonstone. Arya kehrt nach Winterfell zurück und zeigt, dass sie sich ebenso wie Bran auf ihrer langen Reise gewandelt hat. Cersei verspricht Tycho Nestoris von der Iron Bank in King’s Landing das geplünderte Highgarden-Gold als Schuldenausgleich und plant zukünftige, gemeinsame Investitionen. Auf Dragonstone gewinnen Jon und Dany das Vertrauen des jeweils anderen. Der zweite Teil der Folge fokussiert sich ganz auf Jaimes Karawane irgendwo in der Reach und den plötzlichen Überfall durch Dany. Obwohl das Episodenfinale nicht mehr als zehn Minuten dauert, nimmt die Sequenz eine bedeutende Stellung nicht nur in der Staffel, sondern der gesamten Serie ein. Dany greift zum ersten Mal selbst aktiv in das Kriegsgeschehen von Westeros ein und demonstriert ihre monströse Stärke. Strategisch gesehen hat sie keinen großen Sieg errungen, vor allem, da der Wagen mit dem Gold bereits in King’s Landing angekommen ist. Sie greift also „nur“ die Nachhut an. Doch war es ein symbolischer, ein psychologischer Sieg, da sie die Atombombe der Drachen über Westeros hat fallen lassen, um ihren Feinden in den Sieben Königreichen zu zeigen, dass sie jederzeit den kompletten Kontinent in Schutt und Asche legen könnte.

 Mixed signals

„Enough with the clever plans! I have three large dragons, I’m going to fly them to the Red Keep.” Ausgerechnet Jon kann die wütende Drachenkönigin davon abbringen. Zwischen dem pazifistischen Tyrion und der vom Siegen besessenen Dany nimmt er eine Mittlerposition ein. Er weist auf die Symbolkraft der Drachen hin, doch rät er ihr ab, mit ihnen King’s Landing anzugreifen, weil sie sich so sonst nicht von der schlechten Welt unterscheidet, die sie verändern will.

 

Die vierte Folge der siebten Staffel steckt voller Mehrdeutigkeiten, Ironisierungen und ambivalenten Momenten. Figuren haben Pläne und schmieden Allianzen, die jedoch nach hinten losgehen könnten, da ihnen im Gegensatz zum Zuschauer die komplette (Serien-)Geschichte fehlt. So will Cersei die gerade ausbezahlte Iron Bank um neues Geld bitten, damit sie ihre Streitkräfte durch die legendäre Golden Company aus Essos verstärken kann. An sich ein guter Plan, ist die legendäre Söldnertruppe doch immerhin zehntausend Mann stark und im Kampf hervorragend ausgebildet. Doch muss man als erfahrener Serienzuschauer an die letzte Söldnertruppe der Second Sons zurückdenken, die einst von den Sklavenmeistern von Yunkai angeheuert wurde, um Dany aufzuhalten, jedoch unter der Meuterei eines gewissen Daario Naharis in SECOND SONS (S03E08) die Seiten wechselte. Auch Littlefingers Unterfangen in Winterfell, die Starkkids gegeneinander aufzubringen, geht nach hinten los. Er besucht Bran, spricht ihn als Lord von Winterfell an, versucht seine Gunst zu gewinnen und will Misstrauen unter den Geschwistern säen, mit dem Ergebnis, dass das Misstrauen auf ihn selbst zurückfällt. Er macht Bran ein mehrdeutiges Geschenk, indem er ihm den Dolch übergibt, mit dem der Auftragskiller aus THE KINGSROAD (S01E02) einst versuchte, ihn umzubringen. Wem gehört der Dolch, fragt Bran, in einem Tonfall, der verrät, dass er die Antwort vermutlich schon weiß. Littlefinger verwischt die Wahrheit. Er gibt zu, dass ebendiese Frage den War of the Five Kings erst in Gang gebracht hat, verschweigt aber, dass es sein Dolch ist und er der Initiator des Krieges war. The Three-eyed Raven formely known as Brandon Stark weiß allerdings Bescheid. Im Gespräch über Chaos kontert er in einer langsam enervierenden Gleichgültigkeit mit einem Auszug aus dem berühmten Littlefinger-Monolog aus THE CLIMB (S03E06), den der Emporkömmling unter zwei Augen mit Varys im Thronsaal von King’s Landing hielt: „Chaos is a ladder.“ Littlefinger ist baff. Wird er sich dem Geschichtsdeterminismus unterwerfen und ein weiteres Mal Bran für sein gefährliches Wissen in Winterfell nach dem Leben trachten?

 

Auch Aryas Rückkehr nach Winterfell fällt nicht ohne ironischen Bezug zur Vergangenheit aus. Am Tor ihres Zuhauses wird ihr wie einst in THE WOLF AND THE LION (S01E05) von zwei Wachen der Eintritt verweigert. Sie wollen ihr nicht glauben, die Arya Stark zu sein. Arya fragt nach Maester Luwin und Rodrick Cassel, von denen die Wachen jedoch nie gehört haben – immerhin sind sie seit der zweiten Staffel in Winterfell gestorben. Eine nette Szene, die verdeutlicht, wie sehr sich die Rückkehrerin wie auch ihr Zuhause geändert haben. Dem gescheiterten Wiedererkennen folgt ein rührendes Wiedersehen zwischen Sansa und Arya in den Katakomben von Winterfell am Grab ihres Vaters. Viel ist passiert, seit sie sich das letzte Mal gesehen haben. Hast du wirklich Joffrey umgebracht, fragt Arya neugierig. „Ich wünschte, ich hätte es“, antwortet Sansa wie schon Tyrion in seiner Gerichtsverhandlung (THE LAWS OF GOD AND MAN, S04E06). Viel haben sie sich zu erzählen, doch ihre Geschichte ist noch längst nicht an ihrem Ende. Als Arya von ihrer Todesliste erzählt, muss Sansa lachen. Sie sieht noch die kleine Schwester in ihr und kann, will sie wie die Wachen nicht ernst nehmen. Erst im Innenhof von Winterfell wird sie eines besseren belehrt. Nachdem Brienne Podrick eine schmerzvolle Lektion in Sachen Kampfkunst erteilt hat, bietet sich Arya als neue Schülerin an. Aus einem harmlosen Übungskampf zwischen der Lady of Tarth und der jüngsten Starktochter wird ein hitziges Kräftemessen, in der Brienne sich nicht mehr zurück hält und die gut trainierte Arya beweist, dass sie es nun selbst mit einer mächtigen Gegnerin wie Brienne aufnehmen kann. Am Ende erlangen beide Kontrahentinnen ein Patt. Arya ist zufrieden, Sansa ist entsetzt. Was ist aus ihrer kleinen Schwester geworden? Wenn sie wüsste…

Die Orte dieser Folge

Ein deutlich ambivalentes Zeichen tauschen schließlich auch Jon und Dany auf Dragonstone aus. Der King of the North lädt die Drachenkönigin ein, sich die Dragonglass-Höhle noch einmal genauer anzusehen. In ihr sind nämlich ca. 8.000 Jahre alte Höhlenschnitzereien der Children of the Forest zu entdecken, in denen sie von ihrem Kampf gegen die White Walkers und dem daraus resultierenden Bündnis mit den First Men berichten. Jon benutzt die Zeichen, um Dany davon zu überzeugen, dass schon damals aus gegnerischen Parteien in Anbetracht der globalen Bedrohung der Walkers Verbündete wurden und gewinnt ihr Vertrauen. Was beide jedoch nicht wissen: Die Children haben sich mit den First Men verbündet, nachdem sie die White Walkers als Waffe erschaffen haben, um der Vernichtung durch die First Men zu entkommen. Dass der gemeinsame Feind erst ein Resultat aus der gemeinsamen Feindschaft war, wird in den Aufzeichnungen der Children verschwiegen. Die Spiralen und Kreisanordnungen der Höhlenkritzeleien decken sich eins zu eins mit den grotesken Leichenformationen, welche die White Walkers in WINTER IS COMING (S01E01) und WALK OF PUNISHMENT (S03E03) zurückgelassen haben. Es sind magische Symbole, denen man bereits in dem Flashback aus THE DOOR (S06E05) begegnet ist, der die Erschaffung der White Walkers durch die Children an einem Weirwood tree inmitten einer siebenarmigen Spirale aus Steinen zeigt. Die Allianz zwischen Dany und Jon baut auf also einem sehr ambivalenten Zeichen. Deswegen war die Szene zwischen Jon, Davos und Missandei ein wichtiges Gegengewicht: Hier erfährt Jon aus der Erzählung von Missandei, welche die alten Mhysa- und Breaker-of-Chains-Geschichten über Dany wieder aufwärmt, dass die Drachenkönigin von ihren Anhängern freiwillig als Herrscherin ausgewählt wurde. Nicht, weil sie die Nachfahrin eines Targaryens ist, sondern wegen ihrer Taten und guten Herzens. Wenn jemand die Welt zum Besseren verändern kann, dann sie. Von den Hoffnungen, das Rad der Gewalt in Westeros zu brechen, hat Dany allerdings noch nicht viel wahr gemacht.

 

Die Figuren der Folge

Hauptfiguren
Nebenfiguren

Field of Fire

Fire and Blood again and again. Als Pendant zur Schlacht im Eis aus BATTLE OF THE BASTARDS (S06E09) steht das Field of Fire in THE SPOILS OF WAR dem Massaker vor Winterfell in Sachen Grausamkeit in nichts nach.

 

Kommen wir nun zur Hauptattraktion der Folge, den letzten zehn Minuten, die dem Zuschauer noch lange im Gedächtnis bleiben werden. THE SPOILS OF WAR weist einige Ähnlichkeiten mit anderen Meilensteinen der Serie auf, insbesondere den Episoden HARDHOME (S05E08) und BATTLE OF THE BASTARDS (S06E09). Während letztere die Inszenierungsstrategien für die von Fans bereits als Field of Fire betitelte Schlacht zwischen der Lannister-Tarly-Allianz und Danys Dothraki-Reitern vorgibt, bezieht sich die Dramaturgie der Folge auf den Erzählaufbau von HARDHOME: Wie der überraschende Angriff der White Walker wird Danys Überfall auf den Lannister-Konvoi im Finale der Folge langsam vorbereitet. Von einzelnen Vorausdeutungen in anderen Erzählsträngen baut sich die Spannung zu Beginn der Schlachtsequenz in der raffinierten Tongestaltung auf. Nach einer kurzen Konversation mit den Tarlys kippt die Szene, als Bronn in der Ferne ein ominöses Donnern ausmacht. Es ist das Hufgetrappel eines nahenden, aber hinter den Hügeln unsichtbaren Feindes. Jaime und Co bereiten sich auf den Angriff vor. Das Hufgetrappel wird immer lauter, einzelne Kampfschreie gesellen sich dazu, welche die Angreifer eindeutig als Dothraki auszeichnen. Nicht gut. Ein monströser Laut lässt das Herz der Lannisters jedoch in die Hose sinken: Nach einer kurzen Verunsicherung wird klar, dass die Reiter von einem gewaltigen Drachen begleitet werden. Gar nicht gut. Die Schlacht ist vorbei, ehe sie begonnen hat.

 

Die Field of Fire-Sequenz gehört zu den besten Szenen der Serie. Die Komplexität und Multiperspektivität der Serie kulminiert in dieser Schlacht, in dem der Zustand des Zuschauers sekündlich zwischen Anspannung, Freude, Angst und Schrecken wechselt. Regisseur Matt Shakman orientiert sich an der Vorarbeit von Miguel Sapochnik, der bereits HARDHOME und BATTLE OF THE BASTARDS bildgewaltig in Szene gesetzt hat. Die Grandeur der Sequenz beruht auf der überwältigenden CGI-Visualisierung feuerspeiender Drachen, die wir bereits aus der zweiten Belagerung von Meereen kennen, sowie der unglaublichen Choreographie von Statisten- und Pferdemassen und der ungezügelten Kamera aus dem ebenso epischen wie grausamen Kampf um Winterfell. Der fast einminütige tracking shot aus BATTLE OF THE BASTARDS, in dem Jon sich durch das Kampfgetümmel mit mehr Glück als Können schlägt, wiederholt sich in THE SPOILS OF WAR: Diesmal folgt die Kamera Bronn, der sich an arakh-schwingenden Dothrakis und brennenden Soldaten vorbeikämpft und nur knapp einem ins Bild brausenden Pferd entkommt, das stattdessen einen anderen Unglücklichen erfasst. Wie schon in BATTLE OF THE BASTARDS dient der Moment keinem visuellen Selbstzweck, sondern veranschaulicht die Willkür, Zufälligkeit und Brutalität des Schlachtfeldes. Einstellungen wie diese, in denen der Zuschauer auf unangenehme Weise in das Geschehen hineingezogen und aus nächster Nähe mit den Schrecken der Schlacht konfrontiert wird, sind gegengeschnitten mit den point of view shots außenstehender Beobachter, in dem Fall Tyrion, die das ganze Ausmaß des Schreckens aus der Distanz überblicken und dem desorientierten Zuschauer einen Halt geben.

Fire Walk with me: Dany demonstriert im Field of Fire, dass sie mit ihren Drachen über wahre Waffen der Massenvernichtung verfügt.

 

Neben dem Wechsel aus Nähe und Distanz benutzt die Sequenz vor allem das Springen zwischen verschiedenen Perspektiven als Mittel der Spannungssteigerung. Die Dynamik liegt in der Konfrontation von geliebten Hauptfiguren, die das Pech haben, auf verschiedenen Seiten zu stehen. Aus Danys Blick von oben hat das Geschehen etwas Befreiendes, geradezu Triumphales. Endlich kann sie ihren ersten großen Sieg im Krieg um Westeros erzielen und die Lannisters zurückwerfen. Auf dem Boden erleben wir jedoch aus der Sicht von Jaime und Bronn den Schrecken des Drachenfeuers und die Barbarei der wilden Dothraki-Horde. Der entsetzliche Anblick verbrennender Menschen, die sich zur Rettung in den Fluss stürzen und unter ihren Rüstungen verbranntes Fleisch offenbaren, lässt uns die Szenerie ganz anders wahrnehmen. Wir sind überfordert: Für wen sollen wir halten? Targaryens? Lannisters? Dany? Jaime? Wer wird überleben? Als Bronn Qyburns Drachentöter-Geschütz erreicht und beginnt, auf Dany zu schießen, scheint für den Moment alles möglich. Wir wollen nicht, dass Bronn Drogon abschießt, ebenso wenig wollen wir, dass der ehemalige Söldner ums Leben kommt. Anders als im BATTLE OF THE BASTARDS, wo die Fronten zwischen Gut (Jon) und Böse (Ramsay) klar gezeichnet sind, ist der Zuschauer in THE SPOILS OF WAR so sehr emotional gefordert, dass er am Ende nicht einmal sagen kann, ob er einem Sieg oder einer Niederlage beigewohnt hat. Die größte Identifikation bringt daher Tyrions Blick, der wie der Zuschauer zwischen den Fronten steht. Mit ernster Miene beobachtet er Danys Sieg, nimmt das Schreien der verbrennenden Soldaten wahr und sorgt sich sowohl um seine Königin als auch seinen Bruder: „Flee, you idiot. You fucking idiot.“

 

Dieser ist im Begriff, etwas zutiefst Dummes zu begehen. Jaime ist getrieben von einer resignierten Ohnmacht angesichts der ultimativen Zerstörungskraft der Drachen. Wo sich eben noch Soldaten hinter ihren Schildern versteckten, lässt das Drachenfeuer nicht mehr als einen Aschenhaufen übrig, der vom Wind weggefegt wird. In Jaimes Gesicht lässt sich das Trauma ablesen, vielleicht auch die Erinnerung an den Mad King, der einst damit drohte, ganz King’s Landing anzuzünden und Jaime zum Königsmord zwang. Auch jetzt greift er zu einer Verzweiflungstat und reitet mit ergriffenem Speer auf Dany zu, die am Boden dem von Bronn getroffenen Drogon das Geschoss aus der Schulter zieht. Geschichte wiederholt sich, als der Königsmörder erneut einem Targaryen mit einer Waffe in den Rücken fallen will, um dessen flammenden Wahnsinn aufzuhalten. Diesmal ist jedoch Drogon zur Stelle und schießt dem Angreifer einen Feuerball entgegen, der dank des Eingreifens von Bronn  nur knapp sein Ziel verfehlt. Bei der Flucht vor dem tödlichen Feuer stürzen beide in den Fluss, Jaime wird von dem Gewicht seiner Rüstung in die Tiefe gezogen. Eine letzte böse Ironie der Folge, die damit begann, dass Jaime Bronn vor den scheinbar guten Dingen im Leben warnte, die einen als Last nach unten ziehen können.

 

Die Field of Fire-Schlacht aus THE SPOILS OF WAR funktioniert deshalb so gut, weil sie die perfekte Kulmination der serienimmanenten Vielschichtigkeit ist. Alles in GAME OF THRONES, so scheint es, läuft auf Momente wie diesen hinaus, in denen Figuren gegeneinander kämpfen und man nicht entscheiden kann, wen man leben und wen man sterben sehen will. Jeder hat aus seiner Perspektive recht, so etwas wie ein objektives „richtig“ oder „falsch“ gibt es nicht. Hoffen wir, dass das Finale der Serie ebenso komplex ausfallen wird wie diese Schlacht, statt die Ambiguität der Serie durch einen vereinfachten Schwarz-Weiß-Showdown zwischen den guten Kindern von Westeros und den bösen Eiszombie-Onkeln zu ruinieren.


 

„Chaos is a ladder.“

 

 

The Three-eyed Raven formerly known as Brandon Stark

Andere Gedanken:

  • Die Field of Fire-Schlacht ist im dauerpräsenten Eroberungskrieg von Aegon I Targaryen der entscheidende Kampf gewesen, in dem er die Armeen der Lannister und des Königs Gardener, dem Vorgänger der Tyrells, vernichtend geschlagen hat.
  • Once Upon the Time In the West: Das fulminante Episodenfinale war ein raffinierter Genre-Mix aus Fantasy und Western. Der Handlungsort in der Reach (wahrscheinlich irgendwo bei Burg Tumbleton) erinnerte an die Prärie des Wilden Westens, was durch die Wagenkolonne der Lannisters verstärkt wurde, der den Pionier-Planwagen-Zug nicht unähnlich sah. Der Angriff der johlenden Dothraki-Horde greift den Überfall der Indianer auf, der im klassischen Western eine typische Erzählung bildete. Wie die Ureinwohner Nordamerikas scheint ihre einfache Kampfausrüstung dem modernen Equipment der Lannisters/Siedler zunächst unterlegen, doch machen sie den Nachteil mit einem geradezu barbarischen Kampfesgeist wieder wett. Der Drache hat natürlich auch geholfen.
  • Rickon, was it? Dickon Tarly entwickelte sich im Field of Fire zum Helden, als er Jaime das Leben rettete. Hat er jetzt den Respekt des Königsmörders gewonnen? Bronn wird Sams Bruder wegen seines Namens wahrscheinlich immer noch nicht ernstnehmen können.
  • Bevor die Schlacht in der Reach beginnt, wird Jaime in Abgrenzung zu dem harten Lord Randyll Tarly noch einmal als rücksichtsvoller und guter Herrscher etabliert. Sams Vater schlägt vor, die Nachzügler des Konvois auspeitschen lassen, um schneller voran zu kommen, was Jaime ablehnt. Man sympathisiert mit dem Königsmörder, damit man für ihn und Bronn im Field of Fire auch wirklich etwas empfindet.
  • Bronns Plot mit dem Gold war – nett. Dass er sich im Kampf für die Lannisters und gegen das Geld entscheidet, war allerdings nicht unbedingt nur altruistisch, sondern einfach pragmatisch. Hätte er Zeit für das Gold verschwendet, wäre er schon längst tot. Trotzdem wird Bronn im Gegensatz zum Buch wird immer menschlicher. Oder man hat Jerome Flynn einfach zu sehr ins Herz geschlossen.
  • Bronn der Drachentöter. Bad ass, wie er mit Qyburns  Balliste auf Drogon geschossen hat. Dass er den stärksten von Danys Drachen verletzen konnte, unterminiert ihre ganze „Ich hab Drachen, mir kann keiner was“-Botschaft. Werden wir diese Staffel noch den Tod eines Drachen erleben?
  • Dany und Jon kommen immer besser miteinander klar. Selbst die leicht romantische Spannung wurde bereits von Davos entdeckt, wovon Jon allerdings nichts wissen will. Bestimmt hat der Onion Knight überall auf Dragonstone heimlich Herzchen mit D+J=<3 eingeritzt…
  • Unbowed, Unbent, Unbroken. Was soll das nur mit dem Kniebeugen? Warum sind Dany und Jon nur so stur? Wird der King of the North seinem Vorfahren folgen und sich dem Targaryen-Eroberer unterwerfen oder sich an den Dorne-Leuten orientieren, die nie das Knie vor einem Targaryen beugten und Jahre des Bürgerkriegs später durch Heirat an die Krone gebunden wurden?
  • Endlich zahlen sich die Jahre der Ausbildung aus. Arya zeigt Brienne, was sie auf dem Kasten hat. Syrio Forel wäre stolz auf seine kleine Wassertänzerin, ebenso der Hound auf seine ehemalige Geisel. Der Mann, den sie Jaqen H’ghar nennen, nimmt es zur Kenntnis.
  • David gegen Goliath: Aryas Übungskampf gegen Brienne steht in einer langen Tradition der Auseinandersetzung zwischen großen, kräftigen Hünen und kleinen, flinken Wieseln: Ser Jorah gegen den Dothraki-Krieger Qotho in BAELOR (S01E09), Brienne gegen Ser Loras in WHAT IS DEAD MAY NEVER DIE (S02E03), Aryas kurzes Scharmützel mit Sandor Clegane in FIRST OF HIS NAME (S04E05) und natürlich der Kampf zwischen Oberyn Martell und Gregor Clegane in THE MOUNTAIN AND THE VIPER (S04E08). In einer Metadiskussion aus THE DANCE OF DRAGONS (S05E09) über das Kräftemessen zwischen Stärke und Geschwindigkeit setzt der kampferprobte Daario Naharis sein Geld auf letzteres, als just in dem Moment der große Krieger in den fighting pits dem kleineren den Kopf abschlägt. Fun fact: Bisher hat IMMER Goliath gewonnen. Aryas Unentschieden mit Brienne bedeutet die erste Nicht-Niederlage für David.
  • „You died in that cave.“ Meeras Abschied von Bran war herzzereißend. Selbst als sich seine einzig verbliebene Weggefährtin von ihm trennt, um ihrer Familie bei der Ankunft der White Walkers beizustehen, bleibt der neue Three-eyed Raven gefühlskalt. Ist überhaupt noch etwas von dem alten Bran in ihm übriggeblieben?
  • Bran schenkt Arya den Dolch, den er von Littlefinger bekommen hat. Damit ist eine weitere valyrische Klinge in fähigen Händen gelandet. Jetzt steht dem faceless-Meuchelmord am Night King nichts mehr im Weg!
  • Apropos: Die nächste Folge heißt EASTWATCH, also warm anziehen, Tormund! Wird der Night King überhaupt die Burg an der Mauer angreifen, oder einfach über die mittlerweile zugefrorene See (Der Titelvorspann hat es angeteasert!) um die Mauer drum herum laufen?
  • Theons Rückkehr nach Dragonstone sorgte für eine sehr spannende Szene zwischen ihm und Jon, in der wieder einmal Blicke mehr sagten als tausend Worte.
  • „Fewer, not less.“ Grammar Knight Davos korrigiert seinen König. Eine schöne Referenz zu den Momenten aus GARDEN OF BONES (S02E04)und KILL THE BOY (S05E05), in denen Stannis seinen Zwiebelritter wie auch die Wildlinge verbessert.
  • It’s Always Sunny in Westeros. Die über die Jahre wachsende Verbundenheit zwischen GAME OF THRONES und  IT’S ALWAYS SUNNY IN PHILADELPHIA zementiert sich in dem Regisseur von THE SPOILS OF WAR, Matt Shakman, der zahlreiche Episoden der FX-Comedy-Serie inszenierte – unter ihnen die Folge THE GANG GOES TO A WATERPARK aus der letzten Staffel, in denen GAME OF THRONES-Showrunner David Benioff und D.B. Weiss einen Cameo-Auftritt als Bademeister haben. Das Crossover der beiden Serien begann mit versteckten Anspielungen und erreichte seinen ersten Höhepunkt in der IT’S ALWAYS SUNNY-Folge FLOWERS FOR CHARLIE aus der neunten Staffel, für die D&D das Drehbuch geschrieben haben.
  • Eine Anmerkung in eigener Sache: Nächste Woche wird das Recap leider erst Mittwoch oder Donnerstag herauskommen, da ich im Urlaub sein werde.

Die aktuelle siebte Staffel GAME OF THRONES ist in Deutschland exklusiv auf Sky zu sehen. Weitere Infos unter: www.sky.de.

© HBO

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