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In der Peripherie Belgrads besitzt Olga ein heruntergekommenes Haus. Von außen wirkt es klein und schäbig, innen drin verbirgt sich ein Durchschnitt an allen Abartigkeiten einer Gesellschaft in Form seiner ebenfalls schäbigen Bewohner. Da gibt es einen verrückten Alten mit einer Leiche im Lehnstuhl, einen ekelhaft fröhlichen Arzt, der illegale Abtreibungen vornimmt, eine junge Prostituierte im Dauereinsatz, einen Veteran, der seine Frau schlägt und Olgas triebgesteuertern, rassistischen Sohn Daniel. In diese Konstellation bringt der Film das lesbische Paar Mare und Iva ein, die ihre Liebe verheimlichen müssen. Als sie jedoch trotzdem entdeckt wird, kommt es zur Katastrophe.

Es gibt außer der Liebe zwischen den Frauen keinerlei echte Geheimnisse, die bigotte Moral wird offen ausgelebt, jede Perversität akzeptiert. Was vielleicht hätte zynisch sein können, bleibt in Fine Dead Girls brav und banal. Die Figuren sind allesamt Klischees, ihre übertriebene Zeichnung aber konventionell. Die gesamte Inszenierung ist lehrbuchhaft, ohne Einfälle, ohne Auffälligkeiten. Auch das Drehbuch und die Dramaturgie bieten höchstens solides Handwerk, Handlungslogik, ja gar teilweise die Aussage, treten dahinter zurück. Einzig eine bis ins Peinliche überdeutliche Religions- und Obrigkeitskritik steht heraus. Dem ganzen setzt ein fürchterlicher Soundtrack die Krone auf.

Am Ende heiratet Iva einen Mann, das letzte Bild ist das einer kleinen glücklichen Familie. Iva wird sich ihr ganzes Leben lang verstecken und verstellen müssen, aber sie wirkt zufrieden, lebt in einem wunderschönen Haus. Womöglich ist all das Ironie? Aber wo? Diese Interpretation wäre die einzige Rettung für den Film, aber er nimmt sich viel zu ernst und ist selbst so glatt, dass das einfach nicht zu finden ist.

Fine Dead Girls lief im Rahmen des Symposiums von goEast, das sich mit der Neuen Rechten in Osteuropa beschäftigt. Die Neonazis richten sich auch gegen Homosexualität. Der Platz im Programm kann eigentlich nur dadurch zu erklären sein, dass dieser Aspekt auch enthalten sein sollte.

Fine Dead Girls / Fine mrtve djevojke
R: Dalibor Matanic
B: Dalibor Matanic
K: Branko Linta
Kroatien 2002, 77 Min.
Globus-Film