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Kopfkino: Der Thrill von Hitchcocks Duschszene aus PSYCHO ist das Ergebnis einer gelungenen Kombination aus raffinierter Montage und der schrillen Stakkato-Musik von Bernard Herrmann

PSYCHO, ONCE UPON A TIME IN THE WEST, THE GODFATHER, BASIC INSTINCT, vielleicht noch JAMES BOND: Unvergessliche Werke der Filmgeschichte, die den Zuschauer mit ihrer Spannung stets aufs Neue den Atem rauben. Hinter dem Erfolg der Filme stehen große Namen – nicht nur Hitchcock, Leone, Coppola oder Verhoeven, sondern auch Bernard Herrmann, Ennio Morricone, Nino Rota, Jerry Goldsmith und John Barry. Film ist ein audiovisuelles Medium, erst in der Kombination mit der Musik entfalten die Bilder ihre Wirkung beim Zuschauer. Was wäre Hitchcocks berühmte Duschmordszene ohne Herrmanns scharfe Streicher, Leones opernhafte Western-Duelle ohne Morricones Begleitung aus Chor, Mundharmonika und E-Gitarre?

Zum Galakonzert Hollywood in Vienna 2012 dirigiert David Newman (ICE AGE, ANASTASIA) am 22. Oktober das ORF-Radiosymphonieorchester Wien zusammen mit dem Publikum durch die Thrilling Moments der Filmgeschichte, von Film Noir-Klassikern (SUNSET BOULEVARD) bis hin zum gegenwärtigen Blockbusterkino (INCEPTION). Neben diesen Suspense-Meisterwerken steht jedoch das Schaffen eines besonderen Komponisten im Vordergrund: Lalo Shifrin. Der mittlerweile 80-jährige Argentinier machte bereits seit Ende der 60er Jahren mit innovativen Scores auf sich aufmerksam. Seine Musik zu Peter Yates‘ BULLITT und den DIRTY HARRY-Filmen prägte lange Zeit den Ton aktueller amerikanischer Polizeifilme, in seinen Kompositionen zu Filmen wie THE AMITYVILLE HORROR, dem Bruce Lee-Klassiker ENTER THE DRAGON oder George Lucas‘ Erstlingswerk THX 1138 kombiniert Shifrin Soundeffekte, Jazz-Elemente und Orchestermusik zu ungewöhnlichen Klangexperimenten, stets auf der Suche nach neuen, musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten. Über die Kinomusik hinaus machte er sich außerdem als Komponist für Fernsehserien einen Namen, seine Titelmelodie zu MISSION: IMPOSSIBLE hat längst Kultstatus. Im Rahmen des Konzertes wird Lalo Shifrin zu Ehren seines stilprägenden Lebenswerkes der Max Steiner Award überreicht.

Wien als Hauptstadt der Filmmusik. Das Hollywood in Vienna-Konzert bildet den Abschluss der International Film Music Days Vienna 2012, in der Wien vom 18. bis zum 22. Oktober zum Zentrum nationaler wie internationaler Filmmusik wird. Als Höhepunkt der FIMU Vienna 2012 darf das International Film Music Symposium am 19. Oktober angesehen werden, an dem nationale wie internationale Komponisten ihre Arbeitsweise erörtern und dem Publikum für Fragen zur Verfügung stehen. Neben Lalo Shifrin und David Newman werden unter anderem David Arnold und Josef Aichholzer als Gäste erwartet. Für junge Filmschaffende und Komponisten aus Österreich soll gleichzeitig eine Plattform geschaffen werden, um sich gegenseitig austauschen und Kontakte knüpfen zu können (weitere Infos zur Veranstaltung und Anmeldung hier).

Vienna in Hollywood: Das Classical Hollywood wäre ohne den Einfluss deutsch-österreichischer Filmemacher, die während der 1920er-1930er Jahren in die USA emigrierten, sicherlich nicht denkbar. Unter namhaften Regisseuren wie Michael Curtiz, Fred Zinnemann, Otto Preminger, Ernst Lubitsch, F.W. Murnau und Billy Wilder finden sich einige Wiener: Fritz Lang, Erich von Stroheim, Josef von Sternberg. Ebenso wie der Look hat auch der Sound der Goldenen Ära Hollywoods seine Wurzeln in Europa. Neben Dimitri Tiomkin, Miklós Rózsa und Franz Waxman waren es vor allem die Wiener Max Steiner und Erich Wolfgang Korngold, welche den Klang der großangelegten, sinfonischen Filmmusik der Zeit bestimmten. In ihren romantischen Filmscores integrierten sie Techniken klassischer Komponisten wie die durch Richard Wagner geprägte Leitmotivik, illustrierten das aktionsreiche Geschehen auf der Leinwand in abwechslungsreichen Partituren und ließen das Publikum durch den dichten Klangteppich ihres breitgefächerten Orchesters in fremde Filmwelten eintauchen. Ihr Einfluss auf die Filmmusik währt bis heute, zeitgenössische Filmkomponisten kommen nicht umhin, sich mit ihrem Wiener Erbe auseinanderzusetzen.

Vor diesem Hintergrund bedeutet FIMU Vienna also Heimführung und Ausblick zugleich, das Bewusstwerden der Tradition und die Herausforderung zur Innovation, um im Geiste der Pioniere der Filmmusik neue Wege zur Erschließung unbekannter Klangräume zu begehen. Die Verleihung des Max Steiner Film Music Achievement Award an Lalo Shifrin setzt ein klares Zeichen – Die Würdigung des Schaffens eines Künstlers, der über die Grenzen der sinfonischen Filmmusik hinaus das Kino mit seinen Hörerlebnissen zum Tonlabor verwandelte. Man darf gespannt sein, ob es David Newman und dem ORF-Radioymphonie-Orchester gelingt, Shifrins Klangkunst dem Publikum im Wiener Konzerthaus erfahrbar werden zu lassen.

Weitere Informationen zu Hollywood in Vienna gibt es auf der Homepage des Konzerts: http://www.hollywoodinvienna.com.

 

Bild-Copyright: PSYCHO ist bei Universal Pictures auf DVD erschienen.