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In der Spirale der Gewalt – GAME OF THRONES: THE BROKEN MAN (S06E07)

von | 6 Jun 2016 | Game of Thrones, Uncategorized | 4 Kommentare

Bewegung in Westeros: Jon, Sansa und Davos besuchen die verbliebenen Häuser des Nordens, um Verbündete im Kampf gegen Ramsay zu gewinnen. Auf ihrer Reise nach Meereen machen Yara und Theon einen Zwischenstopp in Volantis. In den Riverlands verhandelt Jaime mit Brynden Tully um Riverrun, während Lady Olenna Tyrell sich aus King’s Landing zurückziehen will. THE BROKEN MAN ist eine typische set-up-Folge, die das nahende Finale der sechsten Staffel vorbereitet. Der Transitzustand von BLOOD OF MY BLOOD wird fortgesetzt, der Zuschauer durch zusätzliche Cliffhanger weiter in der Schwebe gehalten. So bringt die Episode eine totgelaubte Hauptfigur aus der vierten Staffel zurück, nur um eine andere in akute Lebensgefahr zu treiben.

 

 Diese Folge in Zahlen:

 

 

Hauptfiguren

Orte

Erste Auftritte

Letzte Auftritte

 Scherbenmenschen

The Revenant: In THE BROKEN MAN kehrt Sandor Clegane als Hauptfigur zurück. Als Holzfäller in einer Gruppe anständiger Menschen hat er sich von seinen körperlichen und seelischen Wunden erholt. © HBO

 

THE BROKEN MAN eröffnet mit einem cold open. Ungewöhnlich für GAME OF THRONES. Mit Ausnahme der meisten Staffelanfänge beginnen alle Folgen direkt mit dem ikonischen Vorspann der Serie. Der Grund für diese Ausnahme ist einfach: Der Einstieg zeigt die Rückkehr von Sandor Clegane, bevor die Credits im Vorspann die Überraschung vorwegnehmen. Der Hound ist also wieder da und scheint nicht an seinen Wunden qualvoll verendet zu sein, wie das Finale der vieren Staffel vermuten ließ. Stattdessen wurde er von Brother Ray aufgesammelt und in seine Gemeinschaft aufgenommen. Der Geistliche hat sich irgendwo im Tal der Vale niedergelassen, um ein kleines Gotteshaus zu errichten. Den Barbareien des Krieges setzt er ein gewaltfreies, wenn auch armes Leben entgegen, das auch auf den Hound abzufärben scheint. „It‘s never too late to stop robbing people, to stop killing people and to start helping people.“ Er schaut in Sandors Richtung: „It’s never too late to come back.

 

Sandor ist der titelgebende Broken Man. Wie auch Jon oder Theon hat er sein eigenes Trauma zu bewältigen. Der Krieg hinterlässt nicht nur in Scherben, sondern Scherbenmenschen. Durch die Ereignisse der Serie versehrt stehen die gebrochenen Männer vor der Wahl, wie Yara ihrem Bruder in THE BROKEN MAN erklärt: Entweder dem Leid durch Selbstmord nachgeben oder weiterkämpfen. Yaras schroffe Art der Therapie gibt Theon neuen Mut. Auch Jon hat seinen Willen zum Kämpfen wiedergefunden. Zusammen mit Sansa und Davos versucht er, die verbliebenen Häuser des Nordens für seinen Angriff auf Winterfell zu rekrutieren. Dies führt zum vielleicht besten Moment der Folge: Die Begegnung mit Lady Lyanna Mormont. Sowohl Jon als auch Sansa beißen sich an der zehnjährigen Nichte des Ex-Lord Commanders die Zähne aus. Davos findet in der zähen Herrscherin der Bear Islands jedoch eine verwandte Seele. Beide sind durch Unglück und Krieg zur Macht gekommen und nehmen die Verantwortung ihrer Position sehr ernst. Erinnerungen an Shireen kommen hoch, der Davos mit vergleichbarem Respekt gegenübertrat. Schließlich kann der Zwiebelritter die junge Herrin überzeugen, sich Jons Vorhaben anzuschließen.

In Riverrun kämpft Brynden Tully für eine verlorene Sache. Geblendet von Rachegelüsten und falschem Stolz ist er gewillt, geschehenes Leid mit noch mehr Leid zu beantworten. © HBO

 

Jon Snows Situation bleibt jedoch hoffnungslos. Der Wildlings-Armee, die dank Tormund und Riese Wun-Wun mit ihm in den Kampf zieht, kann Lady Mormont nur eine handvoll Krieger beisteuern. Jon setzt mit seinem Angriff auf Winterfell alles auf eine Karte. THE BROKEN MAN betont die Sinnlosigkeit des Krieges. Das Kämpfen um die gerechte Sache lässt die guten Menschen von Westeros zu rücksichtslosen Fanatikern werden. Jons Angriff auf Winterfell ist ein Himmelfahrtskommando. Er ist ein Spiegelbild zu Stannis Baratheon, der in der fünften Staffel mit ähnlich sturer Haltung in seinen Untergang marschierte: „We march to victory. Or we march to defeat. But we go forward; only forward.“ (THE GIFT) Auch Brynden Tully kämpft hartnäckig auf verlorenem Posten. Lieber will er tausende Männer in den Tod führen, als seine Heimatburg Riverrun aufzugeben. Erfolglos versucht Jaime, einen Frieden zu verhandeln. Der Krieg ist vorbei, warum noch weiter kämpfen und unnötiges Blut vergießen? „As long as I am standing, the war’s not over“, ist die verbitterte Antwort des Blackfish.

Die Orte dieser Folge

Immer wieder zeigt GAME OF THRONES, welch tiefe Wunden das Mächtespiel der großen Häuser in das Land geschlagen hat. Der Krieg hat die Menschen verrohen lassen. Soldaten werden zu Gesetzlosen, die brandschatzend und mordend über das einfache Volk herfallen. Zwar haben die kleinen Leute inzwischen einen Weg gefunden, zurückzuschlagen – In den Riverlands führt die Brotherhood without Banners einen Guerillakrieg gegen Lannisters und Freys, King’s Landing wird zurzeit vom High Sparrow und seiner Bettel-Armee regiert – doch lässt sich Feuer nicht mit Feuer bekämpfen. Den einzig vernünftigen Ausweg bietet Brother Ray. Geplagt von seinen Kriegsverbrechen hat der ehemalige Soldat der Gewalt abgeschworen, von der er nicht einmal zur Verteidigung des eigenen Lebens Gebrauch macht. Konsequenterweise währt sein Auftritt auch nicht länger als eine Folge – Ausgerechnet die Brotherhood without Banners macht seine Oase der Friedfertigkeit dem Erdboden gleich. Alles scheint umsonst: Im Anblick des für seinen Sanftmut ermordeten Geistlichen greift Sandor hasserfüllt zur Axt, verfällt seinem alten Wesen und macht sich auf, die Gewalt als Krankheit unter den Menschen weiter zu verbreiten.

 

Taffe Mädels

Growing Strong: Margaerys falsches Spiel in King’s Landing ist eine Geduldprobe für Haus Tyrell. © HBO

 

Unaufhaltsam schaut man in GAME OF THRONES dem Untergang einer ganzen Welt zu. Selbst wenn Jon und Co. die Schlacht von Winterfell für sich entscheiden sollten, dem Kampf gegen die White Walkers sind sie doch nicht gewachsen. Auf jeden Krieg folgt ein weiterer Krieg, um den Feind zu besiegen, muss man selbst zu dem werden, was man bekämpft. So spielt Margaery in King’s Landing weiterhin die geläuterte Glaubende und sagt dem Sparrow das, was er hören will. Doch wird ihre Loyalität getestet, als der High Sparrow ihr offenbart, als nächstes gegen Lady Olenna vorgehen zu wollen. Unter den Augen von Septa Unella überredet Margaery im Red Keep die Queen of Thorns, zu ihrem eigenen Wohl die Hauptstadt zu verlassen. Im Verborgenen überzeugt sie die Großmutter von ihren wahren Absichten: Eine aufgemalte Rose zeigt, dass Margaery den Kampf für Haus Tyrell nicht aufgegeben hat.

Die Figuren der Folge

Hauptfiguren
Nebenfiguren
Erste Auftritte
Letzte Auftritte

Während die Frauen in King’s Landing nicht daran denken, aufzugeben, scheint Arya in Braavos ihren Kampf verloren zu haben. Nachdem sie ihre Ausbildung bei den Faceless Men abgebrochen hat, um sich ihre eigene Identität und ihr Gewissen zu bewahren, geschieht in THE BROKEN MAN das Erwartete: Arya fällt dem Familienfluch der Starks zum Opfer und wird für ihr selbstloses Handeln von der Waif erdolcht. Das Attentat der Killerin lässt Arya schwer verwundet und paranoid durch die Gassen von Braavos taumeln. Ist dies das Ende von Arya Stark? Stellt ihr Tod die radikale Transformation zu einem No One der Faceless Man dar? Wird bald der nächste erstochene Stark von einem Anhänger des Lord of Lights wiedererweckt? Oder kann sie sich von ihren Verletzungen erholen? Vielleicht ist alles auch nur ein Akt der poetischen Gerechtigkeit. Aryas Leben hängt ausgerechnet in der Folge am seidenen Faden, in der die Figur zurückkehrt, die in THE CHILDREN von der Starktochter schwer verwundet einem langsamen Tod überantwortet wurde: Sandor Clegane. So funktioniert Gerechtigkeit in Westeros.


 

The real war isn’t between a few squabbling houses. It’s between the living and the dead. And make no mistake, my lady, the dead are coming.

 

 

Ser Davos Seaworth

Andere Gedanken:

  • Brother Ray ist eine für die Serie erdachte Figur, die eine Art Verschmelzung aus Setpon Meribald und dem Elder Brother aus den Büchern darstellt.
  • Tell, don’t show! Obwohl Ian McShane das Beste aus seinem kurzen Auftritt herausgeholt und mit Brother Ray eine unfassbar charismatische Figur dargestellt hat, bin ich doch sehr unzufrieden, wie die Szenen geschrieben wurden. Das hängt vor allem damit zusammen, dass Autor Bryan Cogman den legendären Broken Men-Monolog aus den Büchern nicht verwendet hat, auf dem die Folge basiert. Dieser Monolog ist eine Schlüsselpassage der Bücher, die prägnant ein wesentliches Thema der Geschichte zusammenfasst. Klar, die Inhalte der Rede über die Sinnlosigkeit und Grausamkeit des Krieges, der Menschen in gesetzlose Bestien verwandelt, spiegelt sich in Brother Rays Worten wie auch dem Verhalten der Brotherhood without Banners wider. Doch fühlt es sich in THE BROKEN MAN so an, als hätte man „Hamlet“ zur Aufführung gebracht und dabei den „to be or not to be“-Monolog gestrichen, wie ein User treffend kommentierte.
  • War die Brotherhood without Banners auch in den Büchern ein so fieser Haufen von Arschgeigen, die sogar unbewaffnete Männer, Frauen und Kinder abschlachten? Waren sie nicht einfach eine Bande von Gesetzlosen, die das Volk vor den Übergriffen der Lannister- und Frey-Banden beschützen wollte? Oder sind meine Erinnerungen an die Merry Men von Westeros so verzerrt?
  • Irgendwie hat mich Sandors Erzählstrang sehr an Magnetos Schicksal aus dem aktuellen X-MEN-Film erinnert: Auch dieser durfte für eine kurze Zeit ein friedvolles Leben unter Menschen mit neuer Familie führen, bis die sadistischen Drehbuchgötter ihm alles wieder wegnahmen, um ihn zu einem noch verbitterteren Schurken zu machen.
  • In ihrer Verzweiflung versendet Sansa eine geheime Botschaft. Wahrscheinlich an Littlefinger, um ihn um Hilfe in der Schlacht von Winterfell zu bitten. Ist das wirklich die beste Idee? Littlefinger wird in der Schlacht um den Norden definitiv das Ruder rumreißen. Die Frage ist nur zu wessen Gunsten – außer seinem eigenen.
  • Bronn ist wieder da und wird gleich für den obligatorischen Penis-Witz der Folge missbraucht. Das späte Erscheinen von Jerome Flynn hat anscheinend mit seinem engen Terminkalender zutun, um den die Autoren herum schreiben mussten. Welche Rolle er in der Belagerung von Riverrun spielen wird?
  • Die Freys wissen aber wirklich einen Furz über Belagerungen.
  • Der arme Edmure muss als Einsatz im Poker zwischen Brynden Tully und den Freys herhalten. Wie gut, dass der Blackfish einen Bluff sofort erkennt.
  • In Volantis vergnügt sich Yara mit einer weiblichen Prostituierten. Obwohl Theons Schwester auch in den Büchern sehr sexuell aktiv ist, fühlt sie sich doch nicht zum eigenen Geschlecht hingezogen. Andererseits ist sie eine offensichtliche Wahl, um in der Serie auch bisexuelle Figuren darstellen.
  • Yara und Theon planen tatsächlich, ihrem Onkel Euron zuvor zu kommen und ein Bündnis mit Dany in Meereen einzugehen. Damit nehmen sie in der Handlung jene Stelle ein, die in den Büchern ihr dritten Onkel Victarion Greyjoy innehat.
  • Also jetzt mal ehrlich: Das Attentat der Waif hätte Arya kommen sehen müssen. Wie schon bei Roose Bolton wird hier die Logik der Figur dem gewünschten Handlungsergebnis untergeordnet. Ärgerlich.
  • „As far as I understand it you’re a Snow. And Lady Sansa is a Bolton. Or is she Lannister? I’ve heard conflicting reports.” Burn! Lyanna Mormont ist die Beste. Sie ist sogar mit ihren Männern in den Kampf gezogen. Schließen wir also die kleine Lady lieber nicht zu sehr ins Herz, sonst endet es noch so wie bei Shireen…
  • Übrigens wurde Lyanna Mormont bereits vergangene Staffel in THE HOUSE OF BLACK WHITE AND WHITE erwähnt. Dort hat sie in einer Nachricht Stannis Baratheon auf seinen Wunsch, Haus Mormont möge sich seiner Sache anschließen, ähnlich schnippisch abgetan: „Bear Island knows no king but the King in the North, whose name is Stark.“
  • „You’ve lost, Cersei. It’s the only joy I can find in all this misery.“ Schön, dass die Queen of Thorns angesichts des drohenden Untergangs ihres Hauses nichts an ihrer Scharfzüngigkeit verloren hat.
  • It’s on: Clegane Bowl! Start the hype!
  • Oder wird der Hound erst einmal die Brotherhood without Banners vermöbeln und der neuen, kaltherzigen Führung die Meinung sagen?