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JAMES BOND 007: SPECTRE

von | Nov 12, 2015 | Uncategorized | 0 Kommentare


Noch so einer, der im Eis und schwarzen Rauch geboren wurde und nun, im Moment seines zu Grabe getragen werdens, völlig ungerührt bleibt. Mit eisblauen Augen, die alles gesehen haben, blickt er unbekümmert seinem Ende entgegen. Verliebt sich sogar noch einmal ein wenig auf den letzten Metern, wohl wissend, dass er alle Frauen um sich rum ja doch nur immer wieder in den Abgrund reißt.

Ein echter Beerdigungsfilm, voller maroder Architektur, die, kaum ist sie ihm Bild, dann sogleich endgültig abgerissen wird. Ein Film, der uns den endlich wieder stark und konzentriert bleibenden Regierungskiller in einen Absturz nach dem anderen verwickelt zeigt. Meist von ihm energisch auch noch selbst herbeigeführt. Glamour findet sich nur noch unmittelbar nach der Beerdigung in warmem Gold und schwarzer Spitze (unfassbar schön: Monica Bellucci) oder mit wohltuendem Understatement in den perfekt geschnittenen Rüstungen (Bond ist und bleibt einfach die Benchmark, was Männermode angeht). In diesem Bond-Film to end all Bondfilms. Der alles nüchtern zu Ende bringt. Mit kalter Unberührtheit auseinander nimmt.

Ich sah ihn in großer Runde und nahezu alle die mich begleiteten haben das nicht gemocht, diese unaufgeregte Entzauberung. Die nahezu jedes Bewegungs-Tableau in SPECTRE kalt und lustlos wirken lässt. Es zwischen den Männer & Frauen-Berührungen sandig knirschen lässt und jedwede Leidenschaft sogleich wieder von sich abschüttelt, wenn er sie überhaupt erst an sich ranlässt. Besonders gründlich wird dem Mythos Bond seine Kraft genommen, indem man ihn, mehr noch als zuvor, mit Geschichte aufbohrt. Alles immer wieder in allzu überschaubare Gesamtzusammenhänge setzt, auflöst, erklärt, in einen nacherzählbaren Rahmen packt. Bis von diesem Bond nicht viel mehr übrigbleibt, als ein tapfer im Eis stehender Waisenjunge, dem sich keine Gedanken mehr über irgendetwas zu machen, längst tief zur Gewohnheit geworden ist.

Ein Film, der nicht geliebt werden möchte, es auch mir zunächst unheimlich schwer gemacht hat, im wirklich nahe kommen zu wollen. Der rechts und links im Kleinen auch scheinbar immer mal wieder was verbockt. Hier mal einen Witz reißt, der nicht zündet, dort noch einen. Ein Film, der im fast immer falsch wirkenden Moment aus dem Rhythmus fällt, gerade auch, weil er von allem so unberührt bleibt. Aber dann, irgendwo zwischen Rom und Österreich, ist es gerade diese Nüchternheit, aus der dann plötzlich Kino-Momente von geradezu kolossaler Größe ihr Haupt erheben. Christoph Waltz, fast mehr noch Dave Bautista… Sehr, sehr groß. Daniel Craig gerade auch in deren Angesicht ebenbürtig.

Dann die Bilder: Das aus dem Schatten heraus donnernde Meeting der Weltverschwörung, bei der jedes angedeutete Kopfnicken, erst recht noch das Knarzen der alten Lautsprecheranlage über Wohl und Weh entscheidet. Die Bedeutung von elektrischen Jalousien in frostig gläserner Aquarium-Architektur. Druckschalter und Hebel, statt blöder Touchpads. Der sorgsame Umgang mit Handfeuerwaffen. Das irgendwann sogar ganz bildhafte Aufbohren der Bond-Figur. Der über sein untotes Sein reflektierende Einstieg.

Dann ein Finale, bei dem in den Ruinen mit einem Mal plötzlich das Fundament freiliegt. Man die förmlich in der Ruhe liegende Kraft noch einmal richtig laut donnern spürt. Beim ersten Sehen, gefühlt darin vielleicht sogar der größte Film der gesamten Kinoreihe. Ein kolossaler Endpunkt.

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