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Jenseits von Gut und Böse – GAME OF THRONES: BEYOND THE WALL (S07E06)

von | 23 Aug 2017 | Game of Thrones | 5 Kommentare

Was für ein Spektakel.

Was für ein Quatsch.

 

Jons Mission jenseits der Mauer wird wenig überraschend zum Fiasko, in Winterfell stellt sich Schwester gegen Schwester und Dany rettet einmal mehr den Tag mit ihren Drachen, jedoch zu einem sehr hohen Preis. Mit BEYOND THE WALL geht GAME OF THRONES so weit wie noch nie. Benioff und Weiss loten in der Episode die Extreme ihrer Serie aus, zum Guten, wie auch zum Schlechten. Die bisher längste Folge ist eine reine Achterbahnfahrt der Gefühle, voller Spannung, Verärgerung, Begeisterung und Enttäuschung. Großartige Dinge passieren, weil sie passieren müssen, und können den faden Beigeschmack einer löchrigen und wirklich hanebüchenen Plot-Konstruktion nicht abstreifen. War GAME OF THRONES schon immer erstklassige B-Movie-Unterhaltung gewesen?

 

BEYOND THE WALL spaltet die Gemüter, so auch meins. War die Folge die aufregendste der Staffel oder ganz großer Käse? Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung. Zwei Gedanken geistern in meinem Kopf herum: „Die Folge war groß“ / „Die Folge war grottig“, und keine von beiden existiert. Wie Schrödingers Katze befindet sich meine Meinung zur Folge in einem paradoxen Überlagerungszustand, ist gleichzeitig positiv wie negativ. Daher werde ich jetzt zwei Reviews der Folge schreiben müssen, damit vielleicht eine der Meinungen real wird.

 

 Diese Folge in Zahlen:

 

 

Hauptfiguren

Orte

Erste Auftritte

Letzte Auftritte

Warum BEYOND THE WALL nicht funktioniert

Drama Queens of the North: In Winterfell wird die Handlung durch nicht nachvollziehbare Konflikte zwischen Sansa und Arya am Laufen gelassen.

 

In BEYOND THE WALL passieren die coolsten Dinge aus den dämlichsten Gründen. Wiederholt wurde an der siebten (wie schon an der sechsten) Staffel kritisiert, dass zu viel Handlung in zu wenig Folgen abgespult wird, auf Kosten der Glaubwürdigkeit und Konsistenz von Charakter- und Plot-Entwicklung. Dieser Vorwurf verdichtet sich nun in dieser Folge, die mit Zufällen, narrativen Bequemlichkeiten, Erzählklischees und Unwahrscheinlichkeiten regelrecht überfüttert ist. Solange der Ausgang einer Handlung episch und effektvoll genug ausfällt, ist den Serienautoren kein Mittel zu plump, um ihn herbeizuführen. Am Anfang und am Ende steht Jons Plan, jenseits der Mauer einen Wiedergänger zu fangen und mit dem „lebenden“ Beweis zur Existenz der Eiszombies in Westeros auf Tour zu gehen. Eine Idee der Serie, die in den Büchern nicht auftreten wird. Kein Wunder: Dass Jon seine Verpflichtung als King in the North derart vernachlässigt und sich wieder seiner Nachtwache-Wurzeln besinnt, für eine Mission, die nicht mehr wagemutig sondern einfach nur noch selbstmörderisch ist, scheint nicht sehr nachvollziehbar. Umso mehr, da selbst Tyrion den Plan mitentwickelte und keiner auf die Idee kommt, die eigentlich zuständige Nachtwache trotz personeller Engpässe hinzuzuziehen. Alles für den zugegebenermaßen großartigen Spaß, Jon zusammen mit Tormund, Gendry, Jorah, Sandor und der Brotherhood without Banners beim Kampf gegen untote Snowbears und Frostzombies zusehen zu können.

 

Auch in Winterfell agieren Figuren gegen ihre Motivation, weil der Plot es verlangt. Arya hat sich tatsächlich in Littlefingers Intrigennetz verstrickt und handelt so unberechenbar, wie es der Lügenmeister geplant hat. Die in EASTWATCH gefundene Nachricht lässt die alte Feindschaft zwischen ihr und Sansa aus Staffel Eins wieder aufflammen. Arya bezichtigt ihre Schwester, die Familie aus Liebe zu Joffrey hintergangen zu haben, wobei selbst Robb und Catelyn in THE POINTY END (S01E08) erkannten, dass Sansa zu der Nachricht von Cersei gezwungen wurde. Arya droht nicht nur, Sansa vor den Lords und Ladies des Nordens als Verräterin zu denunzieren, sondern sie vielleicht sogar zu töten. Eine völlig überzogene und irrationale Handlung, die nicht im Einklang mit Aryas Charakterentwicklung steht. Ja, sie ist impulsiv, geblendet von Rache und nachtragend. Doch hat ihre Ausbildung sie ebenso berechnend, scharfsinnig und zu einer Meisterin der Verstellung und Maskerade gemacht. Dass Westeros‘ ambitioniertester Racheengel innerhalb von drei Folgen sein Ziel von der Ermordung Cerseis zur Vernichtung eines eigenen Familienmitgliedes ändert, ist sehr bemüht. Zu viele Zwischenschritte fehlen, um diese Entwicklung sinnig zu machen. Ebenso ärgerlich ist, dass Sansa, die alle vor den Lügen Littlefingers warnt, doch nicht seine Handschrift in all dem erkennt und sich wieder einmal von ihm manipulieren lässt. Daher besteht die noch winzige Hoffnung, dass ihr Konflikt nur eine Finte der beiden gegen Littlefinger ist, der seine Augen und Ohren überall hat. Und Hoffnungen sterben bekanntlich zuletzt.

Das größte Opfer von Jons hirnrissiger Mission war weder Viserion, noch Thoros, noch Random Wildling Guy #2, #3, #4 oder #5. Es war die unwiederbringliche Auslöschung des Suspension of Disbelief, die diese unglaubwürdige Handlung zu verantworten hat.

 

Der Arya-Plot funktioniert nicht, weil in der Erzählung von GAME OF THRONES der Zweck nie die Mittel heiligt, sondern der Weg stets das Ziel ist. Nicht, was geschieht, sondern wie es geschieht macht die Freude an der narrativen Komplexität der Serie aus. In der Hinsicht hat sich GAME OF THRONES wie auch andere Serienproduktionen des sogenannten Qualitätsfernsehens eine clevere Zuschauerschaft über die Jahre herangezogen, welche neugierig jene operativen Mechanismen der Erzählkunst begutachten, die sie zum Staunen, Überraschen, Lachen, Weinen und Zittern bringen. Hobby-TV-Kritiker und Erzählexperten, die sich mit den dramaturgischen Kniffen des Gegenwartfernsehens auseinandersetzen und denen Cliffhanger, Deus ex Machina und plot holes vertraute Begriffe sind. Für sie ist eine Folge wie BEYOND THE WALL eine große Enttäuschung, da die Autoren nicht mit neuen Tricks aufwarten können, sondern nur die alten wiederholen. Das große Uhrwerk der Erzählung offenbart sich als verfuschtes Imitat seiner selbst. Ereignisse passieren nicht aus der Logik der Handlung heraus, sondern dem Willen der Autoren. Schicksal wird es dann von Figuren wie Beric Dondarrion in Ermangelung einer rationalen Erklärung genannt. Die Wege der Drehbuch-Götter sind eben unergründlich.

 

Die Spannungsdramaturgie ist zu einer abgeleierten Wiederholung von Gefahr und Rettung in letzter Sekunde verkümmert. Dadurch erreichen Figuren ihr Ziel genau dann, wann sie es müssen, nicht, wann sie es können, und führen die ganze Reisezeit-Problematik ad absurdum. Jenseits der Mauer geraten Jons glorreiche Sieben (plus x Kanonenfutter-Wildlingen) schnell in die Bredouille. Nach ersten Konfrontationen mit dem Feind, bei dem sie immerhin einen Wiedergänger fangen konnten, finden sich auf einer winzigen Insel in einem schwach zugefrorenen See von Untoten umzingelt. Gendry ist losgelaufen, um Hilfe zu holen. Er rennt solange, bis er aus Erschöpfung zusammenbricht – vor den Toren von Eastwach-by-the-Sea natürlich. Dort schickt Davos Raben nach Dragonstone, um Dany für Luftunterstützung anzufordern. Ohne zu zögern fliegt Dany in den hohen Norden. All das ereignet sich in ein bis zwei Tagen, was vielleicht funktionieren könnte, wenn die Geschichte ein Kriegsdrama wäre, die Raben Funkgeräte und die Drachen Kampfjets. Für echte Lebewesen ist so etwas schlicht unmöglich. Selbst Linda Antonsson, die mit George R.R. Martin das World of Ice and Fire-Buch geschrieben hat, muss sich eingestehen: „This would be the Game of Thrones episode where they broke the plot so badly that suspension of disbelief is well and truly dead.“

Die Orte dieser Folge

Dennoch: Dany schafft es gerade noch rechtzeitig, Jon und seine Kompagnons mit Drachenfeuer vor den unzähligen Zombies zu retten, die den mittlerweile fest zugefrorenen See überquerten und zum Angriff übergingen. Doch muss sie teuer bezahlen: Völlig unbeeindruckt von den geflügelten Feuerbiestern greift der Nightking lässig zu einem Eis-Speer, visiert den nächsten Drachen an und holt ihn mit einem gezielten Wurf vom Himmel. Aber mit einer unbeteiligten, fast gelangweilten Art, die irgendwie für die ganze Szene spricht. Wieder einmal wird die kalte Funktionalität der Handlung deutlich. Die ganze Geschichte jenseits der Mauer war weniger dafür da, dass Dany einen Drachen verliert, sondern dafür, dass der Nightking einen gewinnt. Der gefallene Viserion wird vom Anführer der White Walkers in einem schaurigen Endbild wiedererweckt.

Tod, wo ist dein Stachel?

In einer Inflation der Last Second Rescues wird noch einmal Super Deus Ex Machina Benjen Stark für eine heroische, aufopfernde Tat missbraucht. Auf dem Pferd war genug Platz für beide, verdammt!

 

Was ist cooler als Eiszombies und Drachen? Eiszombiedrachen natürlich! Was in HARDHOME (S05E08) und noch in THE SPOILS OF WAR funktionierte, zahlt sich in BEYOND THE WALL nicht mehr aus. Liegt es an der Inszenierung? Vielleicht. Der Angriff der Untoten war in HARDHOME spannender, die Drachen in THE SPOILS OF WAR imposanter. Es stand mehr auf dem Spiel, man bangte um die geliebten Figuren und hielt bei jedem Schuss von Bronn auf die drachenreitende Dany den Atem an. Man wollte nicht, dass er traf, doch war es unvermeidlich. Dass Bronn und Jaime es irgendwie heil aus dem Field of Fire geschafft haben, fühlte sich in EASTWATCH wie Betrug an. Auch in BEYOND THE WALL führt die gespannte Erwartung ins Nichts. Das größte Problem der Kampfsequenz jenseits der Mauer war, dass keiner gestorben ist außer namenlose Redshirt-Wildlinge und Thoros von Myr, zu dem der Zuschauer die geringste emotionale Bindung hatte. Hier stellt sich die Serie gegen das, was sie seit der Hinrichtung von Ned Stark in BAELOR (S01E09) so besonders gemacht hat und von standardisierten Helden-Fantasy-Geschichten unterscheidet: JEDER kann sterben. Selbst prominent besetzte Protagonisten. Das macht die Geschichte so unberechenbar und wendungsreich. Gerät ein geliebter Hauptcharakter in eine brenzlige Situation, gibt es keine Konventionen mehr, die ihn vor dem sicheren Tod retten. Neds Hinrichtung wurde zum TV-Ereignis und Präzedenzfall in der Fernsehgeschichte, der die Serienlandschaft nachhaltig prägte. Zwar ist der überraschende Tod von Hauptfiguren zur festen Größe in anderen Serie wie THE WALKING DEAD oder THE 100 geworden, doch bleibt GAME OF THRONES unter seinen Nachahmern immer noch der Spitzenreiter.

 

Bis jetzt. Die Autorität der Serie sowie ihr durch die Anyone can die-Formel behaupteter Realismus-Anspruch werden durch Folgen wie BEYOND THE WALL untergraben. Wenn auf der Mission im Norden so viele Hauptfiguren versammelt sind, hätte mindestens einer sterben müssen. Gerade bei Jon Snow haben die Autoren den Bogen überspannt, der im Kampf gegen die Untoten gefühlte sechzehn Mal tot sein müsste. Nach und nach springt ein Deus ex Machina nach dem anderen in die Bresche, um den Glückspilz vor dem Tod zu bewahren. Selbst Benjen Stark wird noch einmal bemüht, der bereits Bran in BLOOD OF MY BLOOD (S06E06) aus heiterem Himmel rettete, einen letzten heroischen Auftritt zu haben. Nicht nur den unfähigen Zombiekämpfern, sondern auch den Naturgewalten trotzt Jon und kann sich beim Einbruch in den See vor Ertrinken und Erfrieren retten. Natürlich, er ist Jon Snow, er muss bis zum Endspiel überleben. Aber dann soll er nicht immer wieder in so ausweglose Situationen gebracht werden, die er nach den Regeln der Serie nicht überleben dürfte. Dadurch wird der Tod als Erzählmittel und Alleinstellungsmerkmal der Serie nur weiter abgewertet. „Death is the enemy. The first enemy and the last”, schwadroniert Beric Dondarrion. „The enemy always wins and we still need to fight him.” Seine und Jons ominösen Auferstehungen kommen einem Sieg über den Tod aber schon sehr nah. Was ist nur aus dem guten alten Valar Morghulis geworden?

Die Figuren der Folge

Hauptfiguren
Nebenfiguren
Letzte Auftritte

BEYOND THE WALL enttäuscht, da man Gefühl bekommt, dass die Serie sich von ihren Stärken abwendet. Seit sich die Serie von den Büchern emanzipierte und auf eigenen Beinen steht, machen einige Folgen den Eindruck, dass Showrunner Benioff und Weiss auf das falsche Pferd gesetzt haben. Statt vielschichtigem Charakterdrama bauen sie auf Sensation, Spektakel und Genre-Action. GAME OF THRONES hatte schon immer damit zu kämpfen, als Quality TV angesehen zu werden. Anfangs war die Serie kein Liebling der Kritik. Andere HBO-Dramen wurden für ihren hohen Anspruch angepriesen, in GAME OF THRONES sah man nur den „Makel“ einer Fantasy-Genre-Erzählung. Mühsam gewann die Serie den Respekt der Kritiker, in dem sie ihr Mittelalter-Setting und die magischen Elemente wie Drachen und Zombies durch ein faszinierendes Handlungsgeflecht aus Macht, Verrat. Rache und Ehre erdeten und das als naiv abgetane Genre durch Sex, Gewalt und Tod düsterer, dreckiger und „erwachsener“ machte. Kein einfacher Gut-Böse-Konflikt zwischen strahlenden Helden und fiesen Schurken, sondern ein Multiplot aus unterschiedlichen Antihelden, die nicht für das Gute, sondern für ihre eigenen Interessen kämpfen. Der Entwurf eines mehrdimensionalen Weltbildes: THE SOPRANOS in Middle-Earth, hat David Benioff einmal scherzhaft seine Serie umschrieben. Diese Eloquenz scheint in BEYOND THE WALL verloren zu gehen. Vom Fortsetzungsdrama mit subtilen Dialogen, raffinierten Details und ja, gelegentlich einem Eiszombie oder Drachen, entwickelt sich GAME OF THRONES langsam zur Soap Opera. Originelle Ideen werden bis zur Verflachung wiederholt, unglaubwürdige und lächerliche Wendungen für den Preis des Schauwertes und der direkten Einwirkung auf das Publikum in Kauf genommen. Die geliebte Erzählwelt entfremdet sich von seinem Zuschauer. Nicht mehr THE SOPRANOS in Mittelerde, sondern THE HOBBIT in New Jersey.

Warum BEYOND THE WALL doch funktioniert

Wie schon Davos hat auch Tyrion die schüchternen Blicke zwischen Dany und Jon bemerkt. „He’s too short for me“, wehrt Dany ab. Da läuft doch was!

 

Zurück auf Dragonstone. Während und Jon und sein dreckiges Dutzend im Norden die Action der Folge tragen, haben Dany und Tyrion endlich die Zeit für ein vertrautes Gespräch. Sie reden über Jon Snow, das bevorstehende Treffen mit Cersei in King’s Landing, über das Erbauen einer neuen Welt und die schwierige Frage von Danys Nachfolge. Dany schätzt Tyrion für seine Besonnenheit, nicht seinen aufbrausenden Heldenmut. Er ist nicht wie Drogo, Jorah, Daario, oder dieser Jon Snow. Doch waren sie alle in Dany verliebt, entgegnet Tyrion. Doch waren es alle Männer (mit Ausnahme von Lord Friendzone), für die Dany etwas empfand und denen sie folgte. Aye, there’s the rub. Will Dany wirklich anders sein, eine bessere Welt bauen, muss sie auf Tyrion hören. Sich in ihre Gegner herein versetzen, sie verstehen, um sie zu besiegen. Nicht nur auf Furcht und Gewalt setzen. Und über ihren unbändigen Willen nach Herrschaft sicherstellen, dass ihr Vermächtnis auch nach ihrem Tod weiterlebt. Dany muss auf ihre Vernunft hören. Doch lässt sie sich später ganz von ihren Gefühlen leiten. Hals über Kopf bricht sie in den Norden auf, um Jon und die anderen vor den White Walkers zu retten. Wieder so eine impulsive Handlung. Eine waghalsige Heldentat, die sie zu so einem Tor macht wie Drogo, Jorah, Daario und dieser Jon Snow. Eine junge Herrscherin, die zwischen Verstand (Tyrion) und ihrem Herzen (Jon) schwankt, die ihren Traum der Herrschaft über die Sieben Königreiche aufgeben würde, um ein paar Fremde zu retten, die sie gerade erst kennengelernt hat. Hitzköpfig? Töricht? Heldenhaft? Jedenfalls mal ein spannender Konflikt.

 

BEYOND THE WALL punktet dort, wo die Handlung einmal nicht voran geprescht wird und Zeit für die Charaktere bleibt. Wenn sie das tun und sagen können, was sie wollen, nicht was ihnen der übergeordnete Plot diktiert. Dann kommen so spannende Szenen wie die aus Dragonstone zustande, oder auch die vielen kurzen Dialoge von Jons Zombiejägern auf ihrem Weg zur Selbstmord-Mission. Jon und Jorah, Jorah und Thoros, die Brotherhood und Gendry, Gendry und Tormund, Tormund und Sandor. Kleine Gespräche, die das Geschehen lebendig und ihre Handlungsträger menschlich halten. Aus unterschiedlichen Beweggründen haben sich diese Misfits zusammengerauft und entdecken nun, dass sie mehr gemein haben als einfach nur das Atmen. So fällt das harsche Gespräch zwischen Sandor und Tormund ausgerechnet auf Brienne, die von dem einen vergöttert, dem anderen abgetan wird. Doch haben beide einen gewissen Respekt für die Lady of Tarth. Jorah und Jon reden über ihre Väter, wie Ned Stark Ser Jorah für seine Verbrechen Tod sehen wollte und Lord Commander Jeor ein Ersatzvater für Jon war. Gendry kann mit der Brotherhood vorübergehend Frieden schließen, die ihn in THE CLIMB (S03E06) an Melisandre verkauften. Die Dialoge hätten endlos so weiter gehen können. Wer braucht da noch Eiszombies, wenn er Tormund dabei zuhören kann, wie er sich seine Babies mit Brienne vorstellt? Das waren die wahren Highlights der Folge.

 

Drachenfangen leicht gemacht: Lässig tötet der Nightking in BEYOND THE WALL einen Drachen und bringt ihn als Wiedergänger zurück. Was wird er mit seinem Eiszombiedrachen anstellen? Die Mauer zerstören? Über sie hinweg fliegen? Wird der Drache Feuer oder Eis spucken?

 

BEYOND THE WALL ist keine hervorragende Folge, aber auch keine schlechte. Ein Grund, warum die Handlung in der siebten Staffel GAME OF THRONES vielleicht so als plump empfunden wird, liegt vielleicht in der Tatsache, dass wir Zuschauer nicht gewohnt sind, das von der Serie zu bekommen, was wir wollen. Dany in Westeros? Jorah und Sandor im Kampf Seite an Seite? Eine anbahnende Romanze zwischen Jon und Dany? Wieso nicht? In ihrer ersten, eindeutigen Annäherung zum Ende von BEYOND THE WALL werden erste Fan-Fiction-Träume wahr. Nachdem Benjens Pferd den verwundeten Jon nach Eastwatch brachte, findet sich der fast tote in einem Bett eines Schiffes wieder, mit einer besorgten Dany an seiner Seite. Ihre traurigen Augen treffen sich. Jon entschuldigt sich für den Verlust von Viserion. Sie hätten nie auf die Whight Hunt gehen sollen. Dany widerspricht. Das Opfer war groß, aber jetzt weiß sie Bescheid über den Nightking. Ihr Blick verrät: Und über ihre Gefühle für Jon. Gemeinsam wollen sie die White Walkers besiegen. Der Triumph ist jedoch mit einer tragischen Ironie versehen: Dadurch, dass Jon Dany dazu bewegen konnte, in den Norden zu fliegen und die Bedrohung der Eiszombies zu erkennen, hat sie die Bedrohung erst ermöglicht. Sie hat einen Drachen an den Nightking verloren, der nun die Möglichkeit hat, die Magie der Mauer zu umgehen und seinen Feldzug gegen den Süden zu beginnen. Eine düstere self-fulfilling prophecy. Dadurch, dass endlich die Leute auf Jon hören und die Gefahr der White Walkers ernst nehmen, ist sie nun real geworden. Vielleicht hätte Dany wirklich nicht in den Norden kommen sollen.

 

Dany und Jon gegen den Nightking? Drachen gegen Zombies? Figuren aus allen Handlungssträngen kommen endlich für das große Ganze zusammen? Alles zu schön, um wahr zu sein. Wenn uns die Serie über sieben Staffeln eins gelernt hat, dann, dass in der brutalen und ungerechten Welt von Westeros unsere Wünsche niemals in Erfüllung gehen. „If you think this has a happy ending, you haven’t been paying attention.” Ramsays prophetischer Spruch aus THE CLIMB hallt in unserem Gedächtnis nach. Aber: Ramsay ist tot. Sein Haus ist verschwunden, seine Worte sind verschwunden. Wieso können die Dinge also auch nicht so laufen, wie wir es wollen? Die siebte Staffel erntet die Früchte, welche die Serie seit Anbeginn ausgesät hat. Nach einem schnellen wie heftigen Untergang ist Haus Stark auf dem Aufstieg. Sie haben Winterfell zurück, die Starkkinder finden wieder einander und kämpfen alle auf ihre Weise für ein besseres Morgen. Wieso also nicht hoffen? Immerhin soll Martins Buchvorlage nicht mit The Winds of Winter enden, sondern A Dream of Spring. Ist ein glückliches Ende wirklich ausgeschlossen? BEYOND THE WALL entlässt den Zuschauer mit großen Erwartungen auf das vorbereitete Finale. Alle verbliebenen Hauptfiguren reisen zu einem großen Treffen in King’s Landing: Dany, Jon, Tyrion, Brienne (in Vertretung von Sansa), Sandor, Davos – Sie alle machen sich auf dem Weg, um mit Cersei und Jaime zu verhandeln. Werden sie ihre Differenzen zur Seite zu legen können, um endlich gemeinsam gegen die White Walkers die einzige Schlacht schlagen, die etwas bedeutet? Ein vereintes Westeros zuletzt? Was für ein schöner Traum. Dass BEYOND THE WALL uns die Hoffnung gegeben hat, so etwas auch nur träumen wagen zu können, ist ein warmer Schimmer im kalten Winter.

 

 


 

We are going to destroy the Nightking and his army.

 

 

Daenerys Targaryen

Andere Gedanken:

  • BEYOND THE WALL ist erst die achte Folge ohne King’s Landing nach THE KINGSROAD (S01E02), RAINS OF CASTAMERE (S03E09), WATCHERS ON THE WALL (S04E09), KILL THE BOY (S05E05), THE DANCE OF DRAGONS (S05E09), THE DOOR (S06E05) und BATTLE OF THE BASTARDS (S06E09). Die Handlung fokussierte sich ganz auf Dragonstone, Winterfell und die Wight Hunt jenseits der Mauer. Entsprechend sind auch nur 12 der momentan 22 Hauptfiguren aufgetreten.
  • Mit 70 Minuten ist BEYOND THE WALL die längste Episode der gesamten Serie und wird noch vom kommenden Finale übertrumpft, dass insgesamt 80 Minuten gehen wird.
  • Apropos: Das Finale trägt den vielversprechenden Titel THE DRAGON AND THE WOLF. Drachen haben wir in der siebten Staffel genug gesehen. Aber was ist mit Ghost? Kriegen wir den Schattenwolf überhaupt noch einmal zu Gesicht? Drachen nehmen den Schattenwölfen das Budget und somit die Arbeit weg! Jemand sollte eine Bürgerbewegung gründen…
  • Wie schon bei EASTWATCH kehrt auch jetzt Eastwatch-by-the-Sea als neuer Punkt auf der animierten Karte von Westeros im Vorspann auf. Werden wir die Burg ein weiteres Mal sehen? Tormund und Beric scheinen die einzigen zu sein, die im Norden zurück geblieben sind.
  • Obwohl sie alles daran setzen, wollen Kit Harrington und Emilia Clarke als Liebende noch nicht richtig zusammen kommen. Vielleicht kann Qyburn in King’s Landing die fehlende Chemie nachreichen?
  • Klassische Zombiegeschichte: Tötest du den White Walker, verwandeln sich alle Wiedergänger, die er erschaffen hat, zurück zu leblosen Leichen. Wie praktisch. Anscheinend kann Dragonglass auch den Wiedergängern etwas antun. Eine Änderung zu den Büchern, in denen Wiedergänger nur mit Feuer aufgehalten werden können und Dragonglass ausschließlich gegen White Walkers hilft. Wahrscheinlich haben sie es geändert, um die ohnehin schon anspruchsvolle Stunt-Arbeit nicht noch durch zu viel Feuer am Set zu verkomplizieren und gefährlicher zu machen.
  • „Hallo, mein Name ist Dany, aber meine Freunde nennen mich Daenerys.“ – „Hallo Dany!“ Unsere Drachenmutter mag es nicht, „Dany“ genannt zu werden, weil ihr widerlicher Bruder sie so genannt hat. Entschuldige Mädchen, aber dein Name ist mir einfach zu kompliziert, um ihn immer wieder auszuschreiben. Dein Autor macht es ja auch so mit dir! Aber gut. Wie wär‘s stattdessen mit Sweetdee? Danimaus? D-Dog? Danislowski? D-Train? DeeTee? Danmark? D-Caf? Danorina? Oder doch lieber Dany? Hab ich mir gedacht.
  • Immer das Problem mit dem Nachwuchs. Dany sagt, sie könne keine Kinder mehr kriegen, als Reaktion auf den Fluch von Mirri Maz Duur aus der ersten Staffel. Dort verkündet die Hexe, dass Khal Drogo dann wieder genesen wird, wenn „the sun rises in the west, and your womb quickens again“, also nie. Außerdem heißt es „Only death can pay for life“, wobei damit auch nur Danys Fehlgeburt gemeint sein könnte. Aber kann sie wirklich keine Kinder kriegen oder glaubt sie das nur? Die Bücher deuten auf letzteres hin. Immerhin ist sie die letzte Hoffnung für Haus Targaryen, da bei Jon noch nicht bestätigt ist, ob er als Auferstandener auch noch zeugungsfähig ist. Sollten beide keine Kinder kriegen können und selbst ihre unheimliche Liebe zueinander nicht helfen, bliebe als nächster Verwandter tatsächlich Gendry übrig: Robert Baratheons Großmutter war eine Targaryen.
  • Zum Finden eines Erben hat Tyrion die Methoden der Nachtwache wie auch der Ironborn vorgeschlagen, die ihren Herrscher wählen. Tatsächlich hat es in der Geschichte der Targaryens bei zu vielen Anwärtern auf den Eisernen Thron schon so etwas wie Wahlen gegeben: Ausgesuchte Lords und Ladies der Sieben Königreiche haben in einer Versammlung über den Thronerben abgestimmt. Der letzte gewählte Targaryen war Aegon V Targaryen, auch bekannt als Egg – der Bruder von Maester Aemon und Danys Großvater.
  • Unter den Gesichtern, die Sansa in Aryas Kammer findet, ist auch das Gesicht von Lord Walder Frey. Die anschließende Konfrontation zwischen ihr und Arya war sehr unheimlich. Maisie Williams durfte einmal ihre düstere Seite als Dark Arya ausleben. Dennoch fühlte es sich so falsch an.
  • Arya gibt Sansa den valyrischen Dolch. Wandert er so wieder in Littlefingers Besitz bzw. zwischen seine Rippen? Go Stark Sansa!
  • In dem Schwesternkampf zwischen Arya und Sansa will Littlefinger auch noch Brienne hineinziehen, doch hat die Lady of Winterfell eine bessere Verwendung für sie. Sie soll an ihrer Stelle einer Einladung nach King’s Landing folgen und ihr Interesse vertreten. Ist die Lady of Tarth dieser diplomatischen Aufgabe gewachsen?
  • He’s not that into you: Die Chancen stehen gut, dass Brienne in King’s Landing wieder auf Jaime trifft. Wird sie dann erkennen, dass der Königsmörder nichts für sie übrig hat und der einzige Mann, der sie wirklcih liebt, Tormund ist? #MakeTheseBabiesHappen!
  • Beric Dondarrion zu Jon Snow: Du siehst ja gar nicht aus wie dein Vater. Ach ja, Beric? Du siehst überhaupt nicht aus wie du selbst, als wir dich das erste Mal in THE GOLDEN CROWN (S01E06) gesehen haben. Da hattest du noch einen anderen Schauspieler! Wer im Glashaus sitzt…
  • Der Zombie Snowbear, der unserer Heldentruppe im Norden zusetzt, war ein Foreshadowing für den Zombiedrachen, da wir daran erinnert wurden, dass selbst tote „übernatürlich“ Tiere vom Nightking wiedergebracht werden können.
  • Alle Augen ruhen auf King’s Landing und der Intervention des Jahrhunderts. Wird Cersei sich auf die Verhandlungen einlassen? Hat sie irgendeine böse Falle geplant? Jedenfalls würde ich so schnell wie möglich abhauen, falls ausgerechnet sie die letzte ist, die noch nicht aufgetaucht ist.
  • Was wird eigentlich aus dem entführten Zombie, nachdem er Elronds Rat der Versammlung vorgesetzt wurde? Wird er von Sandor als Hauszombie gehalten? Kann er ihm Kunststücke beibringen? Werden sie trotz ihrer Unterschiede beste Freunde? Und wird ihre Freundschaft dann auf die Probe gestellt, wenn sich eine Liebesgeschichte zwischen Zombie Dave (so wird er heißen!) und dem Mountain entwickelt? So viele Möglichkeiten!
  • Können Jon und Dany die freien Leute von Westeros vereinen? Was wird Sam machen? Welche Rolle spielt noch Theon? Gibt es noch einen Clegane-Bowl? Denkt Dany in King’s Landing daran, sich mal nach Ellaria oder Yara zu erkunden? Wann wird Bran wieder cool? So viele Fragen. Hoffen wir, dass 80 Minuten reichen werden, um alle zu beantworten.

Die aktuelle siebte Staffel GAME OF THRONES ist in Deutschland exklusiv auf Sky zu sehen. Weitere Infos unter: www.sky.de.

© HBO

 

 

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