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JURASSIC WORLD

von | 13 Jun 2015 | Kino | 1 Kommentar

Es hat ganze 22 Jahre gedauert, doch nun ist der Jurassic Park endlich offiziell eröffnet und lädt unter dem sanften Namensupdate JURASSIC WORLD Jung und Alt dazu ein, in die faszinierende Welt der Dinosaurier einzutauchen und auf der Islar Nublar ein aufregendes Wochenende zu verbringen.

Steven Spielbergs Blockbuster von 1993 gehört zweifelsohne in den Kanon der wichtigsten Unterhaltungsfilme. Obgleich Figurenzeichnung, Handlung und Dialoge seinerzeit schon erhebliche Schwächen aufwiesen, machten die einstmals bahnbrechenden Spezialeffekte und intelligent platzierten Suspensemomente den Film zu einem bis heute unvergessenen Klassiker. Da konnten die beiden Fortsetzungen VERGESSENE WELT (1997) und JURASSIC PARK 3 (2001) leider nicht mehr so recht mithalten. Möglicherweise einer der Gründe dafür, dass der neueste Ableger JURASSIC WORLD lediglich auf die Handlung des Originals aufbaut und die Ereignisse der Fortsetzungen keinerlei Rolle spielen.

Generell wirkt Colin Trevorrows Franchise-Reaktivierung wie ein Remake des ersten Teils, das jedoch gleichzeitig auf dessen Geschehnisse zurückverweist und aufgrund des komplett neuen Casts auch als Reboot bezeichnet werden könnte. Lediglich eine Figur aus den alten Filmen hat es in JURASSIC WORLD zu einem Cameo-Auftritt gebracht. Das wird das heutige Kinopublikum jedoch nicht stören und spricht wie der Titel des Filmes für ein gewisses Selbstbewusstsein der Verantwortlichen. Es handelt sich eben um einen JURASSIC PARK für die neue Generation, der für sich selbst stehen will. Visuell ist das Update auf den ersten Blick gelungen. Der Park ist gigantischer, spektakulärer und mannigfaltiger bevölkerter als jemals zuvor. Doch trotz optischer Brillanz lässt das bewusst sterile Design dieser schönen neuen (alten) Welt den Charme des Originals schmerzlich vermissen. Es wirkt beinahe so, als hätte Steve Jobs bei der Innengestaltung seine Finger mit im Spiel gehabt. Gleichzeitig will sich trotz beeindruckender Panoramen zu keiner Sekunde der WOW-Effekt von früher einstellen. Der Kinozuschauer der 2010er Jahre ist hinsichtlich visueller Effekte inzwischen einfach eine ganze Menge gewohnt und daher schwer vom Hocker zu reißen. Hier hätten die Drehbuchautoren mit ihrer Story einiges kompensieren können und müssen, doch leider beheimatet der simple Plot eine Vielzahl an Logiklöchern, dümmliche Dialoge en masse und den einen oder anderen unglaublich nervigen Charakter. Exemplarisch könnte man die beiden Kinder-Figuren nennen, die mit der geballten Ladung pubertärer Pseudo-Coolness und kindlicher Naivität allerhand anstrengende Szenen auf die Leinwand bringen. Hier spielt natürlich wieder die für eine Spielberg-Produktion obligatorische Familienzusammenführung eine große Rolle und gewährt einer emotionalen Vorhersehbarkeit Einzug in das temporeiche Treiben, die leicht hätte vermieden werden können.

Obgleich der Charakter von Hauptdarsteller Chriss Pratt wie ein personifiziertes Konglomerat von Abenteuerklischees wirkt, kann er mit seinem bereits in GUARDIANS OF THE GALAXY fulminant bewiesenen Charisma eine ganze Menge retten. Sein ironischer Actionheld hat jederzeit einen Oneliner parat und sorgt somit ganz nebenbei für den nötigen humoristischen Ausgleich. Denn JURASSIC WORLD ist stellenweise erstaunlich finster und brutal geraten, hier haben jüngere Zuschauer definitiv nichts verloren! Mit der von Bryce Dallas Howard gespielten Claire hat es zudem eine erfreulich interessante Frauenfigur mit ins Drehbuch geschafft, die zwar zunächst als skrupellose Turbo-Kapitalistin eingeführt wird, im Verlauf des Filmes aber eine spannende Wandlung vollziehen darf.

Doch die Menschen haben im JURASSIC PARK-Franchise sowieso immer die kleinere Rolle gespielt und so sind es auch hier wieder die aufwändig animierten Dinosaurier, die das Treiben auf der Leinwand dominieren und unterhaltsam machen. Und hier folgt der Film ganz streng der Sequel-Logik und präsentiert die bisher umfangreichste Artenvielfalt inklusive eines genetisch modifizierten Hybrid-Monsters. Letzteres ist zweifelsohne die Triebfeder der Handlung und macht regelmäßig sein gesamtes Umfeld dem Erdboden gleich. Die Suspense des ersten Teiles ist einer gigantischen Materialschlacht gewichen, wie man sie eher in einem GODZILLA-Film erwarten würde. Das ist aber nicht weiter tragisch, da den Machern einige wirklich grandiose Actionszenen gelungen sind – in dieser Hinsicht wird die Messlatte für kommende Sommer-Blockbuster von JURASSIC WORLD daher verdammt hoch gelegt!

Inhaltlich werden wahre JURASSIC PARK-Fans dennoch allerhand zu meckern haben: So wirkt der Einsatz des kultigen Musikthemas von John Williams beispielsweise eher uninspiriert und willkürlich. Chris Pratts Raptorenfreundschaft sorgt ebenso wie ein Baby-Dino-Streichelzoo für konsequentes Kopfschütteln und auch die Notwendigkeit eines Hybrid-Dinosauriers ist sicherlich ein legitimer Streitpunkt, obgleich der Film diese Entscheidung immerhin ironisch mitreflektiert. Insgesamt sollte der vierte Teil aber auch bei langjährigen Fans überwiegend positive Emotionen hervorrufen, da er sich in den Details liebevoll vor Steven Spielbergs grandiosem Original verneigt und gerade in der zweiten Hälfte ungemein temporeich daherkommt.

Bild-Copyright: Universal