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only-god-forgives_JPG-I35©TiberiusFilm

Sebastian schrieb darüber, wie sich vor allem zu Beginn von ONLY GOD FORGIVES alles um das Hinsetzen drehte. Zwischen dem Sitzen gibt es aber das Laufen, vielmehr das Gehen, das langsame und ruhige Schreiten. Die Figuren durchschreiten den Raum, lassen sich nieder, schreiten weiter, schauen, handeln, stehen manchmal auch einfach nur da. Das alles in einer Umgebung, die völlig künstlich wirkt. Doch wird keine irgendwie geartete Realität verschleiert, die dunkelroten Tapeten, die schattenwerfenden Fensterverkleidungen, die vielen Vorhänge aus Perlen, Lampions oder Kunstblumen sind gleichzeitig Oberfläche ohne Unterbau und die Menschen durchdringender Äther. In dieser bis ins Tiefste realen Künstlichkeit betont das gemächliche Gehen die Körper und die Zeit. Und dabei die Unabwendbarkeit der Konfrontation der verschiedenen Körper, die auch durch die Visionen angedeutet wird. Ob diese Julian entstammen oder die Visionen des Films sind, ist nicht deutlich und somit können sie gesehen werden als die Visionen des unabwendbaren Fortlaufs des Films, der bei aller künstlichen Erschaffung aus den zwei Wahrheiten Körper und Zeit besteht. Körper sind die Währung und die Werkzeuge, Körpersprache die Kommunikation, körperlicher Schmerz die Strafe, der eigene Körper einziges Gut und Gefängnis zugleich. Dem Körper zu entfliehen, der Zeit zu entkommen, aber nicht durch Tod, sondern durch Umkehrung der Zeit, durch Rückkehr, endlich nicht mehr gehen sondern wirklich ruhen, scheint der unerfüllbare Wunsch von Julian. Er versucht hinter die Wahrheit der Körper und der Zeit zu greifen, natürlich vergebens. Jenseits von diesen Wahrheiten existiert nichts, ein Überwinden ist nicht möglich, der Ausgang klar. Die filmische Welt ist natürlich eine künstliche, die vielleicht nicht viel Wahres enthält, aber eben mindestens die über die Bewegung, die Ruhe und die Zerschmetterung der Körper.

only god forgives kritik

 

Bild-Copyright: Tiberius Film

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