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Eine Allee der Grausamkeit: Dany beschreitet in Astapor den Walk of Punishment  - und ist über die Brutalität der Sklavenhändler entsetzt.

Eine Allee der Grausamkeit: Dany beschreitet in Astapor den Walk of Punishment – und ist über die Brutalität der Sklavenhändler entsetzt.

In WALK OF PUNISHMENT werden so manche Figuren aus Westeros auf die Probe gestellt: Tyrion hat einen neuen Job, Jon bekommt seine erste Wildlings-Mission und Jaime muss einen herben Verlust wegstecken. Neue Herausforderungen verlangen unseren Protagonisten einiges ab. Was können sie noch ertragen? Wie weit werden sie gehen, um ihre Ziele zu erreichen? Nachdem das Setting in den ersten beiden Folgen etabliert wurde, nimmt die Handlung der dritten Staffel GAME OF THRONES endlich an Fahrt auf.

THE WALL

Jenseits der Mauer scheint es nur noch eine, gemeinsame Marschrichtung zu geben: Süden. Jon Snow erreicht mit Mance Rayder und seinem Heer aus Wildlingen die Fist of the First Men, jener Ort, an dem sich zwischen Nachtwache und White Walkers ein blutiges Gemetzel abgespielt hat. Doch von Leichen keine Spur, nur eine kunstvoll angerichtete Spirale aus Pferdeteilen. Die White Walkers sind am Zug. Um seine Loyalität unter Beweis zu stellen, bekommt Jon seinen ersten Auftrag vom King-Beyond-The-Wall: Zusammen mit Tormund Giantsbane und einer kleinen Bande von Wildlingen soll er einen Überfall auf Black Castle unternehmen – als Ablenkungsmanöver für Rayders Großangriff. Jon steht vor einem moralischen Dilemma.

Mit den White Walkers und den Wildlingen auf den Fersen, kehrt eine erschöpfte Nachtwache wiederum in dem Haus von Craster ein. Dieser schafft es, seinen Eindruck als Drecksack aus der zweiten Staffel noch einmal zu übertreffen. Die Drohungen und Beleidigungen des widerlichen Patriarchen werden von Gillys Schmerzensschreien unterbrochen. Sam beobachtet, wie sie ein weiteres Kind von Craster zur Welt bringt. Es ist ein Junge, somit dem Tode geweiht. Bringt doch Craster seine Söhne den White Walkers als Opfer dar und behält seine Töchter für sich. Gillys verzweifelte Augen finden die von Sam. Wie lang kann die Nachtwache einschließlich Lord Commander Mormont über Crasters Verbrechen hinwegsehen?

WINTERFELL

Theon wechselt von einer Extremsituation zur nächsten. Von einem unbekannten Helfer angeblich im Namen seiner Schwester befreit, entkommt Theon seiner Folterkammer, kann sich bei der Verfolgungsjagd mit seinen Peinigern kaum auf seinem Pferd halten. Ein schwerer Schlag mit einem Morgenstern zwingt ihn zu Boden. Tödliche Pfeilgeschosse retten Theon jedoch davor, von seinen Verfolgern vergewaltigt zu werden. Zum zweiten Mal hat ihn sein namenloser Retter vor dem Schlimmsten bewahrt. Es scheint alles wie ein nicht enden wollender Alptraum: Weder weiß man, wer Theon nun folterte, noch wohin ihn sein mysteriöser Retter bringen wird. Immerhin könnte die vermeintliche Rettung auch nur ein weiterer Teil von Theons Folter sein. Getreu Banes Motto aus THE DARK KNIGHT RISES: There can be no despair without hope.

DRAGONSTONE

Überraschend bricht Melisandre aus Dragonstone auf. Stannis fühlt sich verlassen. Nicht nur als König, sondern auch als Geliebter: Der freudlose Herrscher gesteht der Roten Priesterin sein sexuelles Verlangen. Melisandre beschwichtigt ihren Herren. Sie geht fort, um etwas zu finden, dass das Geschick des Krieges nachhaltig verändern könnte. Eine ernstzunehmende Ansage. Schon in der zweiten Staffel erwies sich Melisandres schwarze/rote Magie als unerwarteter Joker, der Stannis den unverhofften Sieg im Konflikt mit seinem Bruder Renly gebracht hatte. Für ihren neuen Zauber benötigt sie jedoch Königsblut. Aus ihren kryptischen Bemerkungen lässt sich herauslesen, dass sie sich auf die Suche nach den letzten Bastardsöhnen von Stannis‘ Bruder Robert in den Riverlands begibt. Hat sie es auf Gendry abgesehen?

Das schwarze Schaf der Familie? Brynden „Blackfish“ Tully

Das schwarze Schaf der Familie? Brynden „Blackfish“ Tully

RIVERRUN

Der Vorspann von WALK OF PUNISHMENT hat es angedeutet: Neben Astapor gab es nun einen zweiten neuen Handlungsort in der dritten Staffel zu sehen: Riverrun, der Sitz des Hauses Tully. Wiederum ein hervorragendes Beispiel verdichteter Erzählkunst. Die Beisetzung des verstorbenen Lords Hoster Tully dient sowohl als Einführung als auch erste Charakterisierung von Catelyns Bruder Edmure und ihrem Onkel Brynden, genannt Blackfish. Edmure scheint der Verantwortung, die ihm nun nach dem Tod seines Vaters aufgelastet wird, nicht gewachsen zu sein. Versinnbildlicht wird dies darin, dass er es wiederholt nicht schafft, bei der Beisetzungszeremonie das Boot mit der Leiche seines Vaters in Brand zu setzen. Seine Pfeile landen allesamt im Fluss. Erbost stößt Brynden Tully seinen Neffen zur Seite und bringt das entschwindende Boot mit einem gekonnten Schuss zum Brennen. Das vermeintliche „schwarze Schaf“ der Familie erweist sich widerwillig als ihr wahrscheinlich wertvollstes Mitglied. Durch die Allianz mit den Tyrells haben die Lannisters zusätzlich an Macht gewonnen, mehr denn je ist Robb auf fähige Krieger wie Brynden Tully angewiesen, um den Krieg zu gewinnen. Gleichzeitig wird unverhofft das Warg-Motiv noch einmal aufgegriffen, als Robbs Gemahlin Talisa von Lannister-Kindern das Gerücht hört, dass Robb angeblich das Fleisch seiner Feinde esse und sich in einen Wolf verwandle. Ein Lügenmärchen. Doch stellt sich unweigerlich die Frage, ob Bran der einzige Stark mit außergewöhnlichen Fähigkeiten ist…

HARRENHALL

Wie schon zuvor angemerkt, liegt eine große Faszination bei GAME OF THRONES in der Auflösung des komplexen Erzählgeflechtes über den Raum. Die Geschichte schreibt sich in ihre Handlungsorte ein, mehr und mehr werden die Stationen auf der großen Karte von Westeros mit Bedeutung aufgeladen. Charaktere kommen und gehen – Der Ort bleibt. So kehrt Arya mit der Brotherhood without Banners im Crossroads Inn ein. An diesem Rastplatz kreuzen sich drei große Wege: Die King’s Road führt südlich weiter in Richtung King’s Landing, die östliche Eastern Road führt zur Eyrie im Vale of Arryn, die westliche River Road mündet in die Riverlands. Für Arya bedeutet dieser Ort, dass ihre Geschichte vier verschiedene Richtungen einschlagen könnte: Nach Süden in die Hände der Lannisters, die ihren Vater Eddard ermordet haben, ihre Schwester Sansa gefangen halten und sowohl nach Arya als auch ihrem Begleiter Gendry suchen. Nach Osten zu ihrer Tante Lysa, die sich zwar bis jetzt erfolgreich aus dem Krieg der fünf Könige herausgehalten hat, aber via Littlefinger sich der Seite der Lannisters anschließen könnte. Nach Westen in das Reich der Tullys, in dem sich momentan ihre Mutter sowie ihr Bruder Robb aufhalten. Oder natürlich nach Norden, nach Winterfell, ihrem zerstörten Zuhause. Zeitgleich ist dieser Ort weder Arya noch dem Zuschauer unbekannt. Arya konfrontiert den gefangenen Sandor Clegane mit der „Geschichte“ dieses Ortes: Kam es dort doch in der ersten Staffel auf dem Weg von Winterfell nach King’s Landing zum ersten Zerwürfnis zwischen den Starks und den Lannisters, als Aryas Schattenwolf Joffrey verletzte und der Bluthund als Rache Aryas Freund Mycah umbrachte. Darüber hinaus war das Crossroads Inn die Taverne, in der Catelyn Stark auf Tyrion Lannister traf, ihn gefangen nahm und somit wiederum ihren Beitrag zur Ereigniskette leistete, die zum Ausbruch des Krieges führte. Der Ort markiert als Gedenkstätte die Schnittstelle zwischen persönlichen und politischen Ereignissen. Schließlich wird er mit neuer Bedeutung aufgeladen, als Arya sich von Hot Pie verabschiedet, der im Crossroads Inn zurückbleibt.

Auf dem Weg nach Harrenhall trägt der liebenswerte Plot zwischen Jaime und Brienne erste Früchte. Nachdem Brienne bereits den Respekt von Jaime erkämpfte, scheint der Kingslayer tatsächlich Sorge um Brienne zu empfinden. Mit trickreichen Worten bewahrt er sie davor, von ihren Entführern geschändet zu werden – die zweite verhinderte Vergewaltigung in dieser Folge. Doch kann er sich vor seinem eigenen Schicksal nicht retten. Jaime hat seine Situation überschätzt. Zu lange haben sich die Lannisters auf den Einfluss und Reichtum ihres Oberhauptes Tywin verlassen. Angewidert von Jaimes Arroganz, lässt der Anführer von Boltons Männern, Locke, den stets Privilegierten auf schmerzhafte Weise Bekanntschaft mit der Realität machen. Mit einem gezielten Schlag trennt er ihm seine Schwerthand ab. Wo ist dein Daddy jetzt? Vollendet wird dieses Schockbild, mit dem der Zuschauer aus WALK OF PUNISHMENT entlassen wird, durch die musikalische Kontrastierung im Abspann: Zu hören ist die Rockversion von THE BEAR AND THE MAIDEN FAIR, gespielt von der Indie-Band The Hold Steady. THE BEAR AND THE MAIDEN FAIR ist ein derbes Volkslied aus Westeros, das sich als Motiv durch Martins Bücher zieht und in der Serie vor allem den Handlungsstrang von Brienne und Jaime zu begleiten scheint (Locke und seine Leute singen das Lied auf dem Weg nach Harrenhall). THE BEAR AND THE MAIDEN FAIR ist außerdem der Titel der siebten Folge der dritten Staffel, die aus der Feder von Martin persönlich stammt. Der Titel der vorletzten Folge lautet übrigens RAINS OF CASTAMERE, ein Lied zu Ehren des siegreichen Kriegers Tywin Lannister, dass man bereits in BLACKWATER hören durfte. Wann bekommt man endlich das LIED VON EIS UND FEUER zu hören?

ex sells: Die undankbare Behandlung durch seinen Vater kompensiert Tyrion mit einer extravaganten Dankbarkeit gegenüber seinem Knappen und Lebensretter Podrick. Diesem schenkt er eine schöne Zeit in Littlefingers Bordell – und damit dem Zuschauer die erste Szene in der dritten Staffel mit ausgiebig frontal nudity.

Sex sells: Die undankbare Behandlung durch seinen Vater kompensiert Tyrion mit einer extravaganten Dankbarkeit gegenüber seinem Knappen und Lebensretter Podrick. Diesem schenkt er eine schöne Zeit in Littlefingers Bordell – und damit dem Zuschauer die erste Szene in der dritten Staffel mit ausgiebig frontal nudity.

KING’S LANDING

Die wohl einprägsamste Szene der Folge gehörte einmal mehr Tyrion Lannister. Vor Beginn des ersten Treffens des Small Councils bringt ein wortloser, aber nicht stiller Machtkampf um die Sitzordnung die Figurenkonstellation in King’s Landing auf den Punkt: Tywin Lannister, die neue Hand des Königs, sitzt stolz am Ende eines kleinen, aber prunkvollen Tisches. Der Rat trifft ein. Ehrgeizig drängelt sich Littlefinger als erster nach vorn und setzt sich zur Linken von Lord Tywin. Der Emporkömmling mit dem selbst gestalteten Wappen – ein Mockingbird – will als Nächster zur absoluten Macht sitzen. Varys verdreht die Augen und nimmt gelassen neben Littlefinger Platz. Wie viele Mitglieder des Rates hat der Eunuch schon kommen und gehen sehen? Grand Maester Pycelle folgt. Der opportunistische Gelehrte versucht, sich so gut es geht aus den Ränkespielen herauszuhalten. Cersei und Tyrion sind an der Reihe. Die Königsmutter fühlt sich über den Kampf der Rangfolge innerhalb des Rates erhaben. Selbstbewusst nimmt sie einen Stuhl und trägt ihn auf die andere Seite des Tisches, um zur Rechten ihres Vaters zu sitzen. Alle Augen ruhen auf Tyrion. Wie Cersei nimmt er einen Stuhl und zieht ihn demonstrativ durch den Raum. Der Lärm seines Stuhles durchbricht die angespannte Stille. Er parodiert Cerseis Geste, zieht die Sitzplatz-Scharade ins Lächerliche. Schließlich nimmt er als letzter am Tisch Platz. Nicht auf der Seite des Rates, nicht neben Cersei, sondern am anderen Ende des Tisches, Tywin direkt gegenüber. Statt der Nähe seines Vaters wählt er den Punkt, der sich am weitesten von ihm weg befindet. Noch Fragen?

Im Verlauf der Ratssitzung wird Tyrion zum neuen Master of Coins bestimmt, da Littlefinger zur Eyrie geschickt wird, um Catelyns Schwester Lysa den Hof zu machen. Als er sich Littlefingers Unterlagen aus dessen Bordell abholt, wird ihm klar, dass man ihm den schwarzen Peter zugeschoben hat. Die Krone ist über beide Ohren verschuldet. Statt Schulden zu begleichen, hat Littlefinger stets neue Kredite aufgenommen, nicht nur bei Tywin Lannister, sondern auch der Iron Bank of Braavos. Tyrion hat den Posten bekommen, nicht, um das Reich vor dem Bankrott zu retten, sondern in seiner Aufgabe zu scheitern und einmal mehr als Sündenbock herhalten zu müssen. Das familieninterne Scharmützel ist gleichzeitig ein wunderbares Beispiel für die Kurzsichtigkeit der Lannisters: Die Schuldensituation ist ein Faktor, der durch seine verheerenden ökonomischen Folgen längerfristig den Kurs des Krieges beeinflussen könnte. Ist die Iron Bank doch dafür bekannt, ihr Geld zu bekommen – wenn notwendig mit Gewalt.

ASTAPOR

Jenseits der Narrow Seas unternimmt Daenerys Targaryen einen großen Schritt: Sie will ihren größten Drachen für eine Armee verkaufen. Tatsächlich sind die Unsullied das perfekte Heer für Dany. Durch ihren unmittelbaren Gehorsam werden die Krieger auf Befehl der Drachenkönigin nur so viel Gewalt anwenden wie nötig, die Zivilbevölkerung bleibt verschont. Das kann man von den anderen Armeen in Westeros nicht behaupten – ob gekaufte Söldner oder treu ergebene Bannermänner, sie alle machen von ihrem Kriegsrecht Gebrauch. Wird Dany aber dafür tatsächlich einen ihrer Drachen aufgeben? Anders als ihre besorgten Berater Ser Barristan und Ser Jorah ahnt der Zuschauer, dass Dany etwas im Schilde führt. Immerhin gibt sie in einem kurzen Gespräch mit der ebenfalls erworbenen Dienerin Missandei zu erkennen, dass sie durchaus die Sprache des Sklavenhändlers versteht: Valar morghulis. All men must die. Verschwörerisch flüstert Dany ihrer Dienerin zu: We are not men.

Bildcopyright: HBO