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Es ist schon etwas tragisch, wie gering die Beachtung ist, die Universität im öffentlichen Raum erfährt, wo doch an diesem eigentlich offenen Punkt des gedanklichen Austauschs stets große Mengen interessanter Anlässe geschaffen werden, um auch Publikum außerhalb von Forscherkreisen anzusprechen. So finden sich etwa offene Kontexte wie das studium generale oder vielfältige Ringvorlesungen mit Rednern, die das universitäre Umfeld mit Praxiseindrücken bereichern – unter ihnen häufig bekannte Firmenvertreter, aber auch Künstler oder etwa Filmschaffende.

Dennoch bleiben vielen potenziellen Interessenten derartige Veranstaltungen scheinbar weitestgehend verschlossen. Kaum ist es anders zu erklären, dass Besucherzahlen zumindest im Mainzer Umfeld oft verschwindend gering sind. Woran dies liegen mag, ist schwer zu erfassen. Um eine Änderung herbeizuführen, so diese denn gewollt sein sollte, mag dieser Veranstaltungshinweis ein Anreiz für die Johannes Gutenberg-Univesität Mainz sein, die Isolation des akademischen Umfelds hin und wieder zu verlassen und sich nicht nur Besuchern zu öffnen, sondern diese auch einzuladen. Und ein Anreiz für alle Leser, es hin und wieder auf einen Besuch des Universitätshügels ankommen zu lassen, um Vorträge und Diskussionen durch ihre Eindrücke zu bereichern.

Allen Filminteressierten sei bei diesem Anlass das stets engagierte Angebot der Mainzer Mainzer Filmwissenschaft ans Herz gelegt, wo während der letzten Semester in regelmäßigen Abständen Vortragsreihen zu zahlreichen Aspekten rund um das Kino stattfanden. Prominente Redner wie Lutz Dammbeck, Peter Greenaway oder der Spieleforscher Jesper Juul waren etwa im Rahmen der Vorlesungsreihe „Film beyond film“ zu Gast und bereicherten das Spektrum der Lehre durch unkonventionelle und erhellende Anmerkungen. Bis Anfang Februar findet derzeit die Reihe „Hinter den Kulissen. Arbeit für den Film“ statt, die von Prof. Dr. Norbert Grob, Leiter des Instituts für Mediendramaturgie der Universität Mainz, sowie von PD Dr. Bernd Kiefer organisiert wird. Auch hier sind wieder spannende Vorträge zu erwarten, außeruniversitäre Besucher sind dabei sehr willkommen. Die nächsten Vorträge werden von Filmkritiker, -publizist und -wissenschaftler Bert Rebhandl (CARGO, FU Berlin), dem Filmhistoriker Hans H. Prinzler sowie von dem mehrfach preisgekrönten Regisseur Dominik Graf gehalten.

Rebhandl vermittelt am 7. Dezember ab 18 Uhr seine Erfahrungen zum Thema „Schreiben über Film“, das zwifellos eine umfassende Diskussion erlaubt und auch fordert. Welchen Status besitzt Filmkritik heute und wie ist Sie noch als Berufsperspektive zu sehen? Kann sie als literarische Gattung gesehen werden und was sind die Ziele, die sie verfolgen kann oder muss? In Zeiten der Allgegenwärtigkeit von Bildern und der Dominanz unreflektierter Kinoerfahrungen, ist es zweifellos von enormer Wichtigkeit, sich mit Inhalten des Films kritisch auseinanderzusetzen. Man darf gespannt sein, welche Aspekte hier angesprochen werden. Ein Text von Bert Rebhandl findet sich übrigens im Rahmen unseres NEGATIV Adventskalenders.

Alle Vorträge finden im Hörsaal des Medienhauses der Universität Mainz, Wallstraße 11 statt. Weitere Termine:

7.12. Bert Rebhandl, FU Berlin, Kritiker
14.12. Hans H. Prinzler, Filmhistoriker
18.1. Dominik Graf, Regisseur
25.1. Bettina Buchler, Filmbewertungsstelle
8.2. Egon Bunne, Kunsthochschule für Medien