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Martin Gobbins Berlinale: Top 10 und Fazit

von | 19 Feb 2017 | Berlinale 2017 | 0 Kommentare

Wenn ich die Berlinale mit Youtube-Hits beschreiben sollte, fiele mir für das letztjährige Festival der Edeka-Song „Supergeil“ ein. 6 der 10 besten Filme, die ich 2016 sah, habe ich auf der Berlinale entdeckt. Mein Fazit der diesjährigen Berlinale wäre hingegen ein Lied, mit dem die Berliner Verkehrsbetriebe werben: „Is mir egal.“ Ich fürchte, in die Top 10 des aktuellen Jahres wird es maximal ein Film schaffen, wenn überhaupt.

46 Filme habe ich auf der Berlinale 2017 gesehen – kein einziger davon hat mich begeistert. Vielen anderen Kritikern ging es ähnlich: „Kein Meisterwerk, nirgendwo“ oder „alles ganz nett“ – so wird der aktuelle Jahrgang beschrieben. Natürlich hängt der persönliche Eindruck immer von der individuellen Selektion ab. Bei insgesamt rund 400 zur Auswahl stehenden Filmen bastelt sich jeder seine eigene Berlinale. Doch die Meinung, dass dieses Jahr kein Höhepunkt der Festival-Geschichte war, findet sich in den Überblickartikeln ziemlich einhellig wieder.

Dass es wenig Highlights gab, ist natürlich der alles überlagernde Befund. Doch in Abwesenheit von großen Neuentdeckungen rückt noch ein zweites Resultat in den Fokus: Es gab auch kaum wirklich schlechte Filme – leider! Über schlechte Filme kann man sich ärgern, aufregen, mit anderen gemeinsam schimpfen und lästern. Man kann Verrisse schreiben. Ein richtig schlechter Film bleibt im Gedächtnis.

Was die Berlinale auswählt, hat aber im Normalfall einen gewissen Mindeststandard. Das führt dazu, dass man als Heavy User irgendwann im Mittelmaß versinkt. Ich musste einige Male ziemlich kämpfen, um nicht einzuschlafen – und mitunter fiel es mir schon um 15 Uhr schwer, mich zu erinnern, was ich um 9 Uhr gesehen hatte. Eben weil das meiste ziemlich egal war, nicht schlecht, nicht grandios, sondern irgendwo dazwischen.

Über mittelmäßige Filme zu schreiben, macht wenig Spaß. Man kann ihnen nicht viel vorwerfen, denn sie machen nicht wirklich etwas falsch, sie sind halt ok. Man kann aber auch nicht viel loben, Begeisterung zeigen, sich freuen. Gerade visuell gab es dieses Jahr wenig Grund zur Freude: Viele Filme erzählten ihre Geschichten runter, ohne daran zu denken, dass Film mehr ist als das Bebildern einer Story, dass Filme von Bildern leben, die uns erstaunen, verwirren, packen.

Einem guten Film spürt man seine Dringlichkeit kann, man merkt, dass er gemacht werden musste. Bei der Berlinale 2017 kam fast immer ein anderes Gefühl rüber: Kann man machen. Kann man auch lassen. Is mir egal.

Foto: © Films Boutique / On Body and Soul

  1. On Body and Soul
  2. Ein Weg
  3. Wilde Maus
  4. El mar la mar
  5. Golden Exits
  6. The Wound
  7. Skins
  8. From the Balcony
  9. Requiem for Mrs. J.
  10. Weirdos

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