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Spuk! Überall in dem Haus, dass zum Auseinanderfallen alt und dabei aufregend neu und fremd ist. In den späten fünfziger Jahren ziehen die Schwestern Satsuki (Sprecher: Noriko Hidaka) und Mei Kusakabe (Chika Sakamoto) mit ihrem Vater in das Landhäuschen. In jeder Ecke sitzen die Geister, weiß die alte Haushälterin (Tanie Kitabayashi). Auf dem Dachboden, wo die Rußmännchen hausen, im Garten, wo halb unsichtbare Wesen huschen und im Walddickicht. Unter einem Baumriesen findet dort die kleine Mei ein weiteres Ungetüm. Mein Nachbar Totoro, freut sich Mei über das Pelzwesen mit dem Riesenmaul. Doch nicht jeder kann den fantastischen Freund in Hayao Miyazakis magischem Animé Mein Nachbar Totoro sehen.

Den „Hüter des Waldes“ nennt ihr Vater (Shigesato Itoi) Totoro, der mit seinen magischen Gefährten die beiden Mädchen fortan begleitet. Der Name von Miyazakis grandiosem Symbolcharakter für die tröstende und heilende Kraft der Natur entspringt in der japanischen Originalfassung Tonari no Totoro, von dem, von Mei fehlerhaft ausgesprochenen Wort für „Waldgespenst“. Die Bewohner des japanischen Geisterreichs sind oft hilfreiche, wohlmeinende Kreaturen. Viele besitzen eine kindliche Seite, treiben Schabernack oder ersinnen fantastische Spiele. Diese vor lyrischer Kraft und Einfallsreichtum sprühenden Spielszenen, sind mit ihrer symbolischen Ausdrucksstärke vielleicht die schönsten in dem meisterlichen Animé.

Die schlichte Poesie, der meisterlich von Hand gezeichneten Bilder, verleiht jeder Figur eine anrührend menschliche Individualität. Verborgene Details tummeln sich in den Winkeln der bestechend wirklichkeitsnahen Welt Satsukis und Meis, wie die Rußbolde die Ecken ihres Geisterhauses. „Geisterhaus“, hat es der Nachbarjunge Kanta (Toshiyuki Amagasa) gerufen. Kanta, der vom ersten Moment an so schroff ist. Trotzdem gibt er Satsuki seinen Schirm. Einen löchrigen alten Schirm, denn das zu Hause, zu dem Kanta durch den strömenden Regen rennt, ist viel ärmer als das der Schwestern. Deshalb putzt seine Großmutter bei den Kusakabes. Miyazaki spricht nicht über solche Handlungshintergründe, die seinen Geschichten ihre besondere Vielschichtigkeit geben. Er zeigt sie.

Wer die Geister achtet, wie es auch die Eltern der Mädchen trotz ihrer Aufgeklärtheit und Ruhe nicht vergessen, kann mit ihnen in einträchtiger Gemeinschaft leben. Darauf verweist der Filmtitel Mein Nachbar Totoro. Geisterhäuser findet auch die Mutter (Sumi Shimamoto) spannend, die nach langer Krankheit endlich aus dem Landhospital heim kommen soll. Das reale Schreckgespenst ihrer Erkrankung ist der einzige böse Geist, den die Familie fürchtet. Spannung ist in Miyazakis Filmkosmos fast immer freudig. Geschieht Bedrohliches, weicht sie einem angstvollen Bangen, dass den Protagonisten nichts geschehen möge, so innig wachsen die Charaktere ans Herz. Die Schrecken in Mein Nachbar Totoro sind irdischer Natur und bedrückend authentisch. Eine Kindersandale im Fluss, eine Erkältung der geschwächten Mutter. Übermächtig wird die Furcht vor Verlust, als Mei plötzlich verschwindet.

Ängste könnten sie einfach weg lachen, sagt Herr Kusakabe seinen Töchtern. Doch nicht die Furcht vor dem Tod eines geliebten Menschen, die zu lange schon die Mädchen quält. Kinder verstehen bei Miyazaki am besten, wie brüchig familiäre Geborgenheit ist. Bis in die Nacht warten Mei und Satsuki am Waldrand an der Bushaltestelle, als ihr Vater sich wegen der Arbeit verspätet. Doch Mein Nachbar Totoro lässt die Buskatze herbei sausen. Eine Buskatze muss gesehen werden, denn die Fantastik Miyazakis zu beschreiben, ist schier unmöglich. Es ist die Fantastik, die aus dem Herzen entspringt, wo Rußmännchen, Hausgeister und magische Nachbarn wie „Totoro“ wohnen.

Bis zum Kinostart des von Miyazaki geschriebenen Arrietty am 2. Juni, lesen Sie bei uns eine Artikelreihe mit Besprechungen seiner Werke von Lida Bach.

Mein Nachbar Totoro- Tonari no Totoro
R, B: Hayao Miyazaki
K: Takeshi Seyama
D: Noriko Hidaka, Chika Sakamoto, Shigesato Itoi, Sumi Shimamoto, Hitoshi Takagi, Naoko Tatsuka, Tanie Kitabayashi, Toshiyuki Amagasa
Japan 1988, 86 min
DVD-Start: 15. Oktober 2010
Sprache: Japanisch, Deutsch
Verleih: Universum Film
FSK 0
www.universumfilm.de