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Eine Familiensitcom mit wandelnden Dinosaurier-Puppen und satirischen Seitenhieben auf die amerikanische Gesellschaft –Das Konzept von DIE DINOS (1991-1994) war ebenso innovativ wie kostspielig. Jetzt ist das kleine Juwel der 90er Jahre auf DVD und Blu-Ray erschienen. © capelight pictures

Eine Familiensitcom mit wandelnden Dinosaurier-Puppen und satirischen Seitenhieben auf die amerikanische Gesellschaft –Das Konzept von DIE DINOS (1991-1994) war ebenso innovativ wie kostspielig. Jetzt ist das kleine Juwel der 90er Jahre auf DVD und Blu-Ray erschienen. © capelight pictures

Unaufhaltsam stampft ein Dinosaurier durch den prähistorischen Urwald. Hinter ihm eine Spur der Zerstörung. Kreuzt etwas seinen Weg, trampelt er es nieder. Lästige Bäume werden umgeschubst, Kleintier am Boden vertrieben. Als die gewaltigen Füße schließlich zum Stehen kommen, fährt die Kamera nach oben – Es ist der mächtige Megalosaurus. Im rotkarierten Hemd, mit einer Lunchbox in der Hand. Stolz verkündet er: Honey, I’m home!

Warum sind die Dinos ausgestorben? Weil sie heimisch wurden und Familien gründeten. So jedenfalls proklamiert es die TV-Serie DINOSAURS (dt.: DIE DINOS). In dem ungewöhnlichen Fernseherzeugnis der 90er Jahre wurden Konventionen der Familiensitcom im urzeitlichen Dino-Haushalt der Sinclairs durchgespielt. Dabei hauchte man den ausgestorbenen Riesenechsen nicht etwa als Zeichentrickfiguren Leben ein, sondern mit aufwendiger Puppentricktechnik aus Jim Henson’s Creature Shop. Um die Gefühle und Gedanken der menschenähnlichen Saurier darzustellen, war ein kniffliges Teamwork erforderlich: Während ein Darsteller im Kostüm der Figur Gestik und Bewegung verlieh, wurde die Mimik der animatronischen Dinosaurier-Köpfen von Puppenspielern ferngesteuert.

Das Konzept der Serie entwickelte Brian Henson zusammen mit Michael Jacobs und Bob Young basierend auf der Idee seines zu der Zeit bereits verstorbenen Vaters. Die Macher ließen sich ganz von dem Geist des MUPPETS-Erfinders leiten: Indem sie lustige Kinder-Unterhaltung mit bissigen Gesellschaftsbezügen mischte, sprach DIE DINOS von Jung bis Alt ein breites Publikum an. 1991 wurde die Serie zum ersten Mal auf ABC ausgestrahlt, 1993 kam sie nach Deutschland – passenderweise im Käpt’n Blaubär-Club – und überzeugte durch eine mehr als gelungene Synchronisation. 1994 lief die letzte Folge. Jetzt erscheint die komplette Serie bei capelight pictures auf DVD und Blu-Ray erstmals in deutscher Sprache. Grund genug, um ein wenig in Erinnerungen zu schwelgen.

Meet the Sinclairs

In DIE DINOS verdichten sich damalige Strömungen der amerikanischen TV-Unterhaltung. Die Serie ist in erster Linie eine Familiensitcom. Die Geschichten drehen sich um das alltägliche Leben der Familie Sinclair und deren häuslichen Konflikte. Anders allerdings als Serien wie FULL HOUSE oder FAMILY MATTERS (dt.: ALLE UNTER EINEM DACH), an deren Seite DIE DINOS zu ihrer Premiere auf ABC ausgestrahlt wurde, ist ihr Ton sarkastischer. DIE DINOS liegt irgendwo zwischen den idyllischen 80er Jahre-Sitcoms à la THE BILL COSBY SHOW und ihren zynischen Konterparts der 1990er wie ROSEANNE oder MARRIED… WITH CHILDREN (dt.: EINE SCHRECKLICH NETTE FAMILIE). Die Sinclairs sind mehr Arbeiterklasse als Mittelschicht.

So ist jedes Familien-Mitglied ein Huxtable und Bundy zugleich: Vater Earl ist der eigennützige Faulpelz mit dem Herz aus Gold. Ein sympathische Verlierer, der auf der Arbeit von seinem Chef ebenso drangsaliert wird wie von Schwiegermutter und tyrannischem Baby zuhause. Seine Frau Fran ist die gute Seele der Familie, die ebenso zum Hausdrachen werden kann. Der älteste Sohn Robbie stößt mit seinen progressiven Ansichten häufiger an den Dickschädel seines Vaters, kann aber beim Anblick eines hübschen Dino-Mädels sein Gewissen ohne Mühe abschalten. Tochter Charlene frönt der materialistischen Konsumwelt der Kaufhäuser und Fashion-Mode und ist zur Not sogar zum verantwortungsvollen Handeln fähig. Und das Baby beharrt hartnäckig auf seinem Niedlichkeitsfaktor, wenn nötig mit Gewalt: „Gotta love me!

„Nicht die Mama!“, „Nochmal!“, „Bin das Baby, musst mich liebhaben!“ – Baby Sinclair ist die Übererfüllung des Bedarfs damaliger Familiensitcoms an süßen Kleinkindern mit lustigen catchphrases. © capelight pictures

„Nicht die Mama!“, „Nochmal!“, „Bin das Baby, musst mich liebhaben!“ – Baby Sinclair ist die Übererfüllung des Bedarfs damaliger Familiensitcoms an süßen Kleinkindern mit lustigen catchphrases. © capelight pictures

Obwohl sie selbst kein Zeichentrick ist, wandelt DIE DINOS zudem auf den Spuren der animated sitcom und ihren Wiederbelebungen in den späten 80ern. Zunächst wirkt die Serie wie eine Neuerzählung der FLINTSTONES: Das Setting bleibt das gleiche – die Urzeit als ironisches Spiegelbild für die moderne, amerikanische Gesellschaft – nur die Rollen haben sich vertauscht. Jetzt sind die Dinos die Herrchen und die Höhlenmenschen das Haustier. Zudem geht es auf dem Superkontinent Pangaea ein wenig makabrer zu als im steinzeitlichen Bedrock. Die Saurier-Gesellschaft hat die Spuren ihrer vorzivilisatorischen Herkunft noch nicht ganz abgestreift. Ausgediente Senioren werden beispielsweise feierlich zu ihrem 72. Geburtstag in den Sumpf geschleudert, das beste Mittel zur Beförderung ist, seinem Vorgesetzten den Kopf abzubeißen. Statt possierliche Tierchen als Ersatz für moderne Haushaltsgegenstände zu gebrauchen, landen sie bei den DINOS direkt auf dem Teller. Der Kühlschrank der Sinclairs ist im wahrsten Sinne des Wortes mit Essen bevölkert, wenn sie nicht aufpassen, kratzt das Abendessen schon einmal die Kurve.

Don’t have a Stegosaurus, man!

Die größte Inspiration für DIE DINOS dürfte jedoch die nur einige Jahre ältere Cartoon-Serie THE SIMPSONS gewesen sein. Popkulturelle Querverweise, ironische Dekonstruktionen amerikanischer Institutionen wie der Familie oder Religion sowie ein stark sarkastischer Unterton – Die Ähnlichkeiten beider Serien war so überdeutlich, dass sich Macher der SIMPSONS schon plagiiert fühlten. So lachen die Simpsons zu Beginn der Folge THE BLACK WIDOWER über eine Familien-Serie mit sprechenden Dinosauriern. Bart kommentiert: „It’s like they saw our lives and put it right on screen.“ DIE DINOS ließen nicht lang auf sich Warten und konterten Monate später in der Folge DIRTY DANCIN‘. Dort beklagt sich Earl über die Einfallslosigkeit des Fernsehens: „This is why TV stinks. One show’s a hit –they make fifty more like it with the same characters and the same premise.” Woraufhin das Baby mit geborgtem catchphrase antwortet: „Don’t have a cow, man!

„Hey, don’t have a Stegosaurus, man!“ Auf den ersten Blick sind die Sinclairs genauso zusammengesetzt wie die Simpsons – Vater Mutter, Sohn, Tochter, Baby. Die Charaktere der Elternpaare sind sogar weitestgehend identisch. Doch gibt es bei den Kindern feine Unterschiede. So nimmt Robbie bei den DINOS nicht Barts Rolle ein, sondern die von Lisa, während es für Charlene keine wirkliche Entsprechung in der gelben Familie gibt.

„Hey, don’t have a Stegosaurus, man!“ Auf den ersten Blick sind die Sinclairs genauso zusammengesetzt wie die Simpsons – Vater Mutter, Sohn, Tochter, Baby. Die Charaktere der Elternpaare sind sogar weitestgehend identisch. Doch gibt es bei den Kindern feine Unterschiede. So nimmt Robbie bei den DINOS nicht Barts Rolle ein, sondern die von Lisa, während es für Charlene keine wirkliche Entsprechung in der gelben Familie gibt.

Und es stimmt: Earl ist Homer. Der übergewichtige, unterbelichtete Familienvater vereint in beiden Serien die Makel des modernen Menschen: Selbstsucht, Faulheit, Rückhaltlosigkeit, Feigheit und Verantwortungslosigkeit. Kleingeister, die das Gute meinen und das Schlechte tun. Sie haben ihren Pakt mit dem Teufel bereits geschlossen: Homer arbeitet im Atomkraftwerk des fiesen Mr. Burns, Earl schubst Bäume für die skrupellose WESAYSO Corporation um. Personifikationen unternehmerischer Habgier, die ihre versklavten Mitarbeiter ausbeuten und zur Vermehrung ihres irrsinnigen Vermögens vor nichts zurückschrecken. Während Burns aus seinem schurkischen Wesen keinen Hehl macht – sieht er ein Kleinkind, muss er sofort dessen Lutscher klauen – fährt die omnipräsente WESAYSO Corporation umfangreiche Werbekampagnen auf, um in der medialen Öffentlichkeit das Bild des familienfreundlichen Großbetriebs zu wahren. Einer ihrer besten Slogans: „WESAYSO: We know what you want. We know what you need. We know where you live.” Steckt dahinter eine subtile Kritik am Auftraggeber der DINOS, der Walt Disney Company? Sicherlich war der hohe Kostenfaktor nicht der einzige Grund, die subversive Serie nach 65 Folgen abzusetzen – wovon sieben Episoden übrigens erst in der Wiederholung ausgestrahlt wurden. In einer dieser verlorenen Folgen, VARIATIONS ON A THEMEPARK, ärgern sich die Sinclairs mit dem überteuerten und dauerkaputten Vergnügungspark Wesaysoland herum. Diese kaum kaschierte Abrechnung mit dem Disneyland dürfte die Entscheidung für Disney zum Einstellen der Serie nicht gerade erschwert haben.

Give peas a chance

Neben Lobbyismus und Corporate America schnitten die DINOS in bester SIMPSONS-Manier Woche für Woche zahlreiche andere, brisante Themen an. In NUTS TO WAR bricht der erste Krieg der Welt wegen Peanuts aus (oder genauer: Pistazien). Die Doppelfolge ist ein einziger Kommentar auf den ersten Golfkrieg. Religiöser Fanatismus wird in THE GREATEST STORY EVER SOLD auf die Schippe genommen, als die Oberältesten beschließen, mit dem Kartoffelismus eine Staatsreligion zur Beantwortung lästiger Existenzfragen einzuführen. Das Tabuthema „Sex“ wird bei den DINOS über den Paarungstanz angegangen: Earl beginnt, seine Ehe mit extra Tanzstunden aufzufrischen (THE MATING DANCE), derweil der von unerklärlichen Tanzgelüsten heimgesuchte Robbie an Aufklärung bedarf (DIRTY DANCIN‘). Als erste geschiedene Dinofrau bringt die langhälsige Nachbarin Monica Ideen von Emanzipation in den Haushalt der Sinclairs (UNMARRIED… WITH CHILDREN) und muss sich gegen Sexismus am Arbeitsplatz durchsetzen (WHAT “SEXUAL” HARRIS MEANT). In I NEVER ATE FOR MY FATHER ist das Gemüse, welches Robbie zum Entsetzen seines Vaters dem Fleisch vorzieht, mal eine Metapher für sexuelle Orientierung, mal für Marihuana-Konsum, mal für counter culture an sich: Give peas a chance!

Das Thema, mit dem sich DIE DINOS allerdings am häufigsten beschäftigt hat, ist Umwelt. Nicht umsonst sind einige der in der Serie auftauchenden Familiennamen – Sinclair, Philips, Richfield – Hinweise auf amerikanische Ölfirmen. Umweltverschmutzung, globale Erwärmung, Artenschutz und erneuerbare Energien – all das war 60.000.003 vor Christus in Pangaea schon aktuell. In der Hinsicht ist das Datum überaus vielsagend: Wenn wir davon ausgehen, dass die Dinosaurier wie allseits bekannt vor 60 Millionen Jahren ausgestorben sind, so muss die Serie in den letzten drei Jahren der Dino-Gesellschaft spielen. Tatsächlich war DIE DINOS darauf ausgelegt, mit dem Untergang der Dino-Welt zu schließen. Dabei ließ nicht ein Meteor, der zufällig die Erde traf, die Dinosaurier aussterben, sondern ihr eigener Lebensstil. Rücksichtslos zerstörten sie ihren eigenen Planeten, um weiterhin ein sorgloses Dasein in Überfluss, Bequemlichkeit und Verschwendung führen zu können. Die finale Episode CHANGING NATURE zählt zu dem Düstersten, was das Ende einer Familiensitcom zu bieten hat: Im Auftrag der WESAYSO Corporation vollbringt der dummtreue Earl eine Umweltschandtat zu viel. Eine Kettenreaktion tritt in Gang, an dessen Ende eine gewaltige Eiszeit steht. Während sich Mr. Richfield über den explosiven Verkauf von Heizdecken in den Wahnsinn lacht, sehen die Sinclairs ihrem letzten gemeinsamen Abenteuer als Familie entgegen: dem Aussterben.

Meta-Fernsehen

In THE CLIP SHOW stellt sich der Paläontologe Sir David Tushingham (Paxton Whitehead) die Frage, warum sich die Dinosaurier um diesen geheimnisvollen Würfel versammelt haben. In ihrer gnadenlosen Medienkritik kommt das Fernsehen bei den DINOS als Medium der Verdummung und Massenmanipulation nicht gerade gut weg.

In THE CLIP SHOW stellt sich der Paläontologe Sir David Tushingham (Paxton Whitehead) die Frage, warum sich die Dinosaurier um diesen geheimnisvollen Würfel versammelt haben. In ihrer gnadenlosen Medienkritik kommt das Fernsehen bei den DINOS als Medium der Verdummung und Massenmanipulation nicht gerade gut weg.

Nostalgie Kinderfernsehen. Klar war damals alles besser. Auch das Fernsehen. Eine hochgeschätzte Zeichentrickserie aus Kindertagen ist wie die erste, große Liebe: Je weiter sie zurückliegt, desto großartiger ist sie gewesen. Hört man ihre vergessen geglaubte Titelmelodie, gerät man schnell ins Schwärmen: Das gibt’s nur einmal, das kommt nie wieder! Sämtlicher Verklärung zum Trotz soll an dieser Stelle dennoch eine Lanze gebrochen werden für das Kinderfernsehen der 90er Jahre. Kaum ein Jahrzehnt war gefüllt mit derart skurrilen Serien. Es war die Zeit der Experimente, neue Formate wurden ausgetestet, Stile entwickelt, Grenzen des Humors herausgefordert. Kulthits entstanden wie THE REN & STIMPY SHOW, ROCKO’S MODERN LIFE, BEAVIS & BUTT-HEAD und natürlich THE SIMPSONS.

In vielen dieser Serien herrscht der Geist der Postmoderne. Durch eine Mehrfachcodierung überschritt man die Grenze zwischen Hoch- und Popkultur und schloss den Graben zwischen Kinder- und Erwachsenenfernsehen. Der Mediensättigung der Generation MTV entsprechend trieb man ein wildes Spiel der Verweise, Zitate und Parodien zu allen möglichen Erscheinungen der Medienkultur. Man war sich der langen Tradition und Dramaturgie der ausgewählten Formate wie etwa der animierten Sitcom bewusst und stellte sie aus. Aus einem engen Bezugssystem an Erzählbausteinen und Bildern wurde eine breite Spielwiese der Subversion, auf der Bedeutungsketten auseinander gerissen und die befreiten Zeichen völlig neu zusammengesetzt wurden. Es war die Hochphase der Selbstreferentialität, die vierte Wand wurde durchbrochen, der Illusionsrahmen entlarvt. Meta-Comedy: Man lachte nicht mehr unbedingt über den Witz an sich, sondern zusätzlich über seine ausgestellte Technik. Welches Format eignete sich da besser als der Zeichentrick?

Vielleicht der Puppentrick. DIE DINOS steht den selbstreflexiven Warner Cartoons wie ANIMANIACS oder FREAKAZOID! und natürlich den SIMPSONS in nichts nach. So endete A NEW LEAF, eine DINOS-Folge, in der Robbie, Earl und Charlene einem glücklich-machenden Kraut verfallen, mit einer Moralpredigt über Drogensucht. Diesem unumgänglichen Schicksal fällt jede Sitcom früher oder später einmal anheim. DIE DINOS schafften es jedoch, dabei ihre eigene Integrität zu bewahren: An dem Schlussmonolog anschließend ertönt eine Klingel. Drehschluss. Die Serie wird zur Fiktion in der Fiktion. Robbie redet direkt in die Kamera und entschuldigt sich für das kitschige Ende. Er appelliert an die Zuschauer: „Say no to drugs. Help put a stop to preachy sitcom endings like this one. It’s up to you to make a difference.

Fernsehen im Fernsehen: Zu den wiederkehrenden Figuren der DINOS gehört der an Walter Cronkite angelegte Nachrichtensprecher Mario Marionette. Sein englischer Originalname „Howard Handupme“ weist selbstreflexiv auf seine Existenz als Handpuppe hin.

Fernsehen im Fernsehen: Zu den wiederkehrenden Figuren der DINOS gehört der an Walter Cronkite angelegte Nachrichtensprecher Mario Marionette. Sein englischer Originalname „Howard Handupme“ weist selbstreflexiv auf seine Existenz als Handpuppe hin.

Der Meta-Humor der DINOS wird dann am stärksten, wenn Earl den Fernseher einschaltet. Wie schon bei den Simpsons ist der TV-Kasten auch bei den Sinclairs ein festes Familienmitglied. Er ist das Zentrum des modernen Dino-Lebens in Pangaea. DIE DINOS beginnt und schließt mit dem Fernsehen. So gebühren DNN-Nachrichtensprecher Mario Marionette die ersten und letzten Worte der Serie. Die erste Episode eröffnet mit Marionettes Meldung über einen Riesenkometen, der die Erde um Haaresbreite verfehlt. Zum Serienfinale beendet er seine Sendung mit seinem üblichen „This is Howard Handupme. Goodnight“ und schiebt nach kurzer Pause angesichts der eingebrochenen Eiszeit ein grimmiges „Goodbye“ nach. Nicht nur der Abschied eines Dinosauriers von seiner aussterbenden Spezies, sondern auch ein Abschied der DINOS von ihren Fans.

Für das fiktive Fernsehprogramm von Pangaea haben die Macher der DINOS eine Welt in der Welt erschaffen. Aus MTV wird DTV. Fernsehklassiker wie MR. ED oder GILLIGAN’S ISLAND finden darin ebenso ihre ironische Entsprechung wie Gameshows, Heimvideo-Sendungen und Werbespots. In HOW TO PICK UP GIRLS lachen das Baby und Earl über eine TV-Serien mit Sockenpuppen. Fran ist das zu albern. Puppen sind doch für Kinder! Earl versucht seine Frau von der versteckten Qualität der Serie zu überzeugen: „Yeah, you’d think that because they’re puppets – so the show seems to have a children’s asthetic.“ Er blickt direkt in die Kamera: „Yet the dialogue is unquestionably sharp-edged, witty and thematically skewed to adults.” Zwinker. Wir haben verstanden: Ob ironische Familiensitcom, böse Gesellschaftssatire, postmodernes Zitatenspiel oder liebevoll ausgestaltete Puppenserie: DIE DINOS gucken heißt die 90er schauen.