Under the Bed

Zubettgehrituale sind in der Kindheit ungemein wichtig. Man ließt eine Gute-Nacht-Geschichte, trinkt einen heißen Tee oder hört eine Kassette, um einschlafen zu können. Das ist die eine Art Ritual. Davor kommt die andere, die noch viel wichtiger ist – um wieder aufwachen zu können. Man dreht das Nachtlicht an, verbarrikadiert die Tür zum Wandschrank und kontrolliert unter dem Bett. Dort haust etwas mit Krallenfingern und einem heimtü...

Lohn der Angst

Ein Film über Männer, die mich so sehr an meinen Vater erinnern. Immer wieder werkelte er an dem Auto herum – damals führten noch nicht alle Kabel, Schläuche und Schrauben zu irgendwelchen elektronischen Chips – und ich dachte mir immer, dass ich zu ihm gehen sollte, und Fragen stellen. Dabei interessierte mich das alles kaum, darum waren die Fragen immer sehr repetitiv und vermutlich nervig: „Was ist das?“, „Was macht das?“, â€...

DIE SPIELREGEL

Vor wenigen Tagen schrieb Elisabeth darüber, wie wir Filme von früher nur mit den Augen von heute sehen können. Film ist eine Kunst der Gegenwart, des Ereignisses, das sich vor unseren Augen auf der Leinwand ereignet, und nicht schon im Voraus erzählt wurde. Darum ist ein älterer Film gewissermaßen wie ein Paradoxon. Oft wissen wir schon, wie er ausgeht, wer die Hauptfiguren sind, können diese sogar nicht mehr als Filmfiguren, sondern nu...

Waltzismen

Ich sah Christoph Waltz zum ersten Mal 1996 in der KOMMISSAR REX-Folge DER PUPPENMÖRDER und war überwältigt. Waltz spielte darin einen charmanten Puppendoktor, der gerne Frauen als Puppen ausstaffiert fotografiert und sie ermordet, wenn sie nicht so gefügig sind wie eine Puppe nun mal sein soll. Die Rolle ist natürlich inspiriert von der Darstellung eines anderen österreichischen, international anerkannten Schauspielers - Karl-Heinz Böhm i...

End of Watch

Der erste Blick, den wir in die Filmwelt werfen, ist der einer Videokamera auf dem Armaturenbrett eines Polizeiwagens. Sie zeigt eine Verfolgungsjagd durch die engen Seitenstraßen Los Angeles. Ciprian war irritiert – die Kamera bewegte sich seltsam, schwenkte manchmal schon früher um die nächste Ecke, als es die Fahrt des Polizeiautos eigentlich erlaubte, in anderen Momente bleibt sie in der Bewegung hintan. War sie also doch nicht auf dem A...

MANIAC

Ein Mann beobachtet aus einem Auto heraus Menschen, die im nächtlichen Los Angeles einen Club verlassen. Der Blick folgt einer jungen, hübschen Frau. Eine Stimme sagt: „Du bist so schön“. Die Frau scheint zu bemerken, dass sie beobachtet wird. Die Stimme: „Ich sehe dich auch.“ Die Frau versucht in ein Taxi einzusteigen, doch dieses fährt ohne sie los. Sie geht weiter die Straße entlang. Die Stimme: „Ich weiß, wo du wohnst Judy...

Nebel und Suspense – THE FOG

Gleich in der ersten Einstellung schult Regisseur John Carpenter unser Auge für alles Folgende: Wir sehen eine Taschenuhr groß im Vordergrund und eine Gruppe Kinder im Hintergrund. Dann, plötzlich, schnappt eine Hand nach der Uhr; wir sollen uns erschrecken. Diese Einstellung lehrt uns wie wir sehen sollen, nämlich indem wir uns dem filmischen Raum bewusst werden. Carpenter staffelt seine Bilder in die Tiefe, in Ebenen, die übereinand...

ZERO DARK THRITY UND UNIVERSAL SOLDIER: DAY OF RECKONING UNTER SCHMERZEN VEREINT

Sebastian Selig lebt im Kino und schreibt darüber in Magazinen wie HARD SENSATIONS, SPLATTING IMAGE oder auch DEADLINE. Was ist dran an dem Gerücht, dass Kathryn Bigelow ihren Film tatsächlich als Prequel zu John Hyams Meisterwerk UNIVERSAL SOLDIER: DAY OF RECKONING angelegt hat? So einiges. So taucht der von John Adkins verkörperte "John" (der deswegen auch bei Bigelow wieder nur "John" heißt) in exakt derselben Rolle an entsch...

Hat Silvia ihn umarmt?

Trifft Silvia Szymanski auf TEOREMA oder versucht sie den Film zu umarmen? Silvia Szymanski, die meistens einen sehr sinnlichen Zugang zu Filmen hat, vielleicht nochmal hervorgehoben im Schreiben über Film. Die sich, so entnimmt man es ihren Texten, gerne berauschen lässt und nicht selten die visuelle Ebene eines Films bevorzugt oder zumindest mit ihr im Zusammenhang die Ästhetik der Filme umschreibt – trifft sie auf TEOREMA? Oder versucht...

Damsels in Distress

Oscar Wilde, Jane Austen, NATÜRLICH BLOND, RUSHMORE, PITCH PERFECT – die ersten und hauptsächlich willkürlichen Assoziationen, die das Szenario und der Dialogwitz von DAMSELS IN DISTRESS in mir weckten. Neben offensichtlichen Zitaten, vor allem aus Musicals der goldenen Ära Hollywoods, birgt der Film eine Fülle von Versatzstücken. Diese wirken allegorisch, bringen den Zuschauer durch das Erwecken diffuser Erinnerungen in einen melanch...
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