The Unknown Known

Der etwas späte deutsche Kinostart von Errol Morris‘ neuem Film wird mittlerweile von einigen deutschen Kulturmagazinen besprochen. Der Protagonist Donald Rumsfeld wird als Propagandist bezeichnet, der sicher einer Orwellschen Sprache bedient. Noch vor zehn Jahren wären solche Phrasen als Ausdruck eines arroganten Antiamerikanismus, und einer kaltschnäuzigen linken Vermessenheit gewertet worden. Heute gehört es zum Status Quo, Rumsfeld ...

Ein Leserbrief an Andreas Dosch

Wenn man ein Papier über Filmkritik schreibt und darin mehr Streitkultur fordert, ist es natürlich das Schlimmste, wenn dann keiner anfängt zu streiten. Manche haben in Anrufen etwas gemäkelt. In Gesprächen kam ebenfalls das eine oder andere zur Geltung. Und hier sind einige der Reaktionen zu lesen, die in Schriftform eintrudelten. Allerdings ist diese Liste dann doch recht statisch geraten. Denkanregungen sind das natürlich. Eine Debatte v...

Mira Fornay about My Dog Killer

MY DOG KILLER, one of the most thoughtful films touching the issue of racism within the younger past, first appeared during the Rotterdam International Film Festival 2013 (some impressions in German). The film follows young Marek during one day of his life. As the film progresses, we learn about the mentality of a group of racist hooligans he surrounds himself with, about his family and about his pitbull “Killer”, who plays a special rol...

Nymphomaniac Vol. 1 + 2

Dieser Moment ist einem natürlich nicht fremd, dieser Moment, wenn jede Bodenhaftung verloren geht, man in der Horizontalen lustvoll erstarrt, mit einem Mal sanft gen Himmel schwebt. Im Kino. Und dann strahlt Dich von links Maria an (überraschenderweise diejenige mit Zweitnamen Magdalena), im Arm den Sohn Gottes an ihren wogenden Busen gedrückt haltend. Von rechts kommt auch noch Babylonia, die Mutter aller Sünden, die Hure Babylons, auf ...

Horror mit Angela Merkel im Hoheitsgebiet von Reinhold Messner

Ein Gespräch mit Marvin Kren über seinen neuen Film BLUTGLETSCHER Marvin Kren hat ein Monster entfesselt. Ganz hoch oben, dort wo die Luft ziemlich dünn ist: am BLUTGLETSCHER. In Österreich. Im vollen Ernst. Ganz ohne Guck-mal-wie-Trashig-Blödsinn, sondern mit ungekünstelt ehrlicher Wucht. Erdverbunden wie einer dieser dunklen, mitten im Geröllfeld steckenden Felsbrocken. Ein blitzscharfer Splitter im somit stark ins Rumpeln gekommenen ...

Film. Kollektiv. Frankfurt.

Dingen einen Namen zu geben ist ein Versuch der Auslotung ihres Sinns. Ebenso wie das Schreiben eines Textes. Ebenso wie das Abbilden der Welt mit einer Kamera. Louise Burkart, Felix Fischl und Gary Vanisian gaben sich kürzlich den Namen Filmkollektiv Frankfurt und schreiben seither bei ausgewählten Vorführungen von Raritäten dem Zeigen von Filmen auf eine Art und Weise Sinn zu, die im regulären Kinobetrieb selten Platz findet. Ihre Vors...

Finsterworld

Ich glaube, genau diese knochen-trockene Liebe, diese bis ganz tief ins Mark zu spürende, gleichzeitig verdammt unaufgeregte Umarmung, hat sich das hässliche Deutschland schon verdammt redlich verdient. Dieser mit Beton zugespritze Krater, das gewollt hässliche Schwarz, Rot & Gold, der mit vorsichtig spitzen Fingern berührte Ofen. Das so viele sich scheinbar von diesem wunderschönen Film derart angegriffen fühlen, mag ich nur als Be...

Die frühe Rebellion – zu Nagisa Oshimas erstem Film STADT DER LIEBE UND HOFFNUNG (1959)

In Nagisa Oshimas Debüt-Langfilm ist ein Großteil der Radikalität, die seinem Filmemachen innewohnt, thematisch (noch) in den Plot eingebunden. Anders als etwa dann in den späteren Filmen, die sich auch formal als große Herausforderung für den Zuschauer erweisen, begegnet man hier einem Regisseur, der sich noch in konventionelle(re)n Bahnen der Filmerzählung bewegt und der die Attacke auf die Gesellschaft in den politischen Subtext leg...

Il Futuro – Eine Lumpengeschichte in Rom

„Durch Unfälle wird das Universum verändert.“, sagt Tomas (Luigi Ciardo) zu seiner Schwester Bianca (Manuela Martelli), die sich in Rom mit dem minderjährigen Bruder nach dem Tod der Eltern durchschlägt. Wenn das zutrifft, wird auch Alicia Schersons sperrige Romanadaption das Universum verändern, denn IL FUTURO ist ein filmischer Unfall. Das Aufeinanderprallen von stilisiertem Neorealismus, Edelkitsch und Arthouse-Allegorie gibt ein ...

The Wright Stuff – Eine Ära voll Blut und Eiskrem geht zu Ende

Ob in THE WORLD’S END wirklich die Welt untergeht, soll hier nicht verraten werden. Dennoch ist der Film ein Endpunkt. Und zwar für die lose zusammenhängende Trilogie des britischen Regisseurs Edgar Wright, die ihren Beinamen „Cornetto“ von einem netten kleinen running gag bekommen hat (in jedem Film „spielt“ eine andere Sorte mit) und mit vollem Namen „Blood and Ice-Cream-Trilogy“ heißt. Vor zehn Jahren fing alles an mit SHA...