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In DREDD kämpfen die Judges gegen die Ma-Ma-Gang, die mit Hilfe einer neuen Droge schon ein Megahochhaus und seine 75.000 Bewohner kontrolliert und die Vorherrschaft in ganz Megacity 101 anstrebt. Die Droge nennt sich Slo-Mo und sie bewirkt genau das, nämlich eine Verlangsamung des Geschehens auf ein Hundertstel der normalen wahrgenommen Geschwindigkeit.

Warum sollte man auf eine Droge abfahren, die alles so sehr verlangsamt? Gut, es sind Situationen vorstellbar, in denen eine Verlängerung des Genusses erwünscht sein könnte. In DREDD allerdings wird die Drogenerfahrung ausschließlich in Momenten gezeigt, die entweder banal sind oder meist sogar negative Erfahrungen beinhalten, die somit für die Konsumenten von Slo-Mo länger andauern. Wirklich glückselige Momente sucht man im ganzen Film vergeblich, selbst sexuelle Ekstase wird nur in der Phantasie der Figuren gezeigt und ist dort ebenfalls mit Gewalt verbunden. In dieser Welt, denkt sich der Zuschauer, kann man sich doch höchstens wünschen, dass alles möglichst schnell vorbeigeht, damit das alles umfassende Grauen ein Ende hat.

DREDD verbalisiert die Hintergründe der Drogen und ihre Wirkung nie. Er thematisiert sie ausschließlich visuell. Hier zeigt sich, dass die Droge nicht einfach alles in der Wahrnehmung entschleunigt, sondern in der Langsamkeit auch die Schönheit der Welt offenbart. Alles ist mit einem regenbogenfarbenen Glitzer überzogen.

Außer diesen Superzeitlupenbildern gibt es nur ein Bild, das auf Glück hinweist. Die Judge-Anwärterin Anderson trägt ein Foto mit sich umher, es zeigt sie mit ihren Eltern. Ein ähnliches Bild einer heilen Familie ist später in einer Wohnung des Hochhauses zu sehen. Doch beide Fotografien zeigen einen glücklichen Zustand, der niemals wiederhergestellt werden kann, da der Tod die Familien für immer auseinandergerissen hat. Die Anführerin des aufstrebenden Drogenkartells trägt nicht um sonst das Namenskürzel Ma Ma. In Megacity 101 können die Menschen nur noch zwischen zwei Ersatzfamilien wählen – die Drogengang oder die Judges.

Die Fotos stehen für Stillstand. Die Drogen ermöglichen das Gefühl von fast verwirklichtem Stillstand in einer Welt, die auf ihr Ende zurast. Das macht ihre Faszination und ihren Glitzer aus.

DREDD als Film ist natürlich auch rastlos. In den Zeitlupensequenzen fängt er losgelöst von seiner pessimistisch gezeichneten Filmwelt und auch von dem konkreten Geschehen Schönheit ein. Das Filmmedium wurde geboren auch um uns die hektischen und unübersichtlichen Bewegungsabläufe unserer Umgebung ergründbar zu machen. Die digitale Technik ermöglicht es, dies auf die Spitze zu treiben. In diesen Bildern überlebt die Utopie, dass uns das Kino die Welt eröffnen und erklären kann.

 

Ich empfehle die Filmkritik zu DREDD von Thomas Groh beim Perlentaucher.

 

Bild-Copyright: Universum

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