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Haie, Piranhas und andere Raubfische gehören seit Jahrzehnten so fest zum Horrorfilm wie Freddy Krueger, Michael Myers und Co.: Fast dreißig Jahre sind mittlerweile seit dem bahnbrechenden Box-Office-Erfolg von Steven Spielbergs dreifach oscarprämiertem Schocker Der weiße Hai vergangen – der Blutdurst der Meeresbewohner scheint aber ebenso wenig gestillt zu sein wie die Profitgier der Filmemacher, die das Genrepublikum Jahr für Jahr mit abstrusem Tierhorror ins Kino und in die Videotheken locken. Zuletzt erlebte das Sandstrand-Grauen gar einen erneuten Höhenflug – Alexandre Ajas humorvoller Piranha 3D war auch dank der cleveren Marketingstrategie ein großer Erfolg und lieferte dem Publikum genau das, was es sich erhofft hatte: Sinnfreien Horrorspaß, literweise Kunstblut und knackige Bikini-Schönheiten, die auf der Leinwand reihenweise das Zeitliche segnen mussten. Auf eben jenen Zug springt nun auch die berühmt-berüchtigte Mockbuster-Schmiede The Asylum (Titanic 2, American Warships) auf, die die Kassenerfolge der großen Filmstudios regelmäßig als Vorlage für unterirdische Low-Budget-Filme missbraucht. Regisseur Mark Atkins und Drehbuchautor Cameron Larson setzen sogar noch einen drauf: Ihre Sand Sharks – Name und Filmplakat deuten es unmissverständlich an – pfeifen auf Naturgesetze und lauern nicht etwa im Meer, sondern im Sand (!) auf ihre ahnungslosen Opfer.

Oh ja. Jahrhundertelang  waren sie tief unter der Wasseroberfläche eingeschlossen – dann befreite ein Erdbeben den blutdurstigen Schwarm Meeresungeheuer plötzlich aus der Gefangenschaft. Ein Dutzend prähistorischer Riesenhaie, das am liebsten in Dünen und im feinen Sandstrand auf Beutezug geht, bedroht die Bewohner von White Sands, einem bis dato friedlich dahinvegetierenden Küstenstädtchen. Als sich die Todesfälle am Strand häufen, bereitet das vor allem dem örtlichen Sheriff John Stone (Eric Scott Woods) und Hai-Expertin Dr. Sandy Powers (Brooke Hogan, Tochter von Wrestling-Legende Hulk Hogan) Sorgen – weniger aber dem skrupellosen Eventmanager Jimmy Green (Corin Nemec, Parker Lewis). Der plant schließlich für das verschlafene Nest eine große Strandparty, zu der Hunderte feierhungrige College-Studenten erwartet werden – und kann die unerwünschten Störenfriede bei der Planung gar nicht gebrauchen…

Kino- und DVD-Vergnügen ist naturgemäß immer auch eine Frage der Erwartungshaltung. Wer in der Videothek gezielt zum neuesten cineastischen Verbrechen von The Asylum greift, hat vermutlich entweder den Filmtitel nicht genau gelesen und hofft, gerade einen populären Blockbuster in den Händen zu halten, oder verfügt über eine ausgeprägte Schwäche für Horror-Trash. Während der Fehlgriff im Regal schon nach wenigen Filmsekunden offensichtlich ist und wohl zum frühzeitigen Abschalten führen würde, ist die Frage, ob Sand Sharks zumindest für einen alkoholschwangeren DVD-Abend im Freundeskreis taugt, nicht ganz so leicht zu beantworten. Eigentlich bringt der Film von Mark Atkins nämlich alles mit, was zu einem anständigen C-Movie dazugehört: unterirdisch schlechte Dialoge, ein Dutzend talentfreier Schauspieler, die Abstinenz von jeglicher Logik, vollkommen witzfreie One-Liner und nicht zuletzt ein in jeder Hinsicht hanebüchenes Drehbuch, das darüber hinaus fleißig bei den Genrevorbildern abkupfert. Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer: Böte Sand Sharks zumindest den einen oder anderen ausgefallenen Einfall, käme der trashaffine Zuschauer durchaus auf seine Kosten – der tödlich-absurde Haischwarm unterhalb der Sandoberfläche verpufft als einzig nennenswerte Idee aber gleich aus dreierlei Gründen.

Da sind zum einen die fürchterlich miserablen, dem geringen Budget geschuldeten Visual Effects, die kaum gehobenes 90er-Jahre-Konsolenniveau erreichen und trotz CGI-Technik nicht annähernd den Gänsehautfaktor eines zupackenden Jaws – der wohlgemerkt 27 Jahre auf dem Buckel hat – erzielen. Zum Zweiten, dass unter dem Strich im gesamten Film kaum zwanzig Sekunden lang ein „Hai“ zu sehen ist: Wohlwissend um die miserablen VFX zeigt Atkins meist nur die dunklen Flossen seiner hungrigen Sandbewohner, die unbeirrt ob der Naturgesetze lange Linien in den Strand zeichnen und dabei so bedrohlich wirken wie ein schlafender Pudel in der Mittagssonne. Oft huschen die prähistorischen Riesenviecher beim Angriff nur kurz und schemenhaft durchs Bild, um kurz danach wieder im Sand abzutauchen und ein paar verstümmelte Leichen zurückzulassen. Das langweilt schon nach zehn Minuten und dürfte selbst zartbesaitetes Publikum kaum nennenswert verschrecken. Und zu guter Letzt ist es die Tatsache, dass sich Sand Sharks häufig einfach viel zu ernst nimmt – vor allem Reality-Soapstar Brooke Hogan (Hogan knows best) wirft all ihre schauspielerischen Fähigkeiten in die Waagschale, um halbwegs glaubhaft zu suggerieren, dass Dr. Sandy Powers gerade in einer bedrohlichen Lage steckt. So taugt
Sand Sharks
nicht einmal als kurzweiliger Horror-Trash in gemütlicher Runde. In Erinnerung bleibt allenfalls Hogans üppiges Dekolleté, dem Atkins nach einigen einleitenden Nahaufnahmen auf der Zielgeraden schließlich ein ausführliches Wippen in Zeitlupe einräumt. Immerhin.

 
Sand Sharks (Uncut)
R: Mark Atkins
B: Cameron Larson
K: Mark Atkins
D: Brooke Hogan, Corin Nemec, Gina Holden, Eric Scott Woods
USA 2011, 95 Min.
Splendid Film
Veröffentlichung: 30. März 2012
Bildformat: 16:9 anamorph (1,78:1)
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Niederländisch
FSK: ab 16