Seite auswählen

ringcon_14-artwork-v3-large-1

von Nicole Huber

Die RingCon 2014 – vom 17.-18. Oktober ereignete sich wieder einmal Europas größte Fantasy Convention mit einem breit gefächerten Angebot aus Panels von Stargästen, verschiedenen Vorträgen, Workshops, Konzerten und natürlich den berühmten RingCon Partys. Wir waren live vor Ort in Bonn, um die außergewöhnliche Con-Stimmung einzufangen.

Ein großer Schwerpunkt der RingCon waren natürlich die zahlreichen Stargäste, die aus verschiedensten fantastischen Film- und TV-Produktionen für ein Wochenende zusammen kamen. Somit war Peter Jacksons THE HOBBIT durch Manu Bennett vertreten, der Azog, den Orkanführer und Erzfeind Thorins, darstellt. Der Kinofilm NORTHMEN – A VIKING SAGA (Kinostart 23.10.2014) wurde gleich von drei Darstellern repräsentiert; so fanden sich Tom Hopper alias Wikinger-Anführer Asbjörn, Ken Duken alias Bogenschütze Thorald und Anatole Taubman als karpatischer Söldner Bovarr auf der Convention ein. Dass ihr Panel den Rahmen einer Promotion-Veranstaltung hatte, glichen die Schauspieler mit ihrem sympathischen Auftreten aus; ein Eindruck, der sich auch in unserem Interview mit den Nordmännern bestätigt hat. Insgesamt waren aber besonders TV-Serien zahlreich vertreten – gerade der Erfolgshit GAME OF THRONES bildete mit insgesamt sieben anwesenden Schauspielern einen Schwerpunkt. Dabei sind einige von ihnen nicht zum ersten Mal auf der RingCon – Finn Jones alias Loras Tyrell ist sogar bereits zum dritten Mal in Folge dabei und zeigte sich nach wie vor begeistert vom einmaligen Erlebnis der RingCon. Dass auch Vampir-Serien nichts von ihrer Beliebtheit verloren haben, bewies die Anwesenheit der Schauspieler Riley Smith (TRUE BLOOD) sowie Nathaniel Buzolic und Sebastian Roché (THE VAMPIRE DIARIES), die allesamt groß gefeiert wurden. Insgesamt war die männliche Mehrheit der prominenten Gäste dieses Jahr besonders auffällig– abgesehen von RingCon Urgestein Lori Dungey vertrat nur noch Gemma Whelan das weibliche Geschlecht unter den Con-Stars. Ob das wohl mit dem vorwiegend weiblichen Publikum zusammenhängt?

Doch trotz der vielen Stars betont die RingCon in ihrem ganzen Konzept immer wieder die Rolle der Fans; so ist die Con schließlich von ihnen ins Leben gerufen und auch für sie gemacht. Entsprechend verabschiedete sich Finn Jones in der Closing Ceremony mit der Feststellung, dass gerade Fans die wahren Stars der Convention seien. In der Tat soll bei der RingCon kein fanatischer Starkult im Vordergrund stehen. Stattdessen wird vor allem die Auseinandersetzung der Fanbase mit dem Stoff der fantastischen Geschichten und Figuren ermöglicht. Somit wurden in Workshops und Wettbewerben zahlreiche Möglichkeiten angeboten, um die Begeisterung für Fantasy kreativ auszuleben. Aber auch in den Panels wurde großen Wert auf Publikumsbezogenheit gelegt, sind sie doch in erster Linie dafür gedacht, die Fragen der Fans zu beantworten. Das klassische Frage-Antwort-Prinzip wurde in einzelnen Fällen jedoch gebrochen. So verwandelte Sebastian Roché seine Panels regelrecht in eine Party und genoss sichtlich das Rampenlicht und die Aufmerksamkeit der Zuschauer. Als Entertainer sehr talentiert schaukelte er sein Publikum, wie es ihm gefiel – und traf dabei aber durchaus auch auf selbstbewusste Gegenstimmen. Ein paar junge Con-Besucherinnen tanzten nicht nach seiner Pfeife und bestanden hartnäckig auf ihren Fragen. Es war insgesamt ungemein interessant, wie unterschiedlich sich die Panels der verschiedenen Gäste gestalteten: Von Rochés One-Man-Show zu der Promotion-Veranstaltung der NORTHMEN, vom eher reservierten Alfie Allen bis zu Manu Bennett, der offen persönliche Erfahrungen austauschte, war alles möglich.

Die Vielfalt der Gestaltungen ihres individuellen Panels spiegelte die Bandbreite an Persönlichkeiten wider, auf die man hier traf. Es ging um das Kennenlernen der Schauspieler als Person an sich, abseits der Schilderungen aus den Medien. Für den eher schüchternen Tom Hopper stellte gerade diese Präsentation der eigenen Persönlichkeit eine Herausforderung dar: Er erklärte, dass es für ihn viel leichter sei, eine Rolle auf der Bühne zu spielen als auf ihr zu stehen und tatsächlich er selbst zu sein. Die Rolle als Schutz, um die eigene Identität zu verstecken – doch auf der RingCon präsentieren die Schauspieler nur sich selbst, nicht mehr und nicht weniger. Besonders beeindruckend war die Offenheit und Herzlichkeit, mit der einige von ihnen den Con-Besuchern begegneten – und mit der sie umgekehrt von diesen empfangen wurden. Besonders James Cosmo war absolut rührend (und selbst gerührt zugleich), als er in seinem Panel erklärte, dass er im Vergleich mit den amerikanischen Größen unter den Conventions noch niemals so warm empfangen wurde wie hier. Ein großes Kompliment an die Fans und die RingCon, bedenkt man, dass Cosmo seit 50 Jahren im Filmgeschäft tätig und sehr erfahren in der Branche ist. Auch wenn er als Darsteller des Lord Commander Mormont hauptsächlich ein Vertreter des GAME OF THRONES-Casts war, seine Herzlichkeit ließ automatisch die Zuschauer an seine Rolle des freundlichen Father Christmas aus THE CHRONICLES OF NARNIA: THE LION, THE WITCH AND THE WARDROBE denken, dank der Cosmo einen eigenen kleinen „magischen“ Moment erleben durfte: Während er sich im Supermarkt ganz in das Käseregal vertiefte, trat plötzlich ein kleines Mädchen vorsichtig neben ihn und fragte flüsternd, ob er es sei, Father Christmas. Cosmo nickte ernst und im stummen Einverständnis über dieses Geheimnisses ging jeder seiner Wege.

Auch Manu Bennett bestach durch seine Offenheit: er scheute sich nicht von Schicksalsschlägen wie den frühen Verlust seiner Mutter und seines Bruders oder die schwierige Schulzeit zu erzählen. Genauso berichtete er über seine persönlichen Erlebnisse am Set und stimmte mit dem Publikum zu Ehren des verstorbenen Andy Whitfield aus SPARTACUS: BLOOD AND SAND den traditionellen neuseeländischen „Ka Mate“-Haku an. Während die für Conventions typische kommerzielle Vermarktung von Autogrammen und Fotosessions mit den Stars ganz klar auf den Starkult deuten, zeigen die zahlreichen Gespräche den Menschen hinter der stilisierten Star-Persona auf. Man bekommt einen authentischen Eindruck der Personen an sich. So konnte es durchaus passieren, dass man bei den Partys nach dem offiziellen Programm an der Pianobar mit Daniel Portman ins Gespräch kam oder mit Roché auf der Tanzfläche landete. Auf Augenhöhe mit all den anderen Gästen konnte man die Schauspieler ungezwungen auf der Terrasse oder im Hotel begegnen, Gekreische und Hysterie war fehl am Platz.

Neben den Schauspielern rückten allerdings auch die Fantasy-Produktionen selbst oft in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit; Diskussionen um Charaktere und Dreharbeiten kamen dabei nicht zu kurz. So wurden zum Beispiel Einblicke hinter die Kulissen der Erfolgsserie GAME OF THRONES geboten. Die Besucher erfuhren etwa, dass Alfie Allens Folterszenen nicht nur tatsächlich hart und unbequem waren, sondern dass er auch noch immer dabei ist, Theons intensive Moat Cailin-Szene aus THE MOUNTAIN AND THE VIPER zu verarbeiten. Kristian Nairn alias Hodor verriet, dass den Kaninchen, die in der Serie von Meera und Osha gehäutet wurden, auch tatsächlich von den Darstellerinnen das Fell über die Ohren gezogen wurde – was ihn sichtlich traumatisierte. Auch der Dreh einer Szene mit abgerichteten Wachhunden ließ Gemma Whelan die Angst ihrer Figur sehr real nachempfinden und Cosmo beteuerte die unerbittliche Kälte der isländischen Drehorte für die „Wall“. Trotz Thermoanzug unter dem Kostüm und dickem Fellumhang war er stets am Frieren. Der Schauspieler des in der Serie grimmigen und hart gesottenen Lord Commanders outete sich in dieser Hinsicht lachend als „Softie“.

Dagegen schilderte Manu Bennett lebhaft, wie er bei den Dreharbeiten zu THE HOBBIT Peter Jackson mit seinen Ideen dazu brachte, den anderweitig grausamen Ork Azog doch ein paar Momente der Zuneigung zu widmen, indem er eine fast schon zärtliche Beziehung zu seinem furchteinflößenden Warg etablierte. Die Ironie hierbei ist, dass der Riesenwolf gänzlich animiert wurde und Bennett somit lediglich mit seiner Imagination den Warg zum Leben erweckte, um eine intime Beziehung zu ihm darzustellen. Genau diese schwerpunktmäßigen Animationen wurden von Seiten der Fans im Panel durchaus auch kritisiert: Azog ist ebenfalls völlig animiert und steht damit im direkten Gegensatz zu den mit detailreichen Masken ausgestatteten Orks und Uruk-Hai aus THE LORD OF THE RINGS. Doch genau dieser Dialog zwischen Fans und Stars wird hier gesucht: Für Bennett ist einer der Hauptbestandteile von Conventions die Diskussion der Rezeption und die Analyse der Filme und Serien, bei denen er mitgewirkt hat. Die Convention eröffnet einen spannenden Prozess, bei dem mehr aus dem ursprünglichen Stoff gewonnen wird und sich neue Perspektiven ergeben. Und auch wenn sich der ein oder andere Autogrammjäger unter den Con-Besuchern befand, viel mehr wert als ein gemeinsames Foto war doch der Austausch und die Leidenschaft für die fantastischen Geschichten, der sich mehr noch jenseits der Panels ereignet hat. Dazu lest ihr hier mehr.