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Wachstumsschub in Westeros: Mit den Drachen von Daenerys haben auch die CGI-Effekte von GAME OF THRONES zwischen den Staffeln wieder einmal eine erschreckend rasante Entwicklung vollführt. © HBO

Wachstumsschub in Westeros: Mit den Drachen von Daenerys haben auch die CGI-Effekte von GAME OF THRONES zwischen den Staffeln wieder einmal eine erschreckend rasante Entwicklung vollführt. © HBO

Am 6. April ging HBOs erfolgreiche Fantasy-Serie GAME OF THRONES in die vierte Runde – und brachte mit seinem Staffelauftakt TWO SWORDS wenige Stunden nach der Premiere den Streaming Service des Pay TV-Senders zum Zusammenbruch. Aufgrund des weltweiten Andrangs war für einige HBO GO-Kunden die neueste GAME OF THRONES-Folge für Stunden nicht abrufbar. Die Folge brachte HBO die größten Einschaltquoten seit dem Finale von THE SOPRANOS. Die Begeisterung der Zuschauer steigt von Staffel zu Staffel – und mit ihr die Erwartung. Showrunner David Benioff und D.B. Weiss sind um diesen wachsenden Druck wirklich nicht zu beneiden. Dennoch haben sie mit TWO SWORDS einen souveränen Start in die vierte Staffel vorgelegt, der den Weg vorgibt für neue Katastrophen in Westeros.

A Song of Ice and Fire

Wieder einmal eröffnet GAME OF THRONES seine neueste Staffel mit einem ausdrucksstarken cold open. Es scheint fast so, als ob sich ein Muster abzeichnet: Während die White Walker-Prologe zu Beginn der ersten und dritten Staffel ganz von einem kühlen Eis-Motiv durchzogen waren, steigt die vierte Staffel ähnlich der Sequenz mit dem roten Kometen aus Staffel 2 mit dem Sinnbild des Feuers ein. Das leuchtende Rot und die lodernden Flammen verdeutlichen jedoch nicht den Aufstieg der Drachenmutter Daenerys oder den fanatischen Feuerkult am Hof von Stannis Baratheon, sondern den vernichtenden Triumph der Lannisters über das Haus Stark.

Vor den Augen des Familienoberhauptes Tywin Lannister wird Eddard Starks „absurd-großes“ Schwert Ice eingeschmolzen und zu zwei neuen Schwertern verarbeitet. Ein endgültiges Zeichen. Mit dem Einschmelzen des Stark-Schwertes werden die letzten Insignien einer verlorenen Ritter-Romantik ausgelöscht: Tapferkeit, Gerechtigkeit, Ehre. Alles, was einst den Starks gehörte, geht nun in den Besitz der Lannisters über. In dieser symbolischen wie auch materiellen Wiederverwertung demonstriert Tywin Lannister seinen kühlen Pragmatismus und die Verachtung vor allem Heiligen, Ideellen. Ihn interessiert nicht der Bedeutungsgehalt des Schwertes, sondern allein sein wertvoller valyrischer Stahl. Anschließend übergibt er die Scheide des Schwertes – ein Wolfsfell – dem Feuer: Haus Stark ist nicht mehr. Tiefe Streicher intonieren imposant das Leitmotiv der Lannisters, The Rains of Castamere. Es ist die Hymne auf die Überlegenheit der Familie von Casterly Rock, jene verhängnisvolle Melodie, welche die Rote Hochzeit einleitete, Tywins Lied vom Sieg über Haus Reyne und nun auch über die Starks. Ist der mächtigste Mann von Westeros überhaupt zu besiegen?

Something’s changed

Der eindrucksvolle Einstieg in TWO SWORDS verdeutlicht, wie sehr sich das Geschehen nach der dritten Staffel geändert hat. Der Krieg ist so gut wie gewonnen. Die Lannisters ergötzen sich in ihrem Triumph – von Familienoberhaupt bis zum einfachen Soldaten. Doch lässt TWO SWORDS bereits Risse im Fundament erkennen: Obwohl nach außen gefestigter denn je, drohen die Lannisters von innen her an den Konflikten der einzelnen Familienmitglieder zu zerfallen. Schließlich nehmen die Veränderungen im Norden Einfluss auf den Süden. In King’s Landing stehen große und kleine Dinge im Wandel.

Bei seiner Ankunft in King‘ Landing sorgt Prinz Oberyn Martell mit seiner Geliebten Ellaria Sand bereits für einigen Wirbel – und schenkt dem Zuschauer der vierten Staffel GAME OF THRONES die ersten Momente frontaler Nacktheit und übermäßiger Gewalt. © HBO

Bei seiner Ankunft in King‘ Landing sorgt Prinz Oberyn Martell mit seiner Geliebten Ellaria Sand bereits für einigen Wirbel – und schenkt dem Zuschauer der vierten Staffel GAME OF THRONES die ersten Momente frontaler Nacktheit und übermäßiger Gewalt. © HBO

Die bevorstehende Hochzeit zwischen König Joffrey und Margaery Tyrell setzt bereits einige Räder in Bewegung. Das Großereignis wird mit Sicherheit ein visueller Höhepunkt der laufenden Staffel sein – Die Kombination von Joffreys größenwahnsinniger Prunksucht, Cerseis Eitelkeit und dem Geldbeutel von Tywin Lannister verspricht jedenfalls ein großes Spektakel. Doch auch dramaturgisch könnte sich die Hochzeit als bedeutender Wendepunkt erweisen, immerhin werden an der Festgesellschaft einige Parteien teilnehmen, die nicht gerade freundliche Gedanken für den jungen König hegen. Da wären zum Beispiel die angehende Königin Margaery selbst, ihre scharfsinnige Großmutter Lady Olenna sowie der Rest des Hauses Tyrell, deren Ambitionen durch Tywins Geschick am Ende der dritten Staffel zwar durchkreuzt, aber nicht beseitigt wurden. Oder Sansa Stark, die keinem Lannister die Schandtaten der Roten Hochzeit verzeihen wird und in dem Narren und ehemaligen Ritter Ser Dontos einen neuen Verbündeten gefunden hat, der in ihrer Schuld steht.

Am vielversprechendsten scheint allerdings die Gesandtschaft aus Dorne zu sein. Prinz Oberyn Martell, genannt die Rote Viper, zeichnete sich in seinem starken Debüt in TWO SWORDS vor allem durch drei Dinge aus: Gewaltbereitschaft, Unberechenbarkeit und einen unbändigen Hass auf die Lannister, die er für den Tod seiner Schwester Elia verantwortlich macht. Während der Rebellion hatte Ser Gregor Clegane die Frau des Prinzen Rhaegar Targaryen sowie deren junge Kinder auf scheußliche Art ermordet – angeblich im Auftrag von Tywin Lannister. Dass sich die Rote Viper jetzt in King’s Landing befindet, sollte für die Lannisters ebenso besorgniserregend sein wie die Tatsache, dass das Haus Martell bisher noch keine Partei im Krieg der Fünf Könige ergriffen hat.

Everything’s changed

Die Veränderungen in King’s Landing haben deutliche Spuren an seinen Bewohnern hinterlassen. Man braucht in TWO SWORDS nur einen genauen Blick in die Gesichter von Jaime und Tyrion Lannister zu werfen und man sieht, dank des herausragenden Schauspiels von Nikolaj Coster-Waldau und Peter Dinklage, wie stark sich die Charaktere seit ihrem ersten Auftritt in WINTER IS COMING gewandelt haben. Nehmen wir Tyrion: Das schiefe Grinsen des lebenshungrigen Kobolds ist der ernsten Miene eines Kriegsversehrten gewichen. Statt den Tag in vollen Zügen auszukosten, bewegt er sich in ständiger Sorge, das Morgen nicht mehr erleben zu können. Beim Empfang der Gesandtschaft aus Dorne verhaspelt er sich in diplomatischen Floskeln, nervös lehnt er bei seiner Begegnung mit Oberyn Martell dessen Angebot auf einen schönen Nachmittag in Littlefingers Bordellhaus ab – vor zwei Staffeln noch undenkbar!

Die enorme Verantwortung, die Tyrion in King’s Landing zu tragen hat, sowie die ständige Furcht, von seiner Schwester, seinem Vater oder seinem Neffen im Schlaf umgebracht zu werden, haben ihn um sein unbeschwertes Lachen gebracht. Er tut das, was er für das moralisch Richtige hält – und nimmt dadurch mehr und mehr Unglück auf sich. So will er seine Frau Sansa vor den Schrecken seiner Familie bewahren und erntet dafür nur Hass; er distanziert sich von seiner Liebe Shae, um sie nicht in Gefahr zu bringen und droht dadurch, sie tatsächlich zu verlieren. Dass Cersei durch ihre Zofe von der heimlichen Liebschaft zwischen Shae und Tyrion erfahren hat, wird es auch nicht gerade einfacher für ihn machen.

Kurze Haare, ernster Blick, goldene Hand: Jaime Lannister ist nach seiner Ankunft in King’s Landing nicht mehr wieder zu erkennen. © HBO

Kurze Haare, ernster Blick, goldene Hand: Jaime Lannister ist nach seiner Ankunft in King’s Landing nicht mehr wieder zu erkennen. © HBO

Die Figur mit der interessantesten Wandlung ist Jaime. Bei seiner Rückkehr nach King’s Landing findet seine Familie einen neuen Menschen vor. Obwohl der Zeitraum ihrer Trennung sich in einem überschaubaren Rahmen bewegt, haben sich das Geschwister-/Liebespaar Jaime und Cersei deutlich voneinander entfremdet. Interessanterweise geht die Distanzierung vor allem von Cersei aus: In ihrer wachsenden Irrationalität wirft sie ihrem Zwillingsbruder vor, nicht schnell genug aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt zu sein. Seine abenteuerliche Rückkehr wird ihm nicht als Triumph, sondern als Niederlage angerechnet. Seine Verwundung wird zur Zielscheibe des Hohns seines Vaters und sogar seines Sohnes, König Joffrey. Beginnt Jaime über seine blinde Liebe hinaus seine Familie nun als das zu sehen, was sie wirklich ist? Die Zeichen stehen gut, dass aus Jaime ein neuer Tyrion wird. Immerhin hat er seinem Vater in TWO SWORDS ebenso schlagfertig die Stirn geboten, wie es bisher nur seinem kleinwüchsiger Bruder vorbehalten war.

Heimkehrer hatten es nicht leicht in dieser Episode. Bei seiner Rückkehr an der Mauer erzählte Jon Snow seinen Brüdern der Nachtwache alles über sein Doppelleben als Wildling, von Qhorins Tod, Mance Rayder und Ygritte. Entschlossen wartet er das Urteil der Nachtwache ab. Egal, welche Absichten dahinter gesteckt haben mögen, auf der Mauer steht für Eidbruch der Tod. Jon wird verurteilt, doch schiebt Maester Aemon die Vollstreckung seines Urteils vorerst auf – im drohenden Angriff der Wildlinge zählt jeder Mann.

Jenseits der Mauer baut sich die Bedrohung durch die Wildlinge weiter auf. Neben Riesen und Wargs wird der Zuschauer in TWO SWORDS über Ygritte mit einer neuen Gefahr bekannt gemacht: Kannibalen. Angeführt vom kaltblütigen Styr, will der gut ausgerüstete Stamm der Thenns den Krähen der Nachtwache nicht nur ans Leder, sondern tatsächlich ans Fleisch. Mit ihren selbstvernarbten Körpern und degenerativen Tendenzen erfüllen sie perfekt die westlichen Angstfantasien vom unzivilisierten „Wilden“ – und erinnern dabei stark an die Perser aus Frank Millers 300.

Fuck the King

Auf der anderen Seite der Narrow Sea hat Dany wiederum mit ganz anderen Veränderungen zu kämpfen. Zwar bewegt sie sich immer noch von Punkt A nach B, doch hat sich im Verlauf der Staffeln ihr Ziel ebenso geändert wie ihr Weg. Statt endlich mit ihren Drachen und ihrer Eunuchen-Armee nach Westeros überzusiedeln, um den Iron Throne zu beanspruchen, hat sie sich nun darauf verschworen, in Essos die Sklaverei abzuschaffen. Da jedoch die einheimischen Städte ihre fortschrittlichen Ideen von Freiheit und Menschenwürde nicht teilen, müssen sie befriedet werden. Dany ist zur Imperialistin geworden. Sie will eine Welt mit Gewalt verändern, die sie weder kennt noch versteht, und wundert sich über den fanatischen Widerstand, den sie erfährt. Dass ihr Weg zur nächsten Sklavenstadt Meereen mit Wegweisern aus Sklavenleichen versehen ist, versteht sie nicht als Warnung, sondern nur Bestärkung in ihrem Treiben, Grausamkeit mit Grausamkeit zu beantworten. Wird sie über die Situation bald ebenso die Kontrolle verlieren wie über ihre aggressiver werdenen Drachen?

Mit Aryas Handlungsstrang findet TWO SWORDS ein stark inszeniertes wie auch gewaltvolles Ende. © HBO

Mit Aryas Handlungsstrang findet TWO SWORDS ein stark inszeniertes wie auch gewaltvolles Ende. © HBO

Rache als treibende Kraft. Viele Figuren in Westeros werden von dem einzelnen Gedanken getrieben, Vergeltung für das erfahrene Leid und den Tod geliebter Personen zu üben. Überall auf dem fiktiven Kontinent folgt man der primitivsten aller Rechtsprechungen: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Obwohl man es als Zuschauer aus einer moralischen Distanz heraus verurteilt, kommt es in GAME OF THRONES immer wieder zu Situationen, bei denen man sich dabei ertappt, an der Genugtuung einer Figur nach erfolgtem Racheakt teilzuhaben.

Zu einer ebensolchen Situation verführte die letzte Szene aus TWO SWORDS, in der Arya auf einen Peiniger aus alten Tagen trifft. Geschickt wird hier mit den Emotionen des Zuschauers gespielt: Vom Einstieg in die Episode bis zur letzten Szene wird dem Zuschauer wiederholt die Folgen der Roten Hochzeit, der unehrenhafte Sieg der Lannisters und die abrupte wie auch grausame Vernichtung der Starks vor Augen führt – jener Familie, mit welcher der Zuschauer in die Welt von GAME OF THRONES eingestiegen und für die er die größten Sympathien aufgebaut hat. Seit Beginn der Serie wird unser banaler Gerechtigkeitssinn herausgefordert: Die Guten, allen voran die Starks, müssen für ihre Rechtschaffenheit leiden, während die Schlechten mit ihren Schandtaten erfolgreich sind. In TWO SWORDS betreten Arya und Sandor Clegane ein Wirtshaus, in dem eine Gruppe Lannister-Soldaten gerade dabei sind, auf Kosten des Wirts zu speisen und dessen Tochter zu vergewaltigen. Sie können sich alles erlauben, denn sie tragen die Farben des Königs, des Siegers, und fühlen sich unantastbar.

Und ehe man sich versieht, findet man sich auf der Seite der Zyniker wieder, jener Figuren in Westeros, die dazu übergegangen sind, zurückzubeißen, bevor sie noch weiter von der Welt verletzt werden können. „Fuck the King“, spuckt Clegane dem Anführer der Soldaten ins Gesicht. Ja! Wieso auch nicht? Dass Minuten später Arya ihre Klinge langsam in den Hals dieses Anführers schiebt, der sich als Mörder ihres Freundes Lommy herausstellt, erweckt eine gewisse Genugtuung, was eigentlich Bestürzung auslösen sollte. Hervorragend inszeniert und gespielt, hinterlässt die Szene einen bitteren Beigeschmack. Die junge Arya ist dabei, ein echtes Talent zu entwickeln – und hat an ihrer Seite einen der fähigsten Menschen, der ihr helfen kann, es zu perfektionieren. Sie hat ihre Bestimmung gefunden: Sie ist eine Killerin.

All men must die

Die spannende stand-off-Situation im Wirtshaus zwischen Sandor Clegane und den Lannister-Soldaten eskaliert zum Blutbad. Im Anschluss an die Szene werden die End Credits begleitet von der eingängigen GAME OF THRONES-Titelmelodie. Steht die gewaltvolle Szene exemplarisch für die ganze Serie? © HBO

Die spannende stand-off-Situation im Wirtshaus zwischen Sandor Clegane und den Lannister-Soldaten eskaliert zum Blutbad. Im Anschluss an die Szene werden die End Credits begleitet von der eingängigen GAME OF THRONES-Titelmelodie. Steht die gewaltvolle Szene exemplarisch für die ganze Serie? © HBO

Immer wieder loben Kritiker und Fans von GAME OF THRONES die Ambivalenz der Serie – Das epische Fantasy-Drama verzichte auf einfache Schwarz-Weiß-Malerei zugunsten eines ausdifferenzierten Weltbildes. Szenen wie das Ende von TWO SWORDS werfen jedoch Zweifel an dieser Beurteilung auf. Die Welt von Westeros ist eine düstere Welt. Anschaulich werden dem Zuschauer die Brutalitäten des Krieges, des Menschen an sich vor Augen geführt, bis es wirklich wehtut. Unglück, Tragik und Tod geben sich die Klinke in die Hand. Sollte eine Figur tatsächlich so etwas wie Glück empfinden – wie etwa Robb mit seiner Frau Talisa – dann bedeutet dies nur einen höherer Grund, von dem sie noch tiefer ins Verderben stürzt. Die einzige Möglichkeit, dem Schrecken zu entkommen, scheint darin zu liegen, ihn weiterzureichen. Schließlich ist Aryas Ermordung von Polliver am Ende von TWO SWORDS nur eine Ersatzhandlung: Sie kann weder Joffrey, noch Cersei, geschweige denn Tywin Lannister ihre Klinge an den Hals halten, also muss der nächstbeste Schurke hinhalten. Natürlich, Polliver war ein Scheusal und hat Leid über Arya gebracht, aber sein Tod wird für sie nur einen leeren Moment der Genugtuung bringen, nicht aber die Erlösung. An so etwas glaubt man in Westeros ohnehin nicht mehr.

GAME OF THRONES wälzt sich gern in einer grausamen Schauerromantik. „All men must die“ lautet die Tagline dieser Staffel. Es ist ein gängiges Sprichwort in der diegetischen Welt von GAME OF THRONES, das sich allzu oft bewahrheitet hat, eine alltägliche Grußformel, mit der man sich in Braavos anredet: valar morghulis. Kann man da noch von einem komplexen Weltbild sprechen, wenn statt weißer und dunkler Kontraste alles nur noch schwarz gemalt wird?

Kontraktion statt Expansion

TWO SWORDS war eine kompakte Folge. Ihre Intensität hat sie aus der Fokussierung auf King’s Landing und „lediglich“ vier weiteren Nebenschauplätzen gewonnen: „Nur“ 18 der insgesamt 25 regulären Cast-Mitglieder waren zu sehen. Im Vorspann der Folge wurden mehr Schauplätze angekündigt, als wirklich bedient wurden – der Boltonsitz Dreadfort kam ebenso wenig zum Zug wie Stannis Baratheons Dragonstone. Wie üblich für GAME OF THRONES wird die Exposition der Staffel erst mit Ende der zweiten Episode abgeschlossen sein. Eine willkommene Herangehensweise, haben sich doch im Verlauf der Serie die Folgen am stärksten erwiesen, die sich auf eine überschaubare Anzahl an Erzählsträngen und Schauplätzen konzentriert haben.

Kontraktion statt Expansion. In einem lesenswerten Interview mit TV-Kritiker Alan Sepinwall haben D.B. Weiss und David Benioff angekündigt, dass sich mit der vierten Staffel von GAME OF THRONES das Erzähluniversum der Serie nicht noch weiter ausweitet, sondern beginnt, sich wieder zusammenzuziehen. Figuren, die bisher nur in voneinander getrennten Erzählsträngen aufgetaucht sind, werden sich zum ersten Mal in einem gemeinsamen Bild befinden – die damit verbundenen Kollisionen bilden den Zündstoff der Staffel. Bleibt abzuwarten, was sich hinter den vielversprechenden Worten der Serienschöpfer verbirgt. Eins ist jedoch klar: Mit der vierten Staffel hat die Serie die Hälfte des Weges bereits hinter sich gelassen. Zwar gab HBO nach dem phänomenalen Start von TWO SWORDS grünes Licht für zwei weitere Staffeln, doch ist bereits ein absehbares Ende am Horizont erkennbar. Wie immer schielen an dieser Stelle die Fans der Bücher besorgt auf George R.R. Martin, dessen nächstes Buch THE WINDS OF WINTER nicht vor 2015 erscheinen wird. Spannender noch als die Frage, ob er seine A SONG OF ICE AND FIRE-Reihe fertigstellen wird, bevor die Serie ihn einholt, gestaltet sich die Überlegung, was dieses ungewöhnliche, aber nicht unwahrscheinliche Szenario für GAME OF THRONES bedeutet.

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