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The Whole Shebang – GAME OF THRONES: THE WINDS OF WINTER (S06E10)

von | 28 Jun 2016 | Game of Thrones | 17 Kommentare

Der Wind dreht sich. Zum Finale der sechsten Staffel GAME OF THRONES werden die Machtverhältnisse verkehrt. Hauptfiguren, die in MOTHER’S MERCY ihren Tiefpunkt erreicht haben, wagen erneut den Aufstieg und sind in THE WINDS OF WINTER mächtiger als je zuvor: Der wiederbelebte Jon Snow wird in Winterfell zum neuen König im Norden ausgerufen, Cersei entledigt sich mit einem Schlag ihrer ganzen Feinde und besteigt den Eisernen Thron, während Dany mit ihren neuen und alten Verbündeten endlich gen Westen segelt. Das Rad der Macht dreht sich unaufhörlich weiter, vertauscht Oben und Unten und lässt die Geschichte sich wiederholen: Erneut proklamiert der Norden seine Unabhängigkeit, wieder steht Westeros vor einem Eroberungsfeldzug der Targaryens. Wie oft muss es sich noch drehen, bis von den Sieben Königreichen nur noch Staub, Asche und Schnee übrig ist?

THE WINDS OF WINTER überzeugt als lang erwarteter Höhepunkt der sechsten Staffel, der das lange Harren der letzten Folgen mit einer der besten Episoden der Serie prämiert. Das Geheimnis des Erfolgs liegt nicht zuletzt in der richtigen Mischung aus großem Spektakel und kleinen emotionalen Momenten, so dass die Figuren bei aller Epik ihre menschliche Tiefe nicht verlieren. Darüber hinaus wird THE WINDS OF WINTER dem Zuschauer als das wahrscheinlich befriedigendste Finale der ganzen Serie im Gedächtnis bleiben. Sehnsüchte und Wünsche, die man zum Teil seit Anbeginn der Geschichte hegt, treten in Erfüllung, überfällige Rechnungen werden beglichen. Das long play der Erzählung belohnt den geduldigen Zuschauer mit ersten Payoffs: Bran lüftet das (offene) Geheimnis von Jons Mutter, Arya rächt die Red Wedding, Dorne wird endlich interessant und das mahnende Motto von Haus Stark Wirklichkeit: Winter is here.

 Diese Folge in Zahlen:

Hauptfiguren

Orte

Erste Auftritte

Letzte Auftritte

Suspense statt Überraschung

Cersei ist wieder oben auf und hat ihren Spaß, an ihren Peinigern wie der Septa Unella ihre grausame Rache zu verüben.

THE WINDS OF WINTER setzt den Kurs von BATTLE OF THE BASTARDS fort: Nach Meereen und Winterfell findet jetzt der letzte große Krisenherd der Staffel seine spektakuläre Auflösung: Am Tag ihrer Verhandlung greift Cersei in King’s Landing zu äußersten Mitteln, um die Situation für sich zu entscheiden. Statt sich dem Urteil von sieben Gottesmännern auszusetzen, sprengt die Königsmutter die ganze Sept durch unterirdisch gelagertes Wildfire in die Luft. Mit einem Weinkelch in der Hand und bekannt süffisantem Grinsen schaut sie vom Red Keep aus zu, wie nicht nur der Faith Militant mitsamt dem High Sparrow in grünen Flammen aufgeht, sondern auch der versammelte Hof, darunter Lord Mace Tyrell, Königin Margaery und ihr Onkel Kevan. Der anschließende Selbstmord von König Tommen, der im Anblick des grausigen Triumphs seiner Mutter aus dem Fenster sprang, war nicht Teil des Plans, aber willkommener Umstand, um die Herrschaft über die Sieben Königreiche anzutreten.

Wie schon die zwei Schlachten in BATTLE OF THE BASTARDS ist auch Cerseis coup de force in THE WINDS OF WINTER von Regisseur Miguel Sapochnik bildgewaltig in Szene gesetzt. Dabei legt er stärker noch als bei der zweiten Belagerung von Meereen oder dem Kampf um Winterfell den Fokus von dem schockierenden Ausgang der Handlung auf ihre spannungsgeladene Ausführung. Bei allen drei Schauplätzen war der Konfliktausgang für den aufmerksamen Zuschauer voraussehbar und wenig verblüffend. So waren die Hinweise auf das grüne INferno bereits in vorangegangenen Folgen breit gesät. Ins Staunen gerät man trotzdem durch die hervorragende Inszenierung der Sequenz, in der die Katastrophe mit dem ersten Bild unausweichlich näher rückt und der Zuschauer darum bangt, ob auch die Figuren die Zeichen richtig deuten, um der Todesgefahr zu entkommen. Hitchcock’scher Suspense in Reinform.

He made a King’s Landing: Ein verwirrter Teenager stürzt sich aus dem Fenster. Wäre Cersei in diesem Moment da gewesen, hätte sie ihren Sohn Tommen vielleicht von dieser Verzweiflungstat abhalten können.

Während sich Tommen, Margaery und der High Sparrow die Kleidung für ihren großen Tag in der Sept anlegen, streift sich Cersei ihr neues „Dunkle-Königin“-Outfit über, in dem sie sich später krönen lässt. Alles läuft nach Plan für Cerseis Feinde: Ser Loras gesteht seine Sünden, bekennt sich zum Glauben und wird vom High Sparrow begnadigt. Doch beginnen eingestreute Augenblicke Zweifel und Vorahnung zu sähen. Ser Gregor hindert König Tommen daran, sein Zimmer zu verlassen. Qyburn lockt Pycelle in sein Labor, eine Schar von Kindern umgibt den Grandmaester. Ein kleines Kind, das durch die Gassen und Katakomben von King’s Landing huscht, lässt Lancel in dem Moment das gelagerte Wildfire unter der Sept entdecken, in dem Cerseis Abwesenheit Margaery mit einer bösen Ahnung erfüllt. Die Bilder schrauben sich zu ihrem Höhepunkt: Lancel wird verwundet und kriecht zu den fast abgebrannten Kerzen, die das Wildfire entzünden werden. Margaery versucht vergeblich, die Sept zu verlassen. Die Kinder ziehen kurze Dolche aus den Ärmeln. Dann passiert ist: Die Kleinen stürzen sich auf Pycelle und stechen ihn nieder, das Wildfire entbrennt in den Katakomben, dringt zur Oberfläche, konsumiert den High Sparrow in Zeitlupe und bringt in Sekundenschnelle die Sept zum Einsturz. In Tommens Gemächern beobachtet der König entsetzt den Tod seiner Frau und seines Priesters. Langsam legt er die Krone ab und verlässt das Bild. Der wissende Blick der Kamera ruht auf dem offenen Fenster. Tommen betritt wieder das Bild, steigt in das Fenster und lässt sich fallen.

 

Montage, Kameraführung, nuanciertes Schauspiel und eine schicksalshaftee Musikbegleitung aus Cello und Klavier steigern den Bilderfluss zum Sog, aus dem es kein Entkommen gibt. Der in dieser Staffel oft aufgebrachte Vorwurf der Vorhersehbarkeit wird dank der Suspense-Inszenierung zur Stärke. So auch bei Brans Vision, die ihn mit seinem Vater die Stufen zum Tower auf Joy hinaufsteigen lässt. Die in OATHBREAKER angefangene Schlüsselszene wird in THE WINDS OF WINTER vollendet. Ned Stark stürmt in das Turmzimmer, aus der die Schreie seiner Schwester stammen. Er findet sie in einem Bett aus blutigen Laken liegen, umgeben von Hebammen statt Kriegern: Lyanna hat ein Kind geboren. Sterbend ringt sie ihrem überraschten Bruder ein Versprechen ab. Um jeden Preis soll er das Kind beschützen und seine Identität geheim halten, da es sonst dem Zorn von Robert Baratheon zum Opfer fallen wird. Ned hält das Baby hoch. Langsam öffnet es die Augen. Match Cut zu der Großaufnahme von Jon Snow, der den Zuschauer mit denselben dunklen Augen anschaut. Die wohl bekannteste Fan-Theorie findet ihre Bestätigung. R+L=J. Jon Snow ist der Sohn von Rhaegar Targaryen und Lyanna Stark. Jons Herkunft war ebenso wie seine Auferstehung kein wirklicher Schock. Doch im Gegensatz zu seiner lustlos abgehakten Rückkehr ist dieser Moment um Längen besser umgesetzt. Keine Enttäuschung, sondern eine freudige Bestätigung: Hab ich‘s mir doch gedacht!

Die Orte dieser Folge

All men must die

Komplementärbild zur letzten Einstellung von THE RAINS OF CASTAMERE: In Aryas Mord von Walder Frey spiegelt sich der Tod von Catelyn Stark, deren Kehle einst von Black Walder aufgeschlitzt wurde.

Valar morghulis. Das Credo des unausweichlichen Todes scheint besonders die uneingeschränkten Sympathieträger der Serie zu treffen. Nicht aus Zufall markiert der Beginn von GAME OF THRONES gleichzeitig den Anfang der langen Leidensgeschichte der Starks. Neds Berufung zur Hand des Königs und Brans Sturz aus dem Fenster lösen eine fatale Kettenreaktion aus, an dessen Ende Lord Tywin zu Beginn von TWO SWORDS das Haus symbolträchtig zu Grabe trägt. Die Starks sind zerschlagen, ihr Haushalt abgeschlachtet, die verbliebenen Kinder im ganzen Land verstreut. Auch in der sechsten Staffel müssen noch zwei weitere Schattenwölfe und ein Starkjunge (Rickon) dran glauben, bis sich in THE WINDS OF WINTER endlich ein Licht am Horizont abzeichnet: Winterfell wird wieder von den Starks regiert, die Burg nicht nur innerhalb der Erzählung, sondern auch im Vorspann der Folge vom scheußlichen Signum der Boltons befreit. Zudem erfährt Walder Frey durch die Hände von Arya Stark seine lang ersehnte Strafe für die Red Wedding. Unter dem falschen Gesicht eines Dienstmädchens serviert sie dem Lord der Twins eine Pastete bestehend aus seinen eigenen Söhnen Lothar und Black Walder, ehe sie ihm die Kehle durchschneidet. Die kaltblütige Rächerin, die schon in THE CHILDREN den Hound einem qualvollen Tod überließ und in MOTHER’S MERCY Ser Meryn Trant umbrachte, ist zurück.

 

Die siegreiche Rückkehr von Haus Stark wird jedoch überschattet von all diesen Kleinigkeiten, die schon in der King’s Landing-Sequenz signalisierten, dass das Glück täuschen kann. Jons Ausrufung zum „King in the North“ erinnert nur zu gut an die naive Euphorie, mit der schon Robb am Ende der ersten Staffel zum König ausgerufen wurde und viele Nordmänner ins Verderben rannten. Außerdem bilden sich feine Risse im Vertrauen zwischen Sansa und Jon. Sie hat ihm nichts von ihrer Korrespondenz mit Littlefinger erzählt, er hat sie nicht am Kriegsrat gegen Ramsay teilhaben lassen. Bewegen sich die wiedergefundenen „Geschwister“ (Jon ist, wie wir jetzt wissen, in Wirklichkeit ihr Cousin) auseinander? Zu allem Überfluss ist zu Jons Ausrufung zum König ausgerechnet der Mann im Saal anwesend, der für das Leid der Starks verantwortlich war: Littlefinger. Er hatte Neds Vorgänger Jon Arryn umbringen lassen und den Konflikt zwischen Lannisters und Starks erst angefacht. Sein düsterer Blick zu Sansa am Ende der Szene verspricht wenig Gutes – vor allem, weil er der Starktochter einen Moment zuvor seine wahren Absichten offengelegt hat: Er will den Eisernen Thron besteigen, mit Sansa an seiner Seite.

In einer rührenden Szene erkennt Dany endlich, was sie an Tyrion hat: Einen wertvollen Verbündeten und treuen Weggefährten.

Alle Menschen müssen sterben. Oder besser: Alle Männer müssen sterben. Mit dem Tod von Lord Mace Tyrell und Lord Walder Frey sind jetzt auch die letzten Patriarchen der großen Häuser verschwunden. Jon Arryn, Robert Baratheon, Eddard Stark, Hoster Tully, Tywin Lannister, Stannis Baratheon, Doran Martell, Roose Bolton, Balon Greyjoy, Walder Frey und Mace Tyrell: Im Krieg um Westeros weichen nicht nur die Alten den Jungen, sondern auch die Männer den Frauen. Das alte Motiv aus starken Männern und schwachen Frauen. Bezeichnenderweise umgibt sich Dany auf ihren Weg nach Westeros mit verletzten, „halben“ Männern und Eunuchen (Tyrion, Varys, Grey Worm, Theon) und lässt den wahren Macho Daario Naharis in Meereen zurück. Auch in Westeros bestehen ihre wichtigsten Verbündeten aus mächtigen Frauen: Ellaria Sand aus Dorne und eine verbitterte Lady Olenna Tyrell. Durch das Ablösen der Generationen und Geschlechter in der Herrschaft wird Westeros progressiver, aber nicht unbedingt besser. Immerhin folgen die Frauen auch nur den primitiven Methoden der Männer. Cersei, Arya, Olenna, Ellaria, Sansa, Yara und Dany folgen dem alten Motiv der Rache und der Wiedergutmachung von erlittenem Unrecht. Hoffentlich lernen sie aus den Fehlern der Männer und brechen endlich das Rad der Gewalt.

 

Die Zukunft von Westeros gehört den Frauen, den guten wie auch den bösen. Cerseis Machthunger, gepaart mit ihrer Paranoia, den schlechten Herrscherqualitäten und einer neuen Boshaftigkeit – der Tod von Tommen hat ihr den letzten Rest von Menschlichkeit genommen – versprechen keine gute Zukunft für Westeros. Ist die weiße Königin Dany da wirklich die Alternative? Beide Frauen machen den Eindruck einer weiblichen Version von King Robert: Sie sind geboren, um zu erobern, nicht zu herrschen. Immerhin hat Dany einen entscheidenden Vorteil. Sie kann sich auf den guten Rat ihrer neuen Freunde verlassen, allen voran Tyrion. Bevor die imposante Einstellung ihrer riesigen Armada und den darüber gleitenden Drachen das Staffelfinale vielversprechend ausklingen lässt, beweist Dany ihre wahre Größe in einer starken Szene mit Tyrion. Vom Thron herabsteigend setzt sie sich zu ihrem neuen Berater und unterhält sich mit ihm auf Augenhöhe. Wir erleben sie nicht als die steinharte Eroberin, die sie in dieser Staffel so oft an den Tag legte, sondern als ein verletzliches, unsicheres Mädchen, das die Hilfe eines guten Freundes bedarf. Den wichtigsten Titel, den die Breaker of Chains, Mother of Dragons, Khaleesi of the Great Grass Sea, Queen of the Andals, the Rhoynar and the First Men, usw. zu bieten hat, ist der, den sie an Tyrion verleiht: Hand of the Queen. Sie hat seinen Wert zu schätzen gelernt.

Die Figuren der Folge

Hauptfiguren
Nebenfiguren
Erste Auftritte
Letzte Auftritte

Ausblick

Dany und ihre Drachen nehmen Kurs auf Westeros: Beginnt bald der epische Kampf zwischen Feuer und Eis, auf den der Titel der Buchvorlage von GAME OF THRONES hindeutet?

Trotz der Gewalt, der vielen Tode und die Aussicht auf die großen Kriege, die da kommen werden, hat mich THE WINDS OF WINTER positiv gestimmt. Das Staffelfinale schenkt große Hoffnungen, wie schon in THE CHILDREN zwei Staffeln zuvor. Allerdings versandete die Euphorie aus dem Finale der vierten Staffel in einer ernüchternden fünften Staffel, in der unsere aufbegehrenden, jungen Helden mit den Härten der Realität konfrontiert wurden: Die starke Sansa musste die Grausamkeiten von Ramsay ertragen, Danys Herrschaft in Meereen brach auseinander, Aryas Ausbildung in Braavos verlief nicht so wie gedacht und Jon wurde für sein weitsichtiges Regieren von den eigenen Leuten ermordet. Die sechste Staffel macht wieder neuen Mut: Alle bekommen eine zweite Chance, haben aus ihren Fehlern gelernt und sind ihrem Ziel jetzt näher als zuvor. Danys Eroberung von Westeros steht nichts mehr im Wege. Durch die Unterstützung der noch unversehrten Armee aus Dorne und den immer noch mächtigen Tyrells sowie ihren eigenen Truppen aus Unsullied, Dothrakis und drei verdammt riesigen Drachen dürfte sie wie schon ihr Vorfahr Aegon leichtes Spiel haben, solange der angebrochene Winter ihre Flamme nicht zum versiegen bringt.

 

Doch wie werden sich die Starks zur Drachenkönigin verhalten? Kann ihr Neffe Jon sie von der Bedrohung der White Walkers überzeugen? Wie kann in all dem Chaos Littlefinger noch seine großen Ambitionen vollenden? Was für eine Zukunft haben Bran und Arya? Wie findet der in der Bibliothek von Oldtown verschwundene Sam wieder den Anschluss zur Hauptgeschichte? In zwei verkürzten Staffeln wollen Benioff und Weiss die Erzählung zu Ende bringen. Ermüdungserscheinungen machen sich bei ihnen bemerkbar. Nach den vielen Überraschungen, Ablenkungen und falschen Fährten in den vorherigen Staffeln marschiert die Handlung stramm auf ein klares Ziel zu, alles passiert wie erwartet. Ist das Ende doch nicht so kompliziert, wie frühere Staffeln uns glauben ließen? Oder haben die Fans die Tricks der Serie längst durchschaut? Ob nun überraschend oder nicht, solange der Fokus weiterhin auf eine spannende Inszenierung wie in der King’s Landing-Sequenz liegt und wir weiterhin so wundervolle, emotionale Momente bekommen wie der zwischen Dany und Tyrion, bin ich mit allem zufrieden.


  You are in the great game now. And the great game is terrifying.     Tyrion Lannister

Andere Gedanken:

  • Der Titel der Folge bezieht sich auf den gleichnamigen, noch unveröffentlichten sechsten Band der A SONG OF ICE AND FIRE-Saga. Ob die sechste Staffel bereits die Highlights des Buches vorweg genommen hat, lässt sich schwer sagen. Martins Art, die Geschichte zu erzählen, wird jedenfalls länger und ausschweifender. Außerdem hat er noch größere Wendungen im Buch angekündigt mit Figuren, die in der Serie bereits tot sind. Es wird jedenfalls sehr interessant sein zu beobachten, wie sehr die Serie jetzt die kommenden Bücher beeinflusst.
  • Die weißen Raben von Oldtown haben es bestätigt: Winter is here. Ändern die Starks in der kalten Jahreszeit ihr Motto in „Told ya“? Die lange Nacht bricht herein, die Zeit der White Walker ist gekommen. Werden sie einen Weg finden, den magischen Schutzwall der Mauer zu durchbrechen?
  • The book says no. Sams Besuch in Oldtown und die Szene an der Rezeption der Zitadelle waren großartig. Genau der comic relief, den wir nach King’s Landing gebraucht haben.
  • Der Anblick der gewaltigen Bibliothek von Oldtown brachte nicht nur den guten Sam ins Staunen. Bestimmt findet sich in irgendeinem Regal genau das Buch, das Sam verrät, wo die Schwachstelle der White Walker liegt (außer Drachenglas, Feuer und valyrischer Stahl), womit er die Welt retten wird. Mein Tipp: es ist die linke Kniescheibe. Davon abgesehen: Das Detail mit den riesigen Armillarsphären, die an der Decke der Bibliothek hingen, beziehen sich auf jenes Astrolabium, dass wir jedes Mal im Vorspann sehen. Das astronomische Gerät, welches ebenfalls die Geschichte von Westeros bildhaft abbildet, sei nach Angaben von D&D die Erfindung eines nerdigen Maesters in der Zitadelle, dessen Weltmaschine die Kamera in der Titelsequenz abfilmt.
  • Also ist Margaery doch nicht die junge Königin, die Cersei der Prophezeiung nach zu Fall bringen wird. Gott sei Dank gibt es noch genügend andere Damen, die diesen Platz einnehmen können: Dany, Sansa, Yara…
  • Davos konfrontiert Melisandre und lässt die Rote Priesterin durch Jon bestrafen. Dieser verbannt seine „Lebensretterin“ aus dem Norden. Was hat der Lord of Light noch für die Hexe vorgesehen? Davos ist sicher nicht der einzige, der über ihren nicht erfolgten Tod enttäuscht ist.
  • Die Szene zwischen Jaime Lannister und Walder Frey war ebenfalls gut geschrieben und ausgespielt. Die Parallelen, die der Lord der Twins zwischen sich und dem Königsmörder zieht, lassen nicht nur Jaime schaudern. So, wie es bestimmte Abstufungen von Ehre existieren, gibt es in Westeros auch Abstufungen von Ehrlosigkeit. Die von Jaime ist nur pragmatisch, die von Lord Frey einfach nur widerlich und feige.
  • Frey-Pie: In der grausamen Pastete, die Arya ihrem Opfer Walder Frey vorsetzt, verdichten sich mehrere Referenzen. Zum einen spielt es auf den Frey Pie aus den Büchern an, den der diese Folge eingeführte Lord Manderly in Winterfell zu Ramsays Hochzeit den anwesenden Freys serviert. Es wird suggeriert, dass der Lord von White Harbour in die Fleischpastete einige Freys verarbeitet hat. Darüber hinaus nimmt die Pastete ebenso Bezug zu der Legende des Rat Cook, die Bran in MHYSA in erzählerischer Spiegelung zu den Ereignissen der Red Wedding erzählt: Als ein Koch an der Mauer von einem zu Besuch kommenden König beleidigt wird, tötet er dessen Sohn und verarbeitet ihn in einer Pastete, die er dem verhassten König serviert. Daraufhin bestraften ihn die Götter für den Verstoß gegen das heilige Gesetz, einen Gast im eigenen Hause ermordet zu haben. Der Koch wurde in eine Ratte verwandelt, der sich nur noch von den eigenen Kindern ernähren konnte. Das Verarbeiten von Kindern zu Pastete hat auch in unserer Welt eine lange literarische Tradition, die von der griechischen Sage von Atreus und Thyestes über Shakespeares TITUS ANDRONICUS bis hin zur legendären SOUTH PARK-Folge SCOTT TENORMAN MUST DIE reicht, in der Cartman auf ähnliche Weise sich an seiner Nemesis aus der sechsten Klasse rächt („Na na na na na na, I made you eat your parents“)
  • Wird Arya noch auf die Idee kommen, ihren Onkel Edmure zu befreien, wo sie schon einmal dabei ist? Der Ärmste befindet sich nämlich doch nicht im goldenen Casterly Rock. Interessant ist auch, was die Zukunft für Arya bereit hält: Wird sie jetzt als Ein-Frau-Killertruppe durch Westeros ziehen und mit ihren neuen Fertigkeiten die verbliebenen Namen ihrer Liste – allen voran Cersei – streichen? Was für eine tolle Vorstellung es doch wäre, wenn Arya den Night’s King mit einem Drachenglas-Dolch ausschaltet, in dem sie sich als verkleideter White Walker in sein Lager einschleicht…
  • Woher hatte Arya eigentlich das Gesicht der Magd? Hat sie selbst die Magie erlernt, sich Gesichter zu besorgen und sie zu tragen, oder hat sie beim Verlassen des House of Black and White einen Sack voll mitgehen lassen?
  • Wie kam Arya eigentlich so schnell in die Riverlands? Und warum ist Varys in der letzten Einstellung wieder auf dem Schiff, wenn er doch gerade noch in Dorne gewesen ist? Wenn er schon mit Lichtgeschwindigkeit reist, kann er dann nicht Dany zeigen, wie man Raum und Zeit überwindet, damit sie schneller in Westeros ankommt?
  • Gefährliche Vögelchen: Gruselig, diese kleinen Kinder mit ihren Dolchen. Pycelles Tod war fies.
  • In der Aufzählung der starken Frauenfiguren habe ich natürlich die großartige Lady Mormont vergessen, die in den Hallen von Winterfell die harten Lords des Nordens mal wieder als Weicheier dastehen lässt. Nach nur drei Folgen liebe ich den Charakter über alles. Die Lücke in meinem Herzen, die Shireen hinterlassen hat, beginnt sich wieder zu füllen.
  • Nicht nur die jungen Damen, sondern auch die alten haben es in Westeros noch faustdick hinter den Ohren: Lady Olennas Auftritt in Dorne war grandios. Mit gekonnt souveräner Schlagfertigkeit bringt sie die taffen Sand Snakes zum Schweigen. Snap! Es war die beste Entscheidung, den in der fünften Staffel verunglückten Dorne-Plot so lange ausgespart zu haben und jetzt im Doppelpack mit der Queen of Thorns wieder einzuführen. Wieder einmal haben die Autoren ihre Fehler eingesehen und zwinkern ihren kritischen Fans zu, in dem sie Lady Olenna gerade der Tyene Sand über den Mund fahren lässt, bevor sie wieder etwas Peinliches sagt wie „You want a good girl, but you need the bad pussy“…
  • Sansas Erscheinen mit Littlefinger in BATTLE OF THE BASTARDS und der Grund, warum sie nicht von seinem Kommen erzählt hat, werden nicht weiter vertieft. Breiten wir einfach den Mantel des Schweigens über diese holprige Erzählpassage…
  • Für die Hardcore-Fans, die bis zu den letzten Gedanken durchhalten: Danke, dass ihr meine Recaps wieder so fleißig gelesen habt! Und besonders vielen Dank für die vielen Anregungen, Kommentare und Diskussionen. Es war mal wieder eine spannende Reise. Freue mich auf’s nächste Mal. Bis dahin: Summer is coming!
  • Update! Die Jungs von fortsetzung.tv, Jenny Jecke von Moviepilot und meine Wenigkeit haben zum Abschluss der sechsten Staffel wieder einen gemeinsamen Podcast gemacht, in der wie nicht nur die letzte Folge, sondern auch die ganze Staffel noch einmal Revue passieren ließen. Hier ist der Link, Viel Spaß!
© HBO

 

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