von Lida Bach31. August 2012
„Niemand heißt Ihre Gerichtssaal-Spielchen gut“, ermahnt das Hohe Gericht in einer frühen Szene von Takashi Miikes Computerspiel-Courtroom-Drama den Staatsanwalt Miles Edgeworth (Takumi Saito). Einspruch! Einspruch ist das entscheidende Wort der Kinoadaption des gleichnamigen PC-Spiels, die Science-Fiction, Fantasy und amerikanischen Gerichtsfilm zu einem überdrehten Debattierclub bündelt. Einspruch ist der mit einem anklagenden Finge...
von Ciprian David29. Mai 2011
Ein Samurai begeht Harakiri. Fast aus der Vogelperspektive nimmt es die Kamera auf: die Unifomität des Bodens, ein weißes Papier vor ihm, der Wakizashi mit weißem Griff als Symbol der moralischen Integrität des Mannes. Eine Aufnahme, wie ein Mikroskop sie darstellen würde, ein Fakt. Das Leben eines Samurais findet nur im Rahmen eines schwarz-weißen Codex von Gesetzen statt, es gibt dabei kein Grau. Und wenn es welches geben sollte, dann ist...
von Ciprian David21. Oktober 2010
Der Begriff Kult ist mit Sicherheit einer der meistverwendeten, wenn Film diskutiert wird, die Bedeutung dahinter jedoch eher schwammig. Um das Wort entstehen Assoziationen wie Fangemeinde, DVD-Abende, Insider-Tipps, Kreis von Eingeweihten, Evergreen, außergewöhnlich bis exotisch, gute Filme oder gar so schlecht, dass sie irgendwie gut sind. So divergent diese Ansätze auch sind, ist es allmählich deutlich, dass Kultfilme die Eigenschaft besit...
von Ciprian David20. Oktober 2010
Shakespeare, Rosenkrieg als Spaghetti-Western, ein fiktiver, nach Tarantinos Methoden zusammengebastelter Raum, Tarantino selbst als Nebencharakter und, neben dem Zitieren fremder Werke, ein Haufen Verweise auf frühere Filme fügen sich mit Sukyiaki Western Django zu einem selbstreferenziellen Film zusammen.Miikes Western ist ein manifestes postmodernes Werk, eine Ikone der Popkultur, die es nicht scheut, Vorhandenes von Weltliteratur über Comi...
von Ciprian David19. Oktober 2010
Mit Ichi the Killer kehrt Miike zurück ins Milieu der Yakuza-Gangs, dieses Mal aber, um es wie nie zuvor einem Konzept unterzuordnen. Als visuelles Merkmal des Films sondert sich die Gewaltdarstellung ab und tritt in den Vordergrund. Gewaltdarstellung ist zunächst das Element, das die meisten Fans um den Regisseur gruppiert. Und der Konsum dieser Gewalt wird zum zentralen Thema des Films.In dieser Hinsicht werden zunächst die Charaktere sehr e...
von Ciprian David18. Oktober 2010
Mit Sicherheit einer der politisch harmlosesten Filme des Regisseurs, knüpft der Film an das in Visitor Q angerissene Thema an. Die Katakuris sind auch eine Familie auf der Suche nach dem Glück. Doch, im Unterschied zur Familie in Visitor Q, sind sie sich dessen bewusst. Dafür werden sie von Miike belohnt, denn die Ursachen des Unglücks dieser Ausgestoßenen liegen außerhalb der Familie: der Film ist eine Kritik an dem wirtschaftlichen Syste...
von Ciprian David17. Oktober 2010
Mit Visitor Q widmet sich Miike ausschließlich einem seiner wichtigsten Themenkomplexe: der Integrität der Familie als Form des Glücks. Die Protagonisten sind wieder Ausgestoßene, die Ursache ihres gesellschaftlichen Versagens ist aber die direkte Folge ihres Versagens als Mitglieder der Familie. Das Lebensritual der Familie wurde auf bloße Routine reduziert, auf Form. So erfüllen sie alle ihre Rollen, verspüren aber nicht mehr die emotion...
von Ciprian David16. Oktober 2010
In Sache Erzählrhythmus beinah symmetrisch zu Dead or Alive konstruiert, ist Audition für das große Publikum ein solider Beweis von Miikes Vielseitigkeit als Regisseur. Die erste Hälfte des Films, als melodramatische Idylle aufgebaut, gleitet sehr subtil in einen Thriller hinüber, um sich Richtung Ende in einen alptraumhaften Horror zu verwandeln.Wie in Death or Alive ist die Gewaltdarstellung auch ironisch konnotiert, doch die Ironie gehör...
von Ciprian David15. Oktober 2010
Die Mehrzahl der Filme Miikes vor Dead or Alive waren Yakuza-Filme. Sie sind fast ausschließlich für das V-Cinema produziert worden, mit Auswirkungen auf das verfügbare Budget, aber implizit auch auf die kreativen Freiheiten, was einem Regisseur einiges an Improvisation abverlangt, aber auch erlaubt. In der Regel galt, so Tom Mes, dass eine bestimmte Anzahl von genretypischen Szenen die einzige Vorgabe für die Filme war. Im Notfall sollten di...
von Ciprian David14. Oktober 2010
Am 17. September veröffentlichte Rapid Eye Movies im Rahmen der Edition Asien die DVD zu The Happiness of The Katakuris. Aus diesem Anlass starten wir eine kleine Artikelserie zum japanischen Regisseur Takashi Miike. Über acht Tage und ebensoviele kurze Beiträge wird ein Portrait des Regisseurs anhand sechs seiner Filme und der Thematisierung seiner Rezeption skizziert. Der heutige Text markiert den Auftakt.Mit 82 Filmen in nicht einmal 20 Jah...