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Matthias Wannhof - Unmögliche LektürenIn der ersten Riege zeitgenössischer europäischer Autorenfilmer ist Michael Haneke der prominenteste, wenn es darum geht, die Abneigung der Kritiker auf sich zu ziehen. Es schlagen sich natürlich nicht alle auf diese Seite, aber in den meisten Fällen die, die mit der Gewohnheit Hanekes, durch seine Filme den Zuschauern und somit auch den Kritikern, einen Platz in seinen bourgeois kompartimentierten filmischen Weltkonstruktionen zuzuweisen, nichts anfangen können.

Andererseits sind die Filme Hanekes das, was sich als “Kritkerfood” bezeichnen ließe: Sie bieten viele Anhaltspunkte, die zum Gegenstand kritischer Auseinandersetzungen werden können. Ebenso bieten sich die Filme durch diese Eigenschaft als Gegenstand akademischer Untersuchung an. Einer dieser Anhaltspunkte wird von Matthias Wannhoff in UNMÖGLICHE LEKTÜREN – ZUR ROLLE DER MEDIEN IN DEN FILMEN MICHAEL HANEKES verfolgt, ausgehend von zwei stets wiederkehrenden Motiven in den Werken des Regisseurs: die „nicht-verstehbaren“ Ereignisse in der Handlung und die prominente Rolle störungsbehafteter Medien.

Wannhoff untersucht die Verbindung zwischen den zwei genannten Aspekten der Werke Hanekes ausgehend von der Prämisse, dass dieses Nicht-Verstehbare mit dem Unlesbaren der zeitgenössischen Medien zusammenfällt. Er sieht daher technikzentrierte Medientheorie als Untersuchungsinstrument der Filme als aufschlussreicher an als die textbasierte Hermeneutik. Ferner geht diese Entfernung von Film als ein Textmedium mit der Überzeugung einher, dass Hanekes Filme als dialektische Plattformen zu sehen sind, also als Plattformen, auf welchen ein Diskurs prozessiert wird. Wannhoff untersucht dies an drei zentralen Filmen:

„BENNY’S VIDEO entpuppt sich als die Inszenierung einer medial ermöglichten Lektüre-Verweigerung durch den jugendlichen Protagonisten; die Serienkiller in FUNNY GAMES sind Stellvertreter einer Destruktion von Linearität, welche einen epistemologischen Keil zwischen die Systeme Alphabet und Apparatur einerseits, Analog- und Digitaltechnik andererseits treibt; in CACHÉ schließlich scheitert die bücherversessene Hauptfigur an der Autorlosigkeit technisch generierter Bilder.“

UNMÖGLICHE LEKTÜREN – ZUR ROLLE DER MEDIEN IN DEN FILMEN MICHAEL HANEKES nimmt eine mit viel Potenzial beladene Perspektive, sowohl im Diskurs zwischen Hermeneutik und Medientheorie, als auch aus Sicht des Zuschauers, in Hinblick auf die Revidierung der eigenen Beziehung zur Abgeschlossenheit in den Filmen Michael Hanekes.

© Kulturverlag Kadmos

© Kulturverlag Kadmos

 
UNMÖGLICHE LEKTÜREN
ZUR ROLLE DER MEDIEN IN DEN FILMEN MICHAEL HANEKES
Matthias Wannhoff
176 Seiten

Kulturverlag Kadmos
Berliner Programm einer Medienwissenschaft Bd. 7
Oktober 2013
ISBN: 978-3-86599-155-3
22.50 €

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